21. September 2026, 07:52 Uhr | Thomas Köppl
Das Wichtigste vorweg: Vieles von dem, was Quickborn lebenswert macht, wird nicht von der Stadt organisiert, sondern von Menschen, die sich freiwillig engagieren. In Vereinen, bei der Feuerwehr, in Schulen und Fördervereinen, in Kirchen, sozialen Einrichtungen, Initiativen, bei Rotary und Lions und an vielen anderen Stellen. Dieses Engagement fällt im Alltag kaum auf. Fehlt es aber, merkt man ziemlich schnell, wie wichtig es ist.
Ein Vortrag von Dr. Peter Rösner beim Rotary Club Quickborn über Bildungsprojekte in Ruanda liefert einen guten Anlass, einmal über etwas zu schreiben, das im kommunalen Alltag gerne untergeht: Eine Stadt besteht aus Gebäuden, Straßen und Einrichtungen. Eine Gemeinschaft entsteht erst durch Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen.
1. Ein Vortrag, der weit über Ruanda hinausführte
Dr. Peter Rösner beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie junge Menschen gute Bildungschancen erhalten können. Als Leiter der Stiftung Louisenlund reicht sein Blick dabei weit über Schleswig-Holstein hinaus.
Bei seinem Besuch beim Rotary Club Quickborn berichtete er unter anderem über Bildungsprojekte in Ruanda. Mit der Ntare Louisenlund School ist dort gemeinsam mit der ruandischen Regierung ein außergewöhnliches Bildungsprojekt entstanden. Junge Menschen werden gefördert, sollen selbstständig lernen, forschen und Verantwortung übernehmen.
Ein weiterer Ansatz verbindet Ruanda und Deutschland noch unmittelbarer: Junge Menschen werden auf eine Berufsausbildung in Deutschland vorbereitet. Dazu gehören Sprachunterricht, Berufsvorbereitung, die Vermittlung an Ausbildungsbetriebe und Begleitung beim Start in Deutschland.
Man kann darüber aus bildungspolitischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Sicht diskutieren. Hinter solchen Projekten steckt aber zunächst eine ziemlich einfache Idee:
Menschen investieren Zeit, Wissen und Energie, damit andere Menschen bessere Chancen bekommen.
Und für diese Idee muss man nicht erst nach Kigali fliegen.
2. Quickborn funktioniert jeden Tag nach demselben Prinzip
Auch in Quickborn begegnet uns dieses Engagement überall.
Bei der Freiwilligen Feuerwehr ebