Schadstoffe in der Goethe-Schule: Was gefunden wurde, was die Messwerte bedeuten – und was noch offen ist
Stand: 4. September 2026
Die Goethe-Schule in Quickborn ist ein Gebäude aus einer Zeit, in der zahlreiche Baustoffe verwendet wurden, die heute wegen ihrer gesundheitlichen Risiken nicht mehr eingesetzt werden dürfen.
Seit Frühjahr 2026 wissen wir deutlich genauer, welche Altlasten tatsächlich im Gebäude vorhanden sind.
Die Liste ist umfangreich: Asbest, alte künstliche Mineralfasern, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), PCB, die Holzschutzmittel Pentachlorphenol (PCP) und Lindan sowie stark bleihaltige und teilweise bleichromathaltige Beschichtungen wurden im Gebäude festgestellt. Die ursprüngliche Untersuchung vom 11. Mai 2026 war ausdrücklich eine orientierende Gebäudegefahrstoffuntersuchung. Alle zugänglichen Räume wurden begangen und zahlreiche Bauteile geöffnet und beprobt. Gleichzeitig stellt das Gutachterbüro klar, dass damit noch nicht die vollständige Probenzahl einer umfassenden Detailuntersuchung erreicht wurde.
Bei vielen Schadstoffen handelt es sich zunächst um Materialbefunde. Das bedeutet: Ein Stoff wurde in einem bestimmten Bauteil nachgewiesen. Daraus folgt noch nicht automatisch, dass Schülerinnen und Schüler diesen Stoff im normalen Schulbetrieb in gesundheitlich relevanter Menge aufnehmen.
Bei PCB ist die Situation inzwischen anders. PCB wurde nicht nur in zahlreichen Baustoffen gefunden, sondern auch tatsächlich in der Raumluft von Schulräumen gemessen.
Der höchste dokumentierte Wert beträgt 383,9 ng/m³. Damit wird der bisherige Vorsorgewert von 300 ng/m³ überschritten. Nach der 2025 veröffentlichten wissenschaftlichen Neubewertung des Ausschusses für Innenraumrichtwerte liegt der gesundheitsbezogene Richtwert I bei 80 ng/m³ und der Richtwert II bei 800 ng/m³. Mehrere untersuchte Räume liegen oberhalb von 80 ng/m³. 800 ng/m³ werden dagegen nicht erreicht.
Die Gutachter verlangen nach dem derzeitigen Untersuchungsstand keine sofortige Schließung der Schule.
Sie geben aber ebenso wenig eine abschließende Entwarnung.
Weitere Raumluftmessungen werden ausdrücklich empfohlen. Eine finale Bewertung sei erst möglich, wenn die PCB-haltigen Materialien und insbesondere die Primärquellen weiter eingegrenzt worden seien. 260821is26-113-2bewertungpcb-ergebnisseinklanhang.pdf
Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in Kürze
- Warum wurde die Goethe-Schule untersucht?
- Wie umfassend war die erste Untersuchung?
- Materialfund, Raumluft und tatsächliche Belastung – drei verschiedene Dinge
- Welche Schadstoffe wurden gefunden?
- Asbest
- Alte künstliche Mineralfasern
- PAK und Benzo(a)pyren
- PCB – der wichtigste aktuelle Raumluftbefund
- Was macht PCB im Körper?
- PCP und Lindan
- Blei und Bleichromat
- Quecksilber
- Was wissen wir über die tatsächliche Belastung der Kinder?
- Kann die Schule derzeit weiter betrieben werden?
- Warum weitere Untersuchungen notwendig sind
- Offene Frage: die angekündigten PCP-Innenraummessungen
- Was bedeutet das für eine Kernsanierung?
- Was könnte noch im Gebäude verborgen sein?
- Sanierung oder Abriss – Schadstoffe kosten in beiden Fällen Geld
- Die aktuellen WC-Arbeiten lösen die Schadstoffproblematik nicht
- Sachliches Zwischenfazit
- Einordnung von Quickborn Aktuell
- Welche Fragen müssen jetzt beantwortet werden?
- Quellen und Originalunterlagen
Das Wichtigste in Kürze
- Die Stadt Quickborn ließ die Goethe-Schule 2026 auf Schad- und Gefahrstoffe untersuchen, weil Sanierungs- und Rückbauarbeiten vorbereitet werden sollten.
- Die Untersuchung vom 11. Mai 2026 war ausdrücklich orientierend und keine vollständige Detailuntersuchung aller verdeckten Bauteile.
- Gefunden wurden unter anderem Asbest, alte Mineralfasern, PAK, PCB, PCP, Lindan, Blei, Bleichromat und Quecksilber.
- Besonders auffällig sind stark PCB-haltige Fassadenfugen mit rund 298.500 mg/kg.
- PCB wurde anschließend auch in der Raumluft nachgewiesen.
- Der höchste dokumentierte Raumluftwert beträgt 383,9 ng/m³.
- Damit wird der bisherige Vorsorgewert von 300 ng/m³ überschritten.
- Mehrere Räume überschreiten außerdem den 2025 veröffentlichten neuen gesundheitsbezogenen Richtwert von 80 ng/m³.
- Der neue Richtwert II von 800 ng/m³ sowie der bisherige Interventionswert von 3.000 ng/m³ werden nicht erreicht.
- Die Gutachter fordern keine sofortige Schließung der Schule.
- Sie empfehlen jedoch ausdrücklich weitere Raumluftmessungen und weitere Untersuchungen der PCB-Primärquellen.
- Eine finale Bewertung ist nach Aussage des Gutachters derzeit noch nicht möglich.
- Für viele andere gefundene Schadstoffe liegen bislang Materialbefunde, aber keine vergleichbar umfassenden Messungen der tatsächlichen Innenraumbelastung vor.
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Warum wurde die Goethe-Schule untersucht?
Auftraggeber der Untersuchungen ist die Stadt Quickborn.
Der Anlass war zunächst keine bekannte akute Gesundheitsgefahr. Hintergrund waren geplante Sanierungs- beziehungsweise Rückbaumaßnahmen am Schulgebäude.
Bei Gebäuden dieser Bauzeit muss vor umfangreicheren Eingriffen bekannt sein, welche Schad- und Gefahrstoffe in Bauteilen vorhanden sind. Das ist für Planung, Arbeitsschutz, Ausschreibung, Rückbau und Entsorgung erforderlich.
Die AB – Dr. A. Berg GmbH wurde deshalb mit einer orientierenden Gefahrstoffuntersuchung beauftragt. Die Probenahmen fanden am 9. und 10. April 2026 statt. Der Bericht trägt das Datum 11. Mai 2026. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Diese erste Untersuchung brachte zahlreiche Schadstoffbefunde.
Unter anderem wurden erhebliche PCB-Gehalte in verschiedenen Materialien festgestellt.
Daraufhin hielt das Sachverständigenbüro zusätzliche Untersuchungen der Raumluft für erforderlich. Die Gutachter erläutern ausdrücklich, dass die gesundheitliche Bedeutung von PCB wesentlich anhand der Raumluftkonzentration beurteilt wird. 260820is26-113-1vorlufigebewertungpcb-ergebnisse.pdf
Die erste PCB-Raumluftuntersuchung wiederum brachte erhöhte Messwerte.
Deshalb wurde am 7. August 2026 erneut gemessen und die Untersuchung auf weitere Räume ausgeweitet. Ziel war ausdrücklich festzustellen, in welchem Umfang weitere erhöhte PCB-Raumluftkonzentrationen vorhanden sein könnten und gleichzeitig die ersten Ergebnisse zu überprüfen. 260821is26-113-2bewertungpcb-ergebnisseinklanhang.pdf
Die immer weitergehenden Untersuchungen sind damit eine direkte Folge der jeweils vorher festgestellten Befunde und der Empfehlungen des Gutachters.
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Wie umfassend war die erste Untersuchung?
Die genaue Bezeichnung des Berichts vom 11. Mai 2026 ist wichtig:
„Orientierende Gebäudegefahrstoffuntersuchung“.
Alle zugänglichen Räume wurden begangen.
Einbauten wurden stichprobenartig überprüft.
Fußböden, Wände und Decken wurden an verschiedenen Stellen geöffnet.
Verdächtige Materialien wurden beprobt und analysiert. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Das Sachverständigenbüro stellt gleichzeitig ausdrücklich fest, dass noch nicht die volle und sehr hohe Anzahl der nach VDI 6202 Blatt 3 möglichen beziehungsweise vorgesehenen Proben genommen wurde.
Das bedeutet nicht, dass die Untersuchung oberflächlich war.
Sie ist mit zahlreichen Materialproben ausgesprochen umfangreich.
Es bedeutet aber auch nicht, dass damit jedes verdeckte Bauteil des gesamten Schulgebäudes abschließend untersucht wurde. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Wo sich bei der orientierenden Untersuchung Auffälligkeiten ergaben, sollten nach dem Gutachten zusätzliche Proben helfen, den Umfang der Belastung weiter einzugrenzen.
Genau dieser Prozess findet inzwischen bei PCB statt.
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Materialfund, Raumluft und tatsächliche Belastung – drei verschiedene Dinge
Gerade bei Schadstoffen in einer Grundschule muss sauber unterschieden werden.
Erste Ebene: Ein Schadstoff befindet sich in einem Baustoff.
Ein Labor weist beispielsweise Asbest in einer Bodenplatte oder Blei in einer Lackschicht nach.
Zweite Ebene: Der Schadstoff wird aus diesem Material freigesetzt.
Das kann durch Ausgasung, Alterung, Abrieb, Beschädigung, Bohren, Schleifen, Brechen oder Rückbau geschehen.
Dritte Ebene: Menschen nehmen den Stoff tatsächlich auf.
Erst hier geht es um eine konkrete Exposition über Atemluft, Staub, Haut oder andere Aufnahmewege.
Bei Asbest ist beispielsweise entscheidend, ob Fasern freigesetzt werden.
Eine intakte fest gebundene Asbestplatte ist anders zu bewerten als dieselbe Platte beim Bohren oder Herausbrechen.
Bei Blei ist insbesondere entscheidend, ob bleihaltiger Staub oder Abrieb entsteht.
Bei PCB können bestimmte Fugenmassen und Beschichtungen dagegen über viele Jahre Stoffe in die Raumluft abgeben, ohne dass sie mechanisch bearbeitet werden.
Genau deshalb sind die inzwischen vorliegenden PCB-Raumluftmessungen für die Bewertung des laufenden Schulbetriebs besonders wichtig.
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Welche Schadstoffe wurden gefunden?
| Schadstoff | Beispiele aus dem Gebäude | Wesentliche Bedeutung |
|---|---|---|
| Asbest | Vinyl-Asbestplatten, schwarze Kleber, Kitte, Bodenaufbauten, Fassadenplatten; weitere mögliche Vorkommen in älteren Bauteilen | Besonders relevant bei Beschädigung und Bauarbeiten |
| Alte KMF | Dämmungen an Leitungen, unter Estrichen und in Dachaufbauten | Faserstaub vor allem bei Demontage |
| PAK | Rohrbeschichtungen, Horizontalabdichtungen, Dachbahnen | Teilweise hohe Belastung; einige PAK sind krebserzeugend |
| PCB | Fassadenfugen, Türzargen, Heizkörper, Fensteranstriche, Dichtungen, weitere Beschichtungen | Zusätzlich in der Raumluft nachgewiesen |
| PCP / Lindan | alte Holzfenster beziehungsweise deren Beschichtungen | Materialbefund; aktuelle Innenraumbelastung noch nicht abschließend dokumentiert |
| Blei / Bleichromat | alte Fenster-, Türzargen- und Geländerbeschichtungen | Staub und Abrieb gesundheitlich relevant |
| Quecksilber | unter anderem alter Fensteranstrich und Leuchtstoffröhren | Freisetzung und Aufnahme entscheidend |
Das Inhaltsverzeichnis der Gefahrstoffuntersuchung dokumentiert diese verschiedenen Schadstoffgruppen und ihre Fundbereiche ausführlich. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
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Asbest
Was wurde gefunden?
Asbest wurde an verschiedenen Stellen im Schulgebäude festgestellt.
Dazu gehören unter anderem Vinyl-Asbestplatten und schwarze Kleber.
Die untersuchten Flexplatten und schwarzen Kleber in mehreren Räumen waren asbesthaltig. Das Gutachten geht deshalb davon aus, dass augenscheinlich vergleichbare Flexplatten mit entsprechenden schwarzen Klebern grundsätzlich ebenfalls asbesthaltig sein können. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Auch in einzelnen Rauchschutz- beziehungsweise Türbereichen und Bodenaufbauten wurde Chrysotilasbest nachgewiesen. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
An der Fassade wurden außerdem asbesthaltige Faserzementplatten festgestellt.
Das Gutachten stuft diese als fest gebundene Asbestprodukte ein. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Daneben gibt es ältere Bauteile, beispielsweise Metall- und Brandschutztüren, bei denen aufgrund Baujahr und Konstruktion grundsätzlich mit asbesthaltigen Bestandteilen gerechnet wird, ohne dass jede einzelne Tür zerstörend untersucht wurde.
Das Gutachten erläutert nachvollziehbar, warum auf ein flächendeckendes Aufbohren solcher Türen verzichtet wurde: Dadurch könnten die Feuerschutzeigenschaften verloren gehen und selbst Fasern freigesetzt werden. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Was macht Asbest gesundheitlich?
Gesundheitsgefährlich sind vor allem eingeatmete Asbestfasern.
Sehr feine Fasern können tief in die Lunge gelangen und dort sehr lange verbleiben.
Asbest ist eindeutig krebserzeugend.
Eine relevante Exposition kann unter anderem Asbestose, Lungenkrebs und Mesotheliome verursachen.
Die Erkrankungen treten häufig erst Jahrzehnte nach der Exposition auf.
Was bedeutet der Asbestfund für den normalen Schulbetrieb?
Der reine Nachweis von Asbest bedeutet nicht automatisch, dass Schülerinnen und Schüler im normalen Unterricht Asbestfasern einatmen.
Das Gutachten stellt beispielsweise für die asbesthaltigen Vinylplatten und schwarzen Kleber ausdrücklich fest, dass die Fasern im unbeschädigten Zustand im Produkt fixiert sind und bei normaler Nutzung keine Faserfreisetzung und damit keine Gesundheitsgefährdung zu erwarten ist. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Die Situation ändert sich jedoch bei Bohren, Schleifen, Brechen, Beschädigen oder Ausbau.
Für eine umfassende Kernsanierung ist der Asbestbefund deshalb erheblich.
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Alte künstliche Mineralfasern
Im Gebäude wurden künstliche Mineralfasern – kurz KMF – in mehreren typischen älteren Dämmkonstruktionen festgestellt.
Sie befinden sich unter anderem an Versorgungsleitungen, als Trittschalldämmung unter Estrichen sowie in Hohlräumen der Dachkonstruktion.
Warum sind alte Mineralwollen problematisch?
Bei vor 1996 verwendeten Mineralwollen muss nach den technischen Arbeitsschutzregeln grundsätzlich damit gerechnet werden, dass es sich um sogenannte alte Mineralwolle handelt.
Das Gutachten erläutert, dass entsprechende alte Mineralfasern je nach Faserbeschaffenheit als krebserzeugend beziehungsweise als möglicherweise krebserzeugend eingestuft werden können. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Entscheidend ist auch hier die Faserfreisetzung.
Eine unter Estrich oder hinter einer Verkleidung liegende Dämmung ist nicht dasselbe wie freier Mineralfaserstaub in einem Unterrichtsraum.
Die bisherigen Unterlagen belegen keine aktuelle KMF-Raumluftbelastung der Klassenräume.
Bei einer Demontage, beim Öffnen von Fußböden oder bei Arbeiten an Dach und Leitungen kann die Situation jedoch völlig anders sein.
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PAK und Benzo(a)pyren
PAK steht für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.
Sie kommen insbesondere in älteren teer- und pechhaltigen Baumaterialien vor.
Einige PAK besitzen krebserzeugende, erbgutverändernde oder fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften.
Als wichtige Leitsubstanz wird Benzo(a)pyren verwendet.
Was wurde in der Goethe-Schule festgestellt?
Im gesamten Gebäude verlaufen Metallleitungen mit schwarzen Beschichtungen.
Das Sachverständigenbüro stuft diese aufgrund von Erfahrungswerten als stark PAK-haltig und hinsichtlich des erwarteten Benzo(a)pyren-Gehalts als krebserzeugend ein.
Eine eigene Laboranalyse dieser Rohrbeschichtungen wurde im Rahmen des Auftrags allerdings nicht vorgenommen. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Eine schwarze Horizontalabdichtung im Kellergeschoss wurde dagegen analysiert.
Gemessen wurden:
PAK gesamt: 763 mg/kg
Benzo(a)pyren: 47,7 mg/kg
Der im Gutachten verwendete Schwellenwert für die Einstufung dieses Materials als krebserzeugend liegt bei 50 mg/kg Benzo(a)pyren.
Der untersuchte Wert liegt knapp darunter. Aufgrund des hohen Gesamt-PAK-Gehalts wird das Material dennoch als stark PAK-haltig bewertet. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Auch verschiedene Dachbahnen enthalten PAK, dort allerdings mit deutlich niedrigeren Benzo(a)pyren-Gehalten. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Was bedeutet das gesundheitlich?
PAK können beispielsweise über belasteten Staub eingeatmet oder verschluckt und teilweise über die Haut aufgenommen werden.
Aus den bisherigen Materialproben ergibt sich jedoch kein Nachweis dafür, dass Schülerinnen und Schüler aktuell einer gesundheitlich relevanten PAK-Konzentration in der Innenraumluft ausgesetzt sind.
Bei einer Sanierung oder einem Rückbau können die stark belasteten verdeckten Materialien dagegen erheblich relevant werden.
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PCB – der wichtigste aktuelle Raumluftbefund
PCB unterscheidet sich bei der Goethe-Schule von den meisten anderen Schadstoffbefunden in einem entscheidenden Punkt:
PCB wurde nicht nur in Baustoffen gefunden, sondern inzwischen auch in der Raumluft von Schulräumen gemessen.
Wo wurde PCB in den Baustoffen gefunden?
Besonders auffällig ist die flexible Fugenmasse zwischen den Waschbetonplatten der Außenfassade.
Gemessen wurden dort rund 298.500 mg/kg PCB.
Das Gutachten stuft Materialien mit mehr als 1.000 mg/kg grundsätzlich als primär belastet beziehungsweise als PCB-Primärquelle ein.
Die Fassadenfuge liegt mit 298.500 mg/kg weit darüber.
Auch die Beschichtung einer Türzarge wurde mit 3.888 mg/kg als Primärquelle eingestuft.
Weitere erhebliche Werte finden sich unter anderem bei:
- Holzfensteranstrich: rund 426 mg/kg
- Türzarge in einem Klassenraum: rund 629 mg/kg
- weiteren Türzargen und Heizkörperbeschichtungen
- Dichtungen
- Geländerbeschichtungen
Das Gutachten weist ausdrücklich darauf hin, dass bei sekundär belasteten Materialien eine bislang nicht erkannte oder verdeckte Primärquelle vorhanden sein kann beziehungsweise vorhanden gewesen sein kann.
Deshalb werden bereits in der Materialuntersuchung weitere Proben empfohlen. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Warum wurden Raumluftmessungen durchgeführt?
Aufgrund der erhöhten PCB-Gehalte der Materialien hielt das Gutachterbüro Raumluftmessungen für erforderlich.
Die erste Untersuchung fand am 3. Juli 2026 statt.
Sechs Räume wurden untersucht – vier im Erdgeschoss und zwei im ersten Obergeschoss.
Dabei wurde:
- im Raum R30 der Wert von 80 ng/m³ überschritten,
- im Raum R40 der bisherige Vorsorgewert von 300 ng/m³ überschritten.
Daraufhin wurden am 7. August bei sommerlichen Temperaturen weitere Räume untersucht.
Im ersten Obergeschoss wurde auch in Raum R43 ein Wert von mehr als 80 ng/m³ festgestellt. 260821is26-113-2bewertungpcb-ergebnisseinklanhang.pdf
Welche Werte wurden gemessen?
Der höchste dokumentierte Wert beträgt:
383,9 ng/m³.
Weitere auffällige dokumentierte Werte liegen unter anderem bei:
112,1 ng/m³
92,5 ng/m³
Daneben wurden zahlreiche deutlich niedrigere Werte gemessen. [oai_citation:25‡260821is26-113-2bewertungpcb-ergebnisseinklanhang.pdf](sediment://file_000000000cf88246810a39faa4813e57)
Welche Richtwerte gibt es?
Die bisherige PCB-Richtlinie arbeitet mit:
300 ng/m³ – Vorsorgewert
3.000 ng/m³ – Interventionswert
Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte beim Umweltbundesamt hat PCB 2025 wissenschaftlich neu bewertet.
Die neuen gesundheitsbezogenen Innenraumrichtwerte lauten:
80 ng/m³ – Richtwert I
800 ng/m³ – Richtwert II
Die Gutachter weisen in ihrer Bewertung selbst auf diese deutlich abgesenkten Werte hin. 260821is26-113-2bewertungpcb-ergebnisseinklanhang.pdf
Damit gilt für die Goethe-Schule:
383,9 ng/m³ liegen über dem neuen Richtwert I von 80 ng/m³.
383,9 ng/m³ liegen auch über dem bisherigen Vorsorgewert von 300 ng/m³.
Der neue Richtwert II von 800 ng/m³ wird nicht erreicht.
Der bisherige Interventionswert von 3.000 ng/m³ wird ebenfalls deutlich unterschritten.
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Was macht PCB im Körper?
PCB steht für polychlorierte Biphenyle.
Die Stoffe wurden früher unter anderem als Weichmacher in Fugenmassen sowie in Lacken, Farben, Klebstoffen und technischen Anlagen eingesetzt.
PCB sind sehr langlebig und fettlöslich.
Sie werden im Körper nur langsam abgebaut und können sich insbesondere im Fettgewebe anreichern.
Der heutige wissenschaftliche Kenntnisstand beschreibt mögliche Wirkungen unter anderem auf:
- das sich entwickelnde Nervensystem,
- das Immunsystem,
- die Schilddrüse,
- die Fortpflanzung,
- die Leber,
- die Haut,
- das Herz-Kreislauf-System.
PCB besitzen außerdem ein krebserzeugendes Potenzial.
Gerade Wirkungen auf das sich entwickelnde Nervensystem und das Immunsystem gehören nach heutiger wissenschaftlicher Bewertung zu den besonders sensiblen gesundheitlichen Endpunkten.
Was bedeutet das für Grundschulkinder?
Kinder sind gegenüber verschiedenen Umweltbelastungen besonders schutzbedürftig, weil sich Nervensystem, Immunsystem und andere Organsysteme noch entwickeln.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Raumluftwert von 383,9 ng/m³ beweist, dass ein bestimmtes Kind gesundheitlich geschädigt wurde.
Ein Raumluftmesswert ist keine Blutuntersuchung und keine individuelle medizinische Diagnose.
Er zeigt die Konzentration in einem bestimmten Raum unter bestimmten Bedingungen.
Wie viel PCB ein einzelnes Kind tatsächlich aufgenommen hat, hängt unter anderem davon ab:
- in welchen Räumen es sich aufhält,
- wie lange es sich dort aufhält,
- wie häufig und wie gut gelüftet wird,
- welche weiteren Aufnahmewege bestehen.
Die Raumluftmessungen begründen deshalb Vorsorge- und Sanierungsfragen.
Sie beweisen keine individuelle Erkrankung.
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PCP und Lindan
Neben PCB ist insbesondere der Fund alter Holzschutzmittel interessant.
Bei einem alten Holzrahmenfenster im Kellergeschoss wurden gemessen:
PCP: 444 mg/kg
Lindan: 517 mg/kg
Monochlornaphthalin: 3,40 mg/kg
Dichlofluanid: 3,30 mg/kg
Das Gutachten stellt ausdrücklich fest, dass an diesem Fenster eine länger zurückliegende Behandlung mit PCP- und Lindan-haltigen Holzschutzmitteln nachgewiesen wurde. [oai_citation:28‡Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf](sediment://file_0000000022f481f49bc0144bea6719a5)
Was ist PCP?
PCP steht für Pentachlorphenol.
Der Stoff wurde früher umfangreich als Holzschutzmittel eingesetzt.
PCP kann über Atemwege, Haut und andere Aufnahmewege in den Körper gelangen.
Bei chronischer Belastung sind unter anderem Wirkungen auf Leber, Nervensystem und Immunsystem beschrieben.
Pentachlorphenol wird zudem als krebserzeugend für den Menschen eingestuft.
Was ist Lindan?
Lindan ist ein chloriertes Insektizid, das früher ebenfalls in Holzschutzmitteln eingesetzt wurde.
Es ist langlebig und gehört zu den international stark regulierten persistenten organischen Schadstoffen.
Auch Lindan wird als krebserzeugend für den Menschen eingestuft.
Was bedeuten die Werte in der Goethe-Schule?
Hier ist die wichtige Unterscheidung besonders deutlich:
444 mg/kg PCP und 517 mg/kg Lindan sind Materialwerte.
Sie wurden im untersuchten Fensteranstrich gemessen.
Es handelt sich nicht um Raumluftwerte.
Aus ihnen kann nicht unmittelbar abgeleitet werden, welche Menge Schülerinnen oder Schüler tatsächlich aufnehmen.
Für eine Bewertung des Innenraums wären entsprechende Messungen der Raumluft beziehungsweise gegebenenfalls des Hausstaubs erforderlich.
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Blei und Bleichromat
In verschiedenen alten Beschichtungen wurden erhebliche Bleigehalte festgestellt.
Beispiele:
Holzfensteranstrich: 8.400 mg/kg Blei
Türzargenbeschichtung: 5.800 mg/kg Blei
Stahlgeländer im Eingangsbereich: 15.000 mg/kg Blei
Bei der untersuchten Türzargenbeschichtung wurden außerdem 7.100 mg/kg Chrom festgestellt.
Das Gutachten bezeichnet die Probe ausdrücklich als bleichromathaltig und weist darauf hin, dass bleichromathaltige Materialien krebserregend sind. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Warum ist Blei gerade bei Kindern besonders relevant?
Blei ist ein Nervengift.
Besonders empfindlich ist das sich entwickelnde Nervensystem von Kindern.
Eine relevante Bleiaufnahme kann unter anderem die neurologische Entwicklung, Blutbildung und weitere Organsysteme beeinträchtigen.
Bedeutet ein hoher Materialwert automatisch eine Belastung der Kinder?
Nein.
Ein Lack mit 15.000 mg/kg Blei ist ein stark bleihaltiges Material.
Damit ist aber noch nicht bewiesen, dass Blei in der Raumluft oder im Staub eines Unterrichtsraumes in gesundheitlich relevanter Konzentration vorhanden ist.
Besonders problematisch sind Arbeiten wie:
- Schleifen,
- Bürsten,
- Strahlen,
- Abbrennen,
- Zerspanen.
Das Gutachten weist ausdrücklich darauf hin, dass bei der Bearbeitung stark bleihaltiger Beschichtungen erhebliche Expositionen entstehen können und deshalb besondere Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
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Quecksilber
Bei dem untersuchten alten Holzfenster wurde neben Blei, PCB, PCP und Lindan auch Quecksilber festgestellt.
Der Materialwert beträgt 27 mg/kg. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Darüber hinaus weist das Gutachten auf die im Gebäude vorhandenen Leuchtstoffröhren hin.
Solche Leuchtmittel enthalten Quecksilber.
Das Gutachten stellt hierzu ausdrücklich fest, dass bei intakten Leuchtstoffröhren keine Exposition gegenüber dem enthaltenen Quecksilber besteht.
Eine Freisetzung kann dagegen bei einem Bruch der Leuchtmittel auftreten. Grundschule Goetheschule -Gefahrstoffanalyse.pdf
Was macht Quecksilber gesundheitlich?
Die Wirkung hängt stark von der chemischen Form und dem Aufnahmeweg ab.
Quecksilber kann insbesondere das Nervensystem und die Nieren schädigen.
Gerade das sich entwickelnde Nervensystem von Kindern reagiert gegenüber bestimmten Quecksilberverbindungen besonders empfindlich.
Auch hier gilt:
Der Nachweis von Quecksilber in einem alten Anstrich beweist keine aktuelle relevante Quecksilberexposition der Schülerinnen und Schüler.
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Was wissen wir über die tatsächliche Belastung der Kinder?
Genau hier sollte weder dramatisiert noch verharmlost werden.
Wir wissen:
Im Gebäude sind zahlreiche gesundheitsgefährdende Stoffe vorhanden.
Bei vielen dieser Stoffe ist bekannt, in welchen untersuchten Materialien sie vorkommen.
Wir wissen nicht:
dass Schülerinnen und Schüler allen diesen Stoffen im normalen Schulbetrieb in gesundheitlich relevanter Konzentration ausgesetzt sind.
Für Asbest, alte Mineralfasern, PAK, Blei, PCP, Lindan und Quecksilber liegen nach den derzeit bekannten Unterlagen keine vergleichbar umfassenden Raumluft- oder Staubuntersuchungen vor, aus denen eine konkrete Exposition der Schülerinnen und Schüler abgeleitet werden könnte.
Bei PCB wissen wir mehr.
PCB wurde tatsächlich in der Raumluft gemessen.
Mehrere untersuchte Räume liegen oberhalb des neuen gesundheitsbezogenen Richtwertes von 80 ng/m³.
Ein Raum liegt mit 383,9 ng/m³ auch oberhalb des bisherigen Vorsorgewertes von 300 ng/m³.
Der neue Richtwert II von 800 ng/m³ und der bisherige Interventionswert von 3.000 ng/m³ werden nicht erreicht.
Das ist weder ein Befund, der eine akute Katastrophenmeldung rechtfertigt, noch ist es ein Nullbefund.
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Kann die Schule derzeit weiter betrieben werden?
Nach der vorliegenden gutachterlichen Bewertung: ja.
Die vorläufige Bewertung vom 20. August 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass der Schulbetrieb nach den bislang zugrunde gelegten Regelungen aufrechterhalten werden könne, solange keine größeren Instandsetzungsarbeiten stattfinden. 260820is26-113-1vorlufigebewertungpcb-ergebnisse.pdf
Für Raum R40 mit dem höchsten Messwert werden zunächst:
- regelmäßiges Lüften
- und regelmäßiges Reinigen
empfohlen. 260821is26-113-2bewertungpcb-ergebnisseinklanhang.pdf
Das Gutachten fordert also keine sofortige Räumung der Schule.
Ebenso wichtig ist aber der zweite Teil der fachlichen Bewertung:
Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen.
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Warum weitere Untersuchungen notwendig sind
Die AB – Dr. A. Berg GmbH stellt in der Bewertung vom 21. August fest, dass wegen der sehr unterschiedlichen Innenausbauten auch von unterschiedlichen PCB-Raumluftbelastungen innerhalb des Hauptgebäudes ausgegangen werden müsse.
Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass weitere schlecht belüftete oder bislang unsanierte Räume – beispielsweise Lager- oder Technikräume – erhöhte PCB-Werte aufweisen.
Deshalb empfiehlt das Gutachterbüro ausdrücklich weitere Raumluftmessungen.
Der entscheidende Satz lautet sinngemäß:
Eine finale Bewertung ist erst nach weiterer Eingrenzung der PCB-haltigen Verwendungen und nach Klärung der Primärquellen möglich. 260821is26-113-2bewertungpcb-ergebnisseinklanhang.pdf
Auch die Bewertung vom 20. August kommt bereits zu dem Ergebnis, dass weitere analytische Untersuchungen notwendig sind und die bisherige Zahl der Raumluftmessungen für eine abschließende Beurteilung nicht ausreicht. 260820is26-113-1vorlufigebewertungpcb-ergebnisse.pdf
Deshalb wäre die Aussage „Die Schule wurde untersucht und damit ist alles geklärt“ durch die vorliegenden Gutachten nicht gedeckt.
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Offene Frage: die angekündigten PCP-Innenraummessungen
Eine weitere Frage ergibt sich aus den öffentlichen Unterlagen der Stadt.
In der Sitzung des Ausschusses für kommunale Dienstleistungen am 16. Juni 2026 berichtete die Verwaltung über die Gefahrstoffuntersuchung.
Im Protokoll wird ausdrücklich festgehalten, dass insbesondere der hohe PCP-Gehalt auffällig sei.
Weiter heißt es, dass bereits zusätzliche Innenraumluftmessungen beauftragt worden seien und kurzfristig bei geeigneten Bedingungen durchgeführt würden. 2026-06-16 AKD NS oe.pdf
Die später bekannt gewordenen Gutachten vom 20. und 21. August behandeln ausdrücklich PCB-Raumluftmessungen.
Aus den bislang vorliegenden Unterlagen ist nicht eindeutig ersichtlich, ob zusätzlich PCP und Lindan in der Innenraumluft oder im Hausstaub untersucht wurden und welche Ergebnisse dabei gegebenenfalls entstanden sind.
Diese Frage sollte aus unserer Sicht geklärt und entsprechende Ergebnisse vollständig veröffentlicht werden.
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Was bedeutet das für eine Kernsanierung?
Für die Diskussion über die Zukunft der Goethe-Schule bekommen die Schadstoffbefunde eine völlig andere Dimension.
Viele der gefundenen Materialien können im derzeit eingebauten und unbeschädigten Zustand für den normalen Schulbetrieb weniger relevant sein.
Bei einer Kernsanierung würden sie jedoch zwangsläufig angefasst.
Dann würden unter anderem:
- Böden geöffnet und entfernt,
- Decken demontiert,
- Wandaufbauten geöffnet,
- alte Leitungen und Dämmungen freigelegt,
- Türzargen und Fenster ausgebaut,
- Heizkörper demontiert,
- Beschichtungen bearbeitet,
- Dach- und Fassadenbereiche geöffnet.
Dann können Asbestfasern, alte Mineralfasern, bleihaltige Stäube, PAK-haltige Materialien und weitere Schadstoffe freigesetzt werden.
Auch die PCB-Bewertung weist ausdrücklich darauf hin, dass bei Innenentkernung, Modernisierung oder größeren Instandsetzungsarbeiten Stäube entstehen und bislang verdeckte Quellen freigelegt werden können.
Für entsprechend belastete Arbeiten müssen Gefährdungsbeurteilungen erstellt und Schutzmaßnahmen festgelegt werden.
Das Gutachterbüro kommt sogar zu dem Ergebnis, dass ein Teil dieser Arbeiten ohnehin so ausgeführt werden müsste, wie man dies bei einer PCB-Sanierung tun würde. 260820is26-113-1vorlufigebewertungpcb-ergebnisse.pdf
Eine Kernsanierung der Goethe-Schule wäre deshalb nicht nur eine technische und energetische Modernisierung.
Sie wäre gleichzeitig eine umfangreiche Schadstoffsanierung.
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Was könnte noch im Gebäude verborgen sein?
Vielleicht ist das die entscheidendste offene Frage für eine langfristige Entscheidung über dieses Gebäude.
Die erste Gefahrstoffuntersuchung war ausdrücklich orientierend.
Es wurden zahlreiche Bereiche untersucht und Bauteile geöffnet, aber nicht jedes verdeckte Bauteil des gesamten Gebäudes vollständig analysiert.
Bereits bei PCB gehen die Gutachter davon aus, dass weitere Primärquellen vorhanden sein könnten und zusätzliche Untersuchungen erforderlich sind.
Damit stellt sich zwangsläufig die Frage:
Was kommt noch zum Vorschein, wenn eine tatsächliche Kernsanierung beginnt?
Dabei geht es nicht nur um weitere Schadstoffe.
Es geht auch um den allgemeinen baulichen Zustand des alten Schulgebäudes:
- Wie sehen bislang verdeckte Leitungen und technische Installationen aus?
- Wie ist der tatsächliche Zustand von Boden-, Wand- und Dachaufbauten?
- Gibt es verdeckte Feuchtigkeitsschäden?
- Gibt es Korrosion oder konstruktive Schäden?
- Welche Umbauten wurden in vergangenen Jahrzehnten vorgenommen?
- Gibt es weitere schadstoffhaltige Materialien hinter später eingebauten Oberflächen?
- Welche zusätzlichen Anforderungen entstehen erst nach vollständiger Öffnung des Gebäudes?
Die vorhandenen Gutachten beweisen nicht, dass solche zusätzlichen Baumängel vorhanden sind.
Sie können sie aber auch nicht ausschließen.
Und genau darin liegt ein wesentliches Kosten- und Terminrisiko jeder umfassenden Bestandssanierung.
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Sanierung oder Abriss – Schadstoffe kosten in beiden Fällen Geld
Auch ein Abriss ist wegen der gefundenen Schadstoffe keineswegs einfach oder billig.
Asbesthaltige Materialien müssen kontrolliert ausgebaut und entsorgt werden.
PCB-haltige Materialien müssen getrennt behandelt werden.
Alte Mineralwolle, PAK-haltige Baustoffe, bleihaltige Beschichtungen und belastete Hölzer erfordern je nach Belastung besondere Ausbau-, Schutz- und Entsorgungsverfahren.
Das Gutachten weist ausdrücklich darauf hin, dass auch bei einem Abbruch ein erhöhter Aufwand für die Trennung PCB-haltiger Materialien entsteht und deshalb auch beim Abbruch mit einer PCB-Sanierung beziehungsweise einem schadstoffgerechten Rückbau zu rechnen ist. 260820is26-113-1vorlufigebewertungpcb-ergebnisse.pdf
Ein Neubau darf deshalb nicht mit einem normalen schadstofffreien Abriss kalkuliert werden.
Genauso wenig darf eine Sanierung so gerechnet werden, als würden lediglich Fenster, Heizung, Elektrik und Sanitäranlagen erneuert.
Für beide Varianten müssen sämtliche Schadstoffkosten berücksichtigt werden.
Der wesentliche Unterschied liegt anschließend im Ergebnis:
Bei einem fachgerechten Rückbau entsteht danach ein neues Gebäude.
Bei einer Kernsanierung bleibt der alte Baukörper – einschließlich des Risikos, dass weitere Probleme erst während der Arbeiten sichtbar werden.
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Die aktuellen WC-Arbeiten lösen die Schadstoffproblematik nicht
Die derzeit laufenden Arbeiten an den Schülertoiletten müssen von einer umfassenden Gebäudesanierung klar getrennt werden.
Die Stadt hatte zunächst eine deutlich umfangreichere WC-Sanierung geplant.
Diese sollte unter anderem neue Wand- und Bodenbeläge, neue Sanitärobjekte, Vorwandinstallationen, Trennwände und Türen umfassen. Die Arbeiten waren ursprünglich für die Sommerferien 2026 vorgesehen. 2026-06-16 AKD NS oe.pdf
Die später tatsächlich ausgeführten Arbeiten greifen deutlich weniger tief in die Bausubstanz ein.
Damit werden die bekannten PCB-Primärquellen, asbesthaltigen Bauteile, alten Mineralfasern, PAK-Belastungen, Holzschutzmittel oder bleihaltigen Altbeschichtungen nicht umfassend saniert.
Die WC-Arbeiten sind deshalb kein Ersatz für eine Schadstoffsanierung des Gesamtgebäudes.
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Sachliches Zwischenfazit
Die bisherigen Erkenntnisse rechtfertigen keine Panik.
Nach den vorliegenden Gutachten besteht keine fachliche Forderung, das Schulgebäude sofort zu räumen.
Der höchste PCB-Wert liegt unterhalb des neuen Richtwertes II von 800 ng/m³.
Bei zahlreichen anderen Schadstoffen handelt es sich um gebundene oder verdeckte Materialien, bei denen eine aktuelle gesundheitlich relevante Exposition der Schülerinnen und Schüler bislang nicht nachgewiesen ist.
Genauso wenig wäre aber eine pauschale Entwarnung sachgerecht.
Die Goethe-Schule enthält nachweislich zahlreiche Gefahrstoffe.
PCB wurde nicht nur in Baustoffen, sondern auch in der Raumluft festgestellt.
Mehrere Räume überschreiten den aktuellen gesundheitsbezogenen PCB-Richtwert I.
Ein Raum überschreitet zusätzlich den bisherigen Vorsorgewert von 300 ng/m³.
Die PCB-Primärquellen sind noch nicht abschließend geklärt.
Weitere belastete Räume können nach Aussage der Gutachter nicht ausgeschlossen werden.
Weitere Raumluftmessungen werden ausdrücklich empfohlen.
Eine finale Bewertung ist derzeit noch nicht möglich.
Auch die ursprünglich angekündigte Frage einer möglichen PCP-Innenraumbelastung ist aus den bislang vorliegenden Unterlagen nicht abschließend beantwortet.
Das ist der derzeitige sachliche Stand.
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Einordnung von Quickborn Aktuell
Für Quickborn Aktuell wird eine umfassende Kernsanierung des vorhandenen Gebäudes mit jedem neuen Befund schwerer kalkulierbar.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass eine Sanierung technisch unmöglich wäre.
Mit entsprechendem Aufwand lassen sich auch stark belastete ältere Gebäude sanieren.
Die entscheidende Frage lautet vielmehr:
Ist eine solche Sanierung wirtschaftlich, planerisch und langfristig noch der sinnvollste Weg für eine Grundschule, die anschließend wieder viele Jahrzehnte genutzt werden soll?
Bereits heute sind dokumentiert:
- Asbest,
- alte künstliche Mineralfasern,
- PAK,
- PCB,
- PCP,
- Lindan,
- Blei,
- Bleichromat,
- Quecksilber.
Weitere PCB-Untersuchungen sind notwendig.
Die erste Gebäudegefahrstoffuntersuchung war ausdrücklich orientierend.
Eine vollständige Kernsanierung würde zahlreiche bislang verdeckte Bauteile öffnen.
Damit besteht ein nicht unerhebliches Risiko weiterer Befunde, höherer Kosten und längerer Bauzeiten.
Aus unserer Sicht spricht deshalb inzwischen sehr viel für einen klaren Schnitt: schadstoffgerechter Rückbau des alten Gebäudes und Neubau der Goethe-Schule.
Auch das kostet sehr viel Geld.
Auch der Abriss wird wegen der Schadstoffe aufwendiger und teurer.
Nach einem fachgerechten Rückbau steht jedoch ein vollständig neues Schulgebäude ohne die Altlasten des bisherigen Baukörpers.
Parallel sollte ernsthaft geprüft werden, ob die Schülerinnen und Schüler möglichst frühzeitig in einer geeigneten Interimslösung untergebracht werden können.
Nicht, weil die vorhandenen Gutachten eine sofortige Räumung verlangen.
Das tun sie nicht.
Sondern aus einem einfachen Vorsorgegedanken:
Wenn ein Gebäude nachweislich zahlreiche Schadstoffe enthält, PCB bereits in der Raumluft festgestellt wurde, weitere Untersuchungen erforderlich sind und ohnehin eine grundsätzliche Entscheidung über Neubau oder Kernsanierung bevorsteht, sollte die Übergangszeit im alten Gebäude nicht länger dauern als vernünftigerweise notwendig.
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Welche Fragen müssen jetzt beantwortet werden?
- Wann finden die vom Gutachter empfohlenen weiteren PCB-Raumluftmessungen statt?
- Welche zusätzlichen Klassen-, Lager-, Neben- und Technikräume werden untersucht?
- Unter welchen Temperaturen und Lüftungsbedingungen wird gemessen?
- Wie sollen die PCB-Primärquellen vollständig eingegrenzt werden?
- Welche weiteren Materialuntersuchungen sind vor einer möglichen Kernsanierung erforderlich?
- Wurden die im Juni angekündigten PCP-Innenraumluftmessungen durchgeführt?
- Falls ja: Welche Ergebnisse wurden für PCP und Lindan festgestellt?
- Falls nein: Warum wurden diese Untersuchungen bislang nicht durchgeführt?
- Werden auch Hausstaubuntersuchungen auf Holzschutzmittel oder Schwermetalle für erforderlich gehalten?
- Wie wird verhindert, dass bei künftigen Arbeiten bleihaltiger, PAK-haltiger, asbesthaltiger oder PCB-belasteter Staub in genutzte Schulbereiche gelangt?
- Welche Kosten entstehen bei einer vollständigen Schadstoffsanierung im Rahmen einer Kernsanierung?
- Welche Risikovorsorge wird für bislang unbekannte Schadstoff- und Bauschäden angesetzt?
- Welche Kosten entstehen bei einem schadstoffgerechten Rückbau und Neubau?
- Welche Interimsmöglichkeiten bestehen für die Schülerinnen und Schüler?
Diese Fragen sollten beantwortet werden, bevor eine belastbare wirtschaftliche Entscheidung zwischen Kernsanierung und Neubau getroffen wird.
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Quellen und Originalunterlagen
AB – Dr. A. Berg GmbH
Orientierende Gebäudegefahrstoffuntersuchung
Bericht GA26.113-2 vom 11. Mai 2026
Auftraggeber: Stadt Quickborn
AB – Dr. A. Berg GmbH
Vorläufige Bewertung der Gefahrstoffuntersuchung von Materialproben und PCB-Raumluftmessungen
IS26.113-1 vom 20. August 2026
AB – Dr. A. Berg GmbH
Bewertung der zusätzlichen PCB-Raumluftmessungen im Hauptgebäude
IS26.113-2 vom 21. August 2026
Stadt Quickborn
Niederschrift des Ausschusses für kommunale Dienstleistungen vom 16. Juni 2026
Originalunterlagen bei FragDenStaat
Unterlagen und Schriftverkehr zur Goethe-Schule bei FragDenStaat öffnen
Gesundheitliche Einordnung
Ergänzend wurden Veröffentlichungen des Umweltbundesamtes, des Ausschusses für Innenraumrichtwerte, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sowie internationale Bewertungen zur gesundheitlichen Wirkung der genannten Schadstoffe herangezogen.
Wichtig:
Die beschriebenen gesundheitlichen Wirkungen sind allgemeine wissenschaftliche Erkenntnisse zu den jeweiligen Schadstoffen.
Sie sind kein Nachweis dafür, dass eine Schülerin, ein Schüler oder ein Beschäftigter der Goethe-Schule bereits eine durch diese Stoffe verursachte gesundheitliche Schädigung erlitten hat.
Die Originalgutachten sind öffentlich zugänglich.
Jeder kann die Unterlagen selbst nachlesen, die Messwerte prüfen und sich ein eigenes Bild machen.
Diese Seite sollte aktualisiert werden, sobald weitere Untersuchungen, Raumluftmessungen oder Stellungnahmen der Stadt Quickborn vorliegen.
