Kategorie: Wirtschaft

  • Verkehrsgutachten zur A7: Was die Hillwood-Ergebnisse für Quickborns eigene Gewerbeplanung bedeuten

    Die Verkehrsuntersuchungen rund um das geplante Hillwood-Logistikzentrum in Ellerau haben inzwischen eine Aussage hervorgebracht, die weit über das einzelne Projekt hinausgeht.

    Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass die Anschlussstelle Quickborn der A7 bereits heute überlastet ist. Zusätzliche Verkehre können dort kaum noch aufgenommen werden, ohne die bestehenden Rückstaus und Überlastungen weiter zu verschärfen.

    Diese Erkenntnis betrifft nicht nur Hillwood.

    Sie betrifft zwangsläufig auch die eigene Gewerbe- und Einzelhandelsentwicklung der Stadt Quickborn, wenn zusätzlicher Verkehr ebenfalls über die Anschlussstelle A7 geführt werden soll.

    Das eigentliche Problem ist bereits heute vorhanden

    Die aktuellen Untersuchungen zeigen, dass die Verkehrssituation an der Anschlussstelle Quickborn nicht erst durch ein mögliches Logistikzentrum in Ellerau problematisch würde.

    Bereits im heutigen Zustand erreichen einzelne Verkehrsbeziehungen die schlechteste Qualitätsstufe F. Besonders problematisch ist der Linksabbiegeverkehr aus östlicher Richtung auf die A7 in Richtung Hamburg.

    Hinzu kommen Rückstaus im Bereich Friedrichsgaber Straße, Pascalstraße und Ellerauer Straße sowie die Belastungen rund um den Bahnübergang in Ellerau.

    Die Gutachter kommen deshalb zu einer sehr deutlichen Einschätzung: Das bestehende Straßennetz verkraftet derzeit praktisch keine zusätzlichen Verkehrszuwächse.

    Das kann nicht nur für Hillwood gelten

    Diese Aussage ist für die Diskussion um Hillwood von großer Bedeutung.

    Sie hat aber gleichzeitig eine Konsequenz für Quickborn selbst.

    Wenn gegenüber einem Projekt in Ellerau argumentiert wird, dass zusätzliche Verkehre über die Anschlussstelle Quickborn nicht mehr verträglich abgewickelt werden können, muss derselbe Maßstab auch bei neuen oder erweiterten Gewerbeprojekten auf Quickborner Stadtgebiet angelegt werden.

    Denn für die Leistungsfähigkeit einer Kreuzung spielt es keine Rolle, auf welcher Seite der Gemeindegrenze ein Fahrzeug gestartet ist.

    Entscheidend ist allein, wie viele zusätzliche Pkw, Lieferfahrzeuge und Lkw am Ende tatsächlich auf dieselben Straßen und dieselbe Autobahnanschlussstelle treffen.

    Der EQ Businesspark ist noch nicht vollständig entwickelt

    Ein wichtiger Punkt ist dabei der EQ Businesspark.

    Das rund 20 Hektar große Gewerbegebiet schließt unmittelbar an das bestehende Gewerbegebiet Nord an und liegt in direkter Nähe zur A7.

    Vorgesehen ist Platz für etwa 25 Unternehmen. Angesprochen werden unter anderem Betriebe aus Dienstleistung, Handel, Handwerk, Produktion und Light Industrial.

    Die ersten größeren Bauvorhaben haben erst 2025 begonnen. Weitere Grundstücksverkäufe und Ansiedlungen stehen noch bevor.

    Damit bildet die heutige Verkehrssituation noch nicht automatisch den Verkehr eines vollständig belegten Businessparks ab.

    Wie groß die zusätzliche Belastung künftig tatsächlich wird, hängt stark von den einzelnen Unternehmen ab.

    Ein Handwerksbetrieb mit wenigen Beschäftigten erzeugt andere Verkehrsströme als ein größerer Produktionsbetrieb, ein Handelsunternehmen oder ein Betrieb mit umfangreichen Lieferverkehren.

    Damit bekommt auch die Auswahl zukünftiger Unternehmen eine neue Bedeutung.

    Nicht nur Arbeitsplätze, Investitionen oder Nachhaltigkeitskriterien sollten betrachtet werden. Auch die Frage, welchen zusätzlichen Verkehr eine Ansiedlung erzeugt, müsste künftig eine wesentlich stärkere Rolle spielen.

    Halenberg liegt direkt am entscheidenden Knoten

    Noch unmittelbarer stellt sich die Frage beim geplanten Bebauungsplan Nr. 118 „Sondergebiet Halenberg“.

    Der Bereich rund um Famila liegt praktisch direkt an der Anschlussstelle Quickborn.

    Geplant ist eine umfassende Weiterentwicklung des Standortes. Vorgesehen sind unter anderem zusätzliche Fachmarktflächen, ein weiterer Baukörper sowie medizinische Nutzungen.

    Der Standort soll gleichzeitig stärker als Versorgungs- und Erledigungsstandort für Beschäftigte, Einwohner, Handwerkskunden und auch Durchreisende entwickelt werden.

    Gerade diese Ausrichtung lebt von guter Erreichbarkeit mit dem Auto.

    Das Handels- und Gastronomiekonzept nennt eine leistungsfähige Zuwegung deshalb selbst als wichtige Voraussetzung für die weitere Entwicklung.

    Genau an dieser Stelle trifft die Planung jedoch unmittelbar auf die Ergebnisse des aktuellen Verkehrsgutachtens.

    Die Gutachter stellen fest, dass die Knoten Pascalstraße, Autobahnanschlussstelle und Ulzburger Landstraße als zusammenhängendes Verkehrssystem betrachtet werden müssen und die vorhandenen Engpässe im bestehenden Straßenraum nicht ausreichend beseitigt werden können.

    Am selben Abend: Verkehrsgutachten und Halenberg-Planung

    Bemerkenswert ist dabei auch die zeitliche Nähe.

    Am 18. Juni 2026 wurde dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt zunächst die aktualisierte Verkehrsuntersuchung für Quickborn, Ellerau und die Anschlussstelle A7 vorgestellt.

    Das Ergebnis war eindeutig: Das vorhandene Straßennetz ist bereits heute hoch belastet und zusätzliche Verkehre verschärfen die bestehenden Probleme.

    Im selben Ausschuss wurde anschließend über die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 118 „Sondergebiet Halenberg“ beraten.

    Das ist kein Argument gegen die Entwicklung des Halenbergs.

    Es macht aber deutlich, dass die Ergebnisse des Verkehrsgutachtens nicht ausschließlich als Argument gegen Hillwood verwendet werden können.

    Sie müssen genauso Maßstab für die eigenen Planungen der Stadt Quickborn sein.

    Ein Verkehrsgutachten für Halenberg wird unverzichtbar

    Für den Bebauungsplan Nr. 118 ist richtigerweise ein eigenes Verkehrsgutachten vorgesehen.

    Dieses Gutachten sollte allerdings nicht nur untersuchen, ob die unmittelbaren Zufahrten zum Grundstück funktionieren.

    Entscheidend ist die Gesamtwirkung.

    Zu betrachten wäre deshalb insbesondere, wie viele zusätzliche Fahrzeuge der Standort tatsächlich erzeugt und wie sich diese Verkehre auf die bereits heute überlastete Anschlussstelle auswirken.

    Eine isolierte Betrachtung einzelner Kreuzungen würde dabei zu kurz greifen.

    Auch weitere Gewerbeflächen gehören in die Rechnung

    Hinzu kommt, dass die Gewerbeentwicklung Quickborns nicht beim bereits erschlossenen EQ Businesspark endet.

    Die Stadt verfolgt weitere Entwicklungen im Bereich des Gewerbegebietes Nord und im Umfeld der A7. Dazu gehören auch Verkehrs- und Erschließungsmaßnahmen rund um den Ohlmöhlenweg, die Straße Auf dem Halenberg und die Trasse V9.

    Auch diese Entwicklungen können zusätzliche Verkehrsströme erzeugen.

    Für sich betrachtet mag jedes einzelne Vorhaben überschaubar erscheinen.

    In der Summe entsteht jedoch ein anderes Bild.

    Ein vollständig belegter EQ Businesspark, eine Weiterentwicklung des Halenbergs, zusätzliche Fachmärkte, weitere Gewerbeflächen und die allgemeine Verkehrsentwicklung treffen zumindest teilweise auf dieselbe Anschlussstelle der A7.

    Auch der Masterplan setzt auf weitere Gewerbeentwicklung

    Hinzu kommt eine weitere strategische Entwicklung.

    Im Rahmen des städtebaulichen Masterplans wird vorgeschlagen, bei neuen Bauflächen im Außenbereich Gewerbeflächen gegenüber Wohnbauflächen stärker zu priorisieren.

    Begründet wird dies mit einem Nachholbedarf Quickborns gegenüber anderen Städten entlang der A7.

    Wirtschaftlich kann eine solche Strategie nachvollziehbar sein.

    Sie setzt allerdings voraus, dass die dafür notwendige Verkehrsinfrastruktur vorhanden ist.

    Mehr Gewerbe bedeutet fast immer auch mehr Verkehr.

    Beschäftigte fahren zur Arbeit. Kunden kommen zu den Standorten. Waren werden angeliefert und abgeholt. Handwerks- und Produktionsbetriebe erzeugen Liefer- und Serviceverkehr.

    Gerade Gewerbegebiete an einer Autobahn leben von ihrer guten Straßenanbindung.

    Wenn diese Anbindung jedoch bereits heute an ihrer Belastungsgrenze liegt, muss die Infrastrukturfrage Bestandteil jeder weiteren Gewerbeplanung werden.

    Die bisherigen Untersuchungen reichen dafür noch nicht aus

    Das aktuelle Verkehrsgutachten untersucht im Wesentlichen den bestehenden Verkehr und legt darauf unterschiedliche zusätzliche Hillwood-Verkehre.

    Eine umfassende Prognose für einen vollständig belegten EQ Businesspark, die Erweiterung des Halenberg-Standortes und weitere mögliche Gewerbeentwicklungen ist darin nicht enthalten.

    Das ist kein Mangel des Gutachtens. Dafür war es ursprünglich nicht beauftragt.

    Für die weitere Stadtentwicklung entsteht daraus aber ein neuer Auftrag.

    Quickborn braucht eine kumulative Betrachtung der zukünftigen Verkehrsbelastung.

    Dabei dürfen einzelne Projekte nicht jeweils so behandelt werden, als wären sie die einzige zusätzliche Entwicklung.

    Am Ende treffen sie teilweise alle auf dasselbe Straßennetz.

    Die Verkehrszählung zeigt nur den bisherigen Zustand

    Das ist besonders wichtig, weil die aktuelle Untersuchung auf Verkehrszählungen aus Ende 2025 aufbaut.

    Zu diesem Zeitpunkt war der EQ Businesspark noch längst nicht vollständig entwickelt.

    Auch die geplante Weiterentwicklung des Halenbergs war noch nicht umgesetzt.

    Weitere mögliche Gewerbeflächen waren ebenfalls noch nicht verkehrswirksam.

    Die gemessene heutige Überlastung enthält deshalb noch nicht automatisch sämtliche Verkehrsströme, die aus den bereits bekannten zukünftigen Entwicklungen entstehen können.

    Wenn das Straßennetz bereits im Ausgangszustand keine nennenswerten zusätzlichen Reserven mehr besitzt, wird genau diese Frage für jede weitere Planung entscheidend.

    EQ Businesspark, Halenberg und weitere Entwicklungen gehören zusammen betrachtet

    Für eine belastbare Verkehrsplanung müssten deshalb mindestens folgende Entwicklungen gemeinsam betrachtet werden:

    • die weitere Belegung des EQ Businessparks,
    • die geplante Weiterentwicklung von Halenberg und Famila,
    • weitere mögliche Gewerbeflächen im Umfeld der A7,
    • zusätzlicher Wohnungsbau und damit verbundener Pendlerverkehr,
    • die allgemeine Verkehrsentwicklung in Quickborn, Ellerau und der Region,
    • und gegebenenfalls weiterhin zusätzliche Verkehre aus dem Hillwood-Projekt.

    Erst aus dieser Gesamtbetrachtung lässt sich ableiten, welche Entwicklung die bestehende Infrastruktur tatsächlich noch aufnehmen kann.

    Das Gutachten hat auch Bedeutung für die Bauleitplanung

    Die Ergebnisse der Untersuchung sind für Quickborn nicht nur politisch interessant.

    Sie müssen auch bei zukünftigen Bebauungsplanverfahren berücksichtigt werden.

    Wenn der Stadt aufgrund einer eigenen Verkehrsuntersuchung bekannt ist, dass ein zentraler Verkehrsknoten bereits heute an oder über seiner Kapazitätsgrenze liegt, kann diese Erkenntnis bei neuen Planungen nicht ausgeblendet werden.

    Verkehr und Erschließung gehören zu den wesentlichen Belangen, die im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens untersucht und gegeneinander abgewogen werden müssen.

    Das bedeutet nicht automatisch, dass eine weitere Gewerbeentwicklung ausgeschlossen ist.

    Es bedeutet aber, dass nachvollziehbar dargestellt werden muss, welchen zusätzlichen Verkehr eine Planung erzeugt, welche Auswirkungen dieser Verkehr auf die bereits überlastete Anschlussstelle hat und mit welchen Maßnahmen eine verträgliche Abwicklung erreicht werden soll.

    Je deutlicher die bestehenden Kapazitätsprobleme dokumentiert sind, desto wichtiger wird diese Prüfung.

    Die Stadt kennt das Problem

    Die Stadt Quickborn hat inzwischen selbst deutlich gemacht, dass die bestehende Anschlussstelle leistungsfähiger werden muss.

    Kurz- und mittelfristig soll deshalb gemeinsam mit Autobahn GmbH sowie Landes- und Bundesbehörden geprüft werden, wie die Leistungsfähigkeit verbessert werden kann.

    Langfristig wird sogar ein zusätzlicher Autobahnanschluss zwischen Quickborn und Norderstedt diskutiert.

    Auch zusätzliche Fahrstreifen könnten ein Thema werden. Dafür wäre möglicherweise sogar ein Umbau oder Neubau des vorhandenen Brückenbauwerks erforderlich.

    All das zeigt allerdings auch:

    Eine kurzfristige Lösung für das bestehende Verkehrsproblem gibt es derzeit nicht.

    Quickborn muss sich am eigenen Gutachten messen lassen

    Damit bekommt das Hillwood-Verfahren auch für Quickborn selbst eine interessante Bedeutung.

    Die Stadt hat mit erheblichem Aufwand nachgewiesen, dass die Verkehrsbelastung an der A7-Anschlussstelle und im angrenzenden Straßennetz bereits heute kritisch ist.

    Diese Untersuchung war notwendig und hat die Position der Stadt im Hillwood-Verfahren erheblich gestärkt.

    Aber ein Verkehrsgutachten verliert seine Aussagekraft nicht an der Gemeindegrenze.

    Wenn zusätzliche Lkw aus Ellerau nicht mehr aufgenommen werden können, muss ebenso geprüft werden, welche zusätzlichen Pkw, Lieferfahrzeuge und Lkw durch neue Quickborner Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungsflächen entstehen.

    Für die Kreuzung ist es schließlich unerheblich, ob der zusätzliche Verkehr aus Ellerau oder aus Quickborn kommt.

    Stadtentwicklung muss sich an der Infrastruktur orientieren

    Damit verändert das Hillwood-Gutachten auch die Diskussion über Quickborns eigene Gewerbeentwicklung.

    Die Frage kann künftig nicht allein lauten, welche neuen Unternehmen angesiedelt oder welche zusätzlichen Gewerbeflächen entwickelt werden sollen.

    Mindestens genauso wichtig ist die Frage, welchen zusätzlichen Verkehr diese Entwicklungen erzeugen und ob die notwendige Infrastruktur dafür vorhanden ist.

    Das bedeutet nicht, dass die wirtschaftliche Entwicklung Quickborns gestoppt werden muss.

    Aber möglicherweise müssen Projekte stärker priorisiert, ihre Verkehrsfolgen genauer untersucht und bestimmte Entwicklungen zeitlich an notwendige Verbesserungen der Verkehrsinfrastruktur gekoppelt werden.

    Unsere Einordnung

    Das Hillwood-Verfahren hat Quickborn eine Erkenntnis geliefert, die weit über das geplante Logistikzentrum hinausreicht.

    Die Anschlussstelle Quickborn der A7 und Teile des angrenzenden Straßennetzes sind bereits heute überlastet. Nach Einschätzung der Gutachter verschärft jede weitere Verkehrszunahme die Situation.

    Diese Feststellung kann nicht nur gegenüber einem Investor in Ellerau gelten.

    Sie muss ebenso Grundlage für die eigene Stadtentwicklung sein.

    Der EQ Businesspark ist noch nicht vollständig belegt. Der Halenberg soll weiterentwickelt werden. Weitere Gewerbeflächen sind vorgesehen. Gleichzeitig wirbt Quickborn gerade mit seiner guten Lage an der A7 als Standortvorteil.

    Genau dieser Standortvorteil droht jedoch zunehmend zum Engpass zu werden.

    Deshalb braucht Quickborn vor weiteren größeren Entwicklungen eine gemeinsame Verkehrsprognose, in der die bereits absehbaren Projekte zusammengeführt werden.

    Erst danach lässt sich seriös beurteilen, welche zusätzlichen Nutzungen noch verträglich sind und welche Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur zuvor notwendig wird.

    Wer gegenüber Hillwood mit der Belastungsgrenze der A7 argumentiert, muss diese Belastungsgrenze auch bei den eigenen Planungen ernst nehmen.

    Die Reihenfolge sollte deshalb eigentlich klar sein:

    Zuerst klären, welche zusätzliche Belastung die vorhandene Infrastruktur noch verträgt und welche Verbesserungen erforderlich sind. Danach entscheiden, welche weitere gewerbliche Entwicklung an diesem Standort sinnvoll und verantwortbar ist.

    Verkehr kennt keine Gemeindegrenzen.

  • Update Juli–August 2026: Wirtschaft in Quickborn – was hat sich getan?

    In den vergangenen beiden Monaten gab es mehrere wichtige Entwicklungen für den Wirtschaftsstandort Quickborn. Neue Gewerbeflächen, der EQ Businesspark, comdirect, EDEKA und die Kosten der städtischen Wirtschaftsförderung gehören dazu. Nicht alles ist dabei unkritisch.

    Stadt kauft weitere Gewerbefläche

    Die Stadt sichert sich nach unseren Recherchen eine weitere Fläche im Bereich Gewerbegebiet Nord/EQ Businesspark in Richtung Bahnstraße. Der Kaufpreis liegt bei rund 2 Millionen Euro.

    Das folgt der Strategie der Stadt, frühzeitig Grundstücke für künftige Gewerbeentwicklung zu sichern. Hintergrund: Von zehn untersuchten Potenzialflächen mit insgesamt rund 160 Hektar brutto waren nach der städtischen Untersuchung kurzfristig lediglich rund 4,5 Hektar, mittelfristig weitere rund 23 Hektar aktivierbar.

    Der Ankauf kann deshalb sinnvoll sein. Er bindet aber auch erhebliche Mittel. Erschließung, Planung und spätere Infrastruktur kommen zum Kaufpreis noch hinzu.

    Das Verkehrsproblem bleibt ungelöst

    Der entscheidende Schwachpunkt liegt bei der Verkehrsanbindung.

    Die Anschlussstelle Quickborn an der A7 wurde in der Verkehrsuntersuchung mit Qualitätsstufe F bewertet – der schlechtesten Stufe. Zusätzliche Verkehre können dort nach den bisherigen Untersuchungen nicht ohne Weiteres aufgenommen werden.

    Neue Gewerbeflächen zu kaufen ist deshalb nur der erste Schritt. Entscheidend ist, wie Unternehmen, Beschäftigte und Lieferverkehr die Flächen später erreichen sollen. Ein zusätzlicher Autobahnanschluss ist bisher weder beschlossen noch kurzfristig absehbar.

    Zwei weitere Flächen werden untersucht

    Parallel lässt die Stadt zwei weitere Gewerbepotenzialflächen untersuchen. Die Potenzialanalyse wird von der IB.SH gefördert. Nach Angaben der Wirtschaftsförderung sollen daraus nicht nur Aussagen zu den beiden Grundstücken entstehen, sondern auch Erkenntnisse für die gesamte zukünftige Gewerbeflächenentwicklung Quickborns.

    Grundsätzlich ist das sinnvoll. Auffällig bleibt aber: Welche Flächen künftig stärker gewerblich entwickelt werden sollen, wird bisher weitgehend innerhalb von Verwaltung und Politik vorbereitet.

    Eine gesonderte Beteiligung der Öffentlichkeit an dieser grundsätzlichen Flächenauswahl ist bisher nicht erkennbar. Die formelle Öffentlichkeitsbeteiligung beginnt regelmäßig erst später, wenn konkrete Bauleitplanverfahren laufen.

    Gerade bei neuen Gewerbegebieten mit Auswirkungen auf Verkehr, Natur, Flächenverbrauch und Nachbarschaften wäre eine frühere Diskussion sinnvoll.

    EQ Businesspark: Nachfrage ja – aber noch freie Flächen

    Der EQ Businesspark bleibt das zentrale Projekt der Wirtschaftsförderung. Das Gebiet umfasst rund 22 Hektar. Angeboten werden Grundstücke unterschiedlicher Größen.

    Die Stadt und die WEP stimmen sich nach eigenen Angaben regelmäßig zur Vermarktung ab. Hinzu kommen Gespräche mit den Wirtschaftsförderern des Kreises und die Zusammenarbeit im Verbund NORDGATE.

    Die Stadt verweist seit längerem auf mehr als 100 Anfragen. Das ist ein positives Signal, darf aber nicht mit 100 konkreten Ansiedlungen verwechselt werden. Vier Grundstücke waren zuletzt verkauft; für weitere Flächen bestanden Optionen oder liefen Verhandlungen.

    Mit CH OLEOCHEMICALS entsteht ein konkreter neuer Unternehmensstandort. Auf rund 1.600 Quadratmetern werden etwa 2 Millionen Euro investiert. Vorgesehen sind 20 bis 25 Arbeitsplätze.

    comdirect bleibt bis 2033

    Eine klare positive Nachricht kam im August: Der Mietvertrag für den comdirect-Standort in der Pascalkehre wurde bis Ende 2033 verlängert.

    Damit bleibt ein großer Bürostandort mit rund 10.500 Quadratmetern Mietfläche langfristig erhalten. Für Quickborn ist die Sicherung bestehender großer Arbeitgeber mindestens ebenso wichtig wie die Ansiedlung neuer Betriebe.

    EDEKA am Forumsplatz schließt

    Weniger erfreulich ist die Entwicklung in der Innenstadt.

    Der EDEKA-Markt am Forumsplatz schließt zum 31. März 2027. Rund 20 Beschäftigte sind betroffen. Nach Angaben von EDEKA besteht unter anderem erheblicher Investitionsbedarf am Standort.

    Bürgermeister Thomas Beckmann führte anschließend Gespräche mit den Betreibern der EDEKA-Märkte in Ellerau und künftig Quickborn-Heide über mögliche Beschäftigungsperspektiven. Stadt und Eigentümer suchen zudem einen Nachfolger für die Fläche.

    Hier wird sich zeigen, wie leistungsfähig Wirtschaftsförderung im Bestand tatsächlich ist. Ein länger leerstehender großer Lebensmittelmarkt mitten im Zentrum wäre für die Innenstadt problematisch.

    Unternehmensgespräche und Netzwerke

    Zur Wirtschaftsförderung gehören nicht nur Grundstücksgeschäfte.

    Im Juli fand das 7. Quickborner Unternehmensfrühstück beim Golf-Club an der Pinnau statt. Themen waren unter anderem Fachkräfte, Automatisierung und das Freiwillige Handwerksjahr.

    Dazu kommen die regelmäßige Zusammenarbeit mit WEP und NORDGATE sowie Gespräche mit Unternehmen und Projektentwicklern.

    Solche Kontakte gehören zum Kerngeschäft einer Wirtschaftsförderung. Entscheidend bleibt allerdings, was daraus konkret entsteht.

    Wirtschaftsförderung wird deutlich teurer

    Genau deshalb lohnt sich auch der Blick auf die Kosten.

    Nach den Haushaltszahlen der Stadt lagen die Aufwendungen für die Wirtschaftsförderung 2022 bei rund 142.100 Euro. Für 2026 sind rund 323.200 Euro vorgesehen.

    • 2022: rund 142.100 Euro
    • 2023: 143.800 Euro Ansatz, 137.883 Euro Ist
    • 2024: 144.000 Euro Ansatz, 194.063 Euro Ist
    • 2025: 339.200 Euro
    • 2026: 323.200 Euro

    Allein die Personalkosten steigen von rund 97.500 Euro im Jahr 2023 auf rund 175.700 Euro im Ansatz 2026.

    Der Zuschussbedarf des Bereichs liegt 2026 bei rund 313.300 Euro.

    Damit hat sich der finanzielle Aufwand innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt.

    Das muss nicht automatisch zu viel sein. Gute Wirtschaftsförderung kann sich durch Arbeitsplätze, Gewerbesteuer, Investitionen und die Sicherung vorhandener Unternehmen auszahlen.

    Aber genau diese Gegenrechnung fehlt bislang.

    Wie viele Unternehmen wurden durch die städtische Wirtschaftsförderung tatsächlich neu angesiedelt? Wie viele Arbeitsplätze sind dadurch entstanden? Welche zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen lassen sich konkret zuordnen? Wie hoch sind neben dem eigenen Personal die gesamten Kosten für WEP, NORDGATE, Marketing, Beratungen und Gewerbeflächenentwicklung?

    Auf unsere entsprechenden Fragen lag bislang keine vollständige öffentliche Gesamtdarstellung vor.

    Unser Zwischenfazit

    In Quickborn bewegt sich wirtschaftlich einiges.

    Der langfristige Verbleib von comdirect ist wichtig. Im EQ Businesspark entstehen neue Unternehmen. Die Stadt sichert weitere Flächen und untersucht zusätzliche Standorte. Gleichzeitig steht die Innenstadt vor der Aufgabe, den EDEKA-Standort neu zu besetzen.

    Kritisch bleiben vor allem drei Punkte:

    • Erstens: Neue Gewerbeflächen werden entwickelt, obwohl die Verkehrsanbindung an der A7 bereits heute nachweislich überlastet ist.
    • Zweitens: Bei der grundsätzlichen Auswahl neuer Gewerbeflächen findet bislang kaum öffentliche Diskussion statt. Die Bürgerinnen und Bürger kommen regelmäßig erst ins Spiel, wenn die Planungen bereits deutlich weiter sind.
    • Drittens: Die Kosten der Wirtschaftsförderung sind stark gestiegen. Zu den messbaren wirtschaftlichen Ergebnissen fehlt weiterhin eine ebenso klare und öffentlich nachvollziehbare Bilanz.

    Wirtschaftsförderung ist wichtig. Gerade deshalb sollte sie nicht nur aktiv, sondern auch transparent und messbar sein.

    Quellen

    • Stadt Quickborn – Gewerbeflächenentwicklung und Berichtswesen
    • Stadt Quickborn – Verkehrstechnische Untersuchungen zur A7 und Gewerbeentwicklung
    • Stadt Quickborn – Presseinformationen zur EDEKA-Schließung
    • Wirtschaftsförderung der Stadt Quickborn – Veröffentlichungen Juli/August 2026
    • WEP Wirtschaftsförderung Kreis Pinneberg / EQ Businesspark
    • Fair Value REIT AG – Mietvertragsverlängerung comdirect
    • Haushaltsunterlagen der Stadt Quickborn – Produkt Wirtschaftsförderung
    • Eigene Recherchen von Quickborn Aktuell