In den vergangenen beiden Monaten gab es mehrere wichtige Entwicklungen für den Wirtschaftsstandort Quickborn. Neue Gewerbeflächen, der EQ Businesspark, comdirect, EDEKA und die Kosten der städtischen Wirtschaftsförderung gehören dazu. Nicht alles ist dabei unkritisch.
Stadt kauft weitere Gewerbefläche
Die Stadt sichert sich nach unseren Recherchen eine weitere Fläche im Bereich Gewerbegebiet Nord/EQ Businesspark in Richtung Bahnstraße. Der Kaufpreis liegt bei rund 2 Millionen Euro.
Das folgt der Strategie der Stadt, frühzeitig Grundstücke für künftige Gewerbeentwicklung zu sichern. Hintergrund: Von zehn untersuchten Potenzialflächen mit insgesamt rund 160 Hektar brutto waren nach der städtischen Untersuchung kurzfristig lediglich rund 4,5 Hektar, mittelfristig weitere rund 23 Hektar aktivierbar.
Der Ankauf kann deshalb sinnvoll sein. Er bindet aber auch erhebliche Mittel. Erschließung, Planung und spätere Infrastruktur kommen zum Kaufpreis noch hinzu.
Das Verkehrsproblem bleibt ungelöst
Der entscheidende Schwachpunkt liegt bei der Verkehrsanbindung.
Die Anschlussstelle Quickborn an der A7 wurde in der Verkehrsuntersuchung mit Qualitätsstufe F bewertet – der schlechtesten Stufe. Zusätzliche Verkehre können dort nach den bisherigen Untersuchungen nicht ohne Weiteres aufgenommen werden.
Neue Gewerbeflächen zu kaufen ist deshalb nur der erste Schritt. Entscheidend ist, wie Unternehmen, Beschäftigte und Lieferverkehr die Flächen später erreichen sollen. Ein zusätzlicher Autobahnanschluss ist bisher weder beschlossen noch kurzfristig absehbar.
Zwei weitere Flächen werden untersucht
Parallel lässt die Stadt zwei weitere Gewerbepotenzialflächen untersuchen. Die Potenzialanalyse wird von der IB.SH gefördert. Nach Angaben der Wirtschaftsförderung sollen daraus nicht nur Aussagen zu den beiden Grundstücken entstehen, sondern auch Erkenntnisse für die gesamte zukünftige Gewerbeflächenentwicklung Quickborns.
Grundsätzlich ist das sinnvoll. Auffällig bleibt aber: Welche Flächen künftig stärker gewerblich entwickelt werden sollen, wird bisher weitgehend innerhalb von Verwaltung und Politik vorbereitet.
Eine gesonderte Beteiligung der Öffentlichkeit an dieser grundsätzlichen Flächenauswahl ist bisher nicht erkennbar. Die formelle Öffentlichkeitsbeteiligung beginnt regelmäßig erst später, wenn konkrete Bauleitplanverfahren laufen.
Gerade bei neuen Gewerbegebieten mit Auswirkungen auf Verkehr, Natur, Flächenverbrauch und Nachbarschaften wäre eine frühere Diskussion sinnvoll.
EQ Businesspark: Nachfrage ja – aber noch freie Flächen
Der EQ Businesspark bleibt das zentrale Projekt der Wirtschaftsförderung. Das Gebiet umfasst rund 22 Hektar. Angeboten werden Grundstücke unterschiedlicher Größen.
Die Stadt und die WEP stimmen sich nach eigenen Angaben regelmäßig zur Vermarktung ab. Hinzu kommen Gespräche mit den Wirtschaftsförderern des Kreises und die Zusammenarbeit im Verbund NORDGATE.
Die Stadt verweist seit längerem auf mehr als 100 Anfragen. Das ist ein positives Signal, darf aber nicht mit 100 konkreten Ansiedlungen verwechselt werden. Vier Grundstücke waren zuletzt verkauft; für weitere Flächen bestanden Optionen oder liefen Verhandlungen.
Mit CH OLEOCHEMICALS entsteht ein konkreter neuer Unternehmensstandort. Auf rund 1.600 Quadratmetern werden etwa 2 Millionen Euro investiert. Vorgesehen sind 20 bis 25 Arbeitsplätze.
comdirect bleibt bis 2033
Eine klare positive Nachricht kam im August: Der Mietvertrag für den comdirect-Standort in der Pascalkehre wurde bis Ende 2033 verlängert.
Damit bleibt ein großer Bürostandort mit rund 10.500 Quadratmetern Mietfläche langfristig erhalten. Für Quickborn ist die Sicherung bestehender großer Arbeitgeber mindestens ebenso wichtig wie die Ansiedlung neuer Betriebe.
EDEKA am Forumsplatz schließt
Weniger erfreulich ist die Entwicklung in der Innenstadt.
Der EDEKA-Markt am Forumsplatz schließt zum 31. März 2027. Rund 20 Beschäftigte sind betroffen. Nach Angaben von EDEKA besteht unter anderem erheblicher Investitionsbedarf am Standort.
Bürgermeister Thomas Beckmann führte anschließend Gespräche mit den Betreibern der EDEKA-Märkte in Ellerau und künftig Quickborn-Heide über mögliche Beschäftigungsperspektiven. Stadt und Eigentümer suchen zudem einen Nachfolger für die Fläche.
Hier wird sich zeigen, wie leistungsfähig Wirtschaftsförderung im Bestand tatsächlich ist. Ein länger leerstehender großer Lebensmittelmarkt mitten im Zentrum wäre für die Innenstadt problematisch.
Unternehmensgespräche und Netzwerke
Zur Wirtschaftsförderung gehören nicht nur Grundstücksgeschäfte.
Im Juli fand das 7. Quickborner Unternehmensfrühstück beim Golf-Club an der Pinnau statt. Themen waren unter anderem Fachkräfte, Automatisierung und das Freiwillige Handwerksjahr.
Dazu kommen die regelmäßige Zusammenarbeit mit WEP und NORDGATE sowie Gespräche mit Unternehmen und Projektentwicklern.
Solche Kontakte gehören zum Kerngeschäft einer Wirtschaftsförderung. Entscheidend bleibt allerdings, was daraus konkret entsteht.
Wirtschaftsförderung wird deutlich teurer
Genau deshalb lohnt sich auch der Blick auf die Kosten.
Nach den Haushaltszahlen der Stadt lagen die Aufwendungen für die Wirtschaftsförderung 2022 bei rund 142.100 Euro. Für 2026 sind rund 323.200 Euro vorgesehen.
- 2022: rund 142.100 Euro
- 2023: 143.800 Euro Ansatz, 137.883 Euro Ist
- 2024: 144.000 Euro Ansatz, 194.063 Euro Ist
- 2025: 339.200 Euro
- 2026: 323.200 Euro
Allein die Personalkosten steigen von rund 97.500 Euro im Jahr 2023 auf rund 175.700 Euro im Ansatz 2026.
Der Zuschussbedarf des Bereichs liegt 2026 bei rund 313.300 Euro.
Damit hat sich der finanzielle Aufwand innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt.
Das muss nicht automatisch zu viel sein. Gute Wirtschaftsförderung kann sich durch Arbeitsplätze, Gewerbesteuer, Investitionen und die Sicherung vorhandener Unternehmen auszahlen.
Aber genau diese Gegenrechnung fehlt bislang.
Wie viele Unternehmen wurden durch die städtische Wirtschaftsförderung tatsächlich neu angesiedelt? Wie viele Arbeitsplätze sind dadurch entstanden? Welche zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen lassen sich konkret zuordnen? Wie hoch sind neben dem eigenen Personal die gesamten Kosten für WEP, NORDGATE, Marketing, Beratungen und Gewerbeflächenentwicklung?
Auf unsere entsprechenden Fragen lag bislang keine vollständige öffentliche Gesamtdarstellung vor.
Unser Zwischenfazit
In Quickborn bewegt sich wirtschaftlich einiges.
Der langfristige Verbleib von comdirect ist wichtig. Im EQ Businesspark entstehen neue Unternehmen. Die Stadt sichert weitere Flächen und untersucht zusätzliche Standorte. Gleichzeitig steht die Innenstadt vor der Aufgabe, den EDEKA-Standort neu zu besetzen.
Kritisch bleiben vor allem drei Punkte:
- Erstens: Neue Gewerbeflächen werden entwickelt, obwohl die Verkehrsanbindung an der A7 bereits heute nachweislich überlastet ist.
- Zweitens: Bei der grundsätzlichen Auswahl neuer Gewerbeflächen findet bislang kaum öffentliche Diskussion statt. Die Bürgerinnen und Bürger kommen regelmäßig erst ins Spiel, wenn die Planungen bereits deutlich weiter sind.
- Drittens: Die Kosten der Wirtschaftsförderung sind stark gestiegen. Zu den messbaren wirtschaftlichen Ergebnissen fehlt weiterhin eine ebenso klare und öffentlich nachvollziehbare Bilanz.
Wirtschaftsförderung ist wichtig. Gerade deshalb sollte sie nicht nur aktiv, sondern auch transparent und messbar sein.
Quellen
- Stadt Quickborn – Gewerbeflächenentwicklung und Berichtswesen
- Stadt Quickborn – Verkehrstechnische Untersuchungen zur A7 und Gewerbeentwicklung
- Stadt Quickborn – Presseinformationen zur EDEKA-Schließung
- Wirtschaftsförderung der Stadt Quickborn – Veröffentlichungen Juli/August 2026
- WEP Wirtschaftsförderung Kreis Pinneberg / EQ Businesspark
- Fair Value REIT AG – Mietvertragsverlängerung comdirect
- Haushaltsunterlagen der Stadt Quickborn – Produkt Wirtschaftsförderung
- Eigene Recherchen von Quickborn Aktuell

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