Über mehrere Jahre sah die Planung für die Goethe-Schule völlig anders aus als heute: Die Grundschule sollte ihren seit 1966 bestehenden Standort an der Goethestraße verlassen und in den Bereich des Schulzentrums Süd an der Heidkampstraße umziehen.
Der geplante Umzug war dabei weit mehr als eine unverbindliche Idee. Haushaltsmittel wurden bereitgestellt, Räume geplant und teilweise bereits Investitionen vorgenommen. Noch im Doppelhaushalt 2019/2020 ging die Stadt davon aus, dass der dritte Bauabschnitt des Schulzentrums Süd die Räume für den Umzug der Goethe-Schule schaffen und das Gesamtprojekt 2021 fertiggestellt werden sollte. (Quickborn)
Am Ende wurde dieser Weg nicht umgesetzt.
Die Goethe-Schule soll ins Schulzentrum Süd
Ausgangspunkt waren Veränderungen innerhalb der Quickborner Schullandschaft und die Neuordnung der Gebäude am Schulzentrum Süd.
Die Goethe-Schule sollte ihren bisherigen Standort verlassen und in den Bereich der früheren Heidkamp-Schule beziehungsweise des Elsensee-Gymnasiums verlagert werden.
Die beiden Standorte liegen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt und beide im Süden Quickborns. Ein wesentliches Argument für oder gegen die Varianten kann deshalb aus unserer Sicht nicht in grundsätzlich unterschiedlichen Schulwegen liegen.
Entscheidend waren vielmehr die Fragen:
Wie viel zusätzlicher Schulraum wird benötigt?
Welche Gebäude müssen dafür geschaffen oder verändert werden?
Welche Lösung ist langfristig wirtschaftlicher?
Und soll die Goethe-Schule als eigenständiger Schulstandort erhalten bleiben?
2019/2020 – Der Umzug wird konkret finanziell vorbereitet
Im Doppelhaushalt 2019/2020 wurde die Verlagerung bereits sehr konkret abgebildet.
Für die Maßnahme „Schulzentrum Süd, Modernisierung Grundschule“ wurden Gesamtkosten von rund 4,192 Millionen Euro ausgewiesen. Für den eigentlichen Umzug der Goethe-Schule waren zusätzlich 85.000 Euro vorgesehen. (Quickborn)
Damit war der Umzug längst kein bloßes Gedankenspiel mehr.
In den Haushaltsunterlagen tauchen für die Maßnahme auch tatsächliche Ergebnisse auf. Für 2017 werden rund 104.000 Euro, für 2019 weitere rund 88.000 Euro bei der Modernisierung für die Goethe-Schule ausgewiesen. Damit sind allein für diese beiden Jahre mindestens rund 192.000 Euro tatsächliche Auszahlungen dokumentiert. Weitere Ansätze bestanden auch in den Folgejahren. (Quickborn)
Nicht jede Investition am Schulzentrum Süd ist deshalb automatisch „verlorenes Geld“. Die Gebäude werden weiterhin schulisch genutzt. Zu klären bleibt aber, welcher Anteil der damaligen Aufwendungen ausschließlich deshalb entstand, weil die Goethe-Schule dort einziehen sollte, und nach dem späteren Kurswechsel seinen ursprünglich vorgesehenen Zweck verlor.
Die Planung zieht sich über Jahre
Der zunächst vorgesehene Zeitplan konnte nicht eingehalten werden.
Während die Goethe-Schule an der Goethestraße weiter betrieben wurde, musste dort selbstverständlich ebenfalls weiter unterhalten und investiert werden.
So entstand über Jahre eine bemerkenswerte Situation:
Am Schulzentrum Süd wurde Geld für den späteren Umzug vorgesehen und teilweise ausgegeben.
Gleichzeitig musste der alte Standort der Goethe-Schule weiter funktionsfähig gehalten werden.
Damit liefen zeitweise Investitionen an zwei Standorten parallel.
Der Raumbedarf verändert die Planung
Währenddessen änderten sich die Rahmenbedingungen.
Sowohl die Goethe-Schule als auch das Elsensee-Gymnasium benötigten mehr Platz. Die ursprüngliche Planung reichte nach der späteren Bewertung nicht mehr aus.
