Eine neue Hochspannungsleitung soll künftig die Umspannwerke Hamburg/Nord und Ulzburg verbinden. Auch der äußerste Nordosten Quickborns wird von der rund 4,3 Kilometer langen Trasse berührt. Die Planungen nehmen dabei besondere Rücksicht auf den Rantzauer Forst. Die Stadt Quickborn unterstützt das Vorhaben.
Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) plant den Bau einer neuen 110-Kilovolt-Freileitung. Insgesamt 14 neue Strommasten sind vorgesehen. Sie sollen zwischen 30 und 68 Meter hoch werden und vier Stromkreise tragen können.
Die Leitung verläuft weitgehend parallel zu bereits vorhandenen Hochspannungsleitungen. Damit wird ein Landschaftsbereich genutzt, der schon heute durch Stromtrassen geprägt ist.
Warum die neue Stromleitung notwendig ist
Hintergrund ist eine umfangreiche Umstrukturierung des Stromnetzes in der Region. Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT modernisiert das Höchstspannungsnetz und stellt bestehende Verbindungen von 220 auf 380 Kilovolt um.
Gleichzeitig wird der bisherige gemeinsame Betrieb des Umspannwerks Hamburg/Nord an der Edisonstraße in Henstedt-Ulzburg beendet. Der Anschluss an das überregionale Höchstspannungsnetz verlagert sich zum neuen Umspannwerk Ulzburg an der A7.
Damit die rund 28.000 Einwohnerinnen und Einwohner von Henstedt-Ulzburg sowie die dortigen Gewerbebetriebe weiterhin zuverlässig mit Strom versorgt werden können, muss SH Netz die beiden Umspannwerke durch eine neue Leitung verbinden.
Der Ausbau dient damit vor allem der Versorgungssicherheit und der Stabilität des regionalen Stromnetzes. Zugleich schafft die Modernisierung bessere Voraussetzungen für die Energiewende.
Rantzauer Forst wird vollständig überspannt
Besonders erfreulich ist die vorgesehene Trassenführung im Bereich des Rantzauer Forstes.
Nach Angaben von SH Netz soll die neue Hochspannungsleitung den Wald vollständig überspannen. Eine zusätzliche breite Leitungsschneise durch den Forst ist damit nicht erforderlich.
Ermöglicht wird dies durch besondere Mastkonstruktionen, mit denen größere Abstände zwischen den einzelnen Strommasten erreicht werden können.
Auch die Zahl der benötigten Masten konnte im Zuge der Planung auf 14 reduziert werden. Dabei hat SH Netz Anregungen aus Bürgerdialogen sowie Hinweise von Behörden und Grundstückseigentümern berücksichtigt.
Während der Bauarbeiten werden kleinere Eingriffe in den Gehölzbestand voraussichtlich nicht vollständig zu vermeiden sein. Nach Angaben des Unternehmens sollen diese jedoch auf ein Minimum beschränkt bleiben.
Wohnhäuser, Spielplätze und andere dauerhaft genutzte Aufenthaltsorte werden nach der aktuellen Planung nicht von der neuen Leitung überspannt.
Was bedeutet das für Quickborn?
Das Quickborner Stadtgebiet wird lediglich im äußersten Nordosten von der neuen Leitung berührt.
Die Stadtverwaltung hat die Planungsunterlagen geprüft und sieht keine wesentlichen Einwände gegen das Vorhaben.
In ihrer Stellungnahme legt sie besonderen Wert auf die Erholungs- und Schutzfunktion des Waldgebiets bei Quickborn-Heide.
Angeregt wird unter anderem, in Bereichen mit Eingriffen neue, abgestufte Waldränder aus Bäumen und Sträuchern anzulegen. Diese können den verbleibenden Baumbestand vor Wind schützen, das Landschaftsbild verbessern und zusätzliche Lebensräume für Tiere schaffen.
Notwendige Ersatzaufforstungen sollten nach Auffassung der Stadt möglichst in der unmittelbaren Umgebung stattfinden.
Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt wird sich am 12. November 2026 mit der Stellungnahme befassen. Die abschließende Entscheidung der Ratsversammlung ist für den 23. November vorgesehen.
Baubeginn voraussichtlich 2028
Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren beim Land Schleswig-Holstein. Seit dem 20. Oktober 2026 sind die umfangreichen Planungsunterlagen öffentlich einsehbar.
Bis zum 4. Dezember 2026 können Betroffene Einwendungen und Stellungnahmen abgeben.
SH Netz rechnet mit einem Planfeststellungsbeschluss im dritten Quartal 2027. Wenn das Genehmigungsverfahren wie geplant verläuft, könnten die Bauarbeiten im Jahr 2028 beginnen.
Während der Bauzeit werden vorübergehend Baustellenzufahrten, Arbeitsflächen und Sicherungsmaßnahmen benötigt. Einzelheiten dazu sind Bestandteil der Planfeststellungsunterlagen.
Ein sinnvoller Ausbau mit Rücksicht auf die Natur
Die bisherigen Planungen machen einen durchdachten Eindruck. Die neue Leitung ist für die Umstrukturierung der regionalen Stromversorgung erforderlich. Gleichzeitig wird der Verlauf weitgehend an vorhandenen Hochspannungstrassen ausgerichtet, statt einen völlig neuen Korridor durch die Landschaft zu schaffen.
Besonders die vollständige Überspannung des Rantzauer Forstes ist eine gute Lösung. Damit lässt sich die Stromversorgung ausbauen, ohne den Wald dauerhaft durch eine zusätzliche Leitungsschneise zu zerschneiden.
Für Quickborn sind nach dem derzeit bekannten Planungsstand nur begrenzte Auswirkungen zu erwarten. Wie groß die vorübergehenden Eingriffe während der Bauphase tatsächlich werden, ist noch im Genehmigungsverfahren zu klären.
Die zustimmende Haltung der Stadt ist angesichts dieser Planung nachvollziehbar. Mit ihren Anregungen zum Waldschutz trägt sie dazu bei, die verbleibenden Eingriffe möglichst gering zu halten.
Weitere Informationen und Quellen
Die vollständigen Planfeststellungsunterlagen können im Planfeststellungsportal des Landes Schleswig-Holstein eingesehen werden.
Weitere Quellen:
- Stadt Quickborn, Beschlussvorlage VO/2026/Q/1144 vom 22. Oktober 2026
- Schleswig-Holstein Netz, Pressemitteilung vom 28. August 2026
- Schleswig-Holstein Netz, Pressemitteilung vom 14. Oktober 2026
Schreibe einen Kommentar