3. Oktober 2026 | Autor: Sven Pienkoß
Rund 60 Bürger kamen zur ersten Informationsveranstaltung zum geplanten Parkquartier Marktstraße in die Comenius-Schule. Einen neuen Planungsstand gab es zwar nicht. Dafür funktionierte die Bürgerbeteiligung überraschend gut – und machte zugleich deutlich, wo die großen Konfliktpunkte des Projekts liegen.
Am Mittwochabend fand in der Comenius-Schule die erste Informationsveranstaltung zum geplanten Parkquartier Marktstraße statt.
Rund 60 Bürger nahmen teil – viele offenbar mit eher überschaubaren Erwartungen.
Ganz unbegründet war das nicht.
Einen neuen Planungsstand gab es zunächst nicht. Auch das zuvor angekündigte Pressegespräch war kurzfristig abgesagt worden. Hintergrund: Eine Neuigkeit, die eigentlich vorgestellt werden sollte, war offenbar doch noch nicht spruchreif. Quickborn Aktuell berichtete.
Was genau beinahe verkündet worden wäre, blieb offen.
Immerhin ist nun bekannt, dass es offenbar etwas zu wissen gäbe.
Bürger konnten tatsächlich mitreden
Umso positiver fiel der eigentliche Verlauf des Abends aus.
Alina Schanz von E&P Stadtplanung führte sachlich und souverän durch die Veranstaltung. Auf einen langen Frontalvortrag wurde verzichtet. Stattdessen stellte Reiner Nowak vom Architekturbüro CSMM das Projekt in einer rund 15-minütigen Präsentation vor.
Die Visualisierungen des zukünftigen Parkquartiers zeigten erwartungsgemäß eine ausgesprochen freundliche Zukunft: viel Grün, entspannte Menschen und eine Atmosphäre, in der offenbar selbst zusätzlicher Verkehr keine schlechte Laune verursacht.
Entsprechend kritisch wurde von einigen Teilnehmern nachgefragt.
Nach Angaben des Architekten seien die Darstellungen maßstabsgetreu und auf Grundlage eines 3D-Modells erstellt worden.
Vier Thementische statt Frontalveranstaltung
Der eigentliche Schwerpunkt des Abends begann anschließend.
An vier Thementischen konnten die Bürger direkt mit den beteiligten Fachleuten über folgende Bereiche sprechen:
- Nutzung
- Architektur
- Verkehr, Lärm und Entwässerung
- Freiraum
Und siehe da: Bei einer Bürgerbeteiligung durften die Bürger tatsächlich reden, fragen, kritisieren und eigene Vorschläge machen.
Hinweise, Probleme und Ideen wurden gesammelt und dokumentiert. Trotz der zeitweise recht beachtlichen Geräuschkulisse funktionierte dieses Format insgesamt erstaunlich gut.
Verkehr, Lärm und Gebäudehöhe beschäftigen die Anwohner
Sehr schnell wurde deutlich, welche Themen viele Anwohner besonders beschäftigen:
- zusätzlicher Verkehr in der Marktstraße und den umliegenden Straßen
- Lärm
- Parkplatzsituation
- die geplante viergeschossige Bebauung
- Umfang und Art der Gewerbenutzung
- insbesondere die geplante Event-Location für bis zu 500 Gäste
Rund 700 zusätzliche Fahrten pro Tag
Besonders intensiv wurde über das Thema Verkehr diskutiert.
Michael Hohmann vom Ingenieurbüro Masuch & Olbrisch machte deutlich, dass die bestehende Verkehrssituation an der Marktstraße und den angrenzenden Verkehrsknoten bereits heute belastet sei.
Die zusätzliche Bebauung in dieses bestehende Verkehrsnetz zu integrieren, werde daher eine Herausforderung.
Die Ausgangslage ist also günstig: Man muss das Verkehrsproblem nicht erst suchen. Es wartet bereits an der Marktstraße.
Für das Parkquartier wurde zunächst grob mit rund 700 zusätzlichen Fahrten pro Tag gerechnet.
700? Diese Zahl hat in Quickborn inzwischen fast schon Tradition. Hillwood lässt grüßen.
Natürlich handelt es sich beim Parkquartier um einen anderen Verkehrsmix als bei den dort diskutierten zusätzlichen Lkw-Fahrten. Der Wiedererkennungswert der Zahl bleibt dennoch bemerkenswert.
„An welchen Stellschrauben noch gedreht werden muss“
Auch Ratsherr Lars Reese (SPD), der sich die Gespräche an den Tischen ausführlich anhörte, zog anschließend ein recht klares Fazit:
Nach diesem Bürgerfeedback sei ziemlich deutlich, an welchen Stellschrauben noch gedreht werden müsse.
Entscheidend werde nun sein, ob der Investor bereit sei, entsprechende Änderungen am bisherigen Konzept vorzunehmen.
Und genau darin dürfte eine der entscheidenden Fragen der nächsten Monate liegen.
Unser Fazit: Gute Beteiligung – jetzt müssen Konsequenzen folgen
Keine sensationellen neuen Erkenntnisse über das Projekt – aber eine überraschend gute und konstruktive Form der Bürgerbeteiligung.
Und auch das darf ausdrücklich festgestellt werden: Der Abend war gut organisiert und das Beteiligungsformat sinnvoll gewählt.
Nun wird sich allerdings zeigen müssen, welchen tatsächlichen Wert dieses Bürgerfeedback im weiteren Verfahren besitzt.
Denn Bürgerbeteiligung bedeutet nicht nur, Meinungen einzusammeln. Entscheidend ist, ob aus Kritik, Hinweisen und Vorschlägen anschließend auch konkrete Veränderungen entstehen.
Andernfalls wären die zahlreichen Zettel an den Stellwänden am Ende vor allem eines gewesen: dekorativ.
Die grundlegenden Sorgen vieler Anwohner bestehen jedenfalls weiterhin: Verkehr, Lärm, Nachverdichtung, Gebäudehöhe, Gewerbenutzung und die Frage, wie stark sich der Charakter des heutigen Wohngebiets durch das Parkquartier verändern würde.
Wie viel Wachstum verträgt Quickborn?
Damit führt das Projekt zugleich zu einer grundsätzlichen Frage, die weit über die Marktstraße hinausgeht:
Wie viel Wachstum ist eigentlich noch Fortschritt – und ab wann wird Wachstum mit der Lebensqualität der eigenen Bürger bezahlt?
Neue Wohnungen und steigende Einwohnerzahlen lassen sich vergleichsweise einfach als Erfolg darstellen.
Schwieriger wird die Bilanz, wenn dafür Ruhe, Grünflächen, Freiräume und der Charakter gewachsener Wohngebiete verloren gehen, während Verkehr und Bebauungsdichte gleichzeitig zunehmen.
Eine Stadt wird nicht lebenswerter, nur weil man mehr Menschen und Autos hineinpresst.
Noch befindet sich das Parkquartier in einem frühen Stadium des Verfahrens. Es geht also noch etwas.
Gerade deshalb ist jetzt der Zeitpunkt, an dem Kritik und Änderungsvorschläge tatsächlich Einfluss auf die Planung nehmen können.
Entscheidend wird sein, ob Politik, Verwaltung und Investor am Ende nicht nur Bürgerbeteiligung organisieren, sondern auch bereit sind, Wachstumsziele dort zurückzustellen, wo die Lebensqualität der Bürger den Preis dafür zahlen müsste.
Weitere Hinweise möglich
Weitere Hinweise und Fragen können weiterhin an die Stadtplanung geschickt werden:
Die Präsentation sowie die dokumentierten Ergebnisse des Abends sollen ebenfalls noch veröffentlicht werden.
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