Quickborns Haushalt war nicht schon immer schlecht – die Zahlen zeigen etwas anderes

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Immer wieder ist zu hören, die Haushaltslage der Stadt Quickborn sei doch eigentlich schon seit Jahren oder Jahrzehnten schlecht gewesen.

Ein Blick auf die tatsächlichen Jahresabschlüsse zeigt: So einfach ist es nicht.

Eine Stadt ist schließlich kein Unternehmen, das möglichst hohe Gewinne erwirtschaften soll. Das vernünftige Ziel ist auf Dauer ein ausgeglichener Haushalt – die berühmte schwarze Null. Gute und schlechte Jahre dürfen sich dabei durchaus abwechseln.

Und genau das ist in Quickborn lange passiert.

Auch vor der Doppik gab es deutliche Überschüsse

In den letzten Jahren der alten Kameralistik wurden folgende positive Rechnungsergebnisse festgestellt:

2005: +2,29 Mio. €
2006: +5,18 Mio. €
2007: +6,20 Mio. €

Zum 1. Januar 2008 stellte Quickborn auf die Doppik um. Damit änderte sich das Rechnungslegungssystem. Die alten kameralen Ergebnisse lassen sich deshalb nicht einfach mit den doppischen Jahresergebnissen zusammenrechnen.

Seit 2008: Jahresabschluss und laufender Saldo

JahrJahresergebnisSaldo seit 2008
2008–2.622.425 €–2.622.425 €
2009+614.675 €–2.007.750 €
2010–201.902 €–2.209.652 €
2011–2.187.693 €–4.397.345 €
2012–973.565 €–5.370.910 €
2013+821.929 €–4.548.981 €
2014+15.600 €–4.533.381 €
2015+946.320 €–3.587.061 €
2016+618.643 €–2.968.419 €
2017–255.252 €–3.223.671 €
2018–745.130 €–3.968.801 €
2019+1.789.399 €–2.179.402 €
2020–1.766.797 €–3.946.199 €
2021+1.688.693 €–2.257.506 €
2022+2.058.811 €–198.695 €
2023+1.776.419 €+1.577.723 €
2024–1.273.049 €+304.674 €
2025*–3.043.342 €–2.738.667 €

*2025 ist noch kein von der Ratsversammlung festgestellter Jahresabschluss. Im aktuellen Haushaltsentwurf 2027 wird 2025 aber bereits als Ergebnis des Vorvorjahres mit einem Fehlbetrag von 3.043.341,51 Euro ausgewiesen.

Bis Ende 2024 praktisch eine schwarze Null

Und genau hier wird es interessant:

Von 2008 bis einschließlich 2024 ergeben sämtliche doppischen Jahresergebnisse zusammengerechnet einen Überschuss von gerade einmal 304.674 Euro.

Über 17 Jahre sind das durchschnittlich knapp 18.000 Euro pro Jahr.

Bei einem städtischen Haushalt dieser Größenordnung kann man das ziemlich treffend als schwarze Null über einen langen Zeitraum bezeichnen.

Es gab schlechte Jahre. 2008, 2011 oder 2020 zum Beispiel. Es gab aber auch entsprechend gute Jahre wie 2019, 2021, 2022 und 2023.

Die Überschüsse haben die Fehlbeträge über die Jahre nahezu vollständig ausgeglichen.

Jetzt verändert sich die Größenordnung

2025 sieht bereits anders aus. Nach dem inzwischen vorliegenden Ist-Ergebnis liegt der Fehlbetrag bei rund 3,04 Millionen Euro.

Und für die kommenden Jahre plant die Stadt derzeit:

2026: –12,58 Mio. €
2027: –15,24 Mio. €
2028: –14,94 Mio. €
2029: –14,77 Mio. €
2030: –14,81 Mio. €

Allein für 2027 bis 2030 sind damit weitere rund 59,8 Millionen Euro Fehlbeträge vorgesehen. Unter Einbeziehung von 2026 wären es mehr als 72 Millionen Euro.

Die Verwaltung bezeichnet die Entwicklung selbst als weiterhin hoch defizitär.

Unser Fazit

Die Aussage, Quickborn habe „schon immer schlechte Haushalte“ gehabt, hält einem Blick auf die Jahresabschlüsse nicht stand.

Bis einschließlich 2024 war die doppische Bilanz der Jahresergebnisse über 17 Jahre hinweg nahezu exakt ausgeglichen.

Das Problem ist also nicht, dass es früher nie Fehlbeträge gegeben hätte. Natürlich gab es die.

Neu ist die Größenordnung.

Aus Schwankungen um die schwarze Null werden nun geplante jährliche Fehlbeträge von zwölf, fünfzehn Millionen Euro und mehr.

Und genau darüber muss gesprochen werden: nicht darüber, ob Quickborn irgendwann schon einmal ein schlechtes Haushaltsjahr hatte, sondern darüber, warum die Stadt jetzt dauerhaft in eine völlig andere finanzielle Dimension geraten soll.

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Quellen

Jahresabschlüsse und Haushaltsunterlagen der Stadt Quickborn, insbesondere Jahresabschluss 2021 sowie Haushaltsvorlagen 2026 und 2027.