Schlagwort: V9

  • Quickborns Finanzausschuss: Finanzkrise erkannt, Auftrag nicht erfüllt

    Rund 15 Millionen Euro Defizit jährlich, wachsende Kreditabhängigkeit und ein nach damaliger Planung bis 2030 aufgezehrtes Eigenkapital: Schon die Unterlagen für Quickborns Finanzausschuss am 6. Oktober ließen an der ernsten Lage keinen Zweifel. Mittlerweile liegt ein zweiter Haushaltsentwurf vor, der die finanzielle Situation noch schlechter darstellt. Doch bereits in der ersten Beratungsrunde fanden nicht einmal zwei Aufträge eine Mehrheit, weitere Einsparungen und Einnahmeverbesserungen auszuarbeiten.

    Die Haushaltsansätze seines Zuständigkeitsbereichs empfahl der Ausschuss dagegen mit fünf gegen drei Stimmen. Ein zusätzlicher Beitrag zur dauerhaften Stabilisierung des Haushalts ist im dokumentierten Beratungsergebnis nicht erkennbar.

    Die Warnung stammt aus der Verwaltung

    Der erste Haushaltsentwurf für 2027 sah Erträge von rund 89,06 Millionen Euro und Aufwendungen von 104,30 Millionen Euro vor. Daraus ergab sich ein Fehlbetrag von 15,24 Millionen Euro. Auch für die drei folgenden Jahre waren jeweils annähernd 15 Millionen Euro Defizit eingeplant.

    Für 2027 bis 2030 summierten sich die vorgesehenen Verluste auf 59,77 Millionen Euro. Zusammen mit dem geplanten Fehlbetrag 2026 würde nach Darstellung der Verwaltung das Ende 2025 ausgewiesene Eigenkapital von rund 68,71 Millionen Euro bis 2030 aufgezehrt.

    Das war keine Warnung einer oppositionellen Fraktion, sondern die Aussage der städtischen Haushaltsvorlage. Und diese Zahlen stammen noch aus dem ersten Entwurf. Der inzwischen vorliegende zweite Entwurf verschärft das Bild.

    Selbst für den laufenden Betrieb fehlt Geld

    Die Schwierigkeiten beschränken sich nicht auf Abschreibungen und andere rechnerische Belastungen. Bereits im ersten Entwurf fehlten im laufenden Zahlungsverkehr 2027 rund 9,22 Millionen Euro. Hinzu kamen rund 3,83 Millionen Euro Kredittilgung. Zusammen mussten damit etwa 13,06 Millionen Euro finanziert werden, bevor neue Investitionen berücksichtigt wurden.

    Der vorgesehene Höchstbetrag der Kassenkredite sollte von 15 auf 30 Millionen Euro steigen. Für Investitionen waren 2027 zusätzlich Kreditaufnahmen von rund 16,59 Millionen Euro eingeplant.

    Die Vorlage beschrieb damit eine Stadt, die ihren laufenden Betrieb und die Tilgung bestehender Investitionskredite nicht mehr aus ihren laufenden Einzahlungen finanzieren konnte.

    In der Sitzung verwies die Verwaltung auf weiter verschärfte Rahmenbedingungen. Insbesondere Kreisumlage und Finanzausgleichsumlage sollten gegenüber dem Vorjahr zusammen um rund 1,4 Millionen Euro steigen. Die Möglichkeiten zur Verbesserung im zweiten Haushaltsentwurf wurden als begrenzt eingeschätzt.

    Nicht einmal weitere Vorschläge werden eingefordert

    Die Grünen beantragten, die Verwaltung mit weiteren Vorschlägen zur Haushaltskonsolidierung zu beauftragen. Geprüft werden sollten zusätzliche Einsparungen bei den allgemeinen Verwaltungsaufwendungen und Möglichkeiten, die Einnahmesituation zu verbessern.

    Der Antrag erhielt drei Ja-Stimmen bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Damit fand er keine Mehrheit.

    Ebenso erging es einem zweiten Prüfauftrag. Die Verwaltung sollte Vorschläge zur Kürzung weiterer Investitionsmittel vorlegen, insbesondere beim allgemeinen Grunderwerb und bei der Gestaltung von Außenanlagen. Weitgehend förderfinanzierte Vorhaben sollten dabei ausgenommen werden. Auch hier lautete das Ergebnis: drei Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.

    Damit scheiterten keine abschließend ausgearbeiteten Kürzungen einzelner Leistungen. Nicht einmal der Auftrag, weitere Möglichkeiten zu erarbeiten und zur politischen Beratung vorzulegen, setzte sich durch.

    Die Verwaltung erklärte, bereits vor dem ersten Entwurf sei die Planung einem sehr kritischen Prozess unterzogen worden. Welche zusätzlichen Handlungsmöglichkeiten der Ausschuss selbst sah, welche Alternativen er verlangte oder welche konkreten Konsolidierungsziele er setzen wollte, ist der Niederschrift nicht zu entnehmen. Sie vermerkt eine „rege Diskussion“, gibt deren wesentliche Argumente aber nicht wieder.

    Welche Fraktionen für oder gegen die Anträge stimmten, lässt sich ebenfalls nicht sicher feststellen. Das Protokoll nennt nur die Stimmenzahlen.

    Der Umgang mit der V9 bleibt offen

    Der beigefügte ursprüngliche Investitionsantrag der Grünen enthielt außerdem die Forderung, den Bau der V9 um mehrere Jahre zu verschieben und nach Fertigstellung der Goetheschule neu zu bewerten.

    Im protokollierten Abstimmungstext erscheint diese Forderung jedoch nicht. Dort geht es nur um weitere Investitionskürzungen. Eine gesonderte Entscheidung über die Verschiebung der V9 ist in dieser Niederschrift nicht dokumentiert. Der Umgang mit diesem Teil des ursprünglichen Antrags bleibt damit offen.

    320.530 Euro zusätzlich für Gebäude am Himmelmoor

    Einstimmig empfahl der Ausschuss der Ratsversammlung, 320.530 Euro zusätzlich für die Gebäude Himmelmoorstraße 4 bis 6 bereitzustellen. Hintergrund waren erhebliche Sicherheitsmängel an den elektrischen Anlagen. Betroffen sind unter anderem die Nissenhütte mit Werkstatt, das Henri-Goldstein-Haus und weitere Gebäudeteile einschließlich einer Mietwohnung.

    Die Vorlage nennt beschädigte Leitungsisolierungen, unsachgerechte Leitungsverlegung, offene oder unzureichend verschlossene Klemmdosen und fehlenden Schutz gegen elektrischen Schlag. Nach Darstellung der Verwaltung drohte ohne kurzfristige Abhilfe die Stilllegung des Stromanschlusses.

    Die Dringlichkeit der Arbeiten ist damit nachvollziehbar. Trotzdem wäre eine nähere Betrachtung der Kosten, der bisherigen Kontrollen und der Abgrenzung zu bereits laufenden Sanierungen naheliegend gewesen. Das Protokoll hält zu diesem Tagesordnungspunkt ausdrücklich fest: „Es gibt keine Anmerkungen vom Ausschuss.“

    Finanziert werden soll die Maßnahme unter anderem aus nicht benötigten oder 2026 nicht mehr umsetzbaren Ansätzen für Grundstückserwerb, Schulen und Brandschutz sowie einer zusätzlichen Förderzahlung für das Haus der Jugend. Eine dauerhafte Haushaltsentlastung entsteht daraus überwiegend nicht. Mehrere andere Arbeiten werden lediglich später ausgeführt.

    Besonders deutlich wird der personelle Engpass beim Brandschutz: Planung und Herstellung einer Garage für die mobile Netzersatzanlage an der Feuerwache Quickborn-Heide konnten laut Vorlage 2026 nicht mehr realisiert werden, weil die verfügbaren Personalkapazitäten nun für die sicherheitsrelevanten Arbeiten an der Himmelmoorstraße gebunden waren.

    Günstigere Notstromlösung angekündigt

    Eine mögliche Entlastung wurde unter den Unterrichtungen angekündigt. Für die Notstromversorgung am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium sollte eine mobile Station anstelle einer fest installierten Anlage vorgesehen werden. Dadurch sollte der Kostenansatz von ursprünglich 800.000 auf 200.000 Euro sinken.

    Die Differenz beträgt 600.000 Euro. Ein entsprechender neuer Beschluss wurde jedoch erst angekündigt. Welche Leistungen die mobile Lösung gegenüber der ursprünglich vorgesehenen Anlage bietet, erläutert der kurze Protokollvermerk nicht.

    Redaktionelle Einordnung: Auftrag nicht erfüllt

    Die gewählten Vertreter tragen die Verantwortung dafür, die Finanzen der Stadt solide und dauerhaft aufzustellen. Der Finanzausschuss hat dabei eine zentrale Aufgabe. Er muss Ausgaben prüfen, Prioritäten setzen und dafür sorgen, dass Einnahmen und Ausgaben wieder zusammenpassen.

    Wer zu dem Ergebnis kommt, die Ausgaben ließen sich nicht ausreichend senken, muss sich mit höheren Einnahmen befassen. Wer höhere Einnahmen ablehnt, muss entsprechend stärker an die Ausgaben heran. Beides zugleich für weitgehend unveränderbar zu erklären, ist keine tragfähige Haushaltspolitik.

    Das Grundprinzip kennen schon Kinder beim Taschengeld: Wer dauerhaft mehr ausgibt, als hereinkommt, muss etwas ändern. Kredite verschieben die Rechnung und machen sie durch Zinsen größer.

    Schon im ersten Entwurf hätten die Erträge um gut 17 Prozent steigen müssen, um die vorgesehenen Aufwendungen zu decken. Beim inzwischen schlechteren zweiten Entwurf verschärft sich der Handlungsdruck weiter. Eine Einnahmelücke in Richtung eines Fünftels ist kein kleines Alarmsignal. Das ist ein ganzes Feuerwerk der Sirenen.

    An diesem Maßstab muss sich die Arbeit des Finanzausschusses messen lassen. Das dokumentierte Ergebnis vom 6. Oktober fällt ernüchternd aus: Die Haushaltsansätze wurden empfohlen, zusätzliche Prüfaufträge fanden keine Mehrheit, ein eigener bezifferter Konsolidierungsschritt ist nicht erkennbar.

    Der Auftrag lautet, den Haushalt dauerhaft ins Gleichgewicht zu bringen. Der dokumentierte zusätzliche Beitrag dieser Sitzung dazu: null. Auftrag nicht erfüllt.

    Quellen

    Stadt Quickborn: Öffentliches Protokoll des Finanzausschusses vom 6. Oktober 2026; Haushaltsvorlage VO/2026/Q/82 mit erstem Haushaltsentwurf 2027 ff.; Vorlagen VO/2026/Q/1115, VO/2026/Q/1135 und VO/2026/Q/1136 einschließlich der beigefügten Anträge. Ergänzend: zweiter Haushaltsentwurf 2027 ff.

  • V9: Neue Lkw-Ausweichstrecke zwischen A7 und B4 – auch Norderstedt profitiert

    Die geplante V9 schafft eine neue durchgehende Verbindung für den Schwerlastverkehr zwischen der A7 und der B4. Besonders bei den regelmäßigen Staus auf der Autobahn wird die Strecke für Lkw von und nach Hamburg interessant. Zusätzlich entsteht für Teile Norderstedts eine neue Zufahrt zur A7, insbesondere in Fahrtrichtung Norden. Die Bahnstraße und die Ellerauer Straße werden dadurch entlastet. Auf der Ulzburger Landstraße und dem Harksheider Weg ist dagegen mit deutlich mehr Verkehr zu rechnen.

    23. Oktober 2026 | Quickborn Aktuell | Thomas Köppl

    Aus der V9 wird eine neue Lkw-Verbindung

    Bereits im August 2025 hatte Quickborn Aktuell bei der Stadt nachgefragt, ob auf der geplanten V9 künftig Lkw-Verkehr vorgesehen sei. Eine konkrete Antwort konnte die Verwaltung seinerzeit nicht geben.

    Inzwischen plant die Stadt entlang der V9 rund 3,2 Hektar neue Gewerbeflächen. Die Erschließung muss entsprechend auch für schweren Lieferverkehr ausgelegt werden.

    Bürgermeister Thomas Beckmann hat erklärt, dass es für den Straßenbau der V9 keine Förderung geben wird. Die Stadt will deshalb einen erheblichen Teil der Kosten über den Verkauf der neuen Gewerbegrundstücke finanzieren.

    Allerdings sind die zusätzlichen Kosten für die Erschließung der Gewerbegrundstücke bislang nicht kalkuliert. Dazu gehören Grundstückszufahrten, Straßenbeleuchtung, Begrünung, Grünstreifen und Versickerungsflächen.

    Mit der V9 entsteht zugleich eine neue durchgehende Lkw-Verbindung zwischen der A7 und der B4.

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    Neue Ausweichstrecke bei Autobahnstau

    Auf der A7 kommt es regelmäßig zu Staus, Unfällen und Verkehrsstörungen. Der Ausweichverkehr belastet dann auch die Straßen in Quickborn und Ellerau.

    Bisher führt eine wichtige Ausweichroute zwischen der Autobahn und der B4 über die Friedrichsgaber Straße, die Bahnstraße und die Ellerauer Straße.

    Mit der V9 entsteht eine direktere Verbindung: Von der A7 geht es künftig über die neue Trasse zur Ulzburger Landstraße, weiter über den Harksheider Weg bis zur B4 – und umgekehrt.

    Für den Durchgangsverkehr, insbesondere für schwere Lastwagen von und nach Hamburg, entfällt damit der bisherige Umweg über die Bahnstraße und die Ellerauer Straße.

    Die neue Strecke wird auch für Navigationssysteme interessant, die bei Autobahnstörungen alternative Fahrtrouten anbieten.

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    Auch Lkw aus Norderstedt bekommen eine neue Autobahnzufahrt

    Hinzu kommt Schwerlastverkehr aus Norderstedt.

    Für bestimmte Bereiche Norderstedts wird die neue Verbindung über die B4, den Harksheider Weg und die V9 eine interessante Alternative zur bisherigen Fahrt über die Friedrichsgaber Straße.

    Besonders für Lastwagen mit Fahrziel A7 Richtung Norden bietet sich damit ein neuer Zubringer zur Autobahnanschlussstelle Quickborn an.

    Der Harksheider Weg wird dadurch nicht nur Ausweichstrecke bei Autobahnstörungen, sondern auch Teil einer neuen regulären Verbindung für den Wirtschaftsverkehr aus Norderstedt.

    Diese Verkehrsverlagerung betrifft ebenso den Pkw-Verkehr. Die V9 verändert damit die Fahrtrouten auf beiden Seiten der A7.

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    Weniger Verkehr am Knotenpunkt Bahnstraße/Friedrichsgaber Straße

    Der Knotenpunkt Bahnstraße/Friedrichsgaber Straße ist bereits heute stark belastet. Er spielte insbesondere in der Diskussion um das Hillwood-Logistikzentrum in Ellerau eine wichtige Rolle.

    Durch die V9 bekommt der bisher über Ellerau geführte Durchgangsverkehr zwischen A7 und B4 eine neue Route.

    Dabei geht es nicht um den Lieferverkehr zum oder vom Hillwood-Gelände, sondern um den Verkehr, der bisher dieselben Straßen und Kreuzungen nutzt.

    Mit der Verlagerung dieses Verkehrs auf die V9 werden die Bahnstraße, die Ellerauer Straße und der Knotenpunkt Bahnstraße/Friedrichsgaber Straße entlastet.

    Auch die Zufahrt zur Autobahn aus Richtung Ellerau profitiert, weil sich dort weniger Durchgangsverkehr mit dem örtlichen Verkehr mischt.

    Die Anschlussstelle Quickborn erreicht nach den Untersuchungen der Stadt bereits heute die schlechteste Qualitätsstufe F.

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    Mehr Lkw auf dem Harksheider Weg und der Ulzburger Landstraße

    Die neue Verkehrsführung bringt für andere Anwohner zusätzliche Belastungen.

    Der Harksheider Weg wird Teil einer durchgehenden Verbindung zwischen A7 und B4. Dort ist künftig mit mehr Pkw und insbesondere mit mehr Schwerlastverkehr zu rechnen.

    Zusammen kommen der Verkehr aus dem geplanten Gewerbegebiet, der Durchgangsverkehr zwischen A7 und B4, der Ausweichverkehr bei Autobahnstörungen sowie zusätzliche Fahrten aus Norderstedt.

    Auch die Ulzburger Landstraße wird stärker belastet.

    Das betrifft ebenso die Bewohner der Friedlandstraße. Zahlreiche Grundstücke grenzen mit ihren rückwärtigen Bereichen unmittelbar an die Ulzburger Landstraße. Zusätzliche Lastwagen werden dort vor allem durch Lärm und Abgase wahrnehmbar sein.

    Bleibt zu hoffen, dass der Lkw-Verkehr nicht auch noch die Goethestraße als Ausweichstrecke entdeckt – vorbei an der dann neu gebauten Goethe-Grundschule.

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    Verkehrsuntersuchung erst 2027

    Die Stadt hat die großräumige Verkehrsuntersuchung für die V9 erst im Juli 2026 beauftragt. Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2027 erwartet.

    Konkrete Zahlen zu den künftig zu erwartenden Lkw-Fahrten auf der Ulzburger Landstraße und dem Harksheider Weg liegen bislang nicht vor.

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    Quellen und weiterführende Unterlagen

    1. Stadt Quickborn – Machbarkeitsuntersuchung und Beschluss zur V9:
      Mitteilung der Stadt Quickborn
    2. Anfrage vom 6. August 2025 zum Lkw-Verkehr auf der V9:
      Anfrage bei FragDenStaat
    3. Stadt Quickborn, 23. Januar 2026 – Verkehrsbelastung an der A7-Anschlussstelle und Verkehrsströme aus Norderstedt:
      Pressemitteilung der Stadt Quickborn
    4. Quickborn Aktuell, 5. Oktober 2026 – Neue Gewerbeflächen sollen die Straße bezahlen:
      Bericht auf Quickborn Aktuell
    5. Quickborn Aktuell, 9. Oktober 2026 – Verkehrsuntersuchung und Zeitplan:
      Bericht auf Quickborn Aktuell

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  • Quickborn rechnet mit Millionen aus neuen Gewerbeflächen – Landesplanung weiß von nichts

    Die Flächen liegen südlich des Ohlmöhlenwegs, beidseits der Straßen Halenberg und Auf dem Halenberg. Sie gehören nicht zu den bisher im regionalen Gewerbeflächenkonzept A7-Süd vorgesehenen Erweiterungsflächen.

    Das Ministerium verweist auf die grundsätzlich günstigen Voraussetzungen Quickborns als Gewerbestandort auf der Siedlungsachse Hamburg–Norderstedt–Kaltenkirchen. Gegen eine gewerbliche Entwicklung innerhalb dieser Achse bestehen aus landesplanerischer Sicht nicht grundsätzlich Bedenken.

    Doch die konkrete Planung entlang der V9 ist der Landesplanung bisher nicht bekannt.

    Gewerbeflächen für die Straßenfinanzierung

    Bemerkenswert ist vor allem die Reihenfolge: Die Stadt kalkuliert bereits mit Millionen aus Grundstücksverkäufen, obwohl die dafür vorgesehenen zusätzlichen Gewerbeflächen noch gar nicht planungsrechtlich entwickelt sind.

    Dabei verfügt Quickborn bereits über erhebliche Gewerbeflächenpotenziale.

    Nach Informationen von Quickborn Aktuell hat die Stadt inzwischen Grundstücke für rund vier Millionen Euro erworben, um das Gewerbegebiet Nord weiterzuentwickeln.

    Diese Grundstücke liegen nicht an der geplanten V9, sondern im Erweiterungsbereich des Gewerbegebiets Nord in Richtung Ellerau. Auch die im regionalen Gewerbeflächenkonzept ausgewiesenen weiteren 8,5 Hektar befinden sich auf der anderen Seite der Autobahn. Die jetzt zur Finanzierung der V9 vorgesehenen 3,2 Hektar gehören nicht zu diesen abgestimmten Potenzialflächen.

    Auch im bestehenden EQ Businesspark ist die Vermarktung noch nicht abgeschlossen. Die Stadt und die Wirtschaftsförderung WEP wählen dort gezielt Unternehmen aus, die zum Standortkonzept passen. Ende 2025 waren von 20 Grundstücken erst vier verkauft.

    Nun sollen weitere 3,2 Hektar hinzukommen – diesmal im Zusammenhang mit einer geplanten Straße, deren Finanzierung auf die erwarteten Verkaufserlöse angewiesen ist.

    Kurzfristige Einnahmen, langfristige Stadtentwicklung

    Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Soll die Gewerbeentwicklung dem langfristigen Bedarf der Stadt folgen oder kurzfristig eine Finanzierungslücke beim Straßenbau schließen?

    Neue Gewerbegebiete verändern Verkehrsströme, Landschaft und Stadtstruktur dauerhaft. Die erwarteten Verkaufserlöse fließen dagegen nur einmal.

    Dass die Landesplanung von dieser konkreten Erweiterung bislang nichts weiß, macht deutlich, wie früh die Stadt bereits mit Einnahmen aus diesen Flächen rechnet.

    Eine Straße über Grundstücksverkäufe finanzieren zu wollen, ist das eine. Eine langfristig sinnvolle Gewerbeentwicklung sicherzustellen, das andere. Beides muss zusammenpassen.

    Quickborn Aktuell bedankt sich ausdrücklich bei der Landesplanungsbehörde des schleswig-holsteinischen Innenministeriums für die schnelle, ausführliche und hilfreiche Beantwortung der Anfrage.


    Quelle: Innenministerium Schleswig-Holstein, Antwort auf Anfrage von Quickborn Aktuell, Oktober 2026; Gewerbeflächenkonzept A7-Süd; Angaben der Stadt Quickborn und der WEP zum EQ Businesspark.

  • Quickborns nächste Millionenbrücke: Rathaus wirft Nebelkerzen – und verschweigt die Vorgeschichte

    100.000 Euro für die Sanierung einer alten Brücke – oder doch gleich ein millionenschwerer Neubau? Die Stadt Quickborn hat auf eine Anfrage von Quickborn Aktuell zur Feldbehnstraßenbrücke mit einer Bürgerinformation reagiert. Doch statt die entscheidenden Fragen zu beantworten, präsentiert das Rathaus eine freundlich verpackte Zukunftsvision. Die jahrelange Vorgeschichte, frühere Planungsankündigungen und die möglichen Kosten eines Neubaus bleiben weitgehend ausgeblendet. Quickborns Märchenstunde geht weiter.

    15. Oktober 2026 | Thomas Köppl | Quickborn Aktuell

    Nebelkerzen statt Antworten

    QUICKBORN. Bereits am 6. Oktober hatte Quickborn Aktuell die Stadtverwaltung um konkrete Auskünfte zum Zustand der Feldbehnstraßenbrücke, zu Sanierung und Ersatzneubau sowie zu den Auswirkungen der geplanten Umgehungsstraße V9 gebeten. Jetzt hat das Rathaus mit seiner Bürgerinformation Nr. 341 reagiert. Doch die Mitteilung beantwortet nur einen Teil unserer Fragen. Während die Stadt ausführlich über verantwortungsvolle Infrastrukturplanung und Zukunftsperspektiven spricht, fehlen ausgerechnet die entscheidenden Informationen zur bisherigen Planung, den Verkehrsfolgen und den möglichen Millionenbeträgen. Es wird kräftig genebelt.

    Immerhin bestätigt die Verwaltung, dass die 64 Jahre alte Brücke über die Gronau Schäden an Betonflächen, Fugen und Mauerwerken aufweist. Eine Untersuchung vom Juni 2026 habe dies ergeben. Die gute Nachricht: Die Brücke ist bei Einhaltung der bestehenden Gewichtsbeschränkung von 3,5 Tonnen weiterhin tragfähig. Für rund 100.000 Euro einschließlich Ingenieurleistungen und Mehrwertsteuer könnte sie saniert werden. So weit, so erfreulich.

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    100.000 Euro Sanierung – oder gleich eine Millionenbrücke?

    Doch dann kommt die eigentliche Botschaft. Weil für die geplante Radwegeverbindung zwischen Quickborn-Heide und der Innenstadt ohnehin eine zusätzliche Brücke über die Gronau benötigt werde, stellt die Verwaltung plötzlich einen vollständigen Neubau zur Diskussion. Statt die vorhandene Straßenbrücke zu sanieren und daneben eine Radwegbrücke zu errichten, könnte gleich ein gemeinsames Bauwerk für Autos, Fahrräder und Fußgänger entstehen.

    Das mag wirtschaftlich durchaus sinnvoll sein. Nur müsste man dafür die Kosten kennen. Während die Stadt die Sanierung mit 100.000 Euro beziffert, nennt sie für den Neubau keinen einzigen Betrag. Eine überschlägige Betrachtung ergibt für ein solches Bauwerk eine mögliche Größenordnung von 1,5 bis 2,5 Millionen Euro. Das ist ausdrücklich keine amtliche Kostenschätzung, zeigt aber, über welche Dimensionen hier möglicherweise gesprochen wird.

    Die kleine Rechnung wird präsentiert, die große bleibt im Nebel. Dabei wäre gerade angesichts der angespannten städtischen Finanzen eine nachvollziehbare Gegenüberstellung der Varianten erforderlich.

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    Die verschwiegene Vorgeschichte: Im Februar klang alles noch anders

    Besonders bemerkenswert ist der Umgang mit der eigenen Planungsgeschichte. Bereits 2021 beschloss die Stadt ihr Radverkehrskonzept. Im Mai 2025 erklärte sie die Verbindung über Ohlmöhlenweg und Feldbehnstraße zu einem Vorhaben mit höchster Priorität. Und am 19. Februar 2026 kündigte das Rathaus in seiner Pressemitteilung Nr. 040/2026 ausdrücklich an, die Planungen für diese Radwegeverbindung im Frühjahr aufzunehmen. Über die konkrete Umsetzung und den Bau sollte im Rahmen der Haushaltsberatungen 2027 entschieden werden.

    Jetzt haben wir Oktober 2026. Doch plötzlich sollen erst noch Varianten verglichen und Entscheidungsgrundlagen erarbeitet werden. Ein konkreter Zeitplan stehe nicht fest. Was ist aus dem angekündigten Planungsbeginn im Frühjahr geworden? Welche Ergebnisse liegen inzwischen vor? Und weshalb wird der Öffentlichkeit davon nichts berichtet?

    Die Ankündigung vom Februar betraf zwar die Radwegeverbindung und noch keinen vollständigen Ersatzneubau der Straßenbrücke. Gerade deshalb müsste die Verwaltung erklären, wie beide Projekte inzwischen zusammenhängen. Auch die Brückenschäden waren längst bekannt: Bereits am 27. August 2026 wurde im Ausschuss für kommunale Dienstleistungen über stärkere Mängel und Sanierungsbedarf berichtet.

    In der neuesten Bürgerinformation wird diese Vorgeschichte praktisch vollständig ausgeblendet. Stattdessen klingt es, als beginne die Zukunftsplanung gerade erst. Aus einem jahrelang bekannten Vorhaben wird plötzlich eine neue Idee. Das ist bemerkenswerte Öffentlichkeitsarbeit.

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    V9, Verkehrsströme und Naturschutz bleiben außen vor

    Vollständig offen bleibt auch der Zusammenhang mit der geplanten Umgehungsstraße V9. Unser ursprünglicher Bericht beschäftigte sich ausdrücklich mit der Verkehrsführung über den Ohlmöhlenweg, dem Bereich Auf dem Halenberg und den möglichen Folgen für die Gronaubrücke. Wer neue Straßenverbindungen plant, muss schließlich wissen, wohin der Verkehr anschließend fließt. Doch die Stadt erklärt weder, ob die Feldbehnstraßenbrücke in den Verkehrsprognosen berücksichtigt wurde, noch, für welche künftigen Belastungen ein Neubau ausgelegt werden müsste. Die V9 kommt in der Mitteilung nicht einmal vor.

    Auch der Naturschutz bleibt unerwähnt. Die Gronau gehört zu einem ökologisch empfindlichen Gewässersystem im Zusammenhang mit dem FFH-Gebiet Pinnau/Gronau. Im offiziellen Managementplan wird die Feldbehnstraßenbrücke ausdrücklich im Hinblick auf mögliche Verbesserungen für die Durchgängigkeit des Fischotters genannt. Ein Neubau könnte deshalb zusätzliche wasserrechtliche und naturschutzfachliche Anforderungen auslösen – mit entsprechenden Auswirkungen auf Planung und Kosten. Auch hierzu hatten wir ausdrücklich gefragt. Eine konkrete Antwort fehlt.

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    Quickborns Märchenstunde geht weiter

    Quickborn steht finanziell unter erheblichem Druck. Der Haushaltsentwurf 2027 sieht ein Ergebnisdefizit von rund 15 Millionen Euro vor, während Schulen, Feuerwehr und weitere Infrastrukturprojekte bereits erhebliche Investitionen erfordern. Ausgerechnet jetzt wird bei einer weiterhin tragfähigen Brücke, deren Sanierung 100.000 Euro kosten soll, ein möglicherweise millionenschwerer Neubau ins Gespräch gebracht. Ohne Kostenschätzung, ohne Zeitplan und ohne erkennbare Einordnung in die übrigen Investitionsvorhaben.

    Niemand kritisiert, dass die Verwaltung verschiedene Brückenlösungen untersucht. Das ist ihre Aufgabe. Kritikwürdig ist allerdings eine Informationspolitik, die frühere Ankündigungen verschweigt, wesentliche Zusammenhänge ausblendet und selbst auf konkrete Nachfragen nur einen Ausschnitt der Geschichte liefert.

    Das ist der eigentliche Skandal: Die Stadt erzählt nicht unbedingt etwas Falsches. Sie erzählt nur längst nicht die ganze Wahrheit.

    Der Eindruck drängt sich auf, dass die Quickborner vorsichtig auf die nächste Millioneninvestition vorbereitet werden sollen. Erst die beruhigende Nachricht über die tragfähige Brücke, dann die schöne Zukunftsvision und irgendwann vielleicht die Rechnung.

    Quickborns Märchenstunde geht weiter. Diesmal mit einer alten Brücke, einer neuen Zukunftsvision und einer Rechnung, die noch niemand kennt. Die Nebelkerzen über der Gronau sind jedenfalls gezündet.

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  • Umgehungsstraße V9 auf die alte Gronaubrücke: Die nächste Millionenbaustelle wartet schon

    QUICKBORN. Die V9 soll den Verkehr neu ordnen. Über Ohlmöhlenweg und „Auf dem Halenberg“ geht es künftig Richtung Innenstadt.

    Dort wartet bereits das nächste Problem:

    die alte Brücke über die Gronau an der Feldbehnstraße.

    Die Stadt selbst schreibt im Protokoll vom 27. August: stärkere Mängel, sanierungsbedürftig.

    Quickborn Aktuell hat die Stadt um eine Einschätzung gebeten.

    Antwort: bislang keine.

    Also haben wir selbst weiter recherchiert.

    Neue Straße. Mehr Verkehr. Alte Brücke.

    Wie viel Verkehr die V9 künftig in Richtung Feldbehnstraße schiebt, ist noch unbekannt.

    Die große Verkehrsuntersuchung läuft. Ergebnisse erwartet die Stadt erst Anfang des zweiten Quartals 2027.

    Damit trifft eine neue Verkehrsführung auf eine Brücke, die schon heute Probleme macht.

    Und der Standort hat es in sich.

    Mitten im FFH-Gebiet

    Die Gronau gehört zum europäischen Schutzgebiet „Pinnau/Gronau“.

    Noch deutlicher: Im offiziellen Natura-2000-Maßnahmenplan steht die Feldbehnstraße ausdrücklich drin.

    „Quickborn Feldbehnstraße: Brücke prüfen.“

    Es geht dabei um die Durchgängigkeit für den Fischotter. Genannt werden Bermen und andere trockene Querungsmöglichkeiten unter Brücken.

    Ein Ersatzneubau wäre deshalb kein normaler Brückentausch.

    Breitere Fahrbahn. Größerer Gewässerquerschnitt. Trockenberme. Hochwasserschutz. Artenschutz. Baugrund. Neue Widerlager.

    Das summiert sich.

    Mehr Verkehr bringt auch mehr Stickstoff

    Hinzu kommt der Verkehr selbst.

    Mehr Fahrzeuge bedeuten zusätzliche Stickstoffeinträge entlang der Straße. Gerade bei empfindlichen FFH-Lebensräumen spielt das eine wichtige Rolle.

    Bei Straßenprojekten werden zusätzliche Stickstoffeinträge deshalb fachlich geprüft. In der Rechtsprechung spielt dabei unter anderem ein Abschneidekriterium von 0,3 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr eine Rolle.

    Damit gehört nicht nur die Brücke auf den Prüfstand.

    Auch die Verkehrszunahme im unmittelbaren Umfeld des FFH-Gebiets muss betrachtet werden.

    Die V9 soll die Verbindung zwischen Quickborn-Heide und Innenstadt verbessern und attraktiver machen.

    Genau dort liegt der Knackpunkt.

    Und jetzt zum Geld

    Eine belastbare Kostenschätzung der Stadt gibt es bislang nicht.

    Ein Ersatzneubau an der Gronau wäre aber kein kleines Projekt.

    FFH-Gebiet. Fischotterdurchlass. Wasserrecht. Vermutlich größerer Querschnitt. Eine etwa 5,50 Meter breite Fahrbahn. Dazu Planung, Gutachten, Baugrund, Umweltbegleitung und Straßenanschlüsse.

    Unsere realistische Arbeitsgröße:

    rund 1,5 bis 2,5 Millionen Euro.

    Bei schwierigem Baugrund, aufwendiger Wasserhaltung oder zusätzlichen Anforderungen kann die Rechnung weiter steigen.

    Mit rund zwei Millionen Euro sollte man hier eher rechnen als mit einer kleinen sechsstelligen Summe.

    Das ist keine amtliche Kostenschätzung der Stadt. Es ist eine überschlägige Größenordnung auf Basis vergleichbarer Brückenprojekte und der besonderen Bedingungen an diesem Standort.

    V9 hört an der Gronau nicht auf

    Damit wird die Rechnung größer.

    Neue Straße.

    Neue Verkehrsströme.

    Eine bereits sanierungsbedürftige Brücke.

    Ein empfindliches FFH-Gebiet.

    Und möglicherweise das nächste Millionenprojekt.

    Die Stadt hätte uns ihre Einschätzung dazu mitteilen können.

    Sie schweigt.

    Dann schauen wir eben selbst genauer hin.


    Quellen: Stadt Quickborn, Protokoll des Ausschusses für kommunale Dienstleistungen vom 27. August 2026; Natura-2000-Managementplan für das FFH-Gebiet „Pinnau/Gronau“; Bundesverwaltungsgericht zur Bewertung straßenbedingter Stickstoffeinträge; eigene Recherche von Quickborn Aktuell zu vergleichbaren Brückenprojekten.

    Quickborn Aktuell | 12. Oktober 2026

  • 15 Millionen Euro Minus – Quickborn macht weiter, die Sparbilanz bleibt offen

    15 Millionen Euro Minus – Quickborn macht weiter, die Sparbilanz bleibt offen

    Quickborn sollte 2,5 Millionen Euro einsparen. Stattdessen wächst das geplante Haushaltsdefizit von 12,5 auf 15,2 Millionen Euro. Drei Verwaltungsgemeinschaften sind gekündigt, Millionen an Einnahmen fallen künftig weg, die Fördermittel für die Goethe-Schule stehen auf der Kippe. Gleichzeitig treibt die Stadt neue Großprojekte voran, deren Kosten teilweise noch nicht einmal berechnet wurden. Und aus Kiel? Das Innenministerium verweist auf Sparmaßnahmen, die irgendwann Wirkung zeigen sollen.

    10. Oktober 2026 | Von Thomas Köppl | Quickborn Aktuell

    Sparauflage aus Kiel – Ergebnisse unbekannt

    Bereits 2025 verlangte das Innenministerium von Quickborn Konsolidierungsmaßnahmen im Umfang von mindestens 2,5 Millionen Euro. Zunächst hatte die Stadt Sparmaßnahmen von knapp einer Million Euro beschlossen, weitere sollten folgen. Anfang 2026 wurde der Haushalt dann ohne neue Auflagen genehmigt. Die Stadt wertete dies als Anerkennung ihrer Bemühungen.

    Inzwischen liegt der Haushaltsentwurf für 2027 vor. Aus einem geplanten Defizit von 12,5 Millionen Euro im Jahr 2026 werden 15,2 Millionen Euro im kommenden Jahr. Bis 2030 summieren sich die erwarteten Fehlbeträge auf rund 60 Millionen Euro. Das Eigenkapital wäre damit nach der mittelfristigen Finanzplanung aufgebraucht.

    Quickborn Aktuell wollte deshalb vom Innenministerium wissen, welche Ergebnisse die bereits 2025 geforderten Sparmaßnahmen inzwischen erbracht haben. Pressesprecher Tim Radtke bestätigt, dass entsprechende Maßnahmen eingeleitet wurden. Ihre finanzielle Wirkung könne allerdings teilweise erst mittel- bis langfristig eintreten. Konkrete Einsparergebnisse nennt das Ministerium nicht.

    Beschlossene Sparmaßnahmen sind aber noch keine eingesparten Millionen. Gerade bei einer Stadt, deren Haushaltslage sich weiter verschlechtert, wäre eine nachvollziehbare Erfolgskontrolle angebracht.

    Der Haushaltsentwurf 2027 war nicht Gegenstand unserer Anfrage. Wie die Kommunalaufsicht die neue Finanzplanung bewertet, bleibt deshalb abzuwarten.

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    Ausgaben wachsen schneller als Einnahmen

    Die Zahlen des Haushaltsentwurfs zeigen ein deutliches Missverhältnis. Während die Einnahmen gegenüber 2026 um rund drei Prozent steigen, wachsen die Ausgaben um 5,3 Prozent. Für 2027 wird eine allgemeine Inflation von drei Prozent erwartet.

    Die Personalaufwendungen erhöhen sich um rund 2,8 Prozent auf 26 Millionen Euro. Von den zusätzlichen 700.000 Euro entfallen allerdings etwa 400.000 Euro auf Rückstellungen. Die tatsächlich auszahlungswirksamen Personalkosten steigen nur um rund 300.000 Euro. Angesichts der Tarifentwicklung im öffentlichen Dienst ist das eine auffallend knappe Steigerung.

    Bei den übrigen Aufwendungen sieht es anders aus. Sie wachsen um rund 6,2 Prozent und damit erheblich schneller als die allgemeine Preisentwicklung. Natürlich gibt es Kostensteigerungen, die eine Kommune nicht beeinflussen kann. Gerade deshalb müsste deutlich werden, welche Mehrausgaben unvermeidbar sind und an welchen Stellen die Stadt selbst gegensteuert.

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    Verwaltungsgemeinschaften: Einnahmen weg, Personal bleibt

    Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei den Verwaltungsgemeinschaften mit Bönningstedt, Hasloh und Ellerau. Die Verträge wurden gekündigt, eine Fortsetzung der Zusammenarbeit ist gescheitert. Zum Jahresende 2027 scheiden die drei Gemeinden aus der Quickborner Verwaltung aus. Damit ist auch der Wegfall der bisherigen Einnahmen ab 2028 besiegelt.

    Das sind rund 3,4 Millionen Euro jährlich. Gleichzeitig sieht die Stadt zunächst nur eine Reduzierung der bisher zugeordneten Personalkosten um 30 Prozent vor. Rund 70 Prozent, entsprechend etwa 2,3 Millionen Euro jährlich, bleiben rechnerisch bestehen. Hinzu kommen weitere Kosten für Gebäude, IT und zentrale Verwaltungsleistungen.

    Besonders pikant: Noch 2023 hatten die vier damaligen Verwaltungsgemeinschaften zusammen einen Überschuss von rund einer halben Million Euro erwirtschaftet. Auch in früheren Jahren waren positive Ergebnisse erzielt worden. Erst durch veränderte Kostenberechnungen und die stärkere interne Verrechnung von Verwaltungsleistungen verschlechterte sich das Bild erheblich.

    Ausgerechnet die Beendigung dieser Zusammenarbeit wurde anschließend als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung behandelt.

    Nun stellt sich die Frage, wo die Einsparungen entstehen sollen, wenn die Einnahmen vollständig entfallen, der größte Teil der Personalkosten zunächst erhalten bleibt und vor allem die Fixkosten unverändert weiterlaufen. Das Quickborner Rathaus wird nicht kleiner, und auch die angemieteten Flächen werden nach Aussage der Stadt nicht reduziert. Die Kosten für Gebäude, Unterhaltung und zentrale Verwaltungsleistungen bleiben damit weitgehend bestehen, obwohl die Einnahmen aus den Verwaltungsgemeinschaften wegfallen.

    Beschäftigte können selbstverständlich andere Aufgaben übernehmen. Eine finanzielle Entlastung entsteht dadurch jedoch nur, wenn andernorts tatsächlich Kosten eingespart werden.

    Die Verwaltungsgemeinschaften werden beendet, die dafür aufgebauten Strukturen bleiben zu großen Teilen bestehen. Wie diese Rechnung den Quickborner Haushalt sanieren soll, ist bislang nicht überzeugend erklärt. Ob und in welchem Umfang das Innenministerium die früheren Überschüsse, die veränderten Kostenberechnungen und die tatsächlichen Einsparmöglichkeiten geprüft hat, geht aus seiner Antwort nicht hervor.

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    Millionenprojekte ohne vollständige Finanzierung

    Während die Stadt sparen soll, werden weitere Millionenprojekte vorangetrieben. Dabei bildet der Haushaltsentwurf längst nicht alle Vorhaben ab, die politisch bereits vorbereitet werden. Häufig fehlen konkrete Ansätze, weil die erforderliche Planungs- und Veranschlagungsreife noch nicht erreicht ist. Haushaltsrechtlich mag das richtig sein. An den späteren finanziellen Belastungen ändert es nichts.

    TO HUUS: Noch immer keine Kostenberechnung

    Ein Beispiel ist der geplante Dritte Ort TO HUUS an der Bahnhofstraße. Gemeinsam mit der ADLERSHORST Baugenossenschaft arbeitet die Stadt an einem neuen Standort für die Bücherei und weitere öffentliche Angebote. Eine Kostenberechnung liegt nach Aussage der Stadt nicht vor. Trotzdem wird das Projekt weiterentwickelt.

    Quickborn Aktuell hat deshalb selbst nachgerechnet. Unsere Modellrechnung ergibt einen jährlichen Gesamtaufwand von rund zwei Millionen Euro, etwa 1,4 Millionen Euro mehr als beim bisherigen Büchereibetrieb. Das sind keine bestätigten Projektkosten, sondern Annahmen auf Grundlage der bekannten Planungen. Aber sie zeigen die Größenordnung möglicher Verpflichtungen. Hinzu kommt der bestehende Mietvertrag für die Bücherei im Forum, der noch bis Mitte 2037 läuft.

    Goethe-Schule: Knapp sechs Millionen Euro Förderung gefährdet

    Auch bei der Goethe-Grundschule droht eine erhebliche Finanzierungslücke. Ursprünglich waren knapp sechs Millionen Euro Fördermittel eingeplant. Inzwischen ist nur noch von etwa drei Millionen Euro die Rede. Nach Auswertung der Förderunterlagen und angesichts des grundlegend veränderten Bauvorhabens geht Quickborn Aktuell allerdings davon aus, dass die Förderung im Ergebnis vollständig ausfallen könnte. Dann würden nahezu sechs Millionen Euro fehlen.

    V9: Die erhofften Grundstückserlöse

    Die von der V9 zur Goethe-Schule verschobenen 1,9 Millionen Euro lösen das Problem nicht. Das Geld steht anschließend für die Straße nicht mehr zur Verfügung. Deren Finanzierung wiederum baut auf erwarteten Grundstückserlösen zwischen drei und 4,5 Millionen Euro auf. Solange die entsprechenden Gewerbeflächen nicht entwickelt und verkauft sind, bleibt das eine Kalkulation mit künftigen Einnahmen.

    Trotz der offenen Finanzierung halten insbesondere CDU und FDP an der Fortführung der Investitionsplanungen fest. Dabei geht es längst nicht mehr allein darum, welche Projekte wünschenswert sind. Es geht darum, welche Vorhaben Quickborn bezahlen kann und welche Prioritäten die Stadt angesichts ihrer finanziellen Lage setzen muss.

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    Die Zinsausgaben werden steigen – und das dicke Ende fehlt noch

    Besonders problematisch ist die Entwicklung des Schuldendienstes. Die Zinsausgaben werden in den kommenden Jahren erheblich steigen. Die Stadt kalkuliert bis 2030 bereits mit Zins- und sonstigen Finanzaufwendungen von rund 3,4 Millionen Euro jährlich. Schon das ist eine erhebliche Belastung.

    Doch dabei sind die großen Investitionsvorhaben, die noch gar nicht vollständig in der Finanzplanung stehen, mit ihrem zusätzlichen Finanzierungsbedarf und den daraus entstehenden Zinskosten ebenfalls noch nicht vollständig berücksichtigt. Wenn weitere Schulneubauten, Verkehrsprojekte oder andere Millionenmaßnahmen über Kredite finanziert werden, steigen auch die Zinsausgaben. Die tatsächliche Belastung kann deshalb deutlich über den bislang ausgewiesenen Beträgen liegen.

    Ausgerechnet in dieser Situation hat der Schleswig-Holsteinische Landtag am 7. Oktober beschlossen, finanzschwachen Kommunen die Kreditaufnahme für bestimmte notwendige Investitionen zu erleichtern. Die Landesregierung will verhindern, dass dringend benötigte Schulen, Feuerwehren oder andere Einrichtungen auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Das ist nachvollziehbar, denn aufgeschobene Sanierungen können noch teurer werden.

    Die zusätzliche Verschuldung muss aber trotzdem bezahlt werden. Wer die Kreditaufnahme erleichtert, ohne gleichzeitig für eine tragfähige Finanzierung zu sorgen, verlagert Belastungen in spätere Haushaltsjahre.

    Warum nicht Kredite zu 0,5 oder einem Prozent?

    Eine wirkliche Entlastung könnten dagegen langfristige Investitionskredite mit besonders niedrigen Zinsen schaffen. Warum nicht Programme mit einem oder sogar nur 0,5 Prozent? Bei zehn Millionen Euro Kreditvolumen würde ein Zinssatz von 0,5 Prozent anfänglich nur 50.000 Euro Jahreszinsen verursachen, gegenüber 225.000 Euro bei 2,25 Prozent. Der Unterschied beträgt 175.000 Euro jährlich, solange die volle Kreditsumme aussteht.

    Natürlich müsste das Land die Zinsverbilligung finanzieren. Dafür käme die Entlastung unmittelbar bei den Kommunen an. Noch besser wäre eine Kombination aus günstigen Krediten und verlässlichen Investitionszuschüssen.

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    Der dritte Weg: Verwaltung wirtschaftlicher machen

    Bleibt die Frage, wie Quickborn seinen laufenden Haushalt wieder in den Griff bekommen will. In der politischen Diskussion tauchen gewöhnlich zwei Möglichkeiten auf: Einnahmen erhöhen oder Ausgaben reduzieren. Höhere Steuern und Gebühren sind bei den Bürgern unbeliebt, Kürzungen bei Personal und freiwilligen Leistungen ebenfalls.

    Der dritte Weg kommt dagegen auffallend selten vor: die systematische Rationalisierung der Verwaltung.

    Dabei geht es um die Organisation der Arbeit, überflüssige Abstimmungen, doppelte Aufgaben, Digitalisierung, Automatisierung und eine tatsächliche Überprüfung des Personalbedarfs. Gerade beim Wegfall der Verwaltungsgemeinschaften müsste die Stadt ihre bisherigen Strukturen grundlegend hinterfragen.

    Solche Reformen sind ausgesprochen unbequem. Eingespielte Zuständigkeiten müssen verändert, Stellen kritisch überprüft und Aufgaben neu verteilt werden. Innerhalb einer Verwaltung schafft man sich damit kaum Freunde. Das dürfte einer der Gründe sein, weshalb Rationalisierung deutlich seltener auf der Tagesordnung steht als allgemeine Sparappelle.

    Doch gerade hier liegt ein Ansatz, um dauerhaft Kosten zu reduzieren, ohne bei jeder Haushaltsberatung erneut über Steuererhöhungen oder die Streichung öffentlicher Angebote zu streiten.

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    Quickborn braucht keine weiteren Wunschlisten

    Was bleibt von der Antwort des Innenministeriums? Die Bestätigung, dass Quickborn Sparmaßnahmen eingeleitet hat. Wie viel dadurch tatsächlich gespart wurde, erfahren wir nicht.

    Für den konkreten Fall Quickborn entsteht damit ein ernüchternder Eindruck. Die Kommunalaufsicht verlangt Konsolidierungsmaßnahmen, konkrete Ergebnisse werden in ihrer Antwort jedoch nicht benannt. Über die Praxis in anderen Kommunen sagt das nichts aus. Für Quickborn bleiben entscheidende Fragen offen.

    Unterdessen werden die finanziellen Risiken größer. Die drei Verwaltungsgemeinschaften sind gekündigt, die Einnahmen gehen ab 2028 verloren. Die Förderung der Goethe-Schule könnte vollständig ausfallen. Bei TO HUUS fehlt nach Aussage der Stadt eine Kostenberechnung. Weitere Investitionen sind in der mittelfristigen Finanzplanung noch nicht vollständig berücksichtigt, ebenso wenig deren mögliche Auswirkungen auf den Schuldendienst.

    Die Entscheidung über neue Projekte liegt bei der Quickborner Ratsversammlung. Sie muss Prioritäten setzen und dafür sorgen, dass aus politischen Wünschen finanzierbare Vorhaben werden.

    Das Innenministerium wiederum wird bei der anstehenden Bewertung des Haushalts 2027 Gelegenheit haben, die tatsächlichen Konsolidierungsergebnisse und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt genauer unter die Lupe zu nehmen.

    Denn Quickborn hat kein Problem damit, immer neue Millionenprojekte zu planen. Das Problem beginnt bei der Frage, wer sie bezahlen soll.

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