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Quickborn plant für 2027 erneut mit einem erheblichen Defizit. Gleichzeitig fehlt auch im laufenden Zahlungsverkehr Geld, die Verschuldung steigt und bis 2030 steht ein Investitionsprogramm von mehr als 72 Millionen Euro an. Der erste Haushaltsentwurf zeigt damit weniger ein Problem einzelner Projekte als ein grundsätzliches Missverhältnis zwischen laufenden Einnahmen und Ausgaben.
Inhalt
- Die wichtigsten Zahlen
- Fast 15 Millionen Euro Minus – Jahr für Jahr
- Das Eigenkapital schmilzt
- Quickborn hatte schon immer defizitäre Haushalte
- Das eigentliche Problem: die Liquidität
- 72 Millionen Euro Investitionen
- Steigende Zinsbelastung
- Verwaltungsgemeinschaften: Einnahmen fallen weg
- Bücherei und „Dritter Ort“
- Freibad
- Goethe-Schule nur kurz betrachtet
- Fazit
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
| Kennzahl | Planung |
|---|---|
| Jahresfehlbetrag 2027 | 15,24 Mio. Euro |
| Fehlbeträge 2027 bis 2030 | 59,77 Mio. Euro |
| Liquiditätsdefizit laufende Verwaltung 2027 | 9,22 Mio. Euro |
| Investitionen 2027 bis 2030 | 72,15 Mio. Euro |
| Neue Investitionskredite 2027 bis 2030 | 44,07 Mio. Euro |
| Maximaler Kassenkreditrahmen | 30 Mio. Euro |
| Eigenkapital Ende 2025 | 68,71 Mio. Euro |
| Eigenkapital laut aktueller Planung | 2030 aufgebraucht |
Bei rund 22.500 Einwohnerinnen und Einwohnern entspricht allein der für 2027 geplante Jahresfehlbetrag rechnerisch ungefähr 677 Euro je Einwohner.
Das ist natürlich keine persönliche Rechnung, die jeder Quickborner irgendwann überweisen muss. Wirtschaftlich muss das Defizit aber getragen werden – durch spätere Haushalte, Steuern und Gebühren, geringere Leistungen, zusätzliche Verschuldung oder eine Kombination daraus.
Fast 15 Millionen Euro Minus – Jahr für Jahr
Für 2027 plant die Stadt mit Erträgen von rund 89,06 Millionen Euro und Aufwendungen von rund 104,30 Millionen Euro. Daraus ergibt sich ein Fehlbetrag von 15,24 Millionen Euro.
| Jahr | Jahresergebnis |
|---|---|
| 2025 Ist | –3,04 Mio. Euro |
| 2026 Plan | –12,58 Mio. Euro |
| 2027 Plan | –15,24 Mio. Euro |
| 2028 Plan | –14,94 Mio. Euro |
| 2029 Plan | –14,77 Mio. Euro |
| 2030 Plan | –14,81 Mio. Euro |
Von 2027 bis 2030 summieren sich die geplanten Fehlbeträge damit auf rund 59,77 Millionen Euro. Unter Einbeziehung des bereits für 2026 geplanten Defizits sind es sogar rund 72,34 Millionen Euro.
Das Auffällige ist weniger ein einzelnes schlechtes Jahr. Die Planung kommt über den gesamten Zeitraum bis 2030 nicht annähernd zu einem ausgeglichenen Haushalt.
Damit spricht vieles für ein strukturelles Problem: Die laufenden Einnahmen reichen dauerhaft nicht mehr aus, um die laufenden Aufwendungen zu decken.
Das Eigenkapital schmilzt
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Eigenkapital. Quickborn verfügte über viele Jahre über einen erheblichen finanziellen Puffer.
| Jahr | Eigenkapital |
|---|---|
| 2019 | rund 69,3 Mio. Euro |
| 2020 | rund 67,5 Mio. Euro |
| 2021 | rund 69,2 Mio. Euro |
| 2022 | rund 71,3 Mio. Euro |
| 2023 | rund 73,0 Mio. Euro |
| 2025 | rund 68,7 Mio. Euro |
Noch vor wenigen Jahren bewegte sich das Eigenkapital also weitgehend stabil um die 70-Millionen-Euro-Marke.
Nach dem aktuellen Haushaltsentwurf würde sich das grundlegend ändern. Die Stadt schreibt selbst, dass das Eigenkapital bei Eintritt der derzeit geplanten Jahresergebnisse im Jahr 2030 aufgebraucht wäre.
Sehr vereinfacht ergibt sich folgende Entwicklung, wenn man vom Eigenkapital Ende 2025 lediglich die geplanten Jahresfehlbeträge abzieht:
| Jahresende | rechnerische Größenordnung |
|---|---|
| 2025 | 68,7 Mio. Euro |
| 2026 | 56,1 Mio. Euro |
| 2027 | 40,9 Mio. Euro |
| 2028 | 25,9 Mio. Euro |
| 2029 | 11,2 Mio. Euro |
| 2030 | aufgebraucht |
Diese Tabelle ist keine offizielle Bilanzprognose, sondern dient lediglich der Verdeutlichung der Größenordnung.
Auch die Ausgleichsrücklage reicht nach der aktuellen Planung nicht lange. Zum Ende 2026 sollen dort noch rund 17,51 Millionen Euro vorhanden sein. Bereits 2028 soll sie aufgebraucht sein.
Das eigentliche Problem: Es fehlt auch tatsächlich Geld
Ein negatives Jahresergebnis ist nicht automatisch mit einem gleich hohen Geldabfluss verbunden. Abschreibungen oder Rückstellungen belasten beispielsweise das Ergebnis, ohne dass in diesem Moment Geld überwiesen wird.
Deshalb ist der Finanzhaushalt mindestens ebenso wichtig.
Und auch dort ist die Entwicklung problematisch.
Allein 2027 fehlen aus der laufenden Verwaltungstätigkeit rund 9,22 Millionen Euro Liquidität. Von 2027 bis 2030 summiert sich das laufende Liquiditätsdefizit auf rund 33,94 Millionen Euro.
Das bedeutet: Es fehlen nicht nur buchhalterische Erträge. Auch der laufende Zahlungsverkehr erzeugt ein erhebliches Minus.
Die Stadt stellt selbst fest, dass laufende Verwaltungsausgaben und Tilgungen teilweise über Kassenkredite finanziert werden müssen.
Der mögliche Kassenkreditrahmen soll deshalb von bisher 15 Millionen Euro auf 30 Millionen Euro verdoppelt werden.
Kassenkredite sind eigentlich dazu gedacht, kurzfristige Schwankungen im Zahlungsverkehr zu überbrücken. Werden sie dauerhaft benötigt, um laufende Aufgaben zu finanzieren, wird daraus ein strukturelles Finanzierungsproblem.
Quickborn ist damit noch nicht zahlungsunfähig. Die Planung zeigt aber einen Weg, der auf Dauer nicht unbegrenzt fortgesetzt werden kann. Bevor tatsächlich Rechnungen nicht mehr bezahlt werden könnten, würden Kreditgenehmigungen, Konsolidierungsauflagen und kommunalaufsichtliche Eingriffe zunehmend bestimmend.
Irgendwann geht es dann weniger darum, was politisch gewünscht wird, sondern darum, was finanziell überhaupt noch möglich ist.
72 Millionen Euro Investitionen – gleichzeitig fehlen laufende Einnahmen
Parallel dazu plant Quickborn von 2027 bis 2030 Investitionen von insgesamt rund 72,15 Millionen Euro.
Das entspricht rechnerisch mehr als 3.200 Euro je Einwohner.
Da aus dem laufenden Haushalt keine Überschüsse zur Finanzierung zur Verfügung stehen, sieht die Finanzplanung im gleichen Zeitraum rund 44,07 Millionen Euro neue Investitionskredite vor.
Kreditfinanzierte Investitionen sind für eine Kommune grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Schulen, Straßen oder andere Infrastruktur werden schließlich über Jahrzehnte genutzt.
Problematisch ist vielmehr die Kombination:
Quickborn muss große Investitionen finanzieren und benötigt gleichzeitig zusätzliche Kredite, um den laufenden Zahlungsverkehr abzusichern.
Steigende Schulden bedeuten steigende Zinsen
Die Folgen sind bereits im Haushalt sichtbar.
Die Zins- und sonstigen Finanzaufwendungen steigen von rund 2,04 Millionen Euro 2026 auf rund 2,61 Millionen Euro 2027. Bis 2030 wächst der Ansatz auf rund 3,42 Millionen Euro.
Damit werden jedes Jahr zusätzliche Haushaltsmittel gebunden, ohne dass dafür eine neue Leistung für die Bürger entsteht.
Auffällig ist auch der Ansatz für Kassenkreditzinsen. Er steigt 2027 von 150.000 Euro auf 470.000 Euro und bleibt anschließend bis 2030 auf dieser Höhe.
Gleichzeitig geht die Stadt davon aus, dass die Kassenkreditverbindlichkeiten weiter steigen werden. Welche Annahmen über Zinssätze und durchschnittliche Kreditbestände hinter dem konstanten Zinsansatz stehen, lässt sich aus dem Haushaltsentwurf nicht näher ableiten.
Verwaltungsgemeinschaften: Einnahmen fallen weg, Kosten bleiben teilweise
Quickborn erledigt Verwaltungsaufgaben für Bönningstedt, Hasloh, Ellerau und Ascheberg.
Ascheberg bleibt bestehen. Bönningstedt, Hasloh und Ellerau sind dagegen ab 2028 aus der Finanzplanung genommen.
Damit entfallen jährlich rund 3,42 Millionen Euro Erstattungen aus diesen drei Gemeinden.
Die damit verbundenen Verwaltungskosten verschwinden jedoch nicht vollständig. Die bisherigen Personalkosten werden ab 2028 der Quickborner Kernverwaltung zugeordnet und in der Planung lediglich pauschal um 30 Prozent reduziert.
Hinzu kommt: Die ausgewiesenen Vollkostenergebnisse der Verwaltungsgemeinschaften enthalten erhebliche interne Verrechnungen, unter anderem für Kommunit. Dabei handelt es sich um eine interne Verteilung zentraler Quickborner Kosten und nicht um zusätzliche Ausgaben.
Der Kernpunkt ist deshalb vergleichsweise einfach:
Quickborn verliert einen erheblichen Einnahmeblock, während ein großer Teil der Verwaltungsstruktur zunächst bestehen bleibt.
Ascheberg zeigt zugleich, dass das Modell bei entsprechender Vertragsgestaltung weiterhin wirtschaftlich funktionieren kann. Für 2027 wird dort auch nach internen Verrechnungen ein positives Ergebnis von rund 338.000 Euro geplant.
Bücherei und „Dritter Ort“: finanziell weitgehend beim bisherigen Niveau
Die Bücherei soll laut Haushaltsplan ausdrücklich im Sinne einer „Bibliothek als dritter Ort“ weiterentwickelt werden.
Einen größeren neuen Kostenblock findet man dafür im Haushalt allerdings nicht.
Die Aufwendungen der Bücherei steigen von rund 661.600 Euro im Jahr 2026 auf rund 686.500 Euro 2027. Das sind etwa 24.900 Euro beziehungsweise knapp vier Prozent mehr.
Darin enthalten sind unter anderem höhere Mietkosten, etwas höhere Aufwendungen für Veranstaltungen und Dienstleistungen sowie ein um 5.000 Euro erhöhter Zuschuss an den Büchereiverein.
Eine eigenständige größere Ausbauposition für den „Dritten Ort“ ist dagegen nicht vorgesehen.
Die ausdrücklich bezeichnete Investitionsmaßnahme „Projekt Dritter Ort Bücherei“ steht von 2027 bis 2030 jeweils bei null Euro.
Ein größerer finanzieller Ausbau ist in diesem Haushaltsentwurf damit nicht erkennbar.
Freibad: Zuschussbedarf erreicht rund eine Million Euro
Beim Freibad steigt das geplante Defizit von rund 847.600 Euro im Jahr 2026 auf rund 1,06 Millionen Euro 2027.
Besonders deutlich steigen die Personalkosten. Sie erhöhen sich von rund 414.000 Euro auf rund 604.000 Euro.
Auch in den Folgejahren bewegt sich der Zuschussbedarf ungefähr in der Größenordnung von einer Million Euro jährlich.
Das Freibad ist damit nicht die Ursache der gesamten Quickborner Haushaltsprobleme. Es zeigt aber beispielhaft, wie einzelne dauerhaft defizitäre Bereiche in einem ohnehin strukturell unausgeglichenen Haushalt zunehmend ins Gewicht fallen.
Goethe-Schule: hier nur kurz
Der Neubau der Goethe-Schule ist im Finanzplan fest eingeplant.
Für Schulneubau und OGS-Anteil sind von 2027 bis 2030 rund 24,55 Millionen Euro investive Bauauszahlungen vorgesehen. Hinzu kommen rund 1,80 Millionen Euro Abrisskosten.
Außerdem sind für die temporäre Unterbringung der Schülerinnen und Schüler einschließlich Nebenkosten bis einschließlich 2030 insgesamt rund 3,315 Millionen Euro eingeplant. Allein für 2030 stehen dafür noch rund 950.000 Euro im Haushalt.
Damit geht die Finanzplanung eindeutig davon aus, dass der Schulbetrieb während der Bauzeit das heutige Grundstück verlassen soll. Welcher Standort dafür genutzt wird, wird im Haushaltsplan selbst nicht benannt.
Die Haushaltsansätze sind allerdings nicht mit einer belastbaren Kostenobergrenze gleichzusetzen. In unserer gesonderten Kontrollkalkulation lag das mittlere Szenario für einen vollständigen Neubau unter Einbeziehung weiterer Kosten- und Risikofaktoren bei rund 50 Millionen Euro.
Auch eine Sanierung des bestehenden Gebäudes wäre nicht frei von erheblichen Kosten- und Schadstoffrisiken.
Die Goethe-Schule werden wir deshalb in einer eigenen Analyse ausführlicher betrachten.
Nicht jede schlechte Produktzahl bedeutet auch zusätzlichen Geldabfluss
Bei einzelnen Produkten muss genau hingesehen werden.
Abschreibungen, Pensions- und Beihilferückstellungen oder interne Leistungsverrechnungen können ein Produktergebnis erheblich verschlechtern, ohne dass in gleicher Höhe tatsächlich zusätzlich Geld abfließt.
Umgekehrt können Investitionen erhebliche Liquidität verbrauchen, obwohl sie im Ergebnishaushalt zunächst nur über spätere Abschreibungen sichtbar werden.
Deshalb reicht es nicht, einzelne Produktdefizite einfach zusammenzuzählen.
Für die finanzielle Lage der Stadt müssen Ergebnishaushalt, Finanzhaushalt, Verschuldung und Investitionen gemeinsam betrachtet werden.
Fazit: Das Problem ist nicht ein einzelnes Projekt
Der erste Haushaltsentwurf 2027 zeigt kein kurzfristiges Loch, das sich mit einigen kleineren Einsparungen schließen lässt.
Er zeigt vielmehr eine Stadt, die dauerhaft erheblich mehr ausgibt, als sie einnimmt.
Gleichzeitig fehlt Liquidität im laufenden Betrieb, die Verschuldung steigt und ein außergewöhnlich großes Investitionsprogramm steht bevor.
Noch kann Quickborn diese Entwicklung finanzieren.
Aber die Reserven sind endlich. Nach der eigenen Planung der Stadt wäre das Eigenkapital im Jahr 2030 aufgebraucht.
15,24 Millionen Euro Jahresdefizit 2027.
9,22 Millionen Euro Liquiditätsdefizit im laufenden Betrieb.
72,15 Millionen Euro Investitionen bis 2030.
44,07 Millionen Euro neue Investitionskredite.
30 Millionen Euro Kassenkreditrahmen.
Und ein Eigenkapital, das nach der aktuellen Planung innerhalb weniger Jahre vollständig verbraucht wäre.
Das sind keine theoretischen Rechengrößen. Defizite verschwinden nicht von selbst.
Sie werden zunächst durch Rücklagen und Kredite aufgefangen. Danach bleiben höhere Einnahmen, geringere Ausgaben, zusätzliche Hilfen oder weitere Verschuldung.
Und je länger ein strukturelles Defizit bestehen bleibt, desto stärker werden spätere Haushalte bereits durch Zinsen und bestehende Verpflichtungen gebunden.
Die entscheidende Frage lautet deshalb weniger, welches einzelne Projekt Quickborn sich noch leisten möchte.
Die entscheidende Frage wird zunehmend sein, welche Leistungen und Investitionen sich die Stadt dauerhaft überhaupt noch leisten kann.
Grundlage der Analyse
Grundlage ist der 1. Entwurf des Haushaltsplans 2027 ff. der Stadt Quickborn, Stand 26. August 2026. Ergänzend wurden veröffentlichte Haushalts- und Jahresabschlussdaten der Vorjahre sowie amtliche Einwohnerzahlen für die langfristige Einordnung herangezogen.
