Vom Erfolgsmodell zum Auslaufmodell: Die Quickborner Verwaltungsgemeinschaften seit 2013

Stand: 14. September 2026 Was 2013 mit Bönningstedt und Hasloh begann, entwickelte sich zu einem großen Verwaltungsverbund. 2019 kam Ellerau hinzu, 2021 Ascheberg und der Gewässerunterhaltungsverband Schwentinegebiet. Heute steht dieses Modell weitgehend vor dem Ende. Hasloh geht. Ellerau sucht eine neue Lösung. Ascheberg bleibt – allerdings zu deutlich höheren Kosten. Nur bei Bönningstedt ist die…

Stand: 14. September 2026

Was 2013 mit Bönningstedt und Hasloh begann, entwickelte sich zu einem großen Verwaltungsverbund. 2019 kam Ellerau hinzu, 2021 Ascheberg und der Gewässerunterhaltungsverband Schwentinegebiet.

Heute steht dieses Modell weitgehend vor dem Ende. Hasloh geht. Ellerau sucht eine neue Lösung. Ascheberg bleibt – allerdings zu deutlich höheren Kosten. Nur bei Bönningstedt ist die Entscheidung noch offen.

Der Rückblick zeigt: Die Verwaltungsgemeinschaften waren keineswegs von Anfang an ein Zuschussgeschäft. Über viele Jahre wurden positive Ergebnisse ausgewiesen. Erst später änderte sich das Bild deutlich.

2013: Start mit Bönningstedt und Hasloh

Zum 1. Januar 2013 übernahm Quickborn die Verwaltungsaufgaben für Bönningstedt und Hasloh. Beide Gemeinden gehörten zuvor zum Amt Pinnau.

Der Start verursachte erheblichen Aufwand. Haushaltsdaten mussten übernommen, fehlende Jahresabschlüsse aufgearbeitet und alte Aktenbestände geprüft werden.

Trotzdem schlossen die beiden Verwaltungsgemeinschaften in den folgenden Jahren überwiegend positiv ab.

Jahr Bönningstedt Hasloh
2013 +62.000 € +35.000 €
2014 +39.000 € +9.000 €
2015 rund +95.000 € +30.000 €
2016 +41.000 € +67.000 €
2017 +87.000 € +89.000 €
2018 +17.000 € +84.000 €
2019 +30.000 € rund +88.000 €
2020 –51.000 € +23.000 €

Zusammengerechnet ergibt sich nach den damaligen Produktrechnungen für 2013 bis 2020 ein Überschuss von rund 745.000 Euro.

Die damaligen Zahlen sind mit einer heutigen Vollkostenrechnung nicht unmittelbar vergleichbar. Sie zeigen aber: Quickborn führte die beiden Verwaltungsgemeinschaften über Jahre nicht als dauerhaftes Defizitgeschäft.

2019: Ellerau erweitert den Verwaltungsverbund

Zum 1. Juli 2019 übernahm Quickborn auch die Verwaltung Elleraus.

Dafür wurden rund 20 zusätzliche Vollzeitstellen kalkuliert. Im Forum entstanden weitere Arbeitsplätze. Quickborn erbrachte anschließend Verwaltungsleistungen für insgesamt rund 36.000 Einwohner.

Auch Ellerau entwickelte sich zunächst finanziell positiv.

Jahr Ergebnis Ellerau
2019, ab Juli +152.000 €
2020 +233.000 €
2021 +164.209 €
2022 rund +187.000 €
2023 +317.744 €
2024 +222.585 € vor interner Verrechnung
2025 +99.382 € vor interner Verrechnung

Allein 2023 lag der ausgewiesene Überschuss Elleraus bei mehr als 317.000 Euro.

2021: Ascheberg kommt hinzu

Zum 1. Januar 2021 übernahm Quickborn zusätzlich die Verwaltung Aschebergs sowie des Gewässerunterhaltungsverbandes Schwentinegebiet.

Die Quickborner Personalstruktur wurde dafür weiter ausgebaut. Im Jahresabschluss 2021 nennt die Stadt die zusätzlichen Verwaltungsgemeinschaften ausdrücklich als Ursache steigender Personalkosten. Gleichzeitig flossen entsprechende Kostenerstattungen nach Quickborn.

Auch Ascheberg startete positiv. Für 2021 wurde ein Überschuss von rund 26.000 Euro ausgewiesen.

Noch 2023 mehr als eine halbe Million Euro im Plus

Besonders interessant ist das Jahr 2023:

Verwaltungsgemeinschaft Ergebnis 2023
Bönningstedt +47.084 €
Hasloh +17.123 €
Ellerau +317.744 €
Ascheberg +126.779 €
Gesamt +508.730 €

Nach der damaligen Ergebnisdarstellung lagen die vier Gemeindeprodukte zusammen mehr als eine halbe Million Euro im Plus.

Nur zwei Jahre später erklärte Quickborn das bisherige Modell für nicht mehr kostendeckend.

Ab 2024 verändert die interne Kostenverrechnung das Bild

Ab 2024 wird deutlich, welchen Einfluss die Verrechnung zentraler Quickborner Kosten hat. Dazu gehören unter anderem IT, Personalverwaltung, Führung und weitere interne Leistungen.

VG Vor interner Verrechnung Interne Verrechnung Ergebnis
Bönningstedt +56.827 € –177.253 € –120.425 €
Hasloh +102.619 € –147.714 € –45.095 €
Ellerau +222.585 € –239.732 € –17.147 €
Ascheberg +205.573 € –104.189 € +101.383 €

Vor den internen Verrechnungen lagen die vier Verwaltungsgemeinschaften 2024 zusammen bei rund 588.000 Euro Plus.

Nach rund 669.000 Euro zugerechneten internen Kosten wurde daraus ein gemeinsames Minus von rund 81.000 Euro.

Diese Kosten sind real. IT, Gebäude, Führung und zentrale Dienste kosten Geld.

Die entscheidende wirtschaftliche Frage lautet jedoch: Welche dieser Kosten verschwinden tatsächlich, wenn eine Verwaltungsgemeinschaft endet?

Vollkosten und echte Einsparungen sind nicht dasselbe

Eine Vollkostenrechnung berücksichtigt neben den unmittelbar entstehenden Aufwendungen auch zentrale Kosten. Das ist grundsätzlich richtig.

Aber nicht jede zugerechnete Ausgabe lässt sich bei Wegfall einer Verwaltungsgemeinschaft kurzfristig einsparen.

Das Rathaus bleibt bestehen. Softwareverträge laufen weiter. Führungskräfte, IT und zentrale Dienste verschwinden nicht automatisch.

Deshalb kann eine Verwaltungsgemeinschaft in einer Vollkostenrechnung ein Minus ausweisen und Quickborn trotzdem finanziell entlasten – nämlich dann, wenn ihre Einnahmen höher sind als die Kosten, die bei ihrem Wegfall tatsächlich eingespart werden.

2025: Quickborn kündigt die Verträge

Im Juni 2025 beschloss die Ratsversammlung, die Verträge mit Bönningstedt, Hasloh, Ellerau und Ascheberg vorsorglich zum 31. Dezember 2027 zu kündigen.

Begründung: fehlende Kostendeckung.

Nach damaliger NDR-Berichterstattung erhielt Quickborn von den Partnergemeinden insgesamt rund 3,7 Millionen Euro jährlich. Für eine Fortsetzung verlangte die Stadt in der Summe rund drei Millionen Euro zusätzlich.

Hasloh und Ellerau kritisierten die neue Kalkulation als nicht ausreichend nachvollziehbar.

Ascheberg bleibt – und zahlt deutlich mehr

Ascheberg hat sich inzwischen für Quickborn entschieden.

Am 18. Mai 2026 wurde ein neuer unbefristeter Vertrag geschlossen. Seit dem 1. Juli 2026 gilt die neue Vereinbarung.

Die finanzielle Veränderung ist erheblich:

2025 erhielt Quickborn aus Ascheberg rund 461.000 Euro. Für 2027 sind rund 1,086 Millionen Euro vorgesehen.

Die Zahlung hat sich damit mehr als verdoppelt.

Hasloh geht

Bei Hasloh ist die Entscheidung gefallen.

Der Quickborner Haushaltsentwurf stellt fest, dass die Gemeinde keine Fortsetzung der Verwaltungsgemeinschaft wünscht.

Zum 1. Januar 2028 endet die Zusammenarbeit.

2027 erhält Quickborn noch rund 750.000 Euro aus dem Kernverwaltungsvertrag. Danach entfällt diese Einnahme.

Ellerau sucht eine neue Verwaltung

Auch Ellerau plant inzwischen ohne Quickborn.

Nach der aktuellen Berichterstattung des Quickborner Tageblatts hat die Gemeindevertretung folgende Reihenfolge festgelegt:

  1. Zusammenarbeit mit Barmstedt-Hörnerkirchen
  2. ein gemeinsames neues Amt mit Hasloh und Bönningstedt
  3. gegebenenfalls eine andere staatlich begleitete Amtslösung
  4. erst danach ein neuer Vertrag mit Quickborn

Für die Zusammenarbeit mit Barmstedt-Hörnerkirchen stimmte die Gemeindevertretung mit 16 zu 1 Stimmen.

Ein neuer Vertrag mit Quickborn steht damit derzeit an letzter Stelle.

Bönningstedt bleibt die offene Frage

Bönningstedt ist damit die einzige der bisherigen drei Nachbargemeinden, bei der noch keine abschließende Entscheidung gefallen ist.

Für 2027 sind noch 830.000 Euro Einnahmen aus dem Kernverwaltungsvertrag vorgesehen.

Ab 2028 setzt Quickborn diese Einnahmen vorsorglich mit null an. Sollte die Zusammenarbeit fortgeführt werden, müsste die Planung entsprechend geändert werden.

Ab 2028 fehlen möglicherweise 3,4 Millionen Euro

Für 2027 erwartet Quickborn aus den drei Verträgen:

Gemeinde Erstattung 2027
Bönningstedt 830.000 €
Hasloh 750.000 €
Ellerau 1.844.000 €
Gesamt 3.424.000 €

Ab 2028 stehen diese Einnahmen in der derzeitigen Haushaltsplanung bei null.

Bei Hasloh ist der Wegfall sicher. Bei Ellerau ist eine Fortsetzung mit Quickborn derzeit wenig wahrscheinlich. Nur Bönningstedt bleibt offen.

Das Personal wird nicht im gleichen Umfang abgebaut

Genau hier liegt das finanzielle Risiko.

Für 2027 sind den drei Verwaltungsgemeinschaften folgende Personalkosten zugeordnet:

Gemeinde Personalkosten 2027
Bönningstedt 821.700 €
Hasloh 721.000 €
Ellerau 1.727.200 €
Gesamt 3.269.900 €

Quickborn plant diese Kosten ab 2028 nicht vollständig weg.

Die Aufwendungen werden zunächst in den Bereich „Interne Verwaltungsangelegenheiten“ verschoben. Anschließend nimmt die Stadt pauschal eine Reduzierung um 30 Prozent an.

Rechnerisch würden von rund 3,27 Millionen Euro Personalkosten zunächst nur etwa 981.000 Euro entfallen.

Etwa 2,29 Millionen Euro blieben bestehen.

IT-, Gebäude-, Miet- und weitere Gemeinkosten sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Die entscheidende Rechnung kommt 2028

Deshalb lässt sich heute noch nicht abschließend beurteilen, ob die Kündigung der Verwaltungsgemeinschaften für Quickborn wirtschaftlich richtig war.

Wenn Personal und weitere Kosten entsprechend reduziert werden können, kann der Schritt sinnvoll sein.

Wenn jedoch Millionen an Einnahmen verschwinden und ein großer Teil der bisherigen Kosten bestehen bleibt, belastet das den Quickborner Haushalt.

Dann wären zwar die Verwaltungsgemeinschaften weg – die dafür aufgebauten Strukturen aber nur teilweise.

Fazit: Entscheidend ist, was wirklich eingespart wird

Die Entwicklung seit 2013 zeigt ein differenziertes Bild.

Bönningstedt, Hasloh und später Ellerau und Ascheberg wurden über viele Jahre mit positiven Ergebnissen geführt. Noch 2023 lagen die vier Gemeindeprodukte zusammen bei mehr als einer halben Million Euro Überschuss.

Erst durch höhere Kosten und die stärkere Verrechnung zentraler Quickborner Aufwendungen veränderte sich das Bild.

2025 verlangte Quickborn deshalb deutlich höhere Zahlungen.

Ascheberg akzeptierte die neuen Bedingungen. Hasloh geht. Ellerau sucht bereits eine andere Lösung. Bönningstedt ist noch offen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, welche Kosten bislang rechnerisch auf die Verwaltungsgemeinschaften verteilt wurden.

Entscheidend ist, welche Kosten Quickborn ab 2028 tatsächlich einsparen kann.

Denn Einnahmen in Millionenhöhe können schnell verschwinden. Personal, IT, Gebäude und Verwaltungsstrukturen lassen sich deutlich schwerer abbauen.

Genau daran wird sich am Ende messen lassen, ob die Neuordnung der Verwaltungsgemeinschaften den Quickborner Haushalt entlastet – oder belastet.

Quellen und Dokumente

Grundlage der Zusammenstellung sind insbesondere die Finanzberichte und Haushaltsunterlagen der Stadt Quickborn seit 2013, die Jahresabschlüsse sowie die Haushaltspläne 2024 bis 2026 und der Entwurf für 2027 ff.

Ergänzend wurden die NDR-Berichterstattung vom 4. Juli 2025, die Pressemitteilung der Stadt Quickborn zur neuen Vereinbarung mit Ascheberg vom 22. Mai 2026 sowie der Bericht des Quickborner Tageblatts vom 14. September 2026 zum weiteren Vorgehen Elleraus ausgewertet.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert