Wirtschaftsförderung gab es in Quickborn schon immer.
Unternehmensbesuche, Messeauftritte, Standortmarketing und Kontakte zu Betrieben sind keine neuen Erfindungen. Neu ist vor allem, dass die Wirtschaftsförderung heute personell stärker ausgestattet ist, erheblich mehr Geld kostet und öffentlich deutlich sichtbarer auftritt.
Ob sie deshalb erfolgreicher ist, ist eine andere Frage.
Was Wirtschaftsförderung leisten soll
Die Aufgaben sind eigentlich klar:
Bestehende Unternehmen unterstützen. Neue Betriebe ansiedeln. Arbeitsplätze sichern und schaffen. Investitionen ermöglichen. Bei Genehmigungen helfen. Gewerbeflächen vermitteln und den Standort vermarkten.
Daran muss sich Wirtschaftsförderung messen lassen.
Nicht an der Zahl der Termine, Fotos oder Veranstaltungen.
Zwei Vollzeitstellen und mehr als 320.000 Euro
2026 stehen für die Wirtschaftsförderung zwei Vollzeitstellen zur Verfügung.
Der Haushaltsansatz liegt bei rund 323.000 Euro. Davon entfallen etwa 176.000 Euro auf Personal.
Das ist zunächst weder positiv noch negativ.
Es ist eine bewusste Investition der Stadt.
Entscheidend ist deshalb die Frage:
Was kommt dabei heraus?
Unternehmensfrühstücke, Firmenbesuche und Messen
Seit 2024 gibt es zusätzlich regelmäßige Unternehmensfrühstücke. Je Treffen nehmen etwa 30 bis 40 Unternehmensvertreter teil. Themen sind unter anderem Finanzierung, Förderprogramme und Fachkräfte.
Firmenbesuche gab es dagegen auch früher. Ebenso Messeauftritte und ein intensives Standortmarketing.
Das alles gehört zum normalen Handwerkszeug einer kommunalen Wirtschaftsförderung.
Kontakte sind wichtig. Netzwerke ebenfalls.
Aber ein Unternehmensfrühstück ist noch keine Ansiedlung. Ein Messegespräch ist noch keine Investition.
Der EQ Businesspark
Der EQ Businesspark wurde im Wesentlichen 2022 fertiggestellt und später offiziell eröffnet.
Rund 20 Hektar Gewerbefläche stehen zur Verfügung. Das Gebiet wurde gemeinsam von Stadt und WEP entwickelt und soll Platz für etwa 20 bis 25 Unternehmen bieten.
Die Nachfrage soll enorm sein.
Nach Angaben der WEP gab es mehr als 100 interessierte Unternehmen. Die verfügbaren Flächen hätten demnach sogar mehrfach verkauft werden können.
Das klingt nach einer ausgezeichneten Ausgangslage.
Die tatsächliche Bilanz fällt bisher deutlich bescheidener aus.
Bis Anfang 2025 wurden vier Grundstückskäufer vorgestellt.
Zwei Unternehmen waren bereits in Quickborn. Eines kam aus Norderstedt und eines aus Hamburg.
Natürlich ist auch die Erweiterung eines bestehenden Quickborner Unternehmens wertvoll.
Eine Neuansiedlung ist es aber nicht.
Vier Verkäufe nach mehreren Jahren sind bei mehr als 100 Interessenten kein überzeugender Vermarktungserfolg.
Wenn die Nachfrage so groß ist – warum wird dann nicht verkauft?
Genau hier beginnt die interessante Frage.
Wenn die Fläche nach Angaben der WEP mehrfach verkauft werden könnte, warum sind dann nach Jahren noch große Teile unbebaut?
Fehlt es wirklich an geeigneten Unternehmen?
Oder sind Stadt und WEP bei der Auswahl schlicht zu wählerisch?
Die Stadt berücksichtigt bei der Vergabe unter anderem Arbeitsplatzeffekte, Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Bedeutung und weitere strukturelle Kriterien.
Grundsätzlich ist das richtig.
Gewerbeflächen sind knapp. Eine Kommune muss darauf achten, was langfristig Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Gewerbesteuer bringt.
Aber Auswahl darf nicht zum Selbstzweck werden.
Brautschau oder Wirtschaftsförderung?
Die zugespitzte Frage lautet deshalb:
Betreibt Quickborn Wirtschaftsförderung – oder inzwischen eine Art Brautschau nach dem vermeintlich perfekten Unternehmen?
Nachhaltigkeit. Branchenmix. Arbeitsplätze. Wachstum. Standortkonzept. Strukturelle Kriterien.
Jeder einzelne Punkt kann sinnvoll sein.
In der Summe bekommt das Verfahren allerdings zunehmend planwirtschaftliche Züge.
Die öffentliche Hand entscheidet dann nicht mehr nur darüber, welche Nutzung planungsrechtlich zulässig ist.
Sie bewertet zusätzlich, welches Unternehmen ihrer Vorstellung vom richtigen Unternehmen entspricht.
Das birgt ein Risiko:
Am Ende bleiben wertvolle Gewerbeflächen jahrelang unbebaut, obwohl Unternehmen investieren wollen.
Nachhaltigkeit ja – aber mit Augenmaß
Der fossilfreie Ansatz des EQ Businessparks ist Teil des Konzeptes und grundsätzlich nachvollziehbar.
Daraus folgt aber nicht, dass jede Unternehmensansiedlung einem Idealbild entsprechen muss.
Ein Gewerbegebiet ist kein Ausstellungsraum für Musterunternehmen.
Es soll Raum für Investitionen schaffen.
Es soll Arbeitsplätze bringen.
Es soll Wertschöpfung erzeugen.
Und es soll langfristig Gewerbesteuereinnahmen für Quickborn sichern.
Wer die Vorgaben des Bebauungsplans erfüllt und wirtschaftlich zum Standort passt, sollte eine reale Chance auf eine Fläche haben.
Die Innenstadt bleibt ebenfalls Aufgabe der Wirtschaftsförderung
Wirtschaftsförderung endet nicht am EQ Businesspark.
Auch die Innenstadt steht vor erheblichen Herausforderungen.
Das Handels- und Gastronomiekonzept der Stadt benennt selbst Probleme:
Geeignete größere Gewerbeflächen fehlen. Manche Immobilien sind ohne Sanierung kaum nutzbar. Teilweise erschweren hohe Mieten und starre Verträge neue Ansiedlungen. Eine belastbare Flächen- und Eigentümerdatenbank befindet sich erst im Aufbau.
Gleichzeitig schließt der EDEKA-Markt am Forumsplatz zum 31. März 2027.
Auch die Entwicklung bei Hagebau und Famila zeigt, wie schnell wichtige Standorte unter Druck geraten können.
Wirtschaftsförderung zeigt sich, wenn es schwierig wird
Entscheidend ist nicht nur der Kontakt zu Unternehmen, solange alles gut läuft.
Spannend wird es, wenn Probleme auftreten.
Bei einer Insolvenz.
Bei einer geplanten Standortaufgabe.
Bei Erweiterungsproblemen.
Bei schwierigen Genehmigungen.
Oder bei der Suche nach Investoren und Nachfolgern.
Die Insolvenz von SMB, die angekündigte EDEKA-Schließung und die Diskussion um Hagebau und Famila sind sehr unterschiedliche Fälle.
Sie zeigen aber, worauf es bei Wirtschaftsförderung ankommt:
Probleme früh erkennen. Unternehmen ansprechen. Lösungen suchen. Kontakte herstellen. Und Hindernisse innerhalb der Verwaltung möglichst schnell beseitigen.
Nicht jedes Unternehmen kann gehalten werden.
Aber genau in solchen Situationen zeigt sich der tatsächliche Wert eines funktionierenden Netzwerkes.
Das Verkehrsproblem wird zum Wirtschaftsproblem
Quickborn wirbt seit Jahrzehnten mit der günstigen Lage an der A7.
Genau dieser Vorteil wird zunehmend zum Problem.
Die aktuelle Verkehrsuntersuchung stellt fest, dass die Anschlussstelle Quickborn bereits überlastet ist. Zusätzliche Lkw-Verkehre können dort nicht mehr abgewickelt werden.
Auch das umliegende Straßennetz verfügt kaum noch über Reserven.
Damit ist das längst nicht mehr nur ein Verkehrsproblem.
Es ist ein Standortproblem.
Neue Gewerbeflächen zu entwickeln, während die wichtigste Verkehrsanbindung ihre Kapazitätsgrenze erreicht hat, passt auf Dauer nicht zusammen.
Aktivität ist noch kein Erfolg
Die Stadt kann inzwischen sehr genau darstellen, was die Wirtschaftsförderung macht:
Unternehmensfrühstücke. Firmenbesuche. Messeauftritte. Öffentlichkeitsarbeit. Netzwerke. Standortmarketing.
Das ist eine Tätigkeitsbilanz.
Was weiterhin fehlt, ist eine belastbare Ergebnisbilanz.
Interessant wären andere Zahlen:
Wie viele Unternehmen wurden tatsächlich neu nach Quickborn geholt?
Wie viele zusätzliche Arbeitsplätze sind dadurch entstanden?
Welche Investitionen wurden ausgelöst?
Welche Unternehmen konnten konkret erweitert oder am Standort gehalten werden?
Und welche zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen sind daraus entstanden?
Unsere Bewertung
Wirtschaftsförderung ist eine wichtige kommunale Aufgabe.
Aber sie ist nicht automatisch erfolgreich, nur weil dafür mehr Personal und mehr Geld eingesetzt werden.
Mehr als 320.000 Euro jährlich und zwei Vollzeitstellen sind zunächst Aufwand.
Der Erfolg muss sich an Ergebnissen zeigen.
Der EQ Businesspark ist dafür derzeit das deutlichste Beispiel.
Die Flächen sind vorhanden.
Die Nachfrage soll riesig sein.
Mehr als 100 Unternehmen sollen Interesse gezeigt haben.
Trotzdem wurden bislang nur wenige Grundstücke verkauft.
Wenn eine Fläche angeblich mehrfach verkauft werden könnte, sie aber über Jahre nur schleppend vergeben wird, liegt das Problem offensichtlich nicht allein an fehlenden Interessenten.
Dann muss auch die Auswahlpraxis auf den Prüfstand.
Nachhaltigkeit und Qualität sind wichtig.
Aber Wirtschaftsförderung darf nicht in Planwirtschaft umschlagen.
Quickborn braucht keine möglichst lange Interessentenliste.
Quickborn braucht Unternehmen, Investitionen, Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Gewerbesteuereinnahmen.
Daran sollte sich die Wirtschaftsförderung messen lassen.
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