Eine zweite Kostenrechnung – diesmal für die Sanierung der bestehenden Schule einschließlich Schadstoffrisiko und notwendiger Interimslösung
Beim Neubau der Goethe-Schule lässt sich die Größenordnung inzwischen relativ gut eingrenzen. Aber wie sieht die Alternative aus? Was würde es kosten, das vorhandene Schulgebäude nicht abzureißen, sondern grundlegend zu sanieren und technisch praktisch neu aufzubauen?
Wir rechnen diesmal ausdrücklich keine einfache Modernisierung. Ausgangspunkt ist eine echte Kernsanierung. Das bedeutet: Alle wesentlichen technischen Anlagen und verschlissenen Bauteile werden erneuert. Die tragende Gebäudestruktur bleibt erhalten – technisch, energetisch und funktional wird das Gebäude jedoch weitgehend neu aufgebaut.
Dabei unterstellen wir:
- vollständige Erneuerung der Grundleitungen und Entwässerung,
- vollständige Erneuerung der Elektroinstallation einschließlich Daten-, Sicherheits- und Kommunikationstechnik,
- vollständigen Austausch der Fenster,
- Erneuerung der Außentüren,
- weitgehende Erneuerung der Innentüren einschließlich erforderlicher Brandschutztüren,
- grundlegende Dachsanierung einschließlich Dämmung und Abdichtung,
- Erneuerung der Sanitärinstallation,
- grundlegende Erneuerung von Heizung und erforderlicher Lüftungstechnik,
- Brandschutzertüchtigung,
- energetische Ertüchtigung der Gebäudehülle,
- Erneuerung von Bodenbelägen, Decken, Wandoberflächen und Akustikelementen,
- Herstellung zeitgemäßer Barrierefreiheit,
- notwendige Anpassungen für Ganztag und heutige pädagogische Anforderungen.
Hinzu kommt ein entscheidender Unterschied zum Neubau: Während einer derart tiefgreifenden Sanierung kann der Schulbetrieb im Gebäude praktisch nicht normal weiterlaufen. Die Schule braucht deshalb für mehrere Jahre ein Ausweichquartier.
Unser Ergebnis vorweg: Die eigentliche Kernsanierung des vorhandenen Schulgebäudes dürfte auf Preisstand 2026 bereits bei etwa 16 bis 18 Millionen Euro einschließlich eines angemessenen Schadstoffansatzes liegen. Wird die Bestandssanierung zu einer tatsächlich gleichwertigen Alternative zum Neubau – also einschließlich notwendiger Erweiterungsflächen, Sporthallenlösung, Außenanlagen und vollständiger Interimsschule –, ergibt sich nach unserer Modellrechnung ein realistischer Gesamtwert von rund 32 bis 33 Millionen Euro. Bei ungünstiger Entwicklung kann die Größenordnung auch deutlich darüber liegen.
Inhalt
- 1. Was verstehen wir unter Kernsanierung?
- 2. Mit welcher Bestandsfläche rechnen wir?
- 3. Welcher Sanierungskostenwert ist belastbar?
- 4. Kernsanierung nach Gewerken
- 5. Das besondere Risiko: Schadstoffe
- 6. Warum die Sanierung allein nicht ausreicht
- 7. Die Schule muss währenddessen irgendwo hin
- 8. Variante A: Räume am ASG-Campus anmieten
- 9. Variante B: komplette Mobil- beziehungsweise Containerschule
- 10. Unsere Gesamtrechnung
- 11. Vergleich mit der bisherigen offiziellen Kostenschätzung
- 12. Was passiert bei einer späteren Umsetzung?
- 13. Fazit
1. Was verstehen wir unter Kernsanierung?
Eine Kernsanierung ist etwas völlig anderes als die derzeitigen kleineren Renovierungsarbeiten in der Goethe-Schule.
Bei den aktuellen WC-Arbeiten investiert die Stadt rund 31.000 Euro. Dabei wird ausdrücklich nicht in die Bausubstanz eingegriffen. Die Stadt selbst unterscheidet diese Arbeiten ausdrücklich von einer Sanierung und weist darauf hin, dass eine ursprünglich wesentlich umfassendere WC-Sanierung nach der Ausschreibung bereits mehr als 275.000 Euro gekostet hätte.
Bei unserer Rechnung wird dagegen konsequent davon ausgegangen, dass die wesentlichen Bauteile und technischen Systeme eines rund 60 Jahre alten Schulgebäudes nicht Stück für Stück weitergenutzt, sondern umfassend erneuert werden.
Das ist auch deshalb erforderlich, weil eine Sanierung ansonsten keine langfristige Alternative zu einem Neubau wäre. Niemandem wäre geholfen, wenn beispielsweise neue Fenster und ein neues Dach eingebaut werden, aber wenige Jahre später die Elektroinstallation, Entwässerung oder Heizungsanlage erneut grundlegend angefasst werden muss.
Die Stadt selbst beschreibt den baulichen Zustand inzwischen als schlecht und erklärt, dass eine Sanierung wegen der heutigen Anforderungen an eine Ganztagsschule mit Erweiterungsmaßnahmen verbunden werden müsste.
2. Mit welcher Bestandsfläche rechnen wir?
Eine abschließend vermessene Bruttogrundfläche der Bestandsgebäude liegt uns derzeit nicht als belastbarer öffentlicher Wert vor. Deshalb wäre es unseriös, eine vermeintlich exakte Quadratmeterzahl zu behaupten.
Für die Modellrechnung setzen wir deshalb zunächst 3.800 m² BGF für das zu sanierende eigentliche Schulgebäude an.
Warum 3.800 m²?
Das BKI führt in seinen aktuellen 2026er Kostendaten beispielsweise modernisierte Grundschulen mit 15 Klassen und Bruttogrundflächen zwischen etwa 3.225 und 4.758 m². Für einen Neubau einer zwölfklassigen Grundschule weist der aktuelle BKI-Datenbestand ein Vergleichsobjekt mit 4.021 m² BGF aus. Unsere Rechengröße von 3.800 m² für den vorhandenen Schulbau liegt damit in einer plausiblen Größenordnung.
Wichtig: Die 3.800 m² sind eine Rechengröße und keine Behauptung über die exakt vermessene BGF der Goethe-Schule. Sobald eine belastbare Flächenaufstellung vorliegt, kann die Rechnung unmittelbar angepasst werden.
3. Welcher Sanierungskostenwert ist belastbar?
Für eine Kernsanierung reicht es nicht, irgendeinen pauschalen Renovierungspreis aus dem Wohnungsbau anzusetzen.
Ein guter aktueller Vergleich ist die geplante Generalsanierung der Adolf-Grimme-Schule. Dort wurde Anfang 2024 für die wesentlichen Geschosse mit einem Kostenansatz von 2.856 Euro je m² BGF allein für die Generalsanierung gerechnet. Außenanlagen und weitere Maßnahmen kommen zusätzlich hinzu.
Ein weiteres aktuelles öffentliches Beispiel liefert Bremen. Beim kompletten Umbau eines Bestandsgebäudes der Grundschule am Halmerweg liegen allein die Kostengruppen 300 und 400 – also Baukonstruktion und technische Anlagen – bei 2.804 Euro je m² BGF. Die Verwaltung weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich um einen grundlegenden Umbau und nicht lediglich um eine einfache Sanierung handelt.
Seit Anfang 2024 sind die Baupreise weiter gestiegen. Das Statistische Bundesamt weist für Nichtwohngebäude allein für das zweite Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal einen Anstieg von 5,2 Prozent bei Bürogebäuden aus; bereits im Vorjahr waren weitere Preissteigerungen zu verzeichnen.
Für unsere Modellrechnung rechnen wir deshalb mit einem gerundeten Indexierungsfaktor von:
1,09
Damit ergibt sich aus dem Vergleichswert:
2.856 €/m² × 1,09 = rund 3.110 €/m² BGF
Dieser Wert betrifft im Wesentlichen die Kostengruppen 300 und 400 – also Gebäude und technische Anlagen. Planung, vorbereitende Maßnahmen, besondere Schadstoffentsorgung und Interimskosten sind damit noch nicht vollständig abgedeckt.
Für 3.800 m² ergibt sich:
3.800 m² × 3.110 €/m² = 11.818.000 Euro
Wir rechnen deshalb mit rund:
11,8 Millionen Euro für die eigentlichen Bau- und Technikleistungen der Kernsanierung.
4. Was steckt in den 11,8 Millionen Euro?
Um die Rechnung nachvollziehbar zu machen, verteilen wir den Kostenrahmen auf die wesentlichen Gewerke. Dabei handelt es sich nicht um bereits vorliegende Einzelangebote. Die Aufteilung dient der Plausibilisierung des Gesamtkennwertes.
| Sanierungsbereich | Arbeitsansatz |
|---|---|
| Entkernung, Rückbau nicht schadstoffbelasteter Bauteile, Baustellenlogistik | 0,75 Mio. € |
| Grundleitungen, Schmutz- und Regenwasserleitungen | 0,60 Mio. € |
| Dach vollständig sanieren, Dämmung, Abdichtung, Anschlüsse | 1,05 Mio. € |
| Fassade und energetische Ertüchtigung | 0,75 Mio. € |
| Fenster und Außentüren vollständig erneuern | 1,10 Mio. € |
| Innentüren, Brandschutztüren und notwendige Trennwände | 0,65 Mio. € |
| Sanitär, Wasser- und Abwasserinstallation | 0,80 Mio. € |
| Heizung, Wärmeverteilung und erforderliche Lüftung | 1,30 Mio. € |
| Elektro komplett, Datenleitungen, IT, Sicherheits- und Kommunikationstechnik | 1,75 Mio. € |
| Böden, Wandoberflächen, Decken und Raumakustik | 1,25 Mio. € |
| Brandschutz, Barrierefreiheit und notwendige konstruktive Anpassungen | 1,05 Mio. € |
| Schnittstellen und technische Reserve innerhalb KG 300/400 | 0,75 Mio. € |
| Summe KG 300/400 | 11,80 Mio. € |
Hinzu kommen weitere Kostengruppen:
| Weitere Kosten | Arbeitsansatz |
|---|---|
| vorbereitende Maßnahmen, Baustelleneinrichtung, Sicherung | 0,60 Mio. € |
| feste Ausstattung / Einbauten | 0,35 Mio. € |
| Architekten, Fachplanung, Statik, Brandschutz, Gutachten, Projektsteuerung und sonstige Baunebenkosten | 2,60 Mio. € |
| Zwischensumme Kernsanierung ohne Schadstoffsonderkosten | 15,35 Mio. € |
Damit ergibt sich für die technische und bauliche Kernsanierung des Schulgebäudes zunächst ein Arbeitswert von rund:
15,4 Millionen Euro.
Das entspricht rund 4.040 Euro je m² BGF einschließlich Planung und Nebenkosten.
Das klingt auf den ersten Blick fast wie ein Neubaupreis. Genau das ist bei einer tiefgreifenden Kernsanierung jedoch nicht ungewöhnlich: Viele Gewerke werden komplett neu hergestellt, während gleichzeitig die vorhandene Gebäudestruktur zusätzliche Planungs-, Anpassungs- und Schnittstellenrisiken verursacht.
5. Das besondere Risiko: Schadstoffe
Hier liegt der größte Unsicherheitsfaktor der gesamten Sanierungsrechnung.
Für die Goethe-Schule liegen inzwischen Gefahrstoffuntersuchungen vor. Auch die Stadt weist darauf hin, dass ein Schadstoffgutachten ausgewertet wird beziehungsweise bei den weiteren Überlegungen berücksichtigt werden muss.
Das BKI führt Schadstoffsanierungen bei Nichtwohngebäuden sogar als eigene Kostengruppe von Vergleichsmaßnahmen; darunter befindet sich beispielsweise die PCB-Sanierung einer Schule mit 4.435 m² BGF. Das zeigt, dass solche Arbeiten nicht sinnvoll in einem gewöhnlichen Modernisierungspreis „versteckt“ werden sollten.
Bei einer Kernsanierung wird das Thema zwangsläufig relevant, denn wir greifen genau in die Bereiche ein, in denen belastete Baustoffe auftreten können: Böden, Kleber, Decken, Leitungsbereiche, Abdichtungen, Fugen, Fensteranschlüsse, technische Installationen und gegebenenfalls Dämmstoffe.
Deshalb rechnen wir nicht mit einer erfundenen exakten Schadstoffsumme, sondern mit einem Risikokorridor:
| Schadstoffszenario | zusätzlicher Ansatz |
|---|---|
| begrenzte, gut lokalisierbare Belastungen | ca. 1,0 Mio. € |
| realistischer Risikowert unserer Rechnung | ca. 2,0 Mio. € |
| umfangreiche Belastungen / schwierige Entsorgung / Arbeiten in vielen Bauteilen | ca. 3,0–4,0 Mio. € |
Damit steigt die reine Kernsanierung des Schulgebäudes in unserem mittleren Szenario von 15,35 auf:
rund 17,35 Millionen Euro.
Erst eine detaillierte Schadstoffkartierung mit Mengenansätzen kann diese Position genauer bestimmen.
6. Warum die Sanierung allein noch keine neue Goethe-Schule ergibt
Selbst eine perfekte Sanierung löst ein weiteres Problem nicht: Ein altes Schulgebäude wird durch neue Leitungen und neue Fenster nicht automatisch größer.
Die Stadt weist selbst darauf hin, dass die heutigen Raum- und Ausstattungsanforderungen einer Ganztagsschule deutlich höher sind und eine Sanierung deshalb mit einer Erweiterung verbunden werden müsste.
Benötigt werden unter anderem:
- Ganztags- und Betreuungsflächen,
- Gruppen- und Differenzierungsräume,
- Mensa und Gemeinschaftsflächen,
- ausreichende Personal- und Arbeitsräume,
- zusätzliche Funktionsräume,
- vier Räume für die Musikschule,
- eine Struktur, die möglichst auch eine spätere Entwicklung Richtung Vierzügigkeit nicht verhindert.
Wir rechnen deshalb mit rund 1.000 m² zusätzlicher BGF als Arbeitsgröße.
Für einen Erweiterungsbau gelten im Wesentlichen Neubaukosten. Auf Grundlage unserer Neubaukostenrechnung setzen wir gerundet:
1.000 m² × 4.100 €/m² = rund 4,1 Millionen Euro
an.
Damit liegen Kernsanierung einschließlich mittlerem Schadstoffansatz und funktionaler Erweiterung bereits bei:
17,35 + 4,10 = 21,45 Millionen Euro.
Sport- und Außenanlagen sowie die Interimsschule fehlen zu diesem Zeitpunkt noch vollständig.
7. Die entscheidende Zusatzposition: Wohin mit der Schule?
Eine derart umfassende Kernsanierung lässt sich nicht sinnvoll bei normalem Schulbetrieb durchführen.
Wenn Grundleitungen geöffnet, Elektroinstallationen komplett entfernt, Decken und Böden aufgenommen, Fenster ersetzt, Dachbereiche geöffnet und möglicherweise schadstoffbelastete Bauteile zurückgebaut werden, braucht die Goethe-Schule ein vollständiges Ausweichquartier.
Für unsere Rechnung setzen wir einschließlich Vor- und Nachlauf 36 Monate an.
Dass eine dreijährige Interimslösung schnell mehrere Millionen Euro kostet, zeigen kommunale Vergleichsprojekte.
Die Stadt Leonberg kalkulierte für eine Interimsschule über 36 Monate etwa 1.000 Euro je m² BGF für Erschließung, Aufstellung und Miete. Außenanlagen und Einrichtung waren darin noch nicht vollständig enthalten.
In der Wedemark werden für eine dreijährige Container-Interimslösung rund 2,16 Millionen Euro angesetzt; jedes weitere Jahr würde dort nochmals 365.000 Euro kosten.
Bei einer wesentlich kleineren aktuellen Lösung in Leingarten kosten sechs mobile Klassenräume für lediglich sechs Monate bereits rund 65.700 Euro.
Der Aufbau einer kompletten Grundschule ist also etwas völlig anderes als die Anmietung einiger weniger Klassencontainer.
8. Variante A: Anmietung geeigneter Räume am ASG-Campus
Eine denkbare Alternative zu einer vollständigen Containerschule wäre die Nutzung bereits vorhandener Schulräume in Quickborn – beispielsweise am Campus der ASG in der Feldbehnstraße.
Das dortige Gebäude verfügt insgesamt über rund 6.200 m² BGF. Es wurde 2018 fertiggestellt und ist bereits als Bildungsgebäude mit Klassenräumen, Fachräumen, Ganztagsbereichen und weiteren schulischen Funktionen konzipiert.
Ob dort zum erforderlichen Zeitpunkt tatsächlich genügend zusammenhängende Flächen zur Verfügung stehen und zu welchen Konditionen sie vermietet würden, ist derzeit offen. Wir rechnen diese Variante deshalb ausdrücklich nur als Modell.
Für eine Auslagerung der Goethe-Schule setzen wir etwa 2.800 m² Mietfläche an.
Aktuelle Gewerbemieten für Büro- und Praxisflächen in Quickborn bewegen sich grob um 12 Euro je m². Ein konkretes Angebot für 270 m² weist beispielsweise zusätzlich Nebenkosten von knapp vier Euro je m² und Monat aus.
Für ein bereits schultaugliches Sondergebäude rechnen wir deshalb modellhaft:
| ASG-Modellrechnung | Kosten |
|---|---|
| 2.800 m² × 12 €/m² Nettomiete × 36 Monate | 1,21 Mio. € |
| 2.800 m² × 4 €/m² Nebenkosten × 36 Monate | 0,40 Mio. € |
| temporäre Anpassungen, IT, Sicherheit, Beschilderung, schulische Ausstattung | ca. 0,45 Mio. € |
| Umzüge, Einrichtung, Rückbau und Wiederherstellung | ca. 0,25 Mio. € |
| Reserve | ca. 0,20 Mio. € |
| Interim über 3 Jahre | ca. 2,5 Mio. € |
Diese Variante wäre wahrscheinlich die wirtschaftlichste Lösung, wenn tatsächlich genügend geeignete Flächen verfügbar wären.
Die tatsächliche Miete müsste selbstverständlich verhandelt werden. Eine konkrete Mietforderung der ASG liegt unserer Rechnung nicht zugrunde.
9. Variante B: komplette Mobil- beziehungsweise Containerschule
Steht kein geeignetes Bestandsgebäude zur Verfügung, müsste ein erheblicher Teil der Goethe-Schule in eine temporäre Modul- oder Containeranlage ausgelagert werden.
Dabei reicht es nicht, zwölf Container nebeneinanderzustellen. Eine Grundschule benötigt zusätzlich:
- Gruppenräume,
- Sanitäranlagen,
- Verwaltung,
- Lehrer- und Personalräume,
- Betreuungsflächen,
- Speiseräume,
- Technik,
- barrierefreie Erschließung,
- Flure und Rettungswege,
- IT- und Sicherheitsanlagen.
Aktuelle Ausschreibungen zeigen die Größenordnung: Eine Interimsanlage mit 18 Klassenräumen und zahlreichen zusätzlichen Schulräumen umfasst beispielsweise rund 2.203 m² BGF.
Für die Goethe-Schule rechnen wir wiederum mit etwa 2.800 m².
Auf Basis des kommunalen Vergleichswertes von rund 1.000 €/m² für 36 Monate und der seitdem eingetretenen Baukostenentwicklung ergibt sich:
2.800 m² × ca. 1.050 €/m² = rund 2,94 Millionen Euro.
Hinzu kommen Außenflächen, zusätzliche Ausstattung, Umzüge und Unvorhergesehenes.
| Mobilklassen-/Containerlösung | Kosten |
|---|---|
| Aufbau, Erschließung, Miete und Rückbau 36 Monate | ca. 2,94 Mio. € |
| provisorische Außenanlagen / Wege / Einfriedung | ca. 0,30 Mio. € |
| zusätzliche Ausstattung / IT | ca. 0,20 Mio. € |
| Umzug / Rückumzug | ca. 0,20 Mio. € |
| Gesamt | ca. 3,6 Mio. € |
Für unsere mittlere Gesamtrechnung verwenden wir einen gemischten Interimskostenansatz von 2,8 Millionen Euro. Das unterstellt, dass zumindest ein Teil der benötigten Räume günstiger in vorhandenen Gebäuden untergebracht werden kann.
10. Unsere Gesamtrechnung für die Sanierungsvariante
Damit können wir die einzelnen Bausteine zusammenführen.
| Kostenblock | Arbeitswert 2026 |
|---|---|
| Kernsanierung bestehendes Schulgebäude | 15,35 Mio. € |
| Schadstoffsanierung / Risikobudget | 2,00 Mio. € |
| notwendige zusätzliche Schulflächen / Erweiterung | 4,10 Mio. € |
| Sporthallenlösung / Anpassung an zukünftigen Bedarf | 6,50 Mio. € |
| Außenanlagen / Erschließung / Anpassungen | 1,60 Mio. € |
| Interimsschule für etwa drei Jahre | 2,80 Mio. € |
| Umzüge und sonstige Übergangskosten | 0,40 Mio. € |
| Gesamtkosten | ca. 32,75 Mio. € |
Gerundet lautet unser realistischer Arbeitswert deshalb:
rund 32 bis 33 Millionen Euro auf Preisstand 2026.