Damit stellte sich die Frage nach dem Schulzentrum Süd grundlegend neu.
Eine einfache Verlagerung der Goethe-Schule in vorhandene Räume war nicht mehr möglich. Zusätzliche Flächen mussten geschaffen werden.
2024 – Zwei grundsätzlich unterschiedliche Lösungen
Im September 2024 lagen zwei neue Lösungsansätze auf dem Tisch.
Variante 1 – Gebäuderiegel am Elsensee-Gymnasium
Auf der Nordostseite des Elsensee-Gymnasiums sollte ein zusätzlicher Gebäuderiegel entstehen.
Vorgesehen waren:
- zwölf Klassenräume
- zusätzliche Gruppenräume
- Nebenräume
- eine zusätzliche Mensa
Die Kosten wurden grob auf 19,9 Millionen Euro geschätzt.
Hinzu kamen weitere rund 4 Millionen Euro für die erforderliche Erweiterung der Sporthalle Heidkamp.
Damit lag diese Variante in einer Größenordnung von insgesamt etwa 23,9 Millionen Euro. (cdu-quickborn.de)
Variante 2 – Neubau der Goethe-Schule
Die Alternative war ein vollständiger Neubau der Goethe-Schule auf dem bisherigen Areal an der Goethestraße.
Zusätzlich zu den notwendigen Schulräumen sollten weitere Räume für Ganztagsbetreuung und Drittnutzungen – beispielsweise durch die Musikschule – geschaffen werden.
Für diese Lösung wurden damals rund 15 Millionen Euro höhere Kosten genannt. In der damaligen Diskussion wurde damit für den Neubau eine Größenordnung von rund 35 Millionen Euro verbunden. (cdu-quickborn.de)
Die damalige öffentliche Darstellung ist bei der Vergleichsbasis allerdings nicht völlig eindeutig: Die 19,9 Millionen Euro für den Gebäuderiegel und die zusätzlichen 4 Millionen Euro für die Sporthalle werden getrennt genannt, anschließend ist von rund 15 Millionen Euro höheren Gesamtkosten des Neubaus die Rede.
Für einen belastbaren Vergleich müssen deshalb immer dieselben Kostenbestandteile gegenübergestellt werden.
Was bedeuten die Mehrkosten für den städtischen Haushalt?
Nimmt man für einen überschlägigen Vergleich 23,9 Millionen Euro für die Heidkamp-/Riegel-Lösung und rund 35 Millionen Euro für den Neubau der Goethe-Schule, ergibt sich eine zusätzliche Investition von rund:
11,1 Millionen Euro.
Diese 11,1 Millionen Euro belasten den Ergebnishaushalt nicht sofort in voller Höhe. Kommunale Gebäude werden über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben.
Die für Schleswig-Holstein verbindliche Abschreibungstabelle sieht für massive Schulgebäude grundsätzlich eine Nutzungsdauer von 80 Jahren vor. Sportflächen, Außenanlagen und technische Einrichtungen haben teilweise deutlich kürzere Nutzungsdauern. (schleswig-holstein.de)
Würde man die gesamten 11,1 Millionen Euro vereinfachend wie ein massives Schulgebäude über 80 Jahre abschreiben, ergäbe sich allein daraus eine zusätzliche jährliche Abschreibung von rund:
138.750 Euro pro Jahr.
Das ist eher eine Untergrenze. Tatsächlich besteht ein Schulprojekt auch aus technischen Anlagen, Ausstattung, Außenanlagen und Sportflächen mit teilweise wesentlich kürzeren Abschreibungszeiträumen. Die tatsächliche jährliche Abschreibung dürfte deshalb höher liegen.
Finanzierung kommt noch hinzu
Abschreibungen sind Aufwand, aber keine jährliche Auszahlung.
Muss die Stadt die Mehrinvestition dagegen über Kredite finanzieren, entstehen zusätzlich Zinsen und Tilgungszahlungen.
