Schlagwort: Kommunalfinanzen

  • Quickborns Schuldenfalle: 2026 – das Jahr, in dem die Stadt sehenden Auges ins Schuldenloch springt

    24. Oktober 2026 | Redaktion Quickborn Aktuell

    2026 könnte als das Jahr in die Quickborner Stadtgeschichte eingehen, in dem die Stadt sehenden Auges in eine Schuldenfalle steuerte. Die finanziellen Warnzeichen sind längst unübersehbar. Trotzdem sieht der neue Haushaltsentwurf weitere erhebliche Kreditaufnahmen vor. Das eigentliche Problem: Schon für den laufenden Betrieb und die Tilgung bestehender Schulden reicht das Geld nicht mehr aus. Die daraus entstehende Schuldenspirale droht die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt auf Jahrzehnte hinaus einzuschränken.

    Wir wissen, dass wir unsere Leserinnen und Leser mit dem Thema Stadtfinanzen inzwischen ziemlich häufig beschäftigen. Und es tut uns leid, schon wieder mit schlechten Nachrichten kommen zu müssen. Aber die Stadtverwaltung hat jetzt den zweiten Entwurf für den Haushalt 2027 vorgelegt. Fast gleichzeitig liegt der Bericht zur Jahresmitte 2026 vor.

    Beide Dokumente gehören zusammen. Der eine zeigt, wo Quickborn bereits steht. Der andere zeigt, wohin die Reise nach den Vorstellungen der Haushaltsplanung weitergehen soll.

    Und die Zahlen bestätigen unsere bisherigen Befürchtungen.

    Was bisher wie eine düstere Prognose wirkte, nimmt zunehmend konkrete Gestalt an.

    2026 – ein Jahr, das in Erinnerung bleiben könnte

    Es spricht einiges dafür, dass 2026 einmal als das Jahr in die Quickborner Stadtgeschichte eingeht, in dem die Stadt sehenden Auges in eine Schuldenfalle geraten ist.

    Nicht, weil niemand die Gefahren erkennen konnte. Sondern weil die Warnzeichen längst auf dem Tisch liegen und trotzdem weiterhin erhebliche zusätzliche finanzielle Verpflichtungen geplant werden.

    Bereits zur Jahresmitte 2026 hatte Quickborn 94,16 Millionen Euro Schulden aus Investitionskrediten. Zusätzlich war ein Kassenkredit über fünf Millionen Euro aufgenommen worden. Der rechnerische Zahlungsmittelbestand lag zum 30. Juni bei minus 7,33 Millionen Euro.

    Nun kommt der zweite Haushaltsentwurf 2027 hinzu.

    Das geplante Jahresdefizit steigt gegenüber dem ersten Entwurf nochmals um 1,25 Millionen Euro auf 16,49 Millionen Euro.

    Bis 2030 summieren sich die geplanten Jahresfehlbeträge auf rund 66,6 Millionen Euro.

    Das sind Größenordnungen, bei denen man irgendwann das Gefühl für die Wirklichkeit verliert.

    Deshalb ein einfaches Beispiel.

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    Wenn einer Familie jeden Monat 661 Euro fehlen

    Stellen wir uns eine Familie vor, die monatlich 4.000 Euro zur Verfügung hat.

    Sie lebt nicht besonders verschwenderisch. Sie bezahlt ihre Wohnung, die laufenden Rechnungen, Versicherungen, Lebensmittel und die Zinsen für bereits bestehende Kredite.

    Dafür benötigt sie allerdings jeden Monat 4.482 Euro.

    Zusätzlich muss sie 179 Euro für die Tilgung ihrer alten Darlehen aufbringen.

    Am Monatsende fehlen ihr 661 Euro. Jeden Monat.

    Und dabei hat sie noch nichts Neues angeschafft.

    Die Familie könnte versuchen, das fehlende Geld durch einen weiteren Kredit zu beschaffen. Vielleicht funktioniert das eine Zeit lang.

    Nur werden dadurch die Schulden nicht kleiner. Im Gegenteil. Die neuen Kredite verursachen zusätzliche Zinsen. Diese müssen ebenfalls bezahlt werden.

    Im nächsten Monat reicht das Einkommen wieder nicht aus.

    Das Problem wächst.

    Die Beträge in diesem Beispiel sind keine frei erfundenen Zahlen. Wir haben sie proportional aus der Quickborner Finanzplanung für 2027 auf einen privaten Haushalt mit 4.000 Euro monatlichen Einnahmen umgerechnet.

    Denn genau das passiert in Quickborn: Die laufenden Einzahlungen reichen bereits nicht mehr aus, um die laufenden Auszahlungen zu finanzieren. Für die Rückzahlung bestehender Investitionskredite fehlt ebenfalls ein entsprechender Überschuss.

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    Die Stadt nimmt Schulden auf, um zahlungsfähig zu bleiben

    Für 2027 plant Quickborn einen Fehlbetrag aus der laufenden Verwaltungstätigkeit von 10,34 Millionen Euro.

    Hinzu kommen 3,83 Millionen Euro Tilgungen für Investitionskredite.

    Zusammen ergibt das einen jährlichen Finanzmittelfehlbetrag von 14,17 Millionen Euro.

    Umgerechnet sind das fast 39.000 Euro an jedem einzelnen Kalendertag.

    Und damit ist noch keine einzige neue Investition finanziert.

    Die Stadt plant gleichzeitig weitere Investitionskredite von insgesamt 52,84 Millionen Euro bis 2030.

    Das bedeutet nicht, dass die alten Kredite nicht mehr bedient werden. Die Tilgungen sind ausdrücklich eingeplant.

    Aber wenn eine Stadt laufende Ausgaben und Kredittilgungen nur noch mithilfe zusätzlicher Liquiditätskredite decken kann, entsteht ein gefährlicher Kreislauf.

    Alte Schulden werden zurückgezahlt. Gleichzeitig entstehen an anderer Stelle neue Schulden.

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    Die Zinsen machen alles noch schlimmer

    Im zweiten Haushaltsentwurf rechnet die Verwaltung für die Jahre 2027 bis 2030 mit jährlich unverändert 700.000 Euro Zinsen für Kassenkredite.

    Dabei steigt der geplante negative Finanzmittelbestand von 21,17 Millionen Euro Ende 2027 auf 62,72 Millionen Euro Ende 2030.

    Diese Finanzmittelbestände entsprechen nicht automatisch der tatsächlichen Höhe der aufgenommenen Kassenkredite. Sie zeigen aber, wie groß die rechnerische Finanzierungslücke werden könnte.

    Wir haben deshalb eine einfache Modellrechnung vorgenommen.

    Wenn diese Liquiditätslücken vollständig durch Kassenkredite finanziert werden müssten und der Zinssatz konstant vier Prozent betrüge, könnten die jährlichen Kassenkreditzinsen bis 2030 auf rund 2,3 Millionen Euro steigen.

    Das wären rund 1,6 Millionen Euro mehr als eingeplant.

    Allein für Kassenkredite. Die Zinsen für langfristige Investitionskredite kommen hinzu.

    Das Entscheidende ist: Dafür müssen die Zinssätze nicht einmal weiter steigen.

    Schon die zunehmende Kreditmenge reicht aus, um die Zinsbelastung wachsen zu lassen.

    Mehr Schulden verursachen mehr Zinsen. Mehr Zinsen vergrößern das Defizit. Ein größeres Defizit führt zu weiterem Kreditbedarf.

    Das ist die selbstverstärkende Schuldenspirale.

    Und aus einer solchen Entwicklung kommt man nicht durch weiteres Schuldenmachen heraus.

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    Eine Stadt kann nicht insolvent werden. Aber was bedeutet das wirklich?

    Anders als ein Unternehmen kann eine Stadt in Schleswig-Holstein kein Insolvenzverfahren durchlaufen.

    Das klingt beruhigend. Ist es aber nicht.

    Denn Zahlungsfähigkeit allein bedeutet noch lange nicht finanzielle Handlungsfähigkeit.

    Wenn immer größere Teile des Haushalts für bestehende Verpflichtungen, Zinsen und Tilgungen benötigt werden, bleibt immer weniger Geld für eigene Entscheidungen.

    Das kann erhebliche Folgen haben.

    Was geschieht mit der Unterhaltung von Straßen, Schulen und öffentlichen Gebäuden? Mit Sportstätten, Kulturangeboten, Vereinsförderung und freiwilligen Leistungen? Welche Gebühren oder Steuern müssten möglicherweise steigen?

    Und wer entscheidet am Ende noch über die Prioritäten der Stadt, wenn die Kommunalaufsicht wegen der Haushaltslage immer stärkeren Einfluss auf die Finanzplanung nehmen muss?

    Quickborn würde nicht von der Landkarte verschwinden.

    Aber die Stadt könnte einen erheblichen Teil ihrer finanziellen Selbstständigkeit verlieren – und das möglicherweise auf Jahrzehnte hinaus.

    Das wäre für die Bürgerinnen und Bürger sehr viel konkreter spürbar als irgendeine abstrakte Millionenzahl im Haushaltsplan.

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    Neue Projekte? Wovon eigentlich?

    Quickborn hat wichtige Aufgaben. Schulen müssen funktionieren, Straßen müssen sicher sein und die öffentliche Infrastruktur muss erhalten werden.

    Doch jedes neue Projekt verursacht nicht nur Baukosten.

    Nach der Fertigstellung folgen Unterhaltung, Betrieb, Instandhaltung und Abschreibungen. Hinzu kommen gegebenenfalls neue Personalaufwendungen und weitere Zinsen.

    Bei den vorgesehenen Schulbauprojekten und Straßeninvestitionen lassen sich die vollständigen langfristigen Folgekosten aus den veröffentlichten Haushaltsunterlagen nicht ausreichend nachvollziehen.

    Die finanziellen Belastungen enden aber nicht im Jahr 2030, nur weil dort die derzeitige Finanzplanung endet.

    Im Gegenteil: Ein Teil der neuen Einrichtungen soll erst gegen Ende dieses Zeitraums fertiggestellt werden.

    Wie will Quickborn zusätzliche Projekte aus eigener Kraft finanzieren, wenn schon für den laufenden Betrieb und die Tilgung bestehender Kredite jährlich zweistellige Millionenbeträge fehlen?

    Ohne eine grundlegende Verbesserung des laufenden Haushalts ist für weitere kreditfinanzierte Vorhaben praktisch kein tragfähiger finanzieller Spielraum erkennbar.

    Dabei sprechen wir nicht über Einsparungen von 100.000 oder 200.000 Euro.

    Wir sprechen über einen strukturellen Finanzierungsbedarf in einer Größenordnung, die tiefgreifende Veränderungen notwendig macht.

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    Wo bleibt die Gegensteuerung?

    Natürlich verweist die Verwaltung auf ihre Konsolidierungsbemühungen. Sie beschreibt gestiegene Belastungen, rückläufige Fördermittel und begrenzte finanzielle Möglichkeiten.

    Ein Teil dieser Belastungen entsteht tatsächlich außerhalb des direkten Einflussbereichs der Stadt.

    Aber das ändert nichts an der entscheidenden Frage: Wie soll der Haushalt wieder aus eigener Kraft finanzierbar werden?

    Eine Antwort, die der Größenordnung der Probleme gerecht wird, ist im zweiten Haushaltsentwurf nicht erkennbar.

    Das wirkt hilflos, kraftlos und mutlos.

    Es entsteht der Eindruck, dass Verwaltungsspitze und Politik zwar immer neue Zahlen über die Verschlechterung der Finanzlage zur Kenntnis nehmen, die notwendigen grundlegenden Entscheidungen aber weiter vor sich herschieben.

    Vielleicht fehlt es an politischem Handlungswillen. Vielleicht an der Bereitschaft, unbequeme Prioritäten zu setzen. Vielleicht auch an der Fantasie, gewachsene Verwaltungsstrukturen und Ausgaben kritisch zu überprüfen.

    Jedenfalls fehlt bislang eine erkennbare finanzpolitische Antwort auf die Entwicklung, die die Stadt selbst beschreibt.

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    Und fast alle schauen zu

    Wir hätten sehr viel lieber über eine Wende zum Besseren berichtet.

    Über einen Haushaltsentwurf, der ernsthafte Einsparungen beziffert. Der Investitionen an der finanziellen Leistungsfähigkeit misst. Der zeigt, wie Quickborn wieder einen Überschuss aus seiner laufenden Tätigkeit erwirtschaften kann.

    Stattdessen liegt ein zweiter Entwurf vor, der die Finanzlage gegenüber dem ersten nochmals verschlechtert.

    Die Zahlen stehen schwarz auf weiß in den Unterlagen der Stadt.

    2026 könnte deshalb tatsächlich als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem Quickborn wusste, wohin die Entwicklung führt – und dennoch keinen ausreichenden Kurswechsel einleitete.

    Noch ist eine Gegensteuerung möglich. Aber je länger sie ausbleibt, desto größer werden die notwendigen Einschnitte.

    Und desto weniger kann die Stadt irgendwann noch selbst entscheiden, wo sie spart.

    Das ist die eigentliche Gefahr der Quickborner Schuldenfalle.

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    Quellen: Stadt Quickborn, Berichte zur Jahresmitte 2026 (VO/2026/Q/1141), insbesondere Finanzbericht und Verschuldungsentwicklung; zweiter Haushaltsentwurf 2027 vom 22. Oktober 2026 (VO/2026/Q/82-01). Umrechnung auf den Privathaushalt und Modellrechnung zu den Kassenkreditzinsen: eigene Berechnungen von Quickborn Aktuell.

  • 15 Millionen Euro Minus – Quickborn macht weiter, die Sparbilanz bleibt offen

    15 Millionen Euro Minus – Quickborn macht weiter, die Sparbilanz bleibt offen

    Quickborn sollte 2,5 Millionen Euro einsparen. Stattdessen wächst das geplante Haushaltsdefizit von 12,5 auf 15,2 Millionen Euro. Drei Verwaltungsgemeinschaften sind gekündigt, Millionen an Einnahmen fallen künftig weg, die Fördermittel für die Goethe-Schule stehen auf der Kippe. Gleichzeitig treibt die Stadt neue Großprojekte voran, deren Kosten teilweise noch nicht einmal berechnet wurden. Und aus Kiel? Das Innenministerium verweist auf Sparmaßnahmen, die irgendwann Wirkung zeigen sollen.

    10. Oktober 2026 | Von Thomas Köppl | Quickborn Aktuell

    Sparauflage aus Kiel – Ergebnisse unbekannt

    Bereits 2025 verlangte das Innenministerium von Quickborn Konsolidierungsmaßnahmen im Umfang von mindestens 2,5 Millionen Euro. Zunächst hatte die Stadt Sparmaßnahmen von knapp einer Million Euro beschlossen, weitere sollten folgen. Anfang 2026 wurde der Haushalt dann ohne neue Auflagen genehmigt. Die Stadt wertete dies als Anerkennung ihrer Bemühungen.

    Inzwischen liegt der Haushaltsentwurf für 2027 vor. Aus einem geplanten Defizit von 12,5 Millionen Euro im Jahr 2026 werden 15,2 Millionen Euro im kommenden Jahr. Bis 2030 summieren sich die erwarteten Fehlbeträge auf rund 60 Millionen Euro. Das Eigenkapital wäre damit nach der mittelfristigen Finanzplanung aufgebraucht.

    Quickborn Aktuell wollte deshalb vom Innenministerium wissen, welche Ergebnisse die bereits 2025 geforderten Sparmaßnahmen inzwischen erbracht haben. Pressesprecher Tim Radtke bestätigt, dass entsprechende Maßnahmen eingeleitet wurden. Ihre finanzielle Wirkung könne allerdings teilweise erst mittel- bis langfristig eintreten. Konkrete Einsparergebnisse nennt das Ministerium nicht.

    Beschlossene Sparmaßnahmen sind aber noch keine eingesparten Millionen. Gerade bei einer Stadt, deren Haushaltslage sich weiter verschlechtert, wäre eine nachvollziehbare Erfolgskontrolle angebracht.

    Der Haushaltsentwurf 2027 war nicht Gegenstand unserer Anfrage. Wie die Kommunalaufsicht die neue Finanzplanung bewertet, bleibt deshalb abzuwarten.

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    Ausgaben wachsen schneller als Einnahmen

    Die Zahlen des Haushaltsentwurfs zeigen ein deutliches Missverhältnis. Während die Einnahmen gegenüber 2026 um rund drei Prozent steigen, wachsen die Ausgaben um 5,3 Prozent. Für 2027 wird eine allgemeine Inflation von drei Prozent erwartet.

    Die Personalaufwendungen erhöhen sich um rund 2,8 Prozent auf 26 Millionen Euro. Von den zusätzlichen 700.000 Euro entfallen allerdings etwa 400.000 Euro auf Rückstellungen. Die tatsächlich auszahlungswirksamen Personalkosten steigen nur um rund 300.000 Euro. Angesichts der Tarifentwicklung im öffentlichen Dienst ist das eine auffallend knappe Steigerung.

    Bei den übrigen Aufwendungen sieht es anders aus. Sie wachsen um rund 6,2 Prozent und damit erheblich schneller als die allgemeine Preisentwicklung. Natürlich gibt es Kostensteigerungen, die eine Kommune nicht beeinflussen kann. Gerade deshalb müsste deutlich werden, welche Mehrausgaben unvermeidbar sind und an welchen Stellen die Stadt selbst gegensteuert.

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    Verwaltungsgemeinschaften: Einnahmen weg, Personal bleibt

    Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei den Verwaltungsgemeinschaften mit Bönningstedt, Hasloh und Ellerau. Die Verträge wurden gekündigt, eine Fortsetzung der Zusammenarbeit ist gescheitert. Zum Jahresende 2027 scheiden die drei Gemeinden aus der Quickborner Verwaltung aus. Damit ist auch der Wegfall der bisherigen Einnahmen ab 2028 besiegelt.

    Das sind rund 3,4 Millionen Euro jährlich. Gleichzeitig sieht die Stadt zunächst nur eine Reduzierung der bisher zugeordneten Personalkosten um 30 Prozent vor. Rund 70 Prozent, entsprechend etwa 2,3 Millionen Euro jährlich, bleiben rechnerisch bestehen. Hinzu kommen weitere Kosten für Gebäude, IT und zentrale Verwaltungsleistungen.

    Besonders pikant: Noch 2023 hatten die vier damaligen Verwaltungsgemeinschaften zusammen einen Überschuss von rund einer halben Million Euro erwirtschaftet. Auch in früheren Jahren waren positive Ergebnisse erzielt worden. Erst durch veränderte Kostenberechnungen und die stärkere interne Verrechnung von Verwaltungsleistungen verschlechterte sich das Bild erheblich.

    Ausgerechnet die Beendigung dieser Zusammenarbeit wurde anschließend als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung behandelt.

    Nun stellt sich die Frage, wo die Einsparungen entstehen sollen, wenn die Einnahmen vollständig entfallen, der größte Teil der Personalkosten zunächst erhalten bleibt und vor allem die Fixkosten unverändert weiterlaufen. Das Quickborner Rathaus wird nicht kleiner, und auch die angemieteten Flächen werden nach Aussage der Stadt nicht reduziert. Die Kosten für Gebäude, Unterhaltung und zentrale Verwaltungsleistungen bleiben damit weitgehend bestehen, obwohl die Einnahmen aus den Verwaltungsgemeinschaften wegfallen.

    Beschäftigte können selbstverständlich andere Aufgaben übernehmen. Eine finanzielle Entlastung entsteht dadurch jedoch nur, wenn andernorts tatsächlich Kosten eingespart werden.

    Die Verwaltungsgemeinschaften werden beendet, die dafür aufgebauten Strukturen bleiben zu großen Teilen bestehen. Wie diese Rechnung den Quickborner Haushalt sanieren soll, ist bislang nicht überzeugend erklärt. Ob und in welchem Umfang das Innenministerium die früheren Überschüsse, die veränderten Kostenberechnungen und die tatsächlichen Einsparmöglichkeiten geprüft hat, geht aus seiner Antwort nicht hervor.

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    Millionenprojekte ohne vollständige Finanzierung

    Während die Stadt sparen soll, werden weitere Millionenprojekte vorangetrieben. Dabei bildet der Haushaltsentwurf längst nicht alle Vorhaben ab, die politisch bereits vorbereitet werden. Häufig fehlen konkrete Ansätze, weil die erforderliche Planungs- und Veranschlagungsreife noch nicht erreicht ist. Haushaltsrechtlich mag das richtig sein. An den späteren finanziellen Belastungen ändert es nichts.

    TO HUUS: Noch immer keine Kostenberechnung

    Ein Beispiel ist der geplante Dritte Ort TO HUUS an der Bahnhofstraße. Gemeinsam mit der ADLERSHORST Baugenossenschaft arbeitet die Stadt an einem neuen Standort für die Bücherei und weitere öffentliche Angebote. Eine Kostenberechnung liegt nach Aussage der Stadt nicht vor. Trotzdem wird das Projekt weiterentwickelt.

    Quickborn Aktuell hat deshalb selbst nachgerechnet. Unsere Modellrechnung ergibt einen jährlichen Gesamtaufwand von rund zwei Millionen Euro, etwa 1,4 Millionen Euro mehr als beim bisherigen Büchereibetrieb. Das sind keine bestätigten Projektkosten, sondern Annahmen auf Grundlage der bekannten Planungen. Aber sie zeigen die Größenordnung möglicher Verpflichtungen. Hinzu kommt der bestehende Mietvertrag für die Bücherei im Forum, der noch bis Mitte 2037 läuft.

    Goethe-Schule: Knapp sechs Millionen Euro Förderung gefährdet

    Auch bei der Goethe-Grundschule droht eine erhebliche Finanzierungslücke. Ursprünglich waren knapp sechs Millionen Euro Fördermittel eingeplant. Inzwischen ist nur noch von etwa drei Millionen Euro die Rede. Nach Auswertung der Förderunterlagen und angesichts des grundlegend veränderten Bauvorhabens geht Quickborn Aktuell allerdings davon aus, dass die Förderung im Ergebnis vollständig ausfallen könnte. Dann würden nahezu sechs Millionen Euro fehlen.

    V9: Die erhofften Grundstückserlöse

    Die von der V9 zur Goethe-Schule verschobenen 1,9 Millionen Euro lösen das Problem nicht. Das Geld steht anschließend für die Straße nicht mehr zur Verfügung. Deren Finanzierung wiederum baut auf erwarteten Grundstückserlösen zwischen drei und 4,5 Millionen Euro auf. Solange die entsprechenden Gewerbeflächen nicht entwickelt und verkauft sind, bleibt das eine Kalkulation mit künftigen Einnahmen.

    Trotz der offenen Finanzierung halten insbesondere CDU und FDP an der Fortführung der Investitionsplanungen fest. Dabei geht es längst nicht mehr allein darum, welche Projekte wünschenswert sind. Es geht darum, welche Vorhaben Quickborn bezahlen kann und welche Prioritäten die Stadt angesichts ihrer finanziellen Lage setzen muss.

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    Die Zinsausgaben werden steigen – und das dicke Ende fehlt noch

    Besonders problematisch ist die Entwicklung des Schuldendienstes. Die Zinsausgaben werden in den kommenden Jahren erheblich steigen. Die Stadt kalkuliert bis 2030 bereits mit Zins- und sonstigen Finanzaufwendungen von rund 3,4 Millionen Euro jährlich. Schon das ist eine erhebliche Belastung.

    Doch dabei sind die großen Investitionsvorhaben, die noch gar nicht vollständig in der Finanzplanung stehen, mit ihrem zusätzlichen Finanzierungsbedarf und den daraus entstehenden Zinskosten ebenfalls noch nicht vollständig berücksichtigt. Wenn weitere Schulneubauten, Verkehrsprojekte oder andere Millionenmaßnahmen über Kredite finanziert werden, steigen auch die Zinsausgaben. Die tatsächliche Belastung kann deshalb deutlich über den bislang ausgewiesenen Beträgen liegen.

    Ausgerechnet in dieser Situation hat der Schleswig-Holsteinische Landtag am 7. Oktober beschlossen, finanzschwachen Kommunen die Kreditaufnahme für bestimmte notwendige Investitionen zu erleichtern. Die Landesregierung will verhindern, dass dringend benötigte Schulen, Feuerwehren oder andere Einrichtungen auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Das ist nachvollziehbar, denn aufgeschobene Sanierungen können noch teurer werden.

    Die zusätzliche Verschuldung muss aber trotzdem bezahlt werden. Wer die Kreditaufnahme erleichtert, ohne gleichzeitig für eine tragfähige Finanzierung zu sorgen, verlagert Belastungen in spätere Haushaltsjahre.

    Warum nicht Kredite zu 0,5 oder einem Prozent?

    Eine wirkliche Entlastung könnten dagegen langfristige Investitionskredite mit besonders niedrigen Zinsen schaffen. Warum nicht Programme mit einem oder sogar nur 0,5 Prozent? Bei zehn Millionen Euro Kreditvolumen würde ein Zinssatz von 0,5 Prozent anfänglich nur 50.000 Euro Jahreszinsen verursachen, gegenüber 225.000 Euro bei 2,25 Prozent. Der Unterschied beträgt 175.000 Euro jährlich, solange die volle Kreditsumme aussteht.

    Natürlich müsste das Land die Zinsverbilligung finanzieren. Dafür käme die Entlastung unmittelbar bei den Kommunen an. Noch besser wäre eine Kombination aus günstigen Krediten und verlässlichen Investitionszuschüssen.

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    Der dritte Weg: Verwaltung wirtschaftlicher machen

    Bleibt die Frage, wie Quickborn seinen laufenden Haushalt wieder in den Griff bekommen will. In der politischen Diskussion tauchen gewöhnlich zwei Möglichkeiten auf: Einnahmen erhöhen oder Ausgaben reduzieren. Höhere Steuern und Gebühren sind bei den Bürgern unbeliebt, Kürzungen bei Personal und freiwilligen Leistungen ebenfalls.

    Der dritte Weg kommt dagegen auffallend selten vor: die systematische Rationalisierung der Verwaltung.

    Dabei geht es um die Organisation der Arbeit, überflüssige Abstimmungen, doppelte Aufgaben, Digitalisierung, Automatisierung und eine tatsächliche Überprüfung des Personalbedarfs. Gerade beim Wegfall der Verwaltungsgemeinschaften müsste die Stadt ihre bisherigen Strukturen grundlegend hinterfragen.

    Solche Reformen sind ausgesprochen unbequem. Eingespielte Zuständigkeiten müssen verändert, Stellen kritisch überprüft und Aufgaben neu verteilt werden. Innerhalb einer Verwaltung schafft man sich damit kaum Freunde. Das dürfte einer der Gründe sein, weshalb Rationalisierung deutlich seltener auf der Tagesordnung steht als allgemeine Sparappelle.

    Doch gerade hier liegt ein Ansatz, um dauerhaft Kosten zu reduzieren, ohne bei jeder Haushaltsberatung erneut über Steuererhöhungen oder die Streichung öffentlicher Angebote zu streiten.

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    Quickborn braucht keine weiteren Wunschlisten

    Was bleibt von der Antwort des Innenministeriums? Die Bestätigung, dass Quickborn Sparmaßnahmen eingeleitet hat. Wie viel dadurch tatsächlich gespart wurde, erfahren wir nicht.

    Für den konkreten Fall Quickborn entsteht damit ein ernüchternder Eindruck. Die Kommunalaufsicht verlangt Konsolidierungsmaßnahmen, konkrete Ergebnisse werden in ihrer Antwort jedoch nicht benannt. Über die Praxis in anderen Kommunen sagt das nichts aus. Für Quickborn bleiben entscheidende Fragen offen.

    Unterdessen werden die finanziellen Risiken größer. Die drei Verwaltungsgemeinschaften sind gekündigt, die Einnahmen gehen ab 2028 verloren. Die Förderung der Goethe-Schule könnte vollständig ausfallen. Bei TO HUUS fehlt nach Aussage der Stadt eine Kostenberechnung. Weitere Investitionen sind in der mittelfristigen Finanzplanung noch nicht vollständig berücksichtigt, ebenso wenig deren mögliche Auswirkungen auf den Schuldendienst.

    Die Entscheidung über neue Projekte liegt bei der Quickborner Ratsversammlung. Sie muss Prioritäten setzen und dafür sorgen, dass aus politischen Wünschen finanzierbare Vorhaben werden.

    Das Innenministerium wiederum wird bei der anstehenden Bewertung des Haushalts 2027 Gelegenheit haben, die tatsächlichen Konsolidierungsergebnisse und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt genauer unter die Lupe zu nehmen.

    Denn Quickborn hat kein Problem damit, immer neue Millionenprojekte zu planen. Das Problem beginnt bei der Frage, wer sie bezahlen soll.

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