Dabei ergibt sich folgende Bandbreite:
| Szenario | Gesamtkosten |
|---|---|
| günstiger Verlauf, geringe Schadstoffkosten, günstiges Interim | ca. 28–30 Mio. € |
| realistisches mittleres Szenario | ca. 32–33 Mio. € |
| hohe Schadstoffkosten, aufwendige Technik, vollständige Modulschule | ca. 36–40 Mio. € |
Damit ist die Sanierung keineswegs automatisch billiger als ein Neubau.
11. Interessanter Vergleich: Die bisherige offizielle Kostenschätzung
Besonders interessant ist der Vergleich mit der bereits vorliegenden Untersuchung der Stadt.
In der bisherigen Phase-Null-Untersuchung wurde die Variante einer Bestandssanierung beziehungsweise „Transformation Bestand“ mit rund 25,19 Millionen Euro angegeben.
Die Berechnung basierte auf BKI 25/1, berücksichtigte für den Kreis Pinneberg einen Regionalfaktor von minus 2,5 Prozent sowie einen Zeitfaktor von plus 4 Prozent. Gleichzeitig wurde ausdrücklich eine sehr große Schwankungsbreite von ±40 Prozent angegeben.
Entscheidend ist aber ein Punkt, der beim bloßen Blick auf die Zahl von 25,19 Millionen Euro leicht untergeht:
Für das Interim waren lediglich rund 270.000 Euro angesetzt – für etwa 150 m² über drei Jahre.
Das ist keine vollständige Auslagerung einer dreizügigen Grundschule.
Allein unsere sehr zurückhaltende Modellrechnung für ein vollständiges Interim liegt dagegen bei etwa 2,5 bis 3,6 Millionen Euro.
Die Differenz beträgt damit grob:
plus 2,2 bis 3,3 Millionen Euro.
Hinzu kommt, dass Spezialrückbau und besondere Entsorgungskosten schadstoffbelasteter Bauteile in der bisherigen Kostenprognose nicht vollständig enthalten waren.
Rechnet man allein einen vollständigen Interimskostenansatz und einen angemessenen Schadstoffpuffer hinzu, landet man ausgehend von den offiziellen 25,19 Millionen Euro bereits schnell in einer Größenordnung von:
rund 29 bis 32 Millionen Euro.
Weitere Preissteigerungen und Planungsrisiken kommen gegebenenfalls noch hinzu.
Unsere unabhängige Bottom-up-Rechnung mit rund 32 bis 33 Millionen Euro liegt deshalb keineswegs weit von der bisherigen offiziellen Untersuchung entfernt. Der Unterschied entsteht vor allem dadurch, dass wir die Kostenblöcke für vollständige Auslagerung und Schadstoffrisiko ausdrücklich sichtbar machen.
Und die Schwankungsbreite der bisherigen Studie zeigt selbst, wie früh die Planung noch ist: Bei ±40 Prozent würde ein Ausgangswert von 25,19 Millionen Euro rechnerisch eine Spanne von rund 15,1 bis 35,3 Millionen Euro zulassen.
Das ist keine Kritik an einer frühen Machbarkeitsstudie. Es zeigt lediglich, dass aus einer frühen Kostenindikation keine auf hunderttausend Euro belastbare Investitionssumme gemacht werden sollte.
12. Was passiert, wenn erst in einigen Jahren saniert wird?
Auch eine Sanierung würde nicht zum heutigen Preisstand durchgeführt.
Das Statistische Bundesamt meldet weiterhin deutliche Baupreissteigerungen. Im Mai 2026 stiegen die Preise für Ausbauarbeiten gegenüber dem Vorjahr um 5,1 Prozent. Elektro-, Sicherheits- und informationstechnische Anlagen verteuerten sich sogar um 6,4 Prozent, Dachdeckungsarbeiten um 7,3 Prozent. Gerade diese Gewerke spielen bei der Kernsanierung der Goethe-Schule eine große Rolle.
Für unsere langfristige Modellrechnung bleiben wir trotzdem bei einer vorsichtigeren durchschnittlichen Annahme von 4 Prozent pro Jahr.
Ausgehend von 32,8 Millionen Euro ergibt sich:
| Preisstand | Faktor | Sanierungsvariante |
|---|---|---|
| 2026 | 1,000 | 32,8 Mio. € |
| 2028 | 1,082 | ca. 35,5 Mio. € |
| 2029 | 1,125 | ca. 36,9 Mio. € |
| 2030 | 1,170 | ca. 38,4 Mio. € |
| 2031 | 1,217 | ca. 39,9 Mio. € |
Damit kann auch die Sanierungsvariante bei einer späteren Umsetzung die Marke von 40 Millionen Euro erreichen.
13. Fazit: Sanieren geht – billig wird es nicht
Die Frage, ob die Goethe-Schule grundsätzlich kernsaniert werden könnte, muss von der Frage getrennt werden, ob dies die wirtschaftlichste Lösung wäre.
Technisch ist eine Kernsanierung grundsätzlich vorstellbar. Sie müsste allerdings konsequent erfolgen. Eine langfristige Lösung kann nicht darin bestehen, einzelne Gewerke zu erneuern und wesentliche 60 Jahre alte technische Systeme im Gebäude zu belassen.
Unsere Rechnung geht deshalb von einem klaren Schnitt aus:
| Arbeitswert | |
|---|---|
| reine Kernsanierung Gebäude | ca. 15,4 Mio. € |
| zzgl. mittleres Schadstoffbudget | ca. 2,0 Mio. € |
| Kernsanierung Bestand | ca. 17,4 Mio. € |
| Erweiterung für heutige Anforderungen | ca. 4,1 Mio. € |
| Sporthallenlösung und Außenanlagen | ca. 8,1 Mio. € |
| vollständiges Interim und Umzüge | ca. 3,2 Mio. € |
| Gesamt | ca. 32,8 Mio. € |
Damit liegen Bestandssanierung und Neubau wirtschaftlich wesentlich dichter beieinander, als es zunächst erscheinen könnte.
Unsere Neubauanalyse kam auf rund 34 bis 35 Millionen Euro auf Preisstand 2026. Für eine umfassende Sanierungs- und Erweiterungslösung kommen wir jetzt auf rund 32 bis 33 Millionen Euro.
Der rechnerische Unterschied beträgt damit im mittleren Szenario nur rund 2 Millionen Euro.
Und genau hier liegt die eigentliche Abwägung.
Beim Neubau erhält Quickborn ein vollständig neu geplantes Gebäude mit einem auf Ganztag, moderne Pädagogik, Energieeffizienz und mögliche spätere Erweiterung zugeschnittenen Grundriss.
Bei der Kernsanierung bleibt dagegen die bestehende Tragstruktur und damit auch ein Teil der räumlichen Vorgaben eines Schulbaus aus den 1960er-Jahren erhalten. Gleichzeitig trägt diese Variante höhere Risiken bei Schadstoffen, verborgenen Bauteilen und Überraschungen während der Bauarbeiten.
Dafür bleibt ein erheblicher Teil der vorhandenen Bausubstanz erhalten – auch das ist wirtschaftlich und ökologisch ein Wert.
Die Sanierung sollte deshalb nicht mit dem Argument ausgeschlossen werden, sie sei technisch unmöglich. Entscheidend ist die andere Frage: Ist es sinnvoll, für eine umfassende Sanierungs-, Erweiterungs- und Interimslösung möglicherweise mehr als 30 Millionen Euro auszugeben, wenn ein vollständiger Neubau nach unserer aktuellen Rechnung nur wenige Millionen Euro darüber liegt?
Diese Frage lässt sich am Ende nur mit einer sauberen Wirtschaftlichkeitsuntersuchung beantworten, in der beide Varianten mit identischem Raumprogramm, identischem Preisstand, vollständigem Interim und denselben Risikozuschlägen nebeneinandergestellt werden.
Genau darauf kommt es jetzt an.
Quellengrundlage: Stadt Quickborn; Phase-Null-/ConceptK-Unterlagen zur Goethe-Schule; Statistisches Bundesamt; BKI Baukosten Altbau 2026; kommunale Kostenberechnungen und Vergleichsprojekte für Generalsanierungen sowie Interimsschulen; aktuelle Mietangebote und Marktdaten für Quickborn.
Stand: 3. September 2026. Sämtliche Beträge brutto und gerundet. Die Berechnung ist eine redaktionelle Kostenindikation und keine Kostenberechnung nach DIN 276. Insbesondere Schadstoffmengen, tatsächliche Bestands-BGF, erforderliche Erweiterungsfläche sowie Mietkonditionen eines möglichen Ausweichquartiers müssen im weiteren Verfahren konkretisiert werden.
