Ohne gesicherte Finanzierung zur Ausschreibung: Quickborns Schulprojekte reißen neue Millionenlücken

Quickborn rechnete beim Ganztagsausbau mit hohen Förderquoten. Jetzt drohen Millionenlücken – bei einem Haushalt, der ohnehin tief im Minus steckt.

28. September 2026 | 10:06 Uhr | Thomas Köppl

QUICKBORN. Der Bericht von Janina Schmidt im Quickborner Tageblatt vom 28. September 2026 zeigt, wie stark die bisherige Fördermittelplanung beim Ausbau der Grundschule Mühlenberg ins Wanken geraten ist. Statt der lange erwarteten Förderung von 85 Prozent muss Quickborn dort inzwischen mit deutlich weniger rechnen. Für die Stadt kann allein beim Mühlenberg ein zusätzlicher Eigenanteil von rund 6,7 Millionen Euro entstehen.

Das trifft auf einen ohnehin hoch defizitären Haushalt. Für 2027 sind 15,24 Millionen Euro Jahresfehlbetrag eingeplant. Das sind rechnerisch rund 677 Euro Minus je Einwohner und Jahr. Bis einschließlich 2030 summieren sich die tatsächlichen und geplanten Fehlbeträge seit 2024 auf rund 76,7 Millionen Euro – etwa 3.400 Euro je Quickborner.

Kurz zusammengefasst

  • Quickborn beantragte für Mühlenberg, Waldschule und Goethe-Schule nahezu die maximale Förderquote von 85 Prozent.
  • Bei der Goethe-Schule wird inzwischen nur noch mit rund drei Millionen Euro OGS-Förderung gerechnet.
  • Beim Mühlenberg kann der zusätzliche Eigenanteil der Stadt nach aktuellem Stand rund 6,7 Millionen Euro erreichen.
  • Bei einer vergleichbaren Entwicklung an der Waldschule würde dort eine weitere Finanzierungslücke von rund 2,46 Millionen Euro entstehen.
  • In einer Modellrechnung ergibt sich damit ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf von rund 12,3 Millionen Euro – rund 547 Euro je Einwohner.
  • Nach Fertigstellung könnten Zinsen, Abschreibungen sowie Betriebs- und Instandhaltungskosten den Ergebnishaushalt zusätzlich um knapp eine Million Euro jährlich belasten.
  • Beim Mühlenberg soll ausgeschrieben werden, obwohl Finanzierung und Durchführung nach Angaben der Stadt noch nicht haushaltstechnisch gesichert sind.

Drei Grundschulen – dreimal mit fast 85 Prozent gerechnet

Ende 2025 beantragte Quickborn Fördermittel für alle drei Grundschulen.

  • Grundschule Mühlenberg: 15,09 Millionen Euro Kosten, beantragt rund 12,83 Millionen Euro Förderung.
  • Waldschule: 5,78 Millionen Euro Kosten, beantragt rund 4,92 Millionen Euro Förderung.
  • Goethe-Schule: 7,24 Millionen Euro Kosten, beantragt rund 6,16 Millionen Euro Förderung.

In allen drei Fällen wurde nahezu die maximale Förderquote von 85 Prozent angesetzt.

Die 85 Prozent beziehen sich jedoch nicht automatisch auf die gesamten Baukosten. Gefördert werden bis zu 85 Prozent der tatsächlich anerkannten förderfähigen Kosten. Entscheidend ist, welche Flächen tatsächlich für den Ganztag erforderlich sind, welche Räume doppelt genutzt werden können und welcher Anteil eines Gebäudes dem Ganztag zuzurechnen ist.

↑ Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Goethe-Schule: aus sechs Millionen werden rund drei Millionen

Bei der Goethe-Schule ist die Entwicklung inzwischen deutlich. Ursprünglich wurden rund sechs Millionen Euro OGS-Förderung erwartet. Nach der Abstimmung mit der Investitionsbank Schleswig-Holstein geht die Stadt inzwischen nur noch von rund drei Millionen Euro aus.

Damit fehlen gegenüber der ursprünglichen Erwartung mehr als drei Millionen Euro.

Beim Mühlenberg zeichnet sich nun eine ähnliche Entwicklung ab. Dort geht es nach den aktuellen Angaben um rund 6,7 Millionen Euro zusätzlichen Eigenanteil.