Ein Rechenbeispiel:
11,1 Millionen Euro Mehrinvestition
4 Prozent Finanzierung
30 Jahre Laufzeit
ergäben eine jährliche Kreditbelastung aus Zins und Tilgung von rund:
642.000 Euro pro Jahr.
Bei einer Laufzeit von 40 Jahren wären es noch rund:
561.000 Euro pro Jahr.
Die Tilgung ist dabei eine Auszahlung, aber kein Aufwand im Ergebnishaushalt. Die Zinsen dagegen belasten sowohl Ergebnis als auch Liquidität.
Bei 4 Prozent Zins würden im ersten Jahr auf 11,1 Millionen Euro rund 444.000 Euro Zinsen anfallen.
Zusammen mit einer rein rechnerischen Mindestabschreibung von rund 139.000 Euro ergäbe sich damit im ersten Jahr eine zusätzliche Ergebnisbelastung von mindestens ungefähr:
583.000 Euro.
Bei kürzeren tatsächlichen Abschreibungszeiten einzelner Bestandteile entsprechend mehr.
Fördermittel, Eigenmittel der Stadt, tatsächliche Kreditkonditionen und der genaue Investitionsumfang können diese Rechnung natürlich verändern. Sie zeigt aber die Größenordnung: Eine Investitionsdifferenz von rund 11 Millionen Euro bedeutet für den städtischen Haushalt nicht nur eine einmalige höhere Bauauszahlung, sondern über Jahrzehnte zusätzliche jährliche Belastungen.
Dazu kommen die Kosten der früheren Umzugsplanung
Beim Vergleich darf ein weiterer Punkt nicht untergehen.
Bevor die Entscheidung wieder zugunsten des Standortes Goethestraße fiel, waren über Jahre bereits Mittel für die Verlagerung der Goethe-Schule zum Schulzentrum Süd eingeplant und teilweise ausgegeben worden.
Im Haushalt 2019/2020 waren allein für die Modernisierung im Zusammenhang mit der Grundschule rund 4,192 Millionen Euro vorgesehen. Weitere 85.000 Euro waren für den Umzug eingeplant. (Quickborn)
Wie hoch die Summe aller tatsächlich ausgegebenen Mittel war, die ausschließlich mit der später aufgegebenen Umzugsplanung zusammenhingen, sollte deshalb gesondert aufgearbeitet werden.
Denn Planungskosten, Umbauten oder andere Investitionen, die nach dem Kurswechsel nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck benötigt werden, gehören wirtschaftlich zur Gesamtgeschichte dieser Standortentscheidung.
Ende 2024 – Die Entscheidung fällt zugunsten der Goethestraße
Politisch setzte sich schließlich der Neubau am bisherigen Standort durch.
Damit war die jahrelange Planung einer Verlagerung zum Schulzentrum Süd zunächst beendet.
Im Februar 2025 beschloss die Ratsversammlung die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 114 „Goetheschule“.
Die Stadt erklärte damals ausdrücklich, dass eine Sanierung des Altbaus aus ihrer Sicht zu teuer sei, zusätzlich eine Erweiterung erforderlich mache und außerdem Probleme für die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs während der Bauphase verursache. (Quickborn)
Wie sollte der Neubau bei laufendem Schulbetrieb funktionieren?
Für den Neubau hatte die Stadt 2025 einen grundsätzlich nachvollziehbaren Bauablauf beschrieben:
Das neue Schulgebäude sollte auf der heutigen Sportfläche entstehen.
Die vorhandene Goethe-Schule könnte dadurch zunächst weiter genutzt werden.
Erst nach Fertigstellung des Neubaus würden die Schülerinnen und Schüler umziehen. Anschließend könnten die alten Gebäude zurückgebaut und das Gelände endgültig neu geordnet werden. (Quickborn)
Damit wäre zwar kein vollständiger Zwischenumzug notwendig.
Einfach wäre diese Lösung trotzdem nicht.
Über einen längeren Zeitraum müssten auf demselben Grundstück eine Grundschule mit rund 259 Kindern und eine Großbaustelle nebeneinander funktionieren.
