Kategorie: VHH

  • Neuer Betriebshof der VHH an der Kieler Straße / Wohnungen und Gewerbe auf der alten Fläche der VHH

    In Quickborn steht eine größere städtebauliche Veränderung bevor. vhh.mobility will den bisherigen Busbetriebshof an der Ellerauer Straße perspektivisch aufgeben und einen neuen Betriebshof am nördlichen Ortsausgang an der Kieler Straße/B4 errichten.

    Für den Busbetrieb ist der Schritt nachvollziehbar. Die Umstellung auf Elektrobusse stellt andere Anforderungen an Abstellflächen, Ladeinfrastruktur, Stromversorgung und Werkstätten. Der neue Standort bietet dafür deutlich bessere Entwicklungsmöglichkeiten.

    Fast noch interessanter ist allerdings, was anschließend mit dem bisherigen Gelände an der Ellerauer Straße passiert. Dort werden seit fast 100 Jahren Busse abgestellt, gewartet und repariert. Für das Gebiet gibt es bereits seit Anfang 2025 einen Aufstellungsbeschluss für eine neue Nutzung mit Wohnen und Gewerbe.



    Das Wichtigste im Überblick

    • Neuer Busbetriebshof östlich der Kieler Straße/B4 am nördlichen Ortsausgang
    • Verwaltung, Werkstatt, Mitarbeiterparkhaus sowie Abstell- und Ladeflächen für Elektrobusse geplant
    • Erweiterung des Betriebshofes in mehreren Ausbaustufen möglich
    • Neuer Bebauungsplan Nr. 115 und Änderung des Flächennutzungsplans notwendig
    • Alter Standort Ellerauer Straße seit 1929 für Busbetrieb und Werkstatt genutzt
    • Für das alte Gelände läuft bereits seit 2025 der Bebauungsplan Nr. 113
    • Planungsziel dort: Wohnen und Gewerbe einschließlich Nahversorgung, Einzelhandel und Dienstleistungen
    • Seit dem Aufstellungsbeschluss 2025 ist öffentlich kein weiterer Verfahrensschritt erkennbar
    • Vor einer neuen Nutzung werden Boden und gegebenenfalls Grundwasser gründlich untersucht werden müssen

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    Neuer Standort direkt an der B4

    Der neue Busbetriebshof soll östlich der Kieler Straße, südlich des Autohauses, westlich des von der Feldstraße abgehenden Wirtschaftsweges und nördlich des Entwässerungsgrabens entstehen.

    Die Stadt will dafür den Bebauungsplan Nr. 115 „Busbetriebshof Kieler Straße“ aufstellen und gleichzeitig den Flächennutzungsplan ändern. Die Flächen liegen bisher planungsrechtlich im Außenbereich. Teile sind im Flächennutzungsplan derzeit als Grün- und Biotopflächen beziehungsweise als Flächen zum Schutz von Boden, Natur und Landschaft dargestellt.

    Der bisherige Entwurf sieht entlang der Kieler Straße ein Verwaltungs- und Werkstattgebäude mit Mitarbeiterparkhaus vor. Auf den rückwärtigen Flächen sollen die Busse abgestellt und geladen werden. Der Betriebshof kann später in mehreren Stufen erweitert werden.

    Die Erschließung erfolgt direkt über die Kieler Straße/B4. Damit liegt der Betriebshof künftig wieder unmittelbar an einer der wichtigsten Verkehrsachsen Quickborns.

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    Elektromobilität verändert die Anforderungen

    Der Neubau hängt unmittelbar mit der Umstellung des Busverkehrs auf emissionsfreie Fahrzeuge zusammen.

    Ein moderner Elektrobusbetriebshof braucht leistungsfähige Stromanschlüsse, zahlreiche Ladepunkte, technische Anlagen zur Steuerung der Ladevorgänge und entsprechend ausgestattete Werkstätten. Auch die Abstellflächen müssen auf das Laden einer größeren Zahl von Fahrzeugen ausgelegt werden.

    Für den neuen Quickborner Standort nennt die Stadt die Umstellung auf eine emissionsfreie Busflotte ausdrücklich als wesentlichen Grund für die Verlagerung.

    Der heutige Betriebshof an der Ellerauer Straße ist über knapp 100 Jahre gewachsen. Für einen vollständigen Umbau auf Elektromobilität und mögliche spätere Erweiterungen sind die Möglichkeiten dort begrenzt. Der neue Standort bietet dafür deutlich mehr Spielraum.

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    Seit fast 100 Jahren Busse an der Ellerauer Straße

    Der heutige Betriebshof ist ein Stück Quickborner Verkehrsgeschichte.

    1926 gründete der aus Estland stammende Ingenieur und Busunternehmer Paul Woldemar Mullikas einen Linienbusverkehr zwischen Hamburg, Quickborn und Barmstedt. Sein erstes Büro befand sich in Schmidt’s Gasthof.

    1928/29 erwarb Mullikas das Grundstück an der Ellerauer Straße. 1929 entstand dort auf den Fundamenten des zuvor abgebrannten Gasthofes Hatje ein eigenes Betriebsgebäude mit Werkstatt.

    1951 übernahm sein Sohn Erik Mullikas den Busbetrieb. 1962 wurde das Unternehmen von den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein übernommen. Seitdem gehört der Standort zur VHH.

    Damit werden an dieser Stelle seit inzwischen rund 97 Jahren Busse abgestellt, gewartet und repariert.

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    Der alte Betriebshof soll neu entwickelt werden

    Dass über die spätere Nutzung des Geländes bereits nachgedacht wird, ist nicht neu.

    Die Ratsversammlung beschloss am 3. Februar 2025 die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 113 „Städtebauliche Entwicklung im Bereich Ellerauer Straße, Friedhofsweg, Torfbahnweg“.

    Das Plangebiet reicht über den eigentlichen VHH-Betriebshof hinaus. Es umfasst den Bereich nördlich der Ellerauer Straße, westlich des Torfbahnweges, südlich der Bebauung Am Mühlenberg sowie Flächen am Friedhofsweg.

    Die Stadt formulierte damals zwei zentrale Ziele: eine „innenstadttypische Nachverdichtungsbebauung“ mit Wohnen und Gewerbe sowie den Erhalt und die Weiterentwicklung des ehemaligen Nordfriedhofes als parkähnliche innerstädtische Grünfläche.

    Beim Gewerbe werden ausdrücklich Nahversorgung, Einzelhandel und Dienstleistungen genannt.

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    Wohnungsbau passt an diese Stelle

    Für Wohnungsbau ist das bisherige VHH-Gelände grundsätzlich gut geeignet. Es liegt innenstadtnah, Bahnhof und ZOB sind schnell erreichbar und eine seit fast einem Jahrhundert gewerblich genutzte Fläche kann neu genutzt werden.

    Entscheidend wird allerdings sein, was Quickborn unter „innenstadttypischer Nachverdichtung“ versteht.

    Es geht um Gebäudehöhen, Baukörper, Zahl der Wohnungen, Grünflächen, Stellplätze und die Übergänge zur bestehenden Bebauung. An dieser Stelle darf durchaus dichter gebaut werden. Daraus muss aber nicht automatisch die maximal mögliche Verdichtung werden.

    Gerade die Bauhöhe wird entscheidend dafür sein, ob ein neues Quartier die Umgebung sinnvoll ergänzt oder ihren Charakter deutlich verändert.

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    Einzelhandel und Dienstleistungen: Was bleibt für die Innenstadt?

    Genauer hinsehen sollte die Stadt bei den zusätzlich vorgesehenen gewerblichen Nutzungen.

    Neue Einzelhandels-, Nahversorgungs- und Dienstleistungsflächen schaffen keine zusätzliche Kaufkraft. Sie verlagern Kundenströme.

    Wenn wenige hundert Meter von Bahnhof, Bahnhofstraße und Klöngasse entfernt weitere kundenorientierte Angebote entstehen, muss deshalb klar sein, welche Funktion die eigentliche Innenstadt künftig haben soll.

    Quickborn formuliert seit Jahren das Ziel, das Zentrum zu stärken. Gleichzeitig zusätzliche Standorte für Einzelhandel, Nahversorgung und Dienstleistungen zu entwickeln, passt dazu nur schwer.

    Für Eigentümer und Investoren im Zentrum ist Planungssicherheit wichtig. Wenn sich Kundenströme weiter verteilen, steigt das Risiko zusätzlicher Leerstände.

    Dann müsste man konsequenterweise irgendwann auch darüber sprechen, Erdgeschossflächen im bisherigen Zentrum stärker für Wohnungen zu öffnen. Das wäre zumindest eine klare Reaktion auf die Entwicklung.

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    Seit Februar 2025: öffentlich nichts Neues

    Bemerkenswert ist der zeitliche Ablauf.

    Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 113 wurde am 3. Februar 2025 gefasst und am 5. Februar öffentlich bekannt gemacht.

    Seitdem ist nach unserer Recherche kein weiterer öffentlich dokumentierter Verfahrensschritt erkennbar. Kein Vorentwurf, keine frühzeitige Beteiligung und kein Entwurfs- oder Auslegungsbeschluss.

    Seit mehr als anderthalb Jahren ist damit öffentlich nichts Neues über die konkrete Entwicklung des Gebietes bekannt geworden.

    Was währenddessen intern vorbereitet, besprochen oder geprüft wurde, ist nicht bekannt.

    Wir sind deshalb gespannt, was irgendwann aus der inzwischen berühmten Quickborner Geheimküche der Stadtplanung serviert wird.

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    Fast 100 Jahre Werkstattbetrieb – der Boden muss untersucht werden

    Ein weiterer Punkt gehört von Anfang an auf den Tisch: der Boden.

    Seit 1929 befinden sich auf dem Grundstück Busbetrieb und Werkstatt. Über viele Jahrzehnte wurden dort Fahrzeuge repariert und gewartet sowie Kraftstoffe, Öle, Schmiermittel und andere Betriebsstoffe verwendet.

    Bei einer solchen Nutzungsgeschichte müssen Boden und gegebenenfalls Grundwasser vor einer neuen Nutzung gründlich untersucht werden.

    Erst danach weiß man, ob Belastungen vorhanden sind, welche Bereiche betroffen sind und welcher Aufwand gegebenenfalls für eine Sanierung erforderlich wird.

    Gerade wenn dort später Wohnungen, Gärten oder Spielflächen entstehen sollen, muss diese Frage sauber geklärt werden.

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    Zwei Flächen – eine große städtebauliche Veränderung

    Die Verlagerung des VHH-Betriebshofes eröffnet Quickborn an zwei Stellen neue Möglichkeiten.

    An der Kieler Straße kann ein moderner und erweiterbarer Betriebshof entstehen, der auf die Anforderungen der Elektromobilität ausgerichtet ist. Die Lage unmittelbar an der B4 passt zu dieser Nutzung.

    An der Ellerauer Straße wird gleichzeitig eine große innenstadtnahe Fläche frei, die sich insbesondere für Wohnungsbau anbietet.

    Die entscheidenden Fragen kommen deshalb erst noch: Wie hoch und wie dicht wird gebaut? Wie viel Grün bleibt? Welche gewerblichen Nutzungen werden zugelassen? Was bedeutet das für die Innenstadt? Was ergeben die Bodenuntersuchungen? Und was wurde seit dem Aufstellungsbeschluss 2025 bereits vorbereitet?

    Beim neuen Busbetriebshof werden die Pläne jetzt konkret. Bei der Zukunft des alten Betriebshofes ist nach mehr als anderthalb Jahren öffentlicher Funkstille noch vieles offen.

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    Quellen und Grundlagen

    Stadt Quickborn:
    Beschlussvorlage VO/2026/Q/64, Bebauungsplan Nr. 115 „Busbetriebshof Kieler Straße“, 23.07.2026.

    Stadt Quickborn:
    Bebauungsplan Nr. 113 „Städtebauliche Entwicklung im Bereich Ellerauer Straße, Friedhofsweg, Torfbahnweg“, Aufstellungsbeschluss vom 03.02.2025 und öffentliche Bekanntmachung vom 05.02.2025.

    Quickborner Geschichtswerkstatt:
    „700 Jahre Quickborn A–Z“, Eintrag zur Geschichte des Busunternehmens Mullikas.

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