Bei der Waldschule gibt es noch keine entsprechend konkrete neue Förderzahl. Würde sich dort rechnerisch eine vergleichbare Halbierung der ursprünglich erwarteten Förderung ergeben, fehlten weitere rund 2,46 Millionen Euro.

Damit läge der zusätzliche Finanzierungsbedarf für die drei Schulen bei rund 12,3 Millionen Euro.

Das entspricht rund 547 Euro je Quickborner.

Bei der Waldschule bleibt diese Zahl eine Modellrechnung. Drücken wir die Daumen, dass es dort und beim Mühlenberg besser ausgeht.

↑ Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Hat die Fördermittel-Euphorie den Blick auf die Bedingungen verstellt?

Als die Stadt Anfang 2026 über ihre Förderanträge informierte, war die Botschaft ausgesprochen positiv. Quickborn hatte für seine drei Grundschulen fast 24 Millionen Euro Förderung beantragt.

Daraus entstand der Eindruck: Der Ganztagsausbau wird zum ganz überwiegenden Teil von Bund und Land bezahlt.

Heute stellt sich eine andere Frage:

Hat diese Fördermittel-Euphorie den Blick darauf verstellt, dass die 85 Prozent nur für tatsächlich förderfähige Kosten gelten?

Die Förderprüfung unterscheidet zwischen dem notwendigen Ausbau für den Ganztag und darüber hinausgehenden Schulbauflächen. Genau diese Abgrenzung entscheidet über Millionenbeträge.

↑ Zurück zum Inhaltsverzeichnis

12,3 Millionen Euro mehr – und danach laufen die Kosten weiter

Der zusätzliche Eigenanteil verschwindet nicht nach Fertigstellung der Gebäude.

Für unsere Modellrechnung setzen wir für die drei Projekte zusammen rund 350.000 Euro jährliche Betriebs- und Instandhaltungskosten an.

Hinzu kommen die Folgen der zusätzlichen Finanzierung. Bei rund 12,3 Millionen Euro zusätzlichem städtischen Eigenanteil entstehen bei einer angenommenen Nutzungsdauer von 80 Jahren rund 154.000 Euro zusätzlicher Netto-Abschreibungsaufwand pro Jahr.

Bei einem angenommenen Kommunalkreditzins von 3,9 Prozent kommen zunächst rund 480.000 Euro Zinsen jährlich hinzu.

Zusammen ergibt sich damit eine zusätzliche Belastung des Ergebnishaushalts von knapp 985.000 Euro pro Jahr.

Das sind rund 44 Euro je Einwohner – jedes Jahr.

Weitere mögliche Kosten, etwa für zusätzliches Personal oder den Betrieb der Mensen, sind darin nicht enthalten.

↑ Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Ohne gesicherte Finanzierung zur Ausschreibung

Beim Mühlenberg kommt ein weiterer Punkt hinzu.

Die Generalunternehmerleistung soll europaweit ausgeschrieben werden. Die Stadt hält gleichzeitig selbst fest, dass Finanzierung und Durchführung des Bauvorhabens zum Zeitpunkt der Ausschreibung noch nicht haushaltstechnisch sichergestellt sind.

Der Haushaltsplan 2027 ist noch nicht beschlossen. Eine Genehmigung liegt ebenfalls noch nicht vor.

Das Geld ist noch nicht gesichert – die Ausschreibung ist trotzdem beschlossen.

↑ Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Wie belastbar ist Quickborns Finanzplanung noch?

Der erste Haushaltsentwurf zeigt auch ohne die möglichen zusätzlichen Förderlücken eine stark angespannte Lage.

Für 2027 beträgt der geplante Fehlbetrag 15,24 Millionen Euro. Bis einschließlich 2030 summieren sich die tatsächlichen und geplanten Defizite seit 2024 auf rund 76,7 Millionen Euro.

Gleichzeitig sind bis 2030 rund 44 Millionen Euro neue Investitionskredite vorgesehen. Der Kassenkreditrahmen soll auf 30 Millionen Euro steigen.

Große Investitionsprojekte laufen dennoch weiter. Eine deutliche Konsolidierung lässt sich aus den bisherigen Haushaltszahlen nicht ablesen.

Bei den Ganztagsprojekten geht es deshalb längst nicht mehr allein um die Höhe einzelner Förderbescheide.

Welche zusätzlichen Millionen kann Quickborn dauerhaft finanzieren, wenn Fördermittel deutlich niedriger ausfallen als ursprünglich eingeplant und der Haushalt bereits heute Jahr für Jahr erhebliche Fehlbeträge ausweist?

↑ Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert