Weniger Nachtflüge über Quickborn – die Zahlen zeigen eine deutliche Entlastung

Der aktuelle Bericht der Fluglärmschutzbeauftragten zeigt weniger Nachtverspätungen. Eine Auswertung für Quickborn bestätigt den Trend: In der nördlichen Flugrichtung gingen verspätete Flüge besonders stark zurück.

Weniger Nachtflüge über Quickborn – die Zahlen zeigen eine deutliche Entlastung

30. September 2026 | Thomas Köppl | Quickborn Aktuell

Der aktuelle Jahresbericht der Hamburger Fluglärmschutzbeauftragten zeigt einen deutlichen Rückgang verspäteter Flüge nach 23 Uhr. Eine Auswertung der Daten speziell für Quickborn zeigt: Die Stadt hat von dieser Entwicklung überdurchschnittlich profitiert. Auch eine der beiden Quickborner Fluglärmmessstellen weist für 2025 deutlich niedrigere Nachtwerte aus.

Weniger verspätete Flüge nach 23 Uhr

Am Hamburg Airport wurden 2025 insgesamt 756 verspätete Flüge zwischen 23 und 24 Uhr registriert. 2024 waren es noch 987. Das entspricht einem Rückgang um rund 23 Prozent.

Auch 2026 setzt sich die Entwicklung bislang fort, allerdings deutlich schwächer. Nach dem aktuellen Bericht wurden bis Ende September 569 Verspätungen gezählt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 601.

Für Quickborn ist die Gesamtzahl allerdings nur ein Teil der Geschichte. Entscheidend ist, über welche Flugrichtungen diese verspäteten Starts und Landungen abgewickelt wurden.

Quickborner Richtung besonders stark entlastet

Die für Quickborn wichtige Bahnrichtung wird in den Statistiken des Hamburg Airport als Richtung Norderstedt geführt. Sie betrifft den nördlichen Bereich über Norderstedt und Quickborn.

2024 wurden dieser Richtung noch 548 verspätete Starts und Landungen zugerechnet. Das waren mehr als 53 Prozent aller verspäteten Flugbewegungen.

2025 waren es nur noch 312 Flugbewegungen. Der Anteil sank auf 39,8 Prozent.

Damit ging die Zahl der verspäteten Flugbewegungen in dieser Richtung innerhalb eines Jahres um 236 beziehungsweise rund 43 Prozent zurück. Der Rückgang war damit erheblich stärker als der Rückgang der Verspätungen am Flughafen insgesamt.

Eine Verlagerung der verspäteten Nachtflüge zulasten Quickborns lässt sich aus diesen Zahlen nicht erkennen. Im Gegenteil: Quickborn wurde bei den verspäteten Flügen 2025 deutlich entlastet.

Tagsüber bleibt Quickborn stark betroffen

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Flugverkehr über Quickborn insgesamt zurückgegangen ist.

2025 fanden nach Angaben des Hamburg Airport rund 45 Prozent aller Starts und Landungen über die nordwestliche Richtung statt. Der Flughafen weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Richtung im Vergleich zum Vorjahr häufiger genutzt wurde. Maßgeblich dafür sind vor allem Windrichtung und Wetterlage.

Die Entwicklung ist deshalb zweigeteilt: Bei den verspäteten Flügen in der Nacht ging die Belastung deutlich zurück. Beim gesamten Flugbetrieb bleibt die nördliche Richtung dagegen eine der am stärksten genutzten.

Zwei Messstellen in Quickborn

Neben den Flugbewegungen liefern die stationären Lärmmessstellen einen zweiten wichtigen Hinweis. In Quickborn befinden sich zwei Messpunkte des Hamburger Fluglärmmessnetzes:

  • M03 Quickborn – Goethe-Schule
  • M09 Quickborn – Droysenkehre

Dort wird nicht einfach gezählt, wie viele Flugzeuge vorbeifliegen. Gemessen wird unter anderem der sogenannte äquivalente Dauerschallpegel. Er fasst zahlreiche einzelne Fluggeräusche über einen längeren Zeitraum zu einem rechnerischen Durchschnittswert zusammen.

Was bedeutet dB(A)?

Lärm wird in Dezibel angegeben. Das zusätzliche „A“ bei dB(A) bedeutet, dass die Messung an die unterschiedliche Empfindlichkeit des menschlichen Gehörs angepasst wird. Sehr tiefe und sehr hohe Töne werden dabei anders gewichtet als Frequenzen, auf die das menschliche Ohr besonders empfindlich reagiert.

Wichtig ist: Die Dezibelskala funktioniert nicht linear. Ein Unterschied von drei Dezibel bedeutet deshalb nicht einfach „drei Prozent weniger Lärm“.

