TO HUUS / Neue Bücherei in Quickborn: Was geplant ist, was es kosten kann – und welche Fragen offen sind

👉 aktuelle Informationen und Updates

Stand: 11. September 2026

Mit TO HUUS plant Quickborn an der Bahnhofstraße einen neuen „Dritten Ort“. Auf rund 2.000 Quadratmetern im Erdgeschoss sollen die Stadtbücherei, Lern- und Arbeitsbereiche, Gruppenräume, Aufenthaltsflächen sowie Räume für Kultur, Vereine und Veranstaltungen zusammenkommen.

Das Projekt ist damit wesentlich mehr als ein Umzug der Stadtbücherei. Es betrifft die künftige Bibliotheksarbeit, die Entwicklung der Innenstadt, die Situation des Forums, den städtischen Haushalt und eine langfristige Mietentscheidung.

Quickborn Aktuell hat deshalb die bisher bekannten Informationen, Haushaltsdaten und früheren Planungen zusammengetragen. Wo konkrete Zahlen noch fehlen, rechnen wir mit ausdrücklich gekennzeichneten Modellen und Bandbreiten.

Die wichtigsten Punkte vorab

  • Die bestehende Stadtbücherei wurde bereits ab 2022 zum „Dritten Ort“ weiterentwickelt und 2024 umfangreich umgestaltet.
  • Für das Projekt „Dritter Ort Bücherei“ waren in den Haushalten bis zu 200.000 Euro vorgesehen; 2025 kamen weitere 25.000 Euro für Veranstaltungstechnik hinzu. Das sind Haushaltsansätze, keine abschließend festgestellten Ist-Kosten.
  • Die heutige Bücherei umfasst rund 860 Quadratmeter. TO HUUS soll rund 2.000 Quadratmeter erhalten – ein Flächenzuwachs von rund 133 Prozent.
  • Der physische Medienbestand ist bereits von rund 33.800 Medien im Jahr 2019 auf etwa 29.000 gesunken.
  • Die bisherigen Büchereiräume im Forum bleiben nach Auskunft der Stadt bis zum 30. Juni 2037 fest angemietet.
  • Die derzeitige Forumsmiete beträgt nach unserer Haushaltsauswertung rund 110.000 Euro jährlich; hinzu kommen rund 63.600 Euro Bewirtschaftungskosten.
  • Eine endgültige TO-HUUS-Miete und eine vollständige Betriebskostenrechnung sind öffentlich bislang nicht bekannt.
  • Unsere mittlere Modellrechnung kommt einschließlich bestehendem Bibliotheksbetrieb auf eine Größenordnung von rund 2 Millionen Euro jährlich.
  • Der aktuell diskutierte Haushalt 2027 weist nach unserer bisherigen Auswertung bereits ein Defizit von rund 15 Millionen Euro auf.
  • TO HUUS wird nach heutigem Kenntnisstand keine entsprechenden positiven Erträge erwirtschaften. Die zusätzlichen Kosten erhöhen deshalb den Zuschussbedarf der Stadt.

Inhalt

  1. Vom Bücherhaus zum Dritten Ort
  2. Der Dritte Ort war schon da – bevor TO HUUS kam
  3. Gerade erst modernisiert: Was in die heutige Bücherei investiert wurde
  4. Weniger Regale, mehr Menschen: Wohin entwickelt sich die Bibliothek?
  5. Wie viel Medienfläche braucht Quickborn in fünf oder zehn Jahren?
  6. Die eigentliche Zukunft: Literatur-, Bildungs- und Kulturzentrum
  7. Warum ausgerechnet 2.000 Quadratmeter?
  8. Ein außergewöhnlich attraktiver Ankermieter für ADLERSHORST
  9. Vier Meter Raumhöhe, Veranstaltungen, Brandschutz und Lüftung
  10. Doppelte Fläche – aber kein zusätzliches Personal?
  11. Veranstaltungen kosten Geld – und Publikum ist nicht unbegrenzt
  12. Wann belebt TO HUUS eigentlich den Einzelhandel?
  13. EDEKA geht, die Bücherei möglicherweise auch
  14. Die alte Bücherei bleibt bis 2037 auf der Rechnung
  15. 300 Gäste brauchen nicht 300 Autos – aber Parkraum
  16. Gerade gefördert und umgebaut – was passiert mit den Fördermitteln?
  17. Was TO HUUS kosten könnte
  18. 2.000 Quadratmeter sind nicht alternativlos
  19. 15 Millionen Euro Defizit: Was bedeutet TO HUUS für den Haushalt?
  20. Wie viel freiwilligen Spielraum bindet das Projekt?
  21. Wirtschaftlichkeit: Der Nutzen ist öffentlich – die Kosten bleiben trotzdem real
  22. 20 Jahre: Aus einer Jahresmiete werden zweistellige Millionenbeträge
  23. Kosten und Nutzen gegenübergestellt
  24. Was vor einer langfristigen Bindung noch auf den Tisch gehört
  25. Gesamtbewertung

1. Vom Bücherhaus zum Dritten Ort

Der Begriff „Dritter Ort“ beschreibt einen Ort neben dem eigenen Zuhause und Arbeitsplatz beziehungsweise Schule. Er soll Begegnung ermöglichen, niedrigschwellig zugänglich sein und möglichst ohne Konsumzwang funktionieren.

Im Bibliothekswesen ist das längst mehr als eine Modeidee. Öffentliche Bibliotheken entwickeln sich seit Jahren weiter. Die klassische Medienausleihe bleibt wichtig. Gleichzeitig wachsen andere Aufgaben:

  • Leseförderung,
  • Arbeit mit Schulen und Kindertagesstätten,
  • Lern- und Arbeitsplätze,
  • Gruppenarbeit,
  • digitale Medienkompetenz,
  • Veranstaltungen,
  • Ausstellungen,
  • Begegnung und
  • Aufenthalt ohne Konsumzwang.

Das verändert auch die Raumplanung. Weniger Fläche wird ausschließlich für hohe Regalreihen benötigt. Mehr Fläche wird flexibel für Menschen genutzt.

Diese Entwicklung spricht grundsätzlich für einen modernen Dritten Ort. Sie beantwortet aber noch nicht die Frage, wie groß dieser in Quickborn sein muss.

↑ zurück zum Inhalt

2. Der Dritte Ort war schon da – bevor TO HUUS kam

TO HUUS ist nicht der Beginn des Dritten Ortes in Quickborn.

2021/2022 begann die Stadt damit, die bestehende Stadtbücherei im Forum im Rahmen der Innenstadtentwicklung und des Projektes „Bewegte Stadt“ zum Dritten Ort weiterzuentwickeln.

Dazu gehörten ein Design-Thinking- beziehungsweise Design-Finding-Prozess und Bürgerbeteiligung. Bereits damals ging es um Aufenthaltsqualität, Begegnung und eine stärkere Rolle der Bücherei für die Innenstadt.