Zu klären wären insbesondere:
- sichere Trennung von Schul- und Baustellenbereichen
- Zufahrt für schwere Baustellenfahrzeuge
- Rettungs- und Feuerwehrwege
- Lärm- und Staubbelastungen
- nutzbare Pausen- und Außenflächen
- Ersatz für während der Bauphase wegfallende Sportflächen
- Leitungen und technische Infrastruktur
- Organisation von Abbruch und zweiter Bauphase nach dem Umzug
Und wie sollte eine Sanierung funktionieren?
Noch schwieriger wird diese Frage, falls statt eines Neubaus wieder eine umfassende Sanierung des bestehenden Gebäudes geprüft werden sollte.
Denn dann würden die Bauarbeiten unmittelbar im bestehenden Schulgebäude stattfinden.
Die Stadt selbst hatte 2025 gerade dies als Argument gegen eine Sanierung angeführt: Eine Sanierung mit Erweiterung würde einer Übergangslösung im Wege stehen, weil der Schulbetrieb während der Bauphase aufrechterhalten werden müsse. (Quickborn)
Hinzu kommen inzwischen die Untersuchungen zu möglichen Schadstoffen. Bei Eingriffen in betroffene Bauteile können zusätzliche Schutz-, Abschottungs-, Rückbau- und Entsorgungsmaßnahmen notwendig werden.
Eine ernsthafte Sanierungsvariante müsste deshalb nicht nur einen Baupreis nennen, sondern gleichzeitig beantworten:
Wo findet der Unterricht während der einzelnen Bauabschnitte statt?
Welche Interimslösungen werden benötigt?
Was kosten diese?
Wie lange dauert die Bauphase?
Und können Kinder und Beschäftigte währenddessen sicher im Gebäude beziehungsweise unmittelbar daneben bleiben?
2026 – Die Zukunft ist erneut offen
Bemerkenswert ist, dass die Stadt im August 2026 selbst wieder von einer „weiterhin offenen Zukunft des Schulgebäudes“ spricht und eine politische Beratung für September angekündigt hat.
Die ursprünglich ausgeschriebene umfassende Sanierung der WC-Anlagen für mehr als 275.000 Euro wurde gerade mit Blick auf diese offene Zukunft nicht umgesetzt. Stattdessen werden deutlich kleinere Renovierungsmaßnahmen für rund 31.000 Euro vorgenommen. (Quickborn)
Damit stellt sich eine Frage, die nach Jahren unterschiedlicher Planungen erneut beantwortet werden muss:
Neubau, Sanierung oder eine weitere Variante – und wie soll sie während des laufenden Schulbetriebes tatsächlich umgesetzt und finanziert werden?
Ein langer und teurer Planungsweg
Die Geschichte des geplanten Umzugs ist deshalb mehr als eine Standortfrage.
Zunächst sollte die Goethe-Schule zum Schulzentrum Süd umziehen.
Dafür wurden Millionenbeträge geplant und erste Mittel ausgegeben.
Dann reichten die vorhandenen Flächen dort nicht mehr aus.
2024 standen ein neuer Gebäuderiegel am Elsensee-Gymnasium mit Sporthallenerweiterung und ein deutlich teurerer Neubau der Goethe-Schule gegenüber.
Politisch fiel die Entscheidung zugunsten des Neubaus an der Goethestraße.
2025 wurde dieser Weg planungsrechtlich eingeleitet.
Und 2026 bezeichnet die Stadt die Zukunft des Gebäudes erneut als offen.
Gerade deshalb erscheint es wichtig, am Ende nicht nur die Baukosten der nächsten Lösung zu betrachten. Zu einer vollständigen wirtschaftlichen Betrachtung gehören auch die bereits entstandenen Kosten früherer Planungen, die Finanzierung, die langfristigen Abschreibungen und Zinsen sowie sämtliche Kosten notwendiger Interimslösungen.
Hinweise und Ergänzungen willkommen
Diese Dokumentation wird fortlaufend ergänzt.
Falls wir einen Planungsschritt zeitlich oder inhaltlich nicht richtig eingeordnet haben, Unterlagen fehlen oder Du über weitere Informationen zu den Kosten und Planungen verfügst, melde Dich gerne bei uns.
Wir freuen uns über Hinweise, Korrekturen und Ergänzungen.