Eine Abnahme um etwa 3 dB bedeutet physikalisch ungefähr eine Halbierung der Schallenergie. Für das menschliche Ohr klingt das aber nicht halb so laut. Eine deutlich wahrnehmbare Halbierung der empfundenen Lautstärke wird häufig erst bei einer Veränderung um ungefähr 10 dB angenommen.

Schon kleinere Veränderungen können deshalb messtechnisch relevant sein, ohne dass jeder Anwohner sie im Alltag gleichermaßen wahrnimmt.

Droysenkehre: Nachtwert sinkt um drei Dezibel

Besonders deutlich ist die Entwicklung an der Messstelle M09 in der Droysenkehre.

Der dem Flugverkehr zugerechnete äquivalente Dauerschallpegel in der Nacht lag dort 2024 bei 32,7 dB(A). 2025 waren es noch 29,7 dB(A).

Das Minus von drei Dezibel ist messtechnisch relevant. Die Schallenergie hat sich damit rechnerisch deutlich reduziert. Daraus darf allerdings nicht geschlossen werden, dass einzelne vorbeifliegende Flugzeuge nur noch halb so laut gewesen wären. Der Dauerschallpegel beschreibt die gesamte nächtliche Belastung über einen längeren Zeitraum.

Der Wert passt jedoch zur Entwicklung bei den Flugbewegungen: Weniger verspätete Flüge in der Quickborner Richtung führen auch zu einer geringeren aufsummierten nächtlichen Belastung.

Goethe-Schule: ebenfalls niedriger – aber Datenlücke

An der Messstelle M03 an der Goethe-Schule lag der nächtliche Fluglärmwert 2024 bei 48,9 dB(A). Für 2025 weist die Statistik 47,5 dB(A) aus.

Dieser Vergleich muss allerdings vorsichtig bewertet werden. Für die Messstelle fehlen 2025 für die Monate September bis Dezember ausreichend verfügbare Messdaten. Der ausgewiesene Jahreswert basiert deshalb nicht auf einem vollständigen Messjahr.

Die Veränderung um 1,4 dB deutet zwar ebenfalls auf eine geringere Belastung hin. Für einen sauberen Jahresvergleich ist die Messstelle Droysenkehre jedoch aussagekräftiger.

Auch die nächtliche Lärmfläche wird kleiner

Der Hamburg Airport berechnet zusätzlich sogenannte Lärmkonturen. Sie zeigen, welche Fläche rund um den Flughafen einen bestimmten Dauerschallpegel erreicht.

Die nächtliche 55-dB(A)-Kontur umfasste 2024 eine Fläche von 7,92 Quadratkilometern. 2025 waren es 7,74 Quadratkilometer.

Gegenüber 2019 ist der Unterschied deutlicher: Damals umfasste die entsprechende Fläche noch 9,73 Quadratkilometer.

Als einen Grund nennt der Flughafen modernere und leisere Flugzeuge. Der Anteil neuerer Flugzeugmuster wie Airbus A320neo und Boeing 737 MAX lag 2025 bei 23,2 Prozent. Ein A320neo verursacht nach Angaben des Flughafens beim Start etwa fünf bis sechs dB(A) weniger Lärm als ältere Vergleichsmuster.

Was die Zahlen für Quickborn bedeuten

Die Daten ergeben für Quickborn ein vergleichsweise klares Bild.

Bei den verspäteten Nachtflügen hat sich die Situation 2025 deutlich verbessert. Die Zahl der verspäteten Starts und Landungen in der für Quickborn relevanten Richtung sank von 548 auf 312. Gleichzeitig ging an der vollständig ausgewerteten Quickborner Messstelle Droysenkehre der nächtliche Fluglärmpegel um drei Dezibel zurück.

Von einer Verlagerung der Verspätungen nach Quickborn kann deshalb nicht gesprochen werden.

Die Entlastung betrifft allerdings vor allem die Nacht. Im gesamten Flugbetrieb bleibt die nördliche An- und Abflugrichtung stark genutzt. Quickborn gehört damit weiterhin zu den Städten im unmittelbaren Einflussbereich des Hamburger Flughafens.

Für 2026 lässt sich bereits feststellen, dass die Gesamtzahl der Verspätungen erneut etwas niedriger liegt. Ob Quickborn davon wieder überdurchschnittlich profitiert, lässt sich erst beurteilen, wenn auch die Verteilung auf die einzelnen Flugrichtungen vollständig vorliegt.

Quellen

  • Aktueller Jahresbericht der Fluglärmschutzbeauftragten der Freien und Hansestadt Hamburg, veröffentlicht Ende September 2026.
  • Hamburg Airport: Jahresstatistik 2025 – Flugbewegungen, Nachtflugbeschränkungen, Flugrichtungen und Lärmkonturen.
  • Hamburg Airport: Jahresstatistik 2024.
  • Hamburg Airport: Äquivalente Dauerschallpegel der Messstellen M03 Quickborn Goethe-Schule und M09 Quickborn Droysenkehre, Jahresauswertungen 2024 und 2025.

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