Kategorie: Jugendarbeit

  • Jugendkriminalität in Quickborn: unauffälliges Gesamtbild – starke Präventionsarbeit bleibt wichtig

    Die Zahlen zur Jugendkriminalität in Quickborn geben insgesamt keinen Anlass zur Sorge. Einzelne Deliktsgruppen fallen auf und müssen beobachtet werden. Ein genereller negativer Trend bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden lässt sich aus den vorgelegten Daten jedoch nicht ableiten. Gleichzeitig zeigt sich, wie wichtig die präventive Arbeit der Quickborner Stadtjugendpflege ist.

    Die aktuellen Zahlen stellte Herr Köhler von der Polizeidirektion Bad Segeberg, Station Quickborn, in der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Kinder, Jugend und Soziales vor. Betrachtet wurden Kinder, Jugendliche und Heranwachsende unter 21 Jahren mit Wohnsitz in Quickborn.

    Unser Fazit vorweg: Jede Straftat ist eine zu viel. Trotzdem sollte man die Zahlen so betrachten, wie sie sind. Für eine pauschale Diskussion über zunehmende Jugendkriminalität in Quickborn liefern sie keine Grundlage. Viel wichtiger ist, einzelne Entwicklungen früh zu erkennen und mit guter Präventionsarbeit darauf zu reagieren.



    1. Was die Polizei vorgestellt hat

    Im Ausschuss für Kinder, Jugend und Soziales ging es ausdrücklich um die Kriminalitätsentwicklung bei jungen Menschen. Herr Köhler von der Polizeidirektion Bad Segeberg, Station Quickborn, erläuterte die Polizeiliche Kriminalstatistik und die zugrunde liegenden Begriffe.

    Betrachtet werden dabei Kinder, Jugendliche und Heranwachsende unter 21 Jahren. Die von der Polizei vorgestellten Diagramme setzen die Zahlen teilweise ins Verhältnis zu jeweils 100 jungen Menschen. Das ist sinnvoll, weil absolute Fallzahlen allein nur begrenzt aussagekräftig sind.

    Das Protokoll hält außerdem fest, dass Veränderungen zwischen einzelnen Jahren nicht automatisch auf eine grundsätzliche Entwicklung schließen lassen. So erläuterte die Polizei einen Rückgang in einer Darstellung unter anderem damit, dass einzelne Personen inzwischen älter als 21 Jahre sind und deshalb aus dieser Statistik herausfallen.

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    2. 45 junge Menschen als Opfer erfasst

    Auf Nachfrage aus dem Ausschuss lieferte die Polizei zusätzlich Zahlen zu jungen Menschen, die selbst Opfer einer Straftat geworden sind.

    2025 wurden in Quickborn 45 Menschen unter 21 Jahren als Opfer einer Straftat registriert. Im Jahr 2024 waren es 54.

    Die 45 im Jahr 2025 erfassten Opfer verteilen sich auf:

    • 1 Kind unter 6 Jahren,
    • 16 Kinder zwischen 6 und 13 Jahren,
    • 17 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren,
    • 11 Heranwachsende zwischen 18 und 20 Jahren.

    Im Jahr 2024 waren 54 junge Menschen als Opfer erfasst worden: ein Kind unter sechs Jahren, 20 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren, 22 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sowie elf Heranwachsende zwischen 18 und 20 Jahren.

    Damit ist die Zahl der erfassten jungen Opfer gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Auch hier gilt: Jede einzelne Straftat ist eine zu viel. Die Zahlen rechtfertigen aber keine dramatische Darstellung der Situation junger Menschen in Quickborn.

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    3. Einzelne Deliktsgruppen fallen auf

    Ein genauer Blick lohnt sich bei einzelnen Deliktsgruppen.

    Die Polizei berichtete über einen Anstieg bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. In der Quickborner Auswertung spielt dabei insbesondere die Verbreitung pornografischer Inhalte eine Rolle.

    Herr Köhler verwies als mögliche Erklärung auf den einfachen Zugang zu sozialen Medien und Messengerdiensten. Gerade bei jungen Menschen können Bilder oder Videos heute mit wenigen Klicks weitergeleitet werden. Was möglicherweise als unbedachtes Weiterleiten beginnt, kann schnell strafrechtliche Bedeutung bekommen.

    Auch bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten wurde ein Anstieg festgestellt. Genannt wurde insbesondere die Beförderungserschleichung. Die Polizei führte als mögliche Gründe stärkere Kontrollen oder Wiederholungstäter an.

    Gerade diese Beispiele zeigen, warum einzelne statistische Ausschläge genau betrachtet werden müssen. Ein höherer Wert in einer Deliktsgruppe sagt zunächst noch nichts darüber aus, ob sich das Verhalten einer ganzen Generation verändert hat.

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    4. Warum das Wohnortprinzip wichtig ist

    Eine Besonderheit der im Ausschuss vorgestellten Auswertung ist das Wohnortprinzip.

    Erfasst werden junge Menschen, deren Wohnsitz in Quickborn liegt. Eine Straftat muss deshalb nicht zwingend in Quickborn stattgefunden haben. Ein Quickborner Jugendlicher, der beispielsweise außerhalb der Stadt auffällig wird, kann trotzdem in dieser Auswertung erscheinen.

    Die Zahlen sind damit in erster Linie eine Betrachtung der jungen Quickbornerinnen und Quickborner und keine reine Tatortstatistik für das Stadtgebiet.

    Das ist bei der Einordnung wichtig. Wer aus solchen Zahlen unmittelbar Aussagen darüber ableiten möchte, wie viele Straftaten tatsächlich auf Quickborner Straßen, Plätzen oder in Quickborner Einrichtungen begangen wurden, würde unterschiedliche statistische Betrachtungen miteinander vermischen.

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    5. Hellfeld und Dunkelfeld: Was die Statistik leisten kann

    Auch die beste Kriminalitätsstatistik kann nur mit den Informationen arbeiten, die vorhanden sind.

    Die Polizeiliche Kriminalstatistik bildet das sogenannte Hellfeld ab. Dazu gehören Straftaten, die angezeigt werden oder der Polizei auf anderem Wege bekannt werden.

    Daneben gibt es das Dunkelfeld: Straftaten, die weder angezeigt noch von der Polizei festgestellt werden und deshalb in keiner Polizeilichen Kriminalstatistik erscheinen.

    Die Landespolizei weist selbst darauf hin, dass sich die Größe dieses Dunkelfeldes je nach Delikt unterscheiden kann. Auch die Anzeigebereitschaft der Bevölkerung und die Intensität polizeilicher Kontrollen beeinflussen das Hellfeld. Die PKS ist deshalb kein vollständiges Abbild aller tatsächlich begangenen Straftaten, bleibt aber ein wichtiges Instrument, um Entwicklungen zu erkennen.

    Ein einfaches Beispiel: Wird in einem bestimmten Bereich deutlich stärker kontrolliert, können dort mehr Straftaten festgestellt werden. Die Statistik steigt dann möglicherweise, obwohl nicht zwingend mehr Taten begangen wurden. Umgekehrt bleiben Delikte, die nicht angezeigt werden, unsichtbar.

    Eine Statistik ist deshalb immer nur so gut wie ihre Datenlage. Gerade bei kleinen Fallzahlen sollte man einzelne Veränderungen nicht größer machen, als sie sind.

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    6. Prävention ist der entscheidende Teil der Jugendarbeit

    Bei der Diskussion über Jugendkriminalität wird schnell über Polizei, Strafverfahren und Konsequenzen gesprochen. Dabei beginnt erfolgreiche Arbeit viel früher.

    Die wichtigste Aufgabe guter Jugendarbeit ist Prävention.

    Es geht darum, Kinder und Jugendliche früh zu erreichen, ihnen verlässliche Ansprechpartner zu bieten, Vertrauen aufzubauen, Konflikte wahrzunehmen und Unterstützung anzubieten, bevor sich Probleme verfestigen.

    Offene Jugendarbeit schafft außerdem Orte, an denen junge Menschen andere treffen, ihre Freizeit gestalten, eigene Ideen entwickeln und Verantwortung übernehmen können. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendpflege erleben dabei oft früh, wenn irgendwo etwas schiefläuft.

    Genau diese Arbeit taucht später kaum in einer Statistik auf. Wenn ein Konflikt früh geklärt wird, wenn ein Jugendlicher rechtzeitig Unterstützung bekommt oder wenn eine Gruppe einen verlässlichen Treffpunkt und Ansprechpartner hat, entsteht daraus eben kein Polizeivorgang.

    Prävention lässt sich deshalb nicht einfach an einer einzelnen Zahl festmachen. Sie ist trotzdem ein wesentlicher Bestandteil einer funktionierenden kommunalen Jugendpolitik.

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    7. Birgit Hesse und die Quickborner Stadtjugendpflege

    Quickborn verfügt hier über Strukturen, die sich über viele Jahre entwickelt haben.

    Die Stadtjugendpflege steht unter der Leitung von Birgit Hesse. Im Ausschuss berichtete die Verwaltung, dass die Ferienaktionen gut gelaufen seien. Auch die regulären Öffnungszeiten der Einrichtungen würden kontinuierlich von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen genutzt. Das Feedback sei sehr positiv.

    Gleichzeitig hat das Team nach Angaben der Verwaltung im Alltag viele Herausforderungen zu bewältigen. Diese würden innerhalb des Teams gut aufgefangen.

    Das verdient Anerkennung. Gerade präventive Arbeit funktioniert nur mit Menschen, die die örtlichen Strukturen kennen, über Erfahrung verfügen und über längere Zeit Vertrauen zu Kindern und Jugendlichen aufbauen können.

    Birgit Hesse war in den vergangenen Monaten zusätzlich mit weiteren Aufgaben belastet und hat vertretungsweise die Leitung des Fachbereichs 4 übernommen. Nach Angaben im Protokoll waren deshalb zusätzliche Projekte und Maßnahmen mit Kindern und Jugendlichen aus Kapazitätsgründen zuletzt kaum möglich.

    Nach dem derzeitigen Stand wird Birgit Hesse ihr Arbeitsverhältnis mit der Stadt Quickborn am 28. Februar 2027 beenden.

    Ihr Ausscheiden wäre für die Quickborner Jugendarbeit ein großer Verlust. Fachwissen lässt sich ersetzen, Erfahrung kann weitergegeben werden. Gewachsenes Vertrauen und persönliche Beziehungen entstehen dagegen erst über Jahre.

    Gerade deshalb sollte frühzeitig dafür gesorgt werden, dass die erfolgreiche Arbeit der Stadtjugendpflege fortgeführt werden kann und ausreichend personelle Kapazitäten vorhanden sind.

    Eine funktionierende Jugendpflege ist keine nette Zugabe. Sie gehört zu einer Stadt, die junge Menschen ernst nimmt – und sie ist ein wichtiger Teil der Prävention.

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    8. Fazit: Kein Grund zur Dramatisierung – Prävention weiter stärken

    Die von der Polizei vorgestellten Zahlen ergeben für Kinder, Jugendliche und Heranwachsende in Quickborn kein auffälliges Gesamtbild.

    Die Zahl der unter 21-jährigen Opfer ist von 54 im Jahr 2024 auf 45 im Jahr 2025 zurückgegangen. Einzelne Deliktsgruppen – insbesondere die Verbreitung pornografischer Inhalte und die Beförderungserschleichung – verdienen Aufmerksamkeit.

    Hier sind Aufklärung, Eltern, Schulen, Polizei und Jugendarbeit gefragt.

    Vor allem sollte der Blick aber auf der Prävention liegen. Quickborn verfügt mit seiner Stadtjugendpflege über eine über viele Jahre gewachsene Struktur. Die Angebote werden angenommen, die Einrichtungen werden genutzt und das Feedback ist nach Angaben der Stadt positiv.

    Das ist eine gute Nachricht.

    Und es ist ein guter Grund, die präventive Jugendarbeit weiterhin ernst zu nehmen, personell abzusichern und den Menschen Anerkennung zu geben, die diese Arbeit täglich leisten.

    Birgit Hesse und ihr Team haben daran einen erheblichen Anteil.

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    9. Quellen

    • Stadt Quickborn: Öffentliches Protokoll des Ausschusses für Kinder, Jugend und Soziales vom 18. August 2026, insbesondere TOP 9.5 Stadtjugendpflege und TOP 10 Polizeiliche Kriminalstatistik.
    • Landespolizei Schleswig-Holstein: Erläuterungen zur Aussagekraft der Polizeilichen Kriminalstatistik, insbesondere Hell- und Dunkelfeld.

    Stand: 23. September 2026, 07:26 Uhr
    Verfasser: Thomas Köppl