Schlagwort: Gronau

  • Umgehungsstraße V9 auf die alte Gronaubrücke: Die nächste Millionenbaustelle wartet schon

    QUICKBORN. Die V9 soll den Verkehr neu ordnen. Über Ohlmöhlenweg und „Auf dem Halenberg“ geht es künftig Richtung Innenstadt.

    Dort wartet bereits das nächste Problem:

    die alte Brücke über die Gronau an der Feldbehnstraße.

    Die Stadt selbst schreibt im Protokoll vom 27. August: stärkere Mängel, sanierungsbedürftig.

    Quickborn Aktuell hat die Stadt um eine Einschätzung gebeten.

    Antwort: bislang keine.

    Also haben wir selbst weiter recherchiert.

    Neue Straße. Mehr Verkehr. Alte Brücke.

    Wie viel Verkehr die V9 künftig in Richtung Feldbehnstraße schiebt, ist noch unbekannt.

    Die große Verkehrsuntersuchung läuft. Ergebnisse erwartet die Stadt erst Anfang des zweiten Quartals 2027.

    Damit trifft eine neue Verkehrsführung auf eine Brücke, die schon heute Probleme macht.

    Und der Standort hat es in sich.

    Mitten im FFH-Gebiet

    Die Gronau gehört zum europäischen Schutzgebiet „Pinnau/Gronau“.

    Noch deutlicher: Im offiziellen Natura-2000-Maßnahmenplan steht die Feldbehnstraße ausdrücklich drin.

    „Quickborn Feldbehnstraße: Brücke prüfen.“

    Es geht dabei um die Durchgängigkeit für den Fischotter. Genannt werden Bermen und andere trockene Querungsmöglichkeiten unter Brücken.

    Ein Ersatzneubau wäre deshalb kein normaler Brückentausch.

    Breitere Fahrbahn. Größerer Gewässerquerschnitt. Trockenberme. Hochwasserschutz. Artenschutz. Baugrund. Neue Widerlager.

    Das summiert sich.

    Mehr Verkehr bringt auch mehr Stickstoff

    Hinzu kommt der Verkehr selbst.

    Mehr Fahrzeuge bedeuten zusätzliche Stickstoffeinträge entlang der Straße. Gerade bei empfindlichen FFH-Lebensräumen spielt das eine wichtige Rolle.

    Bei Straßenprojekten werden zusätzliche Stickstoffeinträge deshalb fachlich geprüft. In der Rechtsprechung spielt dabei unter anderem ein Abschneidekriterium von 0,3 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr eine Rolle.

    Damit gehört nicht nur die Brücke auf den Prüfstand.

    Auch die Verkehrszunahme im unmittelbaren Umfeld des FFH-Gebiets muss betrachtet werden.

    Die V9 soll die Verbindung zwischen Quickborn-Heide und Innenstadt verbessern und attraktiver machen.

    Genau dort liegt der Knackpunkt.

    Und jetzt zum Geld

    Eine belastbare Kostenschätzung der Stadt gibt es bislang nicht.

    Ein Ersatzneubau an der Gronau wäre aber kein kleines Projekt.

    FFH-Gebiet. Fischotterdurchlass. Wasserrecht. Vermutlich größerer Querschnitt. Eine etwa 5,50 Meter breite Fahrbahn. Dazu Planung, Gutachten, Baugrund, Umweltbegleitung und Straßenanschlüsse.

    Unsere realistische Arbeitsgröße:

    rund 1,5 bis 2,5 Millionen Euro.

    Bei schwierigem Baugrund, aufwendiger Wasserhaltung oder zusätzlichen Anforderungen kann die Rechnung weiter steigen.

    Mit rund zwei Millionen Euro sollte man hier eher rechnen als mit einer kleinen sechsstelligen Summe.

    Das ist keine amtliche Kostenschätzung der Stadt. Es ist eine überschlägige Größenordnung auf Basis vergleichbarer Brückenprojekte und der besonderen Bedingungen an diesem Standort.

    V9 hört an der Gronau nicht auf

    Damit wird die Rechnung größer.

    Neue Straße.

    Neue Verkehrsströme.

    Eine bereits sanierungsbedürftige Brücke.

    Ein empfindliches FFH-Gebiet.

    Und möglicherweise das nächste Millionenprojekt.

    Die Stadt hätte uns ihre Einschätzung dazu mitteilen können.

    Sie schweigt.

    Dann schauen wir eben selbst genauer hin.


    Quellen: Stadt Quickborn, Protokoll des Ausschusses für kommunale Dienstleistungen vom 27. August 2026; Natura-2000-Managementplan für das FFH-Gebiet „Pinnau/Gronau“; Bundesverwaltungsgericht zur Bewertung straßenbedingter Stickstoffeinträge; eigene Recherche von Quickborn Aktuell zu vergleichbaren Brückenprojekten.

    Quickborn Aktuell | 12. Oktober 2026

  • V9: Kreis bestätigt Abstimmungen seit 2025 – FFH-Prüfung wird zum Knackpunkt


    QUICKBORN. Die sogenannte V9 ist die derzeit diskutierte neue Umgehungsstraße für den Bereich der Ulzburger Landstraße. Sie soll zusätzlichen Verkehr aufnehmen und eine neue Verbindung schaffen. Ein wesentlicher Teil der Strecke würde dabei durch einen naturschutzrechtlich besonders empfindlichen Bereich rund um die Gronau führen.

    Jetzt bestätigt der Kreis Pinneberg auf Anfrage von Quickborn Aktuell: Bereits seit Mitte 2025 wird die Planung mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Dabei geht es um verschiedene Trassenführungen, die Minimierung von Eingriffen, den Artenschutz und die mögliche Betroffenheit des europäischen FFH-Gebiets „Pinnau/Gronau“.

    Auch die zuständige Forstbehörde des Landes ist beteiligt.

    Veröffentlicht: 7. Oktober 2026 | Autor: Thomas Köppl, Quickborn Aktuell

    Noch keine Genehmigung

    Die V9 befindet sich weiterhin in der Vorplanung. Eine endgültige Trasse steht noch nicht fest, ein formales Genehmigungsverfahren läuft noch nicht.

    Für eine Straße im Landschaftsschutzgebiet ist nach Angaben des Kreises eine Genehmigung nach der Landschaftsschutzgebietsverordnung erforderlich. Zusätzlich müssen die Eingriffe nach Bundes- und Landesnaturschutzrecht geprüft werden.

    Welche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen notwendig werden, lässt sich erst beurteilen, wenn die konkrete Planung vorliegt.

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    FFH-Gebiet wird zum wichtigen Prüfpunkt

    Besondere Bedeutung hat das FFH-Gebiet „Pinnau/Gronau“. Der Kreis bestätigt, dass dessen mögliche Betroffenheit bereits Gegenstand der Abstimmungen mit der Stadt Quickborn ist.

    Dazu gehören fachliche Untersuchungen zum Artenschutz und eine FFH-Vorprüfung.

    Ein wichtiger Prüfpunkt dürfte auch der zusätzliche Straßenverkehr sein. Besonders im Bereich der geplanten Gronauquerung kann eine deutliche Zunahme des Lkw-Verkehrs zu zusätzlichen verkehrsbedingten Stickstoffeinträgen in empfindliche Lebensräume führen.

    Ob dadurch geschützte Lebensräume erheblich beeinträchtigt werden können, muss im weiteren Verfahren untersucht werden.

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    Gewerbeflächen offenbar außerhalb des Landschaftsschutzgebietes

    Nach den Informationen des Kreises ist kein Gewerbe innerhalb des Landschaftsschutzgebietes vorgesehen.

    Die geplanten Gewerbeflächen könnten insbesondere im Bereich zwischen Am Hahlenberg und dem Schmalmoorweg liegen.

    Die rund 3,2 Hektar Gewerbeflächen sollen nach den bisher bekannten Planungen einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung der V9 leisten.

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    Naturschutzrechtlich noch nichts entschieden

    Die Antwort des Kreises zeigt: Die Planungen laufen bereits seit Mitte 2025, naturschutzrechtlich entschieden ist aber noch nichts.

    Die endgültige Trasse steht nicht fest. Die konkreten Eingriffe sind noch nicht abschließend bewertet. Auch die erforderlichen Genehmigungen liegen noch nicht vor.

    Vor allem die geplante Querung des Naturraums rund um die Gronau und die mögliche Belastung des FFH-Gebiets werden damit zu wichtigen Punkten der weiteren Planung.

    Die V9 ist naturschutzrechtlich noch keineswegs durchgewunken. Die entscheidenden Prüfungen stehen erst bevor.