Kategorie: Bücherei

  • TO HUUS: Rund 2 Millionen Euro pro Jahr – was kommt auf Quickborn zu?

    TO HUUS soll Quickborns neuer „Dritter Ort“ werden: Stadtbücherei, Treffpunkt, Arbeits- und Aufenthaltsbereiche sowie Veranstaltungen mit bis zu mehr als 300 Menschen auf rund 2.000 Quadratmetern. Die Idee ist ambitioniert. Die Kosten dürften es ebenfalls sein.

    Unsere Modellrechnung kommt auf eine Größenordnung von rund 2 Millionen Euro Gesamtkosten pro Jahr.

    Gegenüber der heutigen Stadtbücherei wären das rund 1,3 Millionen Euro Mehrkosten jährlich.

    Und ausgerechnet diese zukünftigen Kosten sind im aktuellen Haushaltsentwurf bislang noch nicht abgebildet.

    Sagen wir es freundlich: Die Stadt Quickborn hat ihre Ausweisung im Haushalt bisher offenbar übersehen.

    Was ist TO HUUS?

    In der Bahnhofstraße soll ein Neubau entstehen. Im Erdgeschoss plant die Stadt eine rund 2.000 Quadratmeter große Multifunktionsfläche.

    Die heutige Stadtbücherei soll dorthin umziehen. Hinzukommen Lern-, Lese- und Arbeitsbereiche, Treffpunkte, Angebote für Vereine und Initiativen sowie Veranstaltungsflächen.

    Die Stadt selbst spricht von Veranstaltungen für 40 bis über 300 Personen und einer vier Meter hohen Decke.

    TO HUUS wird damit wesentlich mehr als eine größere Bücherei.

    Was kostet die Bücherei heute?

    Für 2027 weist der Quickborner Haushalt für die Stadtbücherei einen Gesamtaufwand von rund 686.500 Euro aus. Dazu gehören Personal, Räume, Medien, Dienstleistungen, Abschreibungen und weitere laufende Kosten.

    Nach Erträgen und internen Verrechnungen liegt der Zuschussbedarf des Produkts bei rund 674.000 Euro.

    Für die Größenordnung kann man deshalb sagen:

    Die heutige Bücherei kostet Quickborn rund 0,7 Millionen Euro im Jahr.

    Die alten Räume werden nicht eingespart

    Normalerweise könnte man bei einem Umzug sagen: Die alte Miete entfällt und finanziert einen Teil des neuen Standortes.

    Genau das passiert hier nicht.

    Der bestehende Mietvertrag für die Büchereiräume im Forum läuft weiter. Die Stadt hat erklärt, die Flächen nach dem Auszug der Bücherei für andere städtische Zwecke nutzen zu wollen.

    Wofür auch immer.

    Damit bleiben auch Miete und Nebenkosten der bisherigen Räume im städtischen Haushalt.

    Im Haushalt 2027 stehen dafür allein rund:

    • 110.000 Euro Miete
    • 63.600 Euro Bewirtschaftung

    Die Kosten verschwinden also nicht. Sie bekommen lediglich einen anderen Verwendungszweck.

    Was kommt mit TO HUUS neu hinzu?

    Hier beginnt unsere Modellrechnung.

    Wichtig: Die folgenden Zahlen sind keine Mietforderung des Bauherrn und keine offizielle Kalkulation der Stadt Quickborn.

    Sie sollen zeigen, welche Größenordnung bei einem solchen Projekt plausibel berücksichtigt werden müsste.

    TO HUUS entsteht nicht in einer vorhandenen einfachen Gewerbefläche. Es handelt sich um einen Neubau mit hoher Raumhöhe und Veranstaltungsnutzung für mehrere hundert Menschen.

    Entsprechend müssen unter anderem Lüftung, Brandschutz, Rettungswege, Sicherheitsbeleuchtung und die technischen Anforderungen eines Veranstaltungsbetriebes berücksichtigt werden.

    Eine normale Laden- oder Büromiete ist deshalb kein sinnvoller Vergleich.

    Für unsere Rechnung setzen wir bewusst vorsichtig an:

    Neue Miete: rund 700.000 Euro jährlich.

    Das entspricht knapp 30 Euro je Quadratmeter im Monat.

    Für einen eigens errichteten Neubau dieser Art ist das keineswegs außergewöhnlich hoch angesetzt.

    Betrieb: weitere rund 200.000 Euro

    Dazu kommen Heizung, Strom, Lüftung, Reinigung, Wartung, technische Unterhaltung und weitere Nebenkosten.

    Bei rund 2.000 Quadratmetern und einem Gebäude, das deutlich intensiver genutzt werden soll als die heutige Bücherei, rechnen wir konservativ mit:

    rund 200.000 Euro jährlich.

    Auch hier gilt: Erst eine konkrete technische Planung und Betriebskostenberechnung kann die tatsächliche Zahl liefern.

    Die Stadt erklärte auf eine Informationsanfrage selbst, dass eine detaillierte Betriebskostenermittlung erst möglich sei, wenn die Detailplanung von Gebäude und technischer Infrastruktur vorliegt.

    Einrichtung: rund 3 Millionen Euro

    Ein leerer Neubau ist noch keine Bibliothek und erst recht kein Dritter Ort.

    Benötigt werden unter anderem:

    • Bibliotheksregale und Möbel
    • Sitz- und Arbeitsbereiche
    • Veranstaltungsbestuhlung
    • Open-Library-Technik
    • RFID und Selbstverbuchung
    • IT- und Medientechnik
    • Präsentations- und Veranstaltungstechnik
    • Einbauten und weitere Ausstattung

    Für unsere Modellrechnung kalkulieren wir dafür rund 3 Millionen Euro Investitionskosten.

    Diese Summe taucht anschließend nicht einfach nur einmal im Finanzhaushalt auf.

    Sie muss nach den kommunalen Doppik-Regeln abgeschrieben werden.

    Bei einer Mischung unterschiedlicher Nutzungsdauern rechnen wir überschlägig mit:

    rund 300.000 Euro Abschreibungen jährlich.

    Kreditfinanzierung kostet zusätzlich Zinsen

    Die Einrichtung müsste voraussichtlich kreditfinanziert werden.

    Bei einem modellhaften Zinssatz von rund 3,5 Prozent entstehen zunächst weitere:

    rund 100.000 Euro Zinsen jährlich.

    Die Tilgung belastet zusätzlich die Liquidität im Finanzhaushalt.

    Die Rechnung auf einen Blick

    Unsere bewusst konservative Arbeitsrechnung für die zusätzlichen Kosten von TO HUUS:

    • Neue Miete: ca. 700.000 Euro
    • Betrieb und Nebenkosten: ca. 200.000 Euro
    • Abschreibungen Einrichtung: ca. 300.000 Euro
    • Zinsen: ca. 100.000 Euro

    Mehrkosten: rund 1,3 Millionen Euro pro Jahr.

    Dazu kommt der bestehende Aufwand der Stadtbücherei beziehungsweise der städtischen Nutzung der bisherigen Räume.

    Damit landet Quickborn in unserer Modellrechnung bei:

    Rund 2 Millionen Euro Gesamtkosten pro Jahr

    Das ist die eigentliche Größenordnung dieses Projektes.

    Kein zusätzliches Personal eingerechnet

    Wir haben dabei bewusst keinen Euro zusätzliches Personal angesetzt.

    Die Stadt hat mitgeteilt, dass nach derzeitigem Kenntnisstand für die Bibliothek kein zusätzliches Personal erforderlich sein soll.

    Der Stellenplan weist derzeit knapp vier Vollzeitstellen für die Stadtbücherei aus.

    Ob dieses Personal künftig neben dem Bibliotheksbetrieb auch einen rund 2.000 Quadratmeter großen Dritten Ort mit erweiterten Öffnungszeiten und Veranstaltungen für mehrere hundert Menschen betreiben kann, bleibt abzuwarten.

    Zusätzliche externe Kosten für Veranstaltungstechnik, Sicherheit, Reinigung oder andere Dienstleistungen sind in unserer Rechnung ebenfalls nicht gesondert enthalten.

    Fördermittel rechnen wir nicht schön

    Natürlich gibt es Förderprogramme für Bibliotheken, Digitalisierung oder einzelne technische Projekte.

    Solange dafür aber keine konkrete Bewilligung für TO HUUS vorliegt, gehört sie aus unserer Sicht nicht als sichere Gegenfinanzierung in die Rechnung.

    Die großen LuKIFG-Mittel der Stadt Quickborn lassen wir vollständig außen vor. Sie sind bereits für die Goethe-Schule verplant.

    Denselben Euro kann man schließlich nur einmal ausgeben.

    Und was steht davon im Haushalt?

    Genau hier liegt das Problem.

    Auf eine Informationsanfrage erklärte die Stadt selbst, dass für TO HUUS noch keine zusätzlichen Kosten im Ergebnisplan veranschlagt seien. Investitionen würden erst eingestellt, wenn konkrete Zahlen vorlägen und die sogenannte Veranschlagungsreife erreicht sei. Eine detaillierte Betriebskostenberechnung existiere ebenfalls noch nicht.

    Gleichzeitig gibt es das Projekt längst, Planungen laufen und die Stadt präsentiert TO HUUS öffentlich als künftigen zentralen Treffpunkt.

    Bei möglichen Mehrkosten in einer Größenordnung von rund 1,3 Millionen Euro jährlich ist die Frage nach den finanziellen Folgen deshalb keine Nebensache.

    Eine gute Idee braucht auch eine gute Kalkulation

    TO HUUS kann für Quickborn ein attraktiver Ort werden.

    Es geht nicht darum, Kultur, Bücherei oder Begegnung grundsätzlich infrage zu stellen.

    Aber gerade bei der angespannten Finanzlage der Stadt muss vor langfristigen Verpflichtungen klar sein:

    • Was kostet das Projekt?
    • Wie hoch ist die tatsächliche Miete?
    • Wer bezahlt welchen Ausbau?
    • Was kostet die Einrichtung?
    • Welche Betriebskosten entstehen?
    • Und wie sieht die Belastung des Haushalts über 20 oder 30 Jahre aus?

    Unsere Modellrechnung lautet derzeit:

    Rund 2 Millionen Euro Gesamtkosten pro Jahr – rund 1,3 Millionen Euro mehr als heute.

    Vielleicht wird es am Ende weniger.

    Vielleicht mehr.

    Eine belastbare Kalkulation der Stadt könnte das aufklären.

    Im aktuellen Haushaltsentwurf ist diese Kostenentwicklung bislang jedenfalls nicht zu erkennen.

    Wir verstehen unsere Rechnung deshalb einfach als kleine Unterstützung bei der Haushaltsplanung.

    Gern geschehen. 😉


    Quellen und weitere Informationen

    Weitere Hintergründe zu wichtigen Quickborner Projekten:
    Quickborn Aktuell – Themen