2023 wurde dieser konzeptionelle Teil nach Angaben der Stadt abgeschlossen.

2024 stellte die Stadt in ihrem Berichtswesen ausdrücklich fest, die Stadtbücherei sei inzwischen zum „Dritten Ort“ geworden.

Die bestehenden Räume wurden gleichzeitig erheblich umgestaltet.

Anfang 2025 wurde die modernisierte Stadtbücherei öffentlich präsentiert. Zusätzlich wurde Veranstaltungstechnik eingeplant.

Im Sommer 2025 wurde dann das wesentlich größere Projekt TO HUUS an der Bahnhofstraße politisch konkret.

Damit änderte sich die Dimension erheblich:

Aus der Weiterentwicklung der vorhandenen Bücherei wurde die Planung eines rund 2.000 Quadratmeter großen Kultur-, Bildungs-, Begegnungs- und Veranstaltungsortes an einem anderen Standort.

Die Alternative lautet deshalb nicht „Dritter Ort oder alte Bücherei“.

Die bestehende Stadtbücherei wurde bereits zum Dritten Ort entwickelt. Die heutige Frage lautet vielmehr: Wie viel zusätzliche Fläche und welche zusätzlichen Funktionen braucht Quickborn dafür künftig?

↑ zurück zum Inhalt

3. Gerade erst modernisiert: Was in die heutige Bücherei investiert wurde

Die heutige Stadtbücherei wurde erst 2024 umfangreich umgestaltet.

Unter anderem wurden der alte Teppichboden ersetzt, die Räume neu organisiert, Möblierung und Aufenthaltsbereiche verändert sowie weitere Arbeiten vorgenommen. Die Bücherei war dafür zeitweise geschlossen.

Der Umbau war gerade keine normale Schönheitsreparatur. Er gehörte ausdrücklich zur Entwicklung der Stadtbücherei zum Dritten Ort.

In den Haushaltsunterlagen findet sich hierfür die Investitionsmaßnahme „Projekt Dritter Ort Bücherei“.

Ursprünglich waren dafür insgesamt bis zu 200.000 Euro eingeplant. Im Nachtrag wurden Mittel auf die Jahre 2023 und 2024 verteilt. Für 2025 wurden zusätzlich 25.000 Euro für Veranstaltungstechnik vorgesehen.

Maßnahme Haushaltsansatz
Projekt „Dritter Ort Bücherei“ bis zu 200.000 €
zusätzliche Veranstaltungstechnik 2025 25.000 €
veranschlagter Projektumfang bis zu 225.000 €

Wichtig: Das sind Haushaltsansätze. Daraus darf nicht automatisch geschlossen werden, dass exakt 225.000 Euro tatsächlich ausgegeben wurden.

Hinzu kamen zuvor bereits Ausgaben für den Entwicklungs- und Beteiligungsprozess.

Damit ergibt sich allerdings eine bemerkenswerte zeitliche Abfolge:

2024 wird die vorhandene Bücherei gezielt zum Dritten Ort umgebaut. Anfang 2025 wird dieser Ausbau ergänzt. Noch 2025 beginnt die konkrete Planung, den gerade modernisierten Standort perspektivisch wieder zu verlassen.

Das macht eine Vergleichsrechnung zwischen Weiterentwicklung des bestehenden Standortes und TO HUUS besonders wichtig.

↑ zurück zum Inhalt

4. Weniger Regale, mehr Menschen: Wohin entwickelt sich die Bibliothek?

Moderne Bibliotheken benötigen nicht zwingend weniger Gesamtfläche. Sie benötigen aber zunehmend anders genutzte Fläche.

Die klassische Funktion, möglichst viele Bücher, CDs und andere Medien auf Regalmetern vorzuhalten, verliert relativ an Bedeutung.

Stattdessen entstehen:

  • Arbeitsplätze,
  • Gruppenräume,
  • Lese- und Aufenthaltsbereiche,
  • offene Kinderbereiche,
  • Veranstaltungsflächen,
  • digitale Angebote und
  • flexibel nutzbare Räume.

Gleichzeitig werden Regale niedriger und flexibler. Sichtachsen werden verbessert. Räume können dadurch mehrfach genutzt werden.

Für Quickborn bedeutet das:

Ein sinkender physischer Medienbestand kann innerhalb der bestehenden Bücherei Flächen für neue Nutzungen freisetzen.

Genau diese Möglichkeit gehört in einen seriösen Flächenvergleich.

↑ zurück zum Inhalt

5. Wie viel Medienfläche braucht Quickborn in fünf oder zehn Jahren?

2019 verfügte die Stadtbücherei über rund 33.800 physische Medien.

Heute nennt die Stadt rund 29.000 Medien.

Der Bestand ist damit bereits um rund:

4.800 Medien beziehungsweise etwa 14 Prozent

zurückgegangen.

Parallel gewinnen Onleihe und andere digitale Medienangebote an Bedeutung.

Wie sich der Bestand konkret weiterentwickeln wird, kann niemand exakt vorhersagen. Man kann aber Szenarien rechnen.

angenommene jährliche Veränderung nach 5 Jahren nach 10 Jahren
-1 % jährlich ca. 27.600 Medien ca. 26.200 Medien
-2 % jährlich ca. 26.200 Medien ca. 23.700 Medien
-3 % jährlich ca. 24.900 Medien ca. 21.400 Medien

Das sind keine Prognosen. Sie zeigen lediglich, warum ein langfristiger Mietvertrag nicht ausschließlich auf dem Medienbestand des Jahres 2026 basieren sollte.

Wenn die physische Sammlung in zehn Jahren beispielsweise nur noch 22.000 bis 25.000 Medien umfasst, dürfte die dafür notwendige reine Stellfläche spürbar niedriger sein.

Dann können bereits innerhalb der vorhandenen rund 860 Quadratmeter neue Flächen entstehen.

↑ zurück zum Inhalt

6. Die eigentliche Zukunft: Literatur-, Bildungs- und Kulturzentrum

Die sinnvollere Frage lautet deshalb möglicherweise nicht mehr:

Wie groß muss die Bücherei werden?

Sondern:

Was soll ein Quickborner Literatur-, Bildungs- und Kulturzentrum künftig leisten?

Eine moderne Stadtbücherei kann deutlich mehr sein als eine Medienausleihe:

  • Leseförderung für Kinder,
  • Arbeit mit Schulklassen,
  • Sprachförderung,
  • Literaturvermittlung,
  • Autorenlesungen,
  • digitale Bildung,
  • Arbeits- und Lernplätze,
  • Gruppenarbeit,
  • kleinere Kulturveranstaltungen,
  • Ausstellungen,
  • Diskussionsveranstaltungen und
  • ein konsumfreier Treffpunkt.

Gerade Schulklassen benötigen ausreichend Platz. Eine Klasse muss gemeinsam kommen können und gegebenenfalls in Gruppen arbeiten können.

Das spricht durchaus für zusätzliche Fläche.

Es folgt daraus aber nicht automatisch, dass dafür exakt 2.000 Quadratmeter benötigt werden.

↑ zurück zum Inhalt

7. Warum ausgerechnet 2.000 Quadratmeter?

Die heutige Stadtbücherei verfügt über rund 860 Quadratmeter.

TO HUUS soll rund 2.000 Quadratmeter erhalten.

heutige Fläche ca. 860 m²
TO HUUS ca. 2.000 m²
Mehrfläche ca. 1.140 m²
Flächensteigerung ca. 133 %

Auffällig ist: Die rund 2.000 Quadratmeter entsprechen zugleich ziemlich genau der großen Erdgeschossfläche, die das Neubauprojekt für diese Nutzung bereitstellt.

Das muss nicht bedeuten, dass die Fläche falsch dimensioniert ist.

Es führt aber zu einer wichtigen Frage:

Wurde zuerst der tatsächliche Flächenbedarf für Bibliothek, Bildung, Begegnung und Kultur ermittelt und daraus eine Größe von 2.000 Quadratmetern abgeleitet?

Oder stand eine rund 2.000 Quadratmeter große verfügbare Erdgeschossfläche im Projekt im Raum und das Nutzungskonzept wurde anschließend darauf zugeschnitten?

Beides wäre planerisch möglich.

Für eine langfristige wirtschaftliche Entscheidung macht es aber einen erheblichen Unterschied.

Wenn beispielsweise 1.500 Quadratmeter ausreichen würden, müsste Quickborn über Jahrzehnte keine zusätzlichen 500 Quadratmeter bezahlen.

↑ zurück zum Inhalt

8. Ein außergewöhnlich attraktiver Ankermieter für ADLERSHORST

Auch die wirtschaftliche Interessenlage des Projektpartners gehört zur Gesamtbetrachtung.

ADLERSHORST plant auf dem Grundstück ein großes Wohnungsbauprojekt mit rund 90 Wohnungen und einem hohen Anteil geförderten Wohnraums.

Für das Projekt wurden Abweichungen vom bisherigen Planungsrecht zugelassen beziehungsweise erforderliche Befreiungen beschlossen. Dazu gehören unter anderem eine höhere bauliche Dichte und Anpassungen der Gebäudehöhe.

Gleichzeitig würde die Stadt Quickborn einen wesentlichen Teil des Erdgeschosses langfristig anmieten.

Für einen Grundstückseigentümer beziehungsweise Projektentwickler ist diese Konstellation wirtschaftlich ausgesprochen attraktiv.

Eine rund 2.000 Quadratmeter große zusammenhängende Erdgeschossfläche ist in einer Innenstadt nicht zwangsläufig einfach dauerhaft zu vermieten.

Einzelhandel unterliegt Strukturwandel. Gastronomie birgt Betreiber- und Wechselrisiken. Große Gewerbeflächen benötigen einen entsprechend großen Nutzer.

Die Stadt dagegen ist ein bonitätsstarker und sehr langfristig orientierter Mieter.

Zudem ist eine Bibliotheks- und Kulturnutzung grundsätzlich gut mit darüberliegendem Wohnen vereinbar. Sie erzeugt im Regelbetrieb keine Küchen- oder Speisegerüche wie Gastronomie und hat üblicherweise keinen dauerhaften Nachtbetrieb.

Für den Eigentümer reduziert eine langfristige kommunale Anmietung damit das Vermietungsrisiko einer großen Erdgeschossfläche erheblich.

Daran ist nichts Ungewöhnliches. Ein Projekt muss auch für den Grundstückseigentümer wirtschaftlich funktionieren.

Die Stadt muss allerdings ebenso genau prüfen, ob die Konditionen für sie selbst langfristig wirtschaftlich sind.

Wie hoch der konkrete wirtschaftliche Vorteil für ADLERSHORST tatsächlich ist, lässt sich ohne Kenntnis der Baukosten, Finanzierung, Grundstückskosten und des Mietvertrages nicht seriös beziffern.

↑ zurück zum Inhalt

9. Vier Meter Raumhöhe, Veranstaltungen, Brandschutz und Lüftung

Eine angenommene Miete von knapp 30 Euro je Quadratmeter und Monat wirkt auf den ersten Blick hoch.

TO HUUS wäre allerdings keine gewöhnliche Laden- oder Bürofläche.

Nach den Planungen soll das Erdgeschoss eine Raumhöhe von rund vier Metern erhalten und flexibel auch für Veranstaltungen mit mehreren hundert Menschen nutzbar sein.

Eine solche Fläche stellt besondere bauliche Anforderungen.

Dazu können gehören:

  • große beziehungsweise möglichst flexibel nutzbare Spannweiten,
  • erhöhte Raumhöhe,
  • Brandschutz für hohe Personenbelegung,
  • ausreichende Flucht- und Rettungswege,
  • Lüftungs- und Frischlufttechnik,
  • Sanitäranlagen für Veranstaltungsbetrieb,
  • Schallschutz zur darüberliegenden Wohnbebauung,
  • Elektro- und Veranstaltungstechnik,
  • Beleuchtung,
  • Barrierefreiheit und
  • strapazierfähige Oberflächen.

Insbesondere eine hohe zeitweise Personenbelegung stellt andere Anforderungen an Lüftung und Brandschutz als eine normale Bibliothek oder Ladenfläche.

Die tatsächliche Miethöhe lässt sich deshalb nicht sinnvoll mit einer einfachen Standard-Ladenmiete vergleichen.

Ob unsere Modellannahme richtig, zu hoch oder zu niedrig ist, kann erst beurteilt werden, wenn Mietpreis und Ausbauumfang veröffentlicht werden.

↑ zurück zum Inhalt

10. Doppelte Fläche – aber kein zusätzliches Personal?

Die Stadt hat auf eine Informationsanfrage erklärt, dass nach derzeitigem Kenntnisstand für die Bibliothek kein zusätzliches Personal notwendig sei.

Das ist allerdings enger formuliert als die Frage nach dem Personalbedarf von TO HUUS insgesamt.

Die Fläche wächst um mehr als 130 Prozent. Gleichzeitig kommen zusätzliche Funktionen hinzu:

  • Open Library,
  • Veranstaltungen,
  • Gruppenräume,
  • Vereinsnutzung,
  • Ausstellungen,
  • Abendveranstaltungen,
  • Raumvergabe und
  • technische Betreuung.

Open Library ermöglicht zusätzliche Öffnungszeiten ohne dauerhaft anwesendes Bibliothekspersonal.

Sie beseitigt aber nicht den Aufwand für Organisation, Wartung, Reinigung, Technik und Veranstaltungen.

Für eine Sensitivitätsrechnung setzen wir daher beispielhaft folgende Größen an:

kein zusätzlicher Aufwand 0 €
1 Vollzeitäquivalent bzw. vergleichbare externe Leistungen ca. 70.000 € jährlich
2 Vollzeitäquivalente ca. 140.000 € jährlich

Das ist keine Prognose über künftige Stellen. Es zeigt lediglich die finanzielle Wirkung, wenn der Betrieb des gesamten Hauses doch mehr Personal oder externe Leistungen benötigt.

↑ zurück zum Inhalt

11. Veranstaltungen kosten Geld – und Publikum ist nicht unbegrenzt

TO HUUS soll auch als Veranstaltungsort funktionieren.

Das erweitert die kulturellen Möglichkeiten. Es bringt aber zugleich zusätzliche Kosten.

Je nach Veranstaltung fallen beispielsweise an:

  • Künstler- oder Referentenhonorare,
  • Technik,
  • Auf- und Abbau,
  • Personal,
  • Reinigung,
  • Werbung,
  • GEMA,
  • Sicherheit und
  • weitere Veranstaltungskosten.

Eintrittsgelder können diese Kosten teilweise decken. Eine sichere Gegenfinanzierung des gesamten Dritten Ortes ergibt sich daraus nicht.

Beispiel:

300 Besucher × 20 Euro Eintritt ergeben bei vollständiger Auslastung 6.000 Euro Bruttoumsatz.

Bei 70 Prozent Auslastung bleiben 4.200 Euro.

Davon müssen sämtliche direkten Veranstaltungskosten bezahlt werden.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Quickborn verfügt bereits über ein breites Veranstaltungsangebot. Vereine, Kirchen, Kulturträger, Schulen, Stadt und andere Veranstalter sprechen teilweise dasselbe Publikum an.

Ein zusätzlicher Veranstaltungsort kann neue Formate ermöglichen. Er kann aber auch vorhandene Nachfrage lediglich auf mehr Termine und Räume verteilen.

Eine mögliche Marktsättigung gehört deshalb in eine realistische Nachfrageplanung.

Entscheidend wäre zu wissen:

  • Wie viele Veranstaltungen sollen jährlich stattfinden?
  • Wie viele davon gibt es heute schon?
  • Wie viele wären tatsächlich neu?
  • Welche durchschnittliche Besucherzahl wird erwartet?
  • Welche Auslastung wird kalkuliert?
  • Welche Veranstaltungen sollen kostenfrei sein?
  • Welche Einnahmen sollen tatsächlich entstehen?

↑ zurück zum Inhalt

12. Wann belebt TO HUUS eigentlich den Einzelhandel?

Ein häufig genanntes Ziel ist die Belebung der Innenstadt.

Dabei muss zwischen verschiedenen Zeiten und Nutzungen unterschieden werden.

Tagsüber

Während der Ladenöffnungszeiten können Bibliotheks- und TO-HUUS-Besucher ihren Aufenthalt mit Einkaufen, Apotheke, Drogerie, Café oder anderen Erledigungen verbinden.

Dann kann zusätzliche Besucherfrequenz auch dem Einzelhandel helfen.

Abends

Größere Veranstaltungen werden dagegen häufig am späten Nachmittag oder Abend stattfinden.

Dann können Gastronomie und öffentlicher Raum profitieren.

Viele Einzelhandelsgeschäfte sind zu dieser Zeit jedoch bereits geschlossen.

Abendliche Belebung ist deshalb nicht automatisch zusätzliche Einzelhandelsfrequenz.

Neu oder nur verlagert?

Hinzu kommt eine entscheidende Unterscheidung:

Ein heutiger Bibliotheksbesucher, der künftig statt ins Forum zu TO HUUS geht, ist kein zusätzlicher Besucher der Quickborner Innenstadt.

Sein Weg innerhalb der Innenstadt wird lediglich verlagert.

Zusätzliche Frequenz entsteht nur durch zusätzliche Nutzer, zusätzliche Veranstaltungen, längere Aufenthaltszeiten oder Menschen, die bisher nicht in die Innenstadt kamen.

Eine belastbare Prognose über diese Netto-Zusatzfrequenz liegt bislang nicht öffentlich vor.

↑ zurück zum Inhalt

13. EDEKA geht, die Bücherei möglicherweise auch

Diese Frequenzfrage ist besonders wichtig, weil sich das Forum gleichzeitig verändert.

Der EDEKA-Markt am Forumsplatz schließt zum 31. März 2027.

Damit verliert dieser Innenstadtbereich einen erheblichen täglichen Frequenzbringer.

Soll anschließend auch die Stadtbücherei ausziehen, entfällt ein weiterer regelmäßiger Besuchsanlass.

Das Zentrenkonzept der Stadt hatte Lebensmittelmärkte, Bahnhof sowie Stadtbücherei und VHS gerade als wichtige Nutzungen dieses Bereiches betrachtet.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Forum anschließend wirtschaftlich scheitert. ALDI, BUDNI, Bahnhof, ZOB, Dienstleistungen und eine mögliche Nachnutzung der EDEKA-Fläche erzeugen weiterhin Frequenz.

Die Kombination aus EDEKA-Schließung und Büchereiumzug ist aber städtebaulich relevant.

TO HUUS kann einen Teil der Bahnhofstraße beleben und gleichzeitig dem Forum Frequenz entziehen.

Entscheidend ist deshalb die Wirkung auf die Innenstadt insgesamt – nicht nur die Besucherzahl am neuen Standort.

↑ zurück zum Inhalt

14. Die alte Bücherei bleibt bis 2037 auf der Rechnung

Ein besonders wichtiger finanzieller Punkt ist der bestehende Mietvertrag im Forum.

Die Stadt hat auf eine Informationsanfrage mitgeteilt, dass der Mietvertrag derzeit nicht ordentlich gekündigt werden kann.

Die feste Laufzeit endet am:

30. Juni 2037.

Nach dem Büchereiumzug sollen die bisherigen Räume durch die Stadt anderweitig genutzt werden.

Nach unserer Auswertung des aktuellen Haushalts liegen die jährlichen Aufwendungen ungefähr bei:

Miete ca. 110.000 €
Bewirtschaftung ca. 63.600 €
zusammen ca. 173.600 € pro Jahr

Die alte Miete verschwindet durch den Umzug also nicht.

Die entscheidende Frage ist deshalb, welche konkrete Nachnutzung vorgesehen ist.

Wenn dort eine städtische Dienststelle einzieht und dadurch an anderer Stelle beispielsweise 100.000 Euro Miete entfallen, entsteht eine reale Einsparung.

Wenn die Räume lediglich anders genutzt werden, ohne an anderer Stelle Kosten zu vermeiden, bleibt die bisherige Belastung bestehen.

Eine konkrete Nachnutzung einschließlich der dadurch tatsächlich eingesparten Kosten ist bislang nicht öffentlich dargestellt.

Bei einem beispielhaften TO-HUUS-Start Anfang 2029 verblieben bis Mitte 2037 rund achteinhalb Jahre paralleler Mietbindung.

Allein die Grundmiete der heutigen Räume summiert sich über diesen Zeitraum auf ungefähr:

935.000 Euro.

Unter Einbeziehung der derzeitigen Bewirtschaftungskosten läge die Größenordnung bei rund:

1,48 Millionen Euro.

↑ zurück zum Inhalt

15. 300 Gäste brauchen nicht 300 Autos – aber Parkraum

Der neue Standort hat einen deutlichen Vorteil: Bahnhof und ZOB liegen unmittelbar daneben.

Viele Menschen können zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen.

Bei Veranstaltungen mit mehreren hundert Gästen bleibt die Parkplatzfrage trotzdem relevant.

300 Gäste bedeuten selbstverständlich nicht 300 Pkw.

Aber bereits 80 oder 100 zusätzliche Fahrzeuge können zu einem bestimmten Zeitpunkt spürbaren Parkdruck erzeugen.

Abends ist die Situation dabei günstiger als während der Ladenöffnungszeiten.

Während des Tages konkurrieren Besucher zusätzlich mit Kunden, Pendlern, Beschäftigten und Anwohnern.

Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand ist aus den öffentlich zugänglichen Informationen nicht eindeutig erkennbar, wie viele eigene Pkw-Besucherstellplätze für den Dritten Ort nachgewiesen werden.

Die Tiefgarage des Neubaus soll insbesondere den Stellplatzbedarf der Wohnungen abdecken.

Sollte für TO HUUS inzwischen ein konkreter Stellplatznachweis einschließlich etwaiger Abweichungen oder Reduzierungen nach der Quickborner Stellplatzsatzung vorliegen, ergänzen wir diese Darstellung.

↑ zurück zum Inhalt

16. Gerade gefördert und umgebaut – was passiert mit den Fördermitteln?

Die Weiterentwicklung der bestehenden Stadtbücherei zum Dritten Ort wurde teilweise über Förderprogramme unterstützt.

Damit stellt sich bei einem späteren Umzug eine weitere Frage:

Bestehen noch Zweckbindungsfristen?

Bei beweglicher Ausstattung kann möglicherweise eine Mitnahme zu TO HUUS erfolgen.

Bei fest eingebauten Maßnahmen – beispielsweise Boden, Einbauten oder objektspezifischen baulichen Veränderungen – ist das nicht ohne Weiteres möglich.

Ob daraus tatsächlich Rückzahlungs- oder Rückforderungsrisiken entstehen, hängt vom konkreten Förderbescheid und den jeweiligen Zweckbindungsregelungen ab.

Quickborn Aktuell hat deshalb eine Informationsanfrage vorbereitet beziehungsweise gestellt. Gefragt wird unter anderem nach:

  • der tatsächlich eingesetzten Fördersumme,
  • dem städtischen Eigenanteil,
  • der Zweckbindungsfrist,
  • möglichen Auswirkungen eines Umzugs und
  • einer eventuell bereits erfolgten Abstimmung mit dem Fördermittelgeber.

Solange diese Unterlagen nicht vorliegen, wäre die Behauptung, Fördermittel müssten zurückgezahlt werden, nicht gerechtfertigt.

Die Frage muss aber vor einem Umzug geklärt sein.

↑ zurück zum Inhalt

17. Was TO HUUS kosten könnte

Eine vollständige öffentliche Kostenberechnung liegt bislang nicht vor.

Die Stadt hat auf eine Informationsanfrage erklärt, dass sich das Projekt noch in der Planungsphase befindet. Konkrete Haushaltsansätze sollen erst erfolgen, wenn belastbare Zahlen vorliegen.

Für unsere Modellrechnung verwenden wir deshalb folgende Annahmen:

neue Miete 700.000 € jährlich
neuer Gebäudebetrieb/Nebenkosten 200.000 € jährlich
Erstausstattung 3,0 Mio. €
modellhafte Abschreibung 300.000 € jährlich
modellhafter anfänglicher Zinsaufwand ca. 105.000 € jährlich

700.000 Euro Miete entsprechen bei 2.000 Quadratmetern:

29,17 Euro je Quadratmeter und Monat.

200.000 Euro Betriebskosten entsprechen:

8,33 Euro je Quadratmeter und Monat.

Allein die neue Fläche würde damit in unserem Modell aus Miete und Betrieb rund:

900.000 Euro jährlich

kosten.

Der heutige Gesamtaufwand der Stadtbücherei liegt nach unserer Haushaltsauswertung bei rund:

686.500 Euro jährlich.

Unter Einbeziehung von Miete, Betrieb, Ausstattung und Finanzierung ergibt sich ohne zusätzliches Personal eine Gesamtbelastung in der Größenordnung von:

rund 1,99 Millionen Euro jährlich.

Mit einem modellhaft angenommenen zusätzlichen Personal- oder Dienstleistungsaufwand von 70.000 Euro:

rund 2,06 Millionen Euro jährlich.

Die zusätzliche Belastung gegenüber dem heutigen Zustand läge in diesem mittleren Modell bei ungefähr:

1,38 Millionen Euro jährlich.

Wichtig: Wenn der Vermieter bestimmte Ausbaukosten übernimmt und diese bereits über die Miete refinanziert, dürfen diese Kosten nicht noch einmal zusätzlich gerechnet werden. Mietvertrag und Ausbauvereinbarung müssen deshalb gemeinsam bewertet werden.

↑ zurück zum Inhalt

18. 2.000 Quadratmeter sind nicht alternativlos

Die Flächengröße ist einer der größten beeinflussbaren Kostenfaktoren.

Deshalb haben wir dieselben Modellannahmen auf kleinere Flächen übertragen.

Fläche Miete Betrieb modellhafte Ausstattung
1.200 m² 420.000 € 120.000 € 1,80 Mio. €
1.500 m² 525.000 € 150.000 € 2,25 Mio. €
1.700 m² 595.000 € 170.000 € 2,55 Mio. €
2.000 m² 700.000 € 200.000 € 3,00 Mio. €

Eine Fläche von 1.500 Quadratmetern wäre gegenüber der bestehenden Bücherei immer noch rund 74 Prozent größer.

500 Quadratmeter weniger würden in unserem Modell allein bei Miete und Betrieb jährlich rund:

225.000 Euro

einsparen.

Über 20 Jahre wären das ohne Mietsteigerungen:

4,5 Millionen Euro.

Hinzu kämen etwa 750.000 Euro weniger modellhafte Erstausstattung.

Damit erreicht der Unterschied zwischen 1.500 und 2.000 Quadratmetern über 20 Jahre bereits rund:

5,25 Millionen Euro

– noch ohne unterschiedliche Finanzierungskosten.

Ob 1.500 Quadratmeter fachlich genügen, muss ein konkretes Raumprogramm beantworten.

Gerade wegen dieser Größenordnung sollte eine solche Variante aber gerechnet werden.

↑ zurück zum Inhalt

19. 15 Millionen Euro Defizit: Was bedeutet TO HUUS für den Haushalt?

Die wichtigste Frage ist letztlich nicht, ob Quickborn TO HUUS theoretisch bezahlen kann.

Die Frage lautet:

Was bedeutet ein zusätzlicher dauerhafter Millionenaufwand in der konkreten Quickborner Haushaltslage?

Nach unserer bisherigen Auswertung des aktuell beratenen Haushaltsentwurfs 2027 bewegt sich der Fehlbetrag inzwischen in einer Größenordnung von rund 15 Millionen Euro – mit eher weiter wachsendem strukturellem Druck.

Schon die bisherige Finanzplanung zeigt, dass Quickborn strukturell mehr Geld ausgibt als einnimmt.

Die Stadt hat selbst erklärt, dass sämtliche Städte im Kreis Pinneberg defizitäre Haushalte aufweisen und steigende Pflichtausgaben den Spielraum für freiwillige Leistungen immer weiter einschränken.

TO HUUS würde an diesem Problem nichts verbessern.

Das Projekt erzeugt nach heutigem Kenntnisstand keinen zusätzlichen laufenden Ertrag, der auch nur annähernd den zusätzlichen Aufwand deckt.

Selbst wenn einzelne Veranstaltungen Eintrittseinnahmen erzielen und gegebenenfalls zusätzliche Bibliotheksförderung fließt, bleibt der Dritte Ort eine zuschussfinanzierte öffentliche Einrichtung.

Ein zusätzliches jährliches Defizit von beispielsweise 1,3 bis 1,4 Millionen Euro muss dauerhaft durch höhere Einnahmen, Einsparungen an anderer Stelle oder zusätzliche Liquiditätsbelastung ausgeglichen werden.

Bei einem ohnehin bestehenden Fehlbetrag von rund 15 Millionen Euro würde eine zusätzliche Belastung von 1,38 Millionen Euro das Defizit – ohne Gegenmaßnahmen – rechnerisch um gut 9 Prozent erhöhen.

Aus 15 Millionen Euro würden damit rechnerisch rund:

16,4 Millionen Euro.

Natürlich verändert sich ein Haushalt gleichzeitig an vielen anderen Stellen. Diese Rechnung soll deshalb keine Haushaltsprognose sein.

Sie zeigt die Größenordnung der Entscheidung.

Laufende Miete ist keine einmalige Investition

Eine Schule oder Straße kann investiv finanziert und über viele Jahre abgeschrieben werden.

Miete, Energie, Reinigung, Veranstaltungen und Personal sind dagegen laufender Aufwand.

Fehlen dafür laufende Erträge, verschlechtert sich das Jahresergebnis und die Liquidität.

Investitionskredite sind deshalb kein dauerhaftes Finanzierungsmodell für eine laufende Gebäudemiete.

Fehlende Liquidität führt letztlich zu höherem Bedarf an Kassen- beziehungsweise Liquiditätskrediten und damit zusätzlichen Zinskosten.

Und bislang steht TO HUUS kaum im Haushalt

Besonders wichtig ist:

Die Stadt hat auf die Informationsanfrage zum Projekt erklärt, dass in den Jahren 2026, 2027 und 2028 bislang keine entsprechenden zusätzlichen Ergebnisplanansätze enthalten sind.

Begründung: Das Projekt befinde sich noch in der Planungsphase. Eine Veranschlagung erfolge erst, wenn konkrete Zahlen und Veranschlagungsreife vorliegen.

Auch die vollständigen Investitionen für Einrichtung und Technik sind deshalb in der derzeitigen mittelfristigen Planung noch nicht abgebildet.

Das bedeutet:

Der bereits defizitäre mittelfristige Haushalt zeigt die mögliche spätere TO-HUUS-Belastung bislang noch nicht vollständig.

↑ zurück zum Inhalt

20. Wie viel freiwilligen Spielraum bindet das Projekt?

Für die politische Bewertung ist ein Vergleich besonders aufschlussreich.

Im Juli 2026 erklärte Bürgermeister Thomas Beckmann öffentlich, Quickborn könne selbst durch die vollständige Streichung aller freiwilligen Leistungen sein strukturelles Defizit nicht beseitigen.

Seine damalige Rechnung:

Ein Defizit von rund 12,5 Millionen Euro würde selbst nach vollständiger Streichung aller freiwilligen Leistungen noch bei etwa 7,5 Millionen Euro liegen.

Daraus ergibt sich eine Größenordnung der freiwilligen Leistungen von rund:

5 Millionen Euro jährlich.

Dazu zählte die Stadt ausdrücklich unter anderem Stadtbücherei, VHS, Freibad, Vereine, Ehrenamt, Jugendarbeit, Veranstaltungen, Bildungsangebote und Wirtschaftsförderung.

Diese 5 Millionen Euro sind keine exakte Kennzahl des Haushaltsjahres 2027. Sie stammen aus der öffentlichen Darstellung der Stadt für die aktuelle strukturelle Haushaltsdebatte.

Für die Größenordnung ist der Vergleich trotzdem interessant.

Unsere mittlere TO-HUUS-Mehrbelastung von rund 1,38 Millionen Euro entspräche rechnerisch ungefähr:

27 bis 28 Prozent dieser gesamten Größenordnung freiwilliger Leistungen.

Selbst das niedrigere Modell mit rund einer Million Euro zusätzlichem Aufwand entspräche noch ungefähr:

20 Prozent.

Das bedeutet nicht, dass für TO HUUS künftig ein Viertel aller anderen freiwilligen Angebote gestrichen werden müsste.

Es zeigt aber den Umfang der Prioritätsentscheidung.

Denn wenn keine zusätzlichen Erträge entstehen und das Defizit nicht dauerhaft weiter steigen soll, muss der zusätzliche Aufwand irgendwo im Haushalt aufgefangen werden.

Das kann beispielsweise geschehen durch:

  • Reduzierung anderer freiwilliger Leistungen,
  • höhere Gebühren,
  • höhere Steuern,
  • Einsparungen in anderen Bereichen,
  • verschobene Investitionen,
  • zusätzliche Einnahmen oder
  • vorübergehend höhere Liquiditätsverschuldung.

TO HUUS ist damit auch eine Entscheidung darüber, welchen Anteil des künftig noch vorhandenen kommunalpolitischen Gestaltungsspielraums Quickborn langfristig für dieses eine Projekt reservieren möchte.

↑ zurück zum Inhalt

21. Wirtschaftlichkeit: Der Nutzen ist öffentlich – die Kosten bleiben trotzdem real

Bei einem privatwirtschaftlichen Projekt wäre die Frage relativ einfach:

Erwirtschaftet die Investition mehr Erträge als Kosten?

Bei einer öffentlichen Bibliothek funktioniert diese Betrachtung nicht.

Eine Bibliothek soll keinen Gewinn erwirtschaften.

Leseförderung, Bildung, Kultur, gesellschaftliche Teilhabe und ein konsumfreier Treffpunkt haben einen öffentlichen Nutzen, der sich nicht vollständig in Euro ausdrücken lässt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Wirtschaftlichkeit keine Rolle spielt.

Im Gegenteil:

Gerade wenn ein Projekt keine positiven Nettoerträge erzielt, muss besonders genau geprüft werden, mit welcher Variante derselbe öffentliche Nutzen zu vertretbaren dauerhaften Kosten erreicht werden kann.

Die Wirtschaftlichkeitsfrage lautet deshalb nicht:

„Verdient TO HUUS Geld?“

Das wird voraussichtlich nicht der Fall sein.

Die richtige Frage lautet:

Welche Variante erreicht den gewünschten öffentlichen Nutzen mit dem geringsten dauerhaften Zuschussbedarf?

Deshalb müssten mindestens verglichen werden:

  • Weiterentwicklung der bestehenden rund 860 Quadratmeter,
  • eine kleinere Erweiterung,
  • eine Lösung mit etwa 1.200 bis 1.500 Quadratmetern,
  • eine Lösung mit etwa 1.700 Quadratmetern und
  • die geplanten 2.000 Quadratmeter.

Ohne einen solchen Variantenvergleich lässt sich nicht feststellen, ob 2.000 Quadratmeter wirtschaftlich die sinnvollste Lösung sind.

↑ zurück zum Inhalt

22. 20 Jahre: Aus einer Jahresmiete werden zweistellige Millionenbeträge

Bei langfristigen Mietverträgen darf nicht nur ein einzelnes Haushaltsjahr betrachtet werden.

Unsere mittlere Modellrechnung geht für die neue Fläche von:

700.000 Euro Miete + 200.000 Euro Betrieb = 900.000 Euro jährlich

aus.

Über 20 Jahre ergeben sich ohne jede Preissteigerung:

18 Millionen Euro.

Hinzu kommen modellhaft:

  • 3 Millionen Euro Erstausstattung,
  • gegebenenfalls zusätzlicher Personal- beziehungsweise Dienstleistungsaufwand,
  • Finanzierungskosten,
  • Ersatzbeschaffungen und
  • die noch mehrere Jahre weiterlaufende Altbindung im Forum.

Bei nur einem zusätzlichen Personaläquivalent von 70.000 Euro jährlich entstehen über 20 Jahre weitere:

1,4 Millionen Euro.

Die alte Grundmiete im Forum würde bei einer beispielhaften Überschneidung von achteinhalb Jahren noch ungefähr:

935.000 Euro

betragen.

Damit liegt die Größenordnung bereits bei:

rund 23,3 Millionen Euro

– noch ohne vollständige Finanzierungskosten, Ersatzinvestitionen und ohne die bisherigen Bewirtschaftungskosten der Altfläche.

Bleiben auch diese während der Überschneidungszeit ungefähr auf heutigem Niveau, steigt die Größenordnung auf knapp:

24 Millionen Euro.

Was passiert bei 2 Prozent Kostensteigerung?

Steigen allein Miete und Betrieb von zunächst 900.000 Euro durchschnittlich um 2 Prozent pro Jahr, summieren sich diese beiden Positionen über 20 Jahre bereits auf rund:

21,9 Millionen Euro.

Deshalb sind Vertragslaufzeit, Mietindexierung und Nebenkostenregelung mindestens ebenso wichtig wie die anfängliche Monatsmiete.

↑ zurück zum Inhalt

23. Kosten und Nutzen gegenübergestellt

Punkt Einordnung
moderne Bibliothek klarer öffentlicher Nutzen
mehr Platz für Schulklassen deutlicher Bildungsnutzen
Gruppen- und Arbeitsräume sinnvolle Erweiterung
Open Library längere Zugänglichkeit möglich
konsumfreier Treffpunkt gesellschaftlicher Nutzen
Kulturveranstaltungen zusätzliche Möglichkeiten; Bedarf und Auslastung offen
Belebung Bahnhofstraße plausibel
zusätzliche Einzelhandelsfrequenz noch nicht quantifiziert
Wohnungsbau im Gesamtprojekt städtebaulicher und wohnungspolitischer Nutzen
Verlust der Bücherei im Forum möglicher negativer Frequenzeffekt
EDEKA-Schließung verstärkt die Bedeutung der Forum-Frage
Altvertrag Forum bis 2037 Kosten bleiben zunächst bestehen
neue langfristige Miete erheblicher dauerhafter Haushaltsaufwand
Personalkosten Gesamtbedarf TO HUUS noch nicht abschließend geklärt
Fördermittel Altstandort Zweckbindung wird geprüft
2.000 Quadratmeter Bedarf bislang nicht durch veröffentlichten Variantenvergleich belegt

↑ zurück zum Inhalt

24. Was vor einer langfristigen Bindung noch auf den Tisch gehört

Für eine belastbare Entscheidung fehlen aus unserer Sicht insbesondere folgende Angaben:

  1. Wie wurde der Flächenbedarf von genau 2.000 Quadratmetern ermittelt?
  2. Wie sieht das konkrete Raumprogramm aus?
  3. Wie viel Fläche wird künftig tatsächlich für Medien benötigt?
  4. Welche Zielgröße hat der physische Medienbestand für 2030, 2035 und 2040?
  5. Welche zusätzlichen Funktionen lassen sich bereits in der bestehenden Bücherei schaffen?
  6. Welche Varianten mit geringerer Fläche wurden geprüft?
  7. Wie hoch ist die tatsächliche Miete?
  8. Wie lang soll der Mietvertrag laufen?
  9. Welche Indexierung ist vorgesehen?
  10. Welche Nebenkosten werden erwartet?
  11. Wer bezahlt welche Teile des Innenausbaus?
  12. Wie hoch sind die Kosten für Ausstattung und Open-Library-Technik?
  13. Welches Personal- und Betreiberkonzept gibt es für TO HUUS insgesamt?
  14. Wer betreut Abend- und Wochenendveranstaltungen?
  15. Wie viele Veranstaltungen werden pro Jahr erwartet?
  16. Welche durchschnittliche Auslastung wird kalkuliert?
  17. Welche realistischen Nettoerlöse können Veranstaltungen erzielen?
  18. Wie sieht der Stellplatznachweis aus?
  19. Wie wird die bisherige Bücherei im Forum bis 2037 konkret nachgenutzt?
  20. Welche Kosten werden durch diese Nachnutzung tatsächlich an anderer Stelle eingespart?
  21. Welche Auswirkungen haben EDEKA-Schließung und Büchereiumzug gemeinsam auf das Forum?
  22. Wie viele TO-HUUS-Besucher sind tatsächlich zusätzliche Innenstadtbesucher?
  23. Welche Fördermittel sind für TO HUUS verbindlich zugesagt?
  24. Welche Zweckbindungen bestehen noch für die gerade modernisierte bestehende Bücherei?
  25. Welche zusätzlichen TO-HUUS-Kosten werden in die nächste mittelfristige Finanzplanung aufgenommen?
  26. Welche anderen freiwilligen Leistungen oder Investitionen müssen gegebenenfalls zurückstehen?

↑ zurück zum Inhalt

25. Gesamtbewertung: Der Dritte Ort ist nicht die Frage – seine Größe und Finanzierbarkeit schon

Die Weiterentwicklung der Quickborner Stadtbücherei zu einem modernen Dritten Ort ist fachlich gut nachvollziehbar.

Sie hat allerdings längst begonnen.

Die bestehende Stadtbücherei wurde seit 2022 ausdrücklich in diese Richtung entwickelt, 2024 erheblich umgestaltet und Anfang 2025 weiter ausgestattet.

Parallel verändert sich das Bibliothekswesen.

Der physische Medienbestand ist bereits deutlich gesunken. Digitale Angebote wachsen. Künftig wird voraussichtlich relativ weniger Fläche für klassische Medienregale und mehr Fläche für Menschen, Literaturvermittlung, Lernen, Bildung und Kultur benötigt.

Das spricht für eine weitere Modernisierung.

Es begründet aber noch nicht automatisch 2.000 Quadratmeter.

Gerade weil die rund 2.000 Quadratmeter ziemlich genau der im Neubau vorhandenen großen Erdgeschossfläche entsprechen, sollte transparent belegt werden, wie diese Fläche fachlich hergeleitet wurde.

Für ADLERSHORST ist ein langfristiger kommunaler Mieter für eine große Erdgeschossfläche eine außerordentlich attraktive und verlässliche Konstellation. Gleichzeitig kann im Gesamtprojekt zusätzlicher Wohnraum entstehen und eine höhere bauliche Dichte realisiert werden.

Auch das ist zunächst legitim.

Für die Stadt Quickborn muss aber dieselbe Frage gelten:

Ist das Geschäft langfristig ebenso attraktiv für den städtischen Haushalt?

Und hier wird die Lage schwieriger.

Der derzeit diskutierte Haushalt 2027 weist nach unserer bisherigen Auswertung bereits ein Defizit von rund 15 Millionen Euro auf.

Die Stadt selbst hat 2026 vorgerechnet, dass sämtliche freiwilligen Leistungen zusammen eine Größenordnung von etwa 5 Millionen Euro haben und selbst ihre vollständige Streichung das strukturelle Defizit nicht beseitigen würde.

Eine TO-HUUS-Mehrbelastung in der Größenordnung von rund 1 bis 1,4 Millionen Euro jährlich wäre deshalb haushaltspolitisch keine Randposition.

Im mittleren Modell entspricht sie rechnerisch mehr als einem Viertel der von der Stadt genannten Größenordnung sämtlicher freiwilliger Leistungen.

Gleichzeitig sind die vollständigen TO-HUUS-Folgekosten in der bisherigen mittelfristigen Finanzplanung noch nicht enthalten.

Positive Erträge, die diesen Aufwand annähernd ausgleichen könnten, sind bislang nicht erkennbar.

Das ist bei einer öffentlichen Kultur- und Bildungseinrichtung nicht ungewöhnlich. Es bedeutet aber zwangsläufig:

TO HUUS wird voraussichtlich dauerhaft zusätzlichen Zuschuss benötigen.

Dieser Zuschuss muss jedes Jahr neu finanziert werden.

Er konkurriert damit um denselben finanziellen Spielraum wie Sport, Kultur, Jugend, Vereine, Ehrenamt, Freibad, Wirtschaftsförderung und andere freiwillige Leistungen.

Dazu kommt die besondere Situation des Forums.

EDEKA schließt im März 2027. Die Bücherei soll perspektivisch ebenfalls ausziehen. Die bestehenden Büchereiräume bleiben gleichzeitig bis Mitte 2037 fest angemietet.

TO HUUS kann einen anderen Teil der Innenstadt beleben.

Ein Teil dieser Frequenz wird aber zunächst lediglich von A nach B verlagert. Und größere Abendveranstaltungen beleben zwar die Innenstadt, finden aber zu einem Zeitpunkt statt, an dem viele Einzelhandelsgeschäfte bereits geschlossen sind.

Deshalb sollte die Entscheidung nicht auf die Frage verkürzt werden:

„Wollen wir einen Dritten Ort?“

Die sinnvolleren Fragen lauten:

Welche Funktionen braucht Quickborn wirklich?

Wie viel Fläche ist dafür notwendig?

Welche dieser Funktionen können bereits in der modernisierten bestehenden Bücherei angeboten werden?

Was kosten 1.200, 1.500, 1.700 und 2.000 Quadratmeter über die gesamte Vertragsdauer?

Welche zusätzlichen Besucher und Angebote entstehen tatsächlich?

Was verliert gleichzeitig das Forum?

Und welchen dauerhaften zusätzlichen Zuschuss kann sich Quickborn bei einem strukturell defizitären Haushalt leisten?

Ein moderner Literatur-, Bildungs- und Kulturort kann eine große Bereicherung für Quickborn sein.

Die Größe einer solchen Einrichtung ist aber kein Selbstzweck.

Der richtige Dritte Ort ist nicht automatisch der größte. Er ist derjenige, der den gewünschten Nutzen dauerhaft zu Kosten liefert, die die Stadt auch tragen kann.

Quellen und Grundlagen

  • Stadt Quickborn: Dritter Ort – „Das Wohnzimmer der Stadt“
  • Stadt Quickborn: Projektunterlagen und Präsentation TO HUUS
  • Stadt Quickborn: Protokoll des Bürgerdialogs zum Dritten Ort vom 25. März 2026
  • Stadt Quickborn: Berichtswesen zur Stadtbücherei 2007 bis 2024
  • Stadt Quickborn: Haushaltspläne 2023/2024 einschließlich Nachtrag und Haushaltsplan 2025
  • Aktueller Haushaltsentwurf 2027 – Auswertung Quickborn Aktuell
  • Stadt Quickborn: Mitteilungen zur kommunalen Haushaltslage 2026
  • FragDenStaat: Informationsanfrage „Projekt TO HUUS“, Antwort der Stadt Quickborn vom 18. März 2026
  • Stadt Quickborn: Zentren- und Einzelhandelskonzept
  • Stadt Quickborn: Informationen zur Schließung des EDEKA-Marktes am Forumsplatz
  • Bibliotheksportal des Deutschen Bibliotheksverbandes: Bibliothek als Dritter Ort und Open Library
  • Eigene Modell- und Vergleichsrechnungen Quickborn Aktuell

Hinweis: Alle im Text als Modellrechnung oder Annahme gekennzeichneten TO-HUUS-Kosten sind Berechnungen von Quickborn Aktuell auf Grundlage der derzeit bekannten Projekt- und Haushaltsdaten. Sie sind weder ein Mietangebot von ADLERSHORST noch eine offizielle Kostenberechnung der Stadt Quickborn. Sobald konkrete Miet-, Ausbau-, Personal- oder Betriebskosten veröffentlicht werden, muss die Berechnung entsprechend aktualisiert werden.

↑ zurück zum Anfang