Schlagwort: „Radverkehrskonzept“

  • Quickborns nächste Millionenbrücke: Rathaus wirft Nebelkerzen – und verschweigt die Vorgeschichte

    100.000 Euro für die Sanierung einer alten Brücke – oder doch gleich ein millionenschwerer Neubau? Die Stadt Quickborn hat auf eine Anfrage von Quickborn Aktuell zur Feldbehnstraßenbrücke mit einer Bürgerinformation reagiert. Doch statt die entscheidenden Fragen zu beantworten, präsentiert das Rathaus eine freundlich verpackte Zukunftsvision. Die jahrelange Vorgeschichte, frühere Planungsankündigungen und die möglichen Kosten eines Neubaus bleiben weitgehend ausgeblendet. Quickborns Märchenstunde geht weiter.

    15. Oktober 2026 | Thomas Köppl | Quickborn Aktuell

    Nebelkerzen statt Antworten

    QUICKBORN. Bereits am 6. Oktober hatte Quickborn Aktuell die Stadtverwaltung um konkrete Auskünfte zum Zustand der Feldbehnstraßenbrücke, zu Sanierung und Ersatzneubau sowie zu den Auswirkungen der geplanten Umgehungsstraße V9 gebeten. Jetzt hat das Rathaus mit seiner Bürgerinformation Nr. 341 reagiert. Doch die Mitteilung beantwortet nur einen Teil unserer Fragen. Während die Stadt ausführlich über verantwortungsvolle Infrastrukturplanung und Zukunftsperspektiven spricht, fehlen ausgerechnet die entscheidenden Informationen zur bisherigen Planung, den Verkehrsfolgen und den möglichen Millionenbeträgen. Es wird kräftig genebelt.

    Immerhin bestätigt die Verwaltung, dass die 64 Jahre alte Brücke über die Gronau Schäden an Betonflächen, Fugen und Mauerwerken aufweist. Eine Untersuchung vom Juni 2026 habe dies ergeben. Die gute Nachricht: Die Brücke ist bei Einhaltung der bestehenden Gewichtsbeschränkung von 3,5 Tonnen weiterhin tragfähig. Für rund 100.000 Euro einschließlich Ingenieurleistungen und Mehrwertsteuer könnte sie saniert werden. So weit, so erfreulich.

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    100.000 Euro Sanierung – oder gleich eine Millionenbrücke?

    Doch dann kommt die eigentliche Botschaft. Weil für die geplante Radwegeverbindung zwischen Quickborn-Heide und der Innenstadt ohnehin eine zusätzliche Brücke über die Gronau benötigt werde, stellt die Verwaltung plötzlich einen vollständigen Neubau zur Diskussion. Statt die vorhandene Straßenbrücke zu sanieren und daneben eine Radwegbrücke zu errichten, könnte gleich ein gemeinsames Bauwerk für Autos, Fahrräder und Fußgänger entstehen.

    Das mag wirtschaftlich durchaus sinnvoll sein. Nur müsste man dafür die Kosten kennen. Während die Stadt die Sanierung mit 100.000 Euro beziffert, nennt sie für den Neubau keinen einzigen Betrag. Eine überschlägige Betrachtung ergibt für ein solches Bauwerk eine mögliche Größenordnung von 1,5 bis 2,5 Millionen Euro. Das ist ausdrücklich keine amtliche Kostenschätzung, zeigt aber, über welche Dimensionen hier möglicherweise gesprochen wird.

    Die kleine Rechnung wird präsentiert, die große bleibt im Nebel. Dabei wäre gerade angesichts der angespannten städtischen Finanzen eine nachvollziehbare Gegenüberstellung der Varianten erforderlich.

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    Die verschwiegene Vorgeschichte: Im Februar klang alles noch anders

    Besonders bemerkenswert ist der Umgang mit der eigenen Planungsgeschichte. Bereits 2021 beschloss die Stadt ihr Radverkehrskonzept. Im Mai 2025 erklärte sie die Verbindung über Ohlmöhlenweg und Feldbehnstraße zu einem Vorhaben mit höchster Priorität. Und am 19. Februar 2026 kündigte das Rathaus in seiner Pressemitteilung Nr. 040/2026 ausdrücklich an, die Planungen für diese Radwegeverbindung im Frühjahr aufzunehmen. Über die konkrete Umsetzung und den Bau sollte im Rahmen der Haushaltsberatungen 2027 entschieden werden.

    Jetzt haben wir Oktober 2026. Doch plötzlich sollen erst noch Varianten verglichen und Entscheidungsgrundlagen erarbeitet werden. Ein konkreter Zeitplan stehe nicht fest. Was ist aus dem angekündigten Planungsbeginn im Frühjahr geworden? Welche Ergebnisse liegen inzwischen vor? Und weshalb wird der Öffentlichkeit davon nichts berichtet?

    Die Ankündigung vom Februar betraf zwar die Radwegeverbindung und noch keinen vollständigen Ersatzneubau der Straßenbrücke. Gerade deshalb müsste die Verwaltung erklären, wie beide Projekte inzwischen zusammenhängen. Auch die Brückenschäden waren längst bekannt: Bereits am 27. August 2026 wurde im Ausschuss für kommunale Dienstleistungen über stärkere Mängel und Sanierungsbedarf berichtet.

    In der neuesten Bürgerinformation wird diese Vorgeschichte praktisch vollständig ausgeblendet. Stattdessen klingt es, als beginne die Zukunftsplanung gerade erst. Aus einem jahrelang bekannten Vorhaben wird plötzlich eine neue Idee. Das ist bemerkenswerte Öffentlichkeitsarbeit.

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    V9, Verkehrsströme und Naturschutz bleiben außen vor

    Vollständig offen bleibt auch der Zusammenhang mit der geplanten Umgehungsstraße V9. Unser ursprünglicher Bericht beschäftigte sich ausdrücklich mit der Verkehrsführung über den Ohlmöhlenweg, dem Bereich Auf dem Halenberg und den möglichen Folgen für die Gronaubrücke. Wer neue Straßenverbindungen plant, muss schließlich wissen, wohin der Verkehr anschließend fließt. Doch die Stadt erklärt weder, ob die Feldbehnstraßenbrücke in den Verkehrsprognosen berücksichtigt wurde, noch, für welche künftigen Belastungen ein Neubau ausgelegt werden müsste. Die V9 kommt in der Mitteilung nicht einmal vor.

    Auch der Naturschutz bleibt unerwähnt. Die Gronau gehört zu einem ökologisch empfindlichen Gewässersystem im Zusammenhang mit dem FFH-Gebiet Pinnau/Gronau. Im offiziellen Managementplan wird die Feldbehnstraßenbrücke ausdrücklich im Hinblick auf mögliche Verbesserungen für die Durchgängigkeit des Fischotters genannt. Ein Neubau könnte deshalb zusätzliche wasserrechtliche und naturschutzfachliche Anforderungen auslösen – mit entsprechenden Auswirkungen auf Planung und Kosten. Auch hierzu hatten wir ausdrücklich gefragt. Eine konkrete Antwort fehlt.

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    Quickborns Märchenstunde geht weiter

    Quickborn steht finanziell unter erheblichem Druck. Der Haushaltsentwurf 2027 sieht ein Ergebnisdefizit von rund 15 Millionen Euro vor, während Schulen, Feuerwehr und weitere Infrastrukturprojekte bereits erhebliche Investitionen erfordern. Ausgerechnet jetzt wird bei einer weiterhin tragfähigen Brücke, deren Sanierung 100.000 Euro kosten soll, ein möglicherweise millionenschwerer Neubau ins Gespräch gebracht. Ohne Kostenschätzung, ohne Zeitplan und ohne erkennbare Einordnung in die übrigen Investitionsvorhaben.

    Niemand kritisiert, dass die Verwaltung verschiedene Brückenlösungen untersucht. Das ist ihre Aufgabe. Kritikwürdig ist allerdings eine Informationspolitik, die frühere Ankündigungen verschweigt, wesentliche Zusammenhänge ausblendet und selbst auf konkrete Nachfragen nur einen Ausschnitt der Geschichte liefert.

    Das ist der eigentliche Skandal: Die Stadt erzählt nicht unbedingt etwas Falsches. Sie erzählt nur längst nicht die ganze Wahrheit.

    Der Eindruck drängt sich auf, dass die Quickborner vorsichtig auf die nächste Millioneninvestition vorbereitet werden sollen. Erst die beruhigende Nachricht über die tragfähige Brücke, dann die schöne Zukunftsvision und irgendwann vielleicht die Rechnung.

    Quickborns Märchenstunde geht weiter. Diesmal mit einer alten Brücke, einer neuen Zukunftsvision und einer Rechnung, die noch niemand kennt. Die Nebelkerzen über der Gronau sind jedenfalls gezündet.

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