Kategorie: Baum

  • Bahnhofstraße: 10.000 Euro für einen Baum – beim Standort sollte Quickborn nicht am falschen Ende sparen

    In der Bahnhofstraße soll im Herbst 2027 wieder ein Baum gepflanzt werden. Die Stadt Quickborn kalkuliert dafür rund 10.000 Euro einschließlich fünfjähriger Entwicklungspflege. Gepflanzt werden soll entweder eine Purpur-Erle oder eine Manna-Esche. Beide Arten sind fachlich nachvollziehbar. Auch über die Größe des Baumes muss nicht mehr diskutiert werden: Der Bebauungsplan schreibt bereits einen dreimal verpflanzten Hochstamm mit einem Stammumfang von 18 bis 20 Zentimetern vor.

    Interessanter sind zwei andere Punkte: Warum kostet die Pflanzung rund 10.000 Euro – und wie wird der durch den Brandkrustenpilz belastete Standort dauerhaft wieder fit gemacht?

    Ein Jahr warten – und dann ist der Pilz kein Problem mehr?

    Die frühere Linde musste wegen eines fortgeschrittenen Befalls mit dem Brandkrustenpilz gefällt werden. Der Pilz kann insbesondere Stammfuß und Wurzeln erheblich schädigen und dadurch die Stand- und Bruchsicherheit eines Baumes zerstören.

    Noch im Juni hatte die Stadt darauf hingewiesen, dass der Pilz längere Zeit an Wurzelresten und im Standort überdauern könne. Damals war vor einer Neupflanzung von einem aufwendigen Bodenaustausch die Rede.

    Die aktuelle Beschlussvorlage schlägt nun eine andere Vorgehensweise vor. Der Standort soll ein Jahr unbepflanzt bleiben. Dadurch könne der erforderliche Erdaustausch im Herbst 2027 auf ein „absolutes Minimum“ reduziert werden. Würde bereits 2026 gepflanzt, rechnet die Verwaltung mit zusätzlichen rund 10.000 Euro für Bodenaustausch. Als Begründung verweist sie auf gute Erfahrungen anderer Verwaltungen, ohne diese näher zu benennen. Baum.pdf

    Fachlich ist dabei vor allem eines wichtig: Warten allein saniert einen mit Brandkrustenpilz belasteten Standort nicht. Der Erreger kann in befallenem Holz und Wurzelmaterial weiterleben. Fachinformationen empfehlen deshalb insbesondere bei einer erneuten Pflanzung die Entfernung befallener Stubben und Wurzeln. Bleibt solches Material im Boden, kann der Pilz dort noch über Jahre aktiv bleiben.

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    Vielleicht lieber länger warten und den Standort richtig umbauen?

    Damit stellt sich eine andere Frage: Muss dort überhaupt schon im Herbst 2027 wieder ein Baum stehen?

    Fachlich wäre es durchaus vertretbar, einen problematischen Straßenbaumstandort nicht möglichst schnell wieder zu bepflanzen, sondern zunächst grundlegend herzurichten – sofern die Festsetzungen des Bebauungsplans und eine mögliche Ersatzpflanzungsverpflichtung den späteren Pflanztermin zulassen.

    Das könnte bedeuten: verbliebene Stubben und problematische Wurzelreste entfernen, befestigte Flächen soweit sinnvoll aufnehmen, den Boden auskoffern und statt einer kleinen Öffnung im Pflaster ein vernünftiges Baumquartier beziehungsweise eine größere Pflanzinsel herstellen. Anschließend kann der neue Baum gepflanzt werden, wenn der Standort tatsächlich dafür vorbereitet ist.

    Das hätte sogar unabhängig vom Brandkrustenpilz Vorteile. Bei Straßenbäumen ist der verfügbare Wurzelraum entscheidend für ihre langfristige Entwicklung. Die FLL-Empfehlungen gehen für die Anfangsentwicklung bereits von mindestens etwa 12 Kubikmetern durchwurzelbarem Raum aus. Die GALK weist ausdrücklich darauf hin, dass selbst dieses Volumen nur ein Mindestmaß für die ersten Standjahre ist. Moderne Baumstandorte werden deshalb teilweise erheblich größer angelegt.

    Auch eine größere unversiegelte Pflanzinsel kann sinnvoll sein: mehr Niederschlagswasser erreicht den Boden, der Gasaustausch wird verbessert und der Wurzelbereich ist weniger stark den typischen Belastungen kleiner Baumscheiben ausgesetzt.

    Eine mehrjährige Pause wäre dabei allerdings keine Behandlung des Pilzes. Sie würde lediglich die Möglichkeit schaffen, den Standort ohne Zeitdruck ordentlich herzurichten. Der entscheidende Schritt bleibt die fachgerechte Entfernung belasteten Materials und die Herstellung eines dauerhaft geeigneten Wurzelraumes.

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    Warum kostet die Pflanzung 10.000 Euro?

    Natürlich kostet nicht der Baum selbst 10.000 Euro. Hinzu kommen unter anderem Pflanzgrube, Bodenvorbereitung, Substrat, Transport, Pflanzung, Verankerung, Bewässerung und anschließend fünf Jahre Entwicklungspflege.

    Vergleichbare Straßenbaumpflanzungen werden andernorts teilweise deutlich günstiger angegeben. Ein direkter Vergleich ist wegen unterschiedlicher Standorte und Pflegezeiträume zwar nur eingeschränkt möglich. Umso interessanter wäre, wie sich die rund 10.000 Euro in Quickborn konkret zusammensetzen.

    Berlin nennt beispielsweise für vollständige Straßenbaumpflanzungen einschließlich mehrjähriger Pflege Größenordnungen von etwa 3.000 bis 4.000 Euro. Hamburg gibt für Bodenvorbereitung und Pflanzung durchschnittlich ungefähr 3.500 Euro an. Dort gehören unter anderem eine große Pflanzgrube, geeignetes Substrat, Baumpfähle und Baumschutzbügel zum Aufwand.

    Der Standort in der Quickborner Bahnhofstraße ist allerdings anspruchsvoll. Die Umgebung ist intensiv befestigt und zusätzlich besteht die Vorgeschichte mit dem Brandkrustenpilz. Ein höherer Aufwand kann deshalb fachlich vollkommen nachvollziehbar sein.

    Dann sollte man ihn aber auch betreiben.

    Wenn eine fachgerechte Straßenbaumpflanzung derzeit nicht finanzierbar ist, kann man sie auch verschieben. Einen Baum billig zu pflanzen, obwohl der Standort dafür noch nicht vernünftig vorbereitet ist, wäre jedenfalls keine Sparmaßnahme.

    Oder etwas einfacher formuliert: Wenn man sich einen Baum einschließlich eines dauerhaft geeigneten Standortes nicht leisten kann, kann man ihn eben noch nicht pflanzen. Vielleicht ist das eine Erkenntnis, die ebenso wie der künftige Baum erst noch etwas reifen muss.

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    Wenn Autos ein Risiko sind: Anfahrschutz gleich mitplanen

    Die Verwaltung begründet die vorgesehene Baumqualität unter anderem damit, dass kleinere Bäume im Straßenraum häufiger mechanischen Schäden beispielsweise durch Parkvorgänge ausgesetzt seien.

    Wenn an diesem Standort tatsächlich mit Schäden durch rangierende oder parkende Fahrzeuge gerechnet wird, sollte dieser Punkt gleich bei der Planung berücksichtigt werden.

    Die üblichen Holzpfähle beziehungsweise ein Drei- oder Vierbock dienen vor allem der Stabilisierung eines frisch gepflanzten Baumes während der Anwachsphase. Für einen gezielten Fahrzeugschutz gibt es dagegen Baumschutzbügel oder entsprechende Anfahrschutzelemente.

    Hamburg führt Baumschutzbügel beispielsweise ausdrücklich als Bestandteil von Straßenbaumpflanzungen auf. Auch kommunale Pflanzstandards sehen einen solchen zusätzlichen Schutz dort vor, wo Anfahrschäden zu erwarten sind.

    Wenn ohnehin rund 10.000 Euro investiert werden und das Risiko in der Vorlage selbst angesprochen wird, sollte der neue Baum deshalb nicht nur gepflanzt, sondern gleich vernünftig geschützt werden.

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    Lieber später richtig als zweimal bezahlen

    Die Nachpflanzung in der Bahnhofstraße ist sinnvoll. Und beim Baum wäre der falsche Beginn des Sparens ausgerechnet der Standort.

    Ein Straßenbaum soll dort nicht fünf Jahre stehen, sondern im besten Fall viele Jahrzehnte. Wenn dafür ein größerer Bodenaustausch, die Entfernung alter Wurzeln, eine größere Pflanzinsel, ein besserer Wurzelraum oder ein Anfahrschutz notwendig sind, sollte man das bei einer solchen Investition konsequent umsetzen.

    Vielleicht wäre es sogar wirtschaftlicher, die Fläche noch einige Zeit unbepflanzt zu lassen, den alten Standort vollständig aufzunehmen und daraus ein ordentlich dimensioniertes Baumquartier zu machen. Danach könnte dort unter deutlich besseren Voraussetzungen neu gepflanzt werden.

    Denn 10.000 Euro für einen Baum, der anschließend jahrzehntelang wächst, Schatten spendet und die Bahnhofstraße aufwertet, können gut angelegtes Geld sein.

    10.000 Euro für eine Pflanzung, bei der später festgestellt wird, dass am Wurzelraum, am belasteten Boden oder am Schutz des Baumes gespart wurde, wären es nicht.

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    Und die Sache mit der Hitzeinsel …

    Einen kleinen redaktionellen Treffer liefert die Vorlage ebenfalls.

    Unter „Auswirkungen auf Klima, Umwelt und Natur“ steht tatsächlich:

    „Schaffen von Hitzeinseln durch Schattenspendende Bäume“. Baum.pdf

    Gemeint ist selbstverständlich genau das Gegenteil: Reduzierung von Hitzeinseln durch schattenspendende Bäume.

    Kann passieren. 😉

    Aber wenn eine öffentliche Beschlussvorlage schon über die langfristige Entwicklung eines Baumes entscheidet, darf vielleicht auch die interne Qualitätskontrolle noch ein wenig wachsen.

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    Quellen

    • Stadt Quickborn: Beschlussvorlage VO/2026/Q/1114 „Ersatzpflanzung Bahnhofstraße“, 08.09.2026. Die Vorlage nennt rund 10.000 Euro für die Pflanzung 2027 einschließlich Entwicklungspflege sowie zusätzlich rund 10.000 Euro Bodenaustausch bei einer Pflanzung 2026. Baum.pdf
    • Stadt Quickborn: Pressemitteilung zum Brandkrustenpilz und zur gefällten Linde in der Bahnhofstraße, Juni 2026.
    • University of Massachusetts Amherst: „Root and Butt Rot caused by Kretzschmaria deusta“. Empfehlung zur Entfernung infizierter Stubben und Wurzeln bei entsprechender Neupflanzung; zurückbleibendes Material kann noch mehrere Jahre Fruchtkörper hervorbringen. [oai_citation:3‡Umass](https://www.umass.edu/agriculture-food-environment/landscape/fact-sheets/root-butt-rot-caused-by-kretzschmaria-deusta?utm_source=chatgpt.com)
    • Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK): Fachbeitrag zu Baumstandorten und Baumrigolen. Die nach FLL häufig angesetzten 12 m³ werden ausdrücklich nur als Mindestvolumen für die Anfangsentwicklung beschrieben. [oai_citation:4‡Galk](https://galk.de/component/jdownloads/send/51-presse-fachartikel/869-baumzeitung-02-2023-baumrigolen-doobe-streckenbach/?utm_source=chatgpt.com)
    • Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK): Positionspapier zur wassersensiblen Straßenraumgestaltung. Empfohlen werden große, baumbiologisch optimierte Baumgruben und erweiterte Wurzelräume; solche Standortverbesserungen werden ausdrücklich auch bei Ersatzpflanzungen genannt. [oai_citation:5‡Galk](https://www.galk.de/startseite/downloads/?catid=3&id=859%3Aflyer-positionspapier-wassersensible-strassenraumgestaltung-2023&task=download.send&utm_source=chatgpt.com)
    • Land Berlin: Stadtbaumkampagne. Hinweise zu Pflanzgruben, durchwurzelbarem Raum, Substrat, fachgerechter Pflanzung und Bewässerung bei Straßenbäumen. [oai_citation:6‡Berlin.de](https://www.berlin.de/sen/uvk/natur-und-gruen/stadtgruen/stadtbaeume/stadtbaumkampagne/?utm_source=chatgpt.com)
    • Bezirksamt Pankow von Berlin: „100 Bäume für Pankow“. Für komplette Straßenbaumpflanzungen einschließlich Baumgrube, Pflanzung, Sicherung und dreijähriger Entwicklungspflege werden etwa 3.000 bis 4.000 Euro genannt. [oai_citation:7‡Berlin.de](https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/verwaltung/artikel.222147.php?utm_source=chatgpt.com)
    • Freie und Hansestadt Hamburg: „Mein Baum – Meine Stadt“. Durchschnittlich rund 3.500 Euro für Bodenvorbereitung und Pflanzung; Baumpfähle und Baumschutzbügel gehören dort ausdrücklich zu den Maßnahmen. [oai_citation:8‡Hamburg.de](https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bukea/themen/hamburgs-gruen/baeume/faq-274362?utm_source=chatgpt.com)
    • Bezirksamt Mitte von Berlin: Beispiele für Entsiegelung, Vergrößerung von Baumscheiben und Verbesserung von Versickerungsflächen im Straßenraum. [oai_citation:9‡Berlin.de](https://www.berlin.de/ba-mitte/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/planung-entwurf-neubau/mehr-gruen-weniger-beton-entsiegelung-in-mitte-1339314.php?utm_source=chatgpt.com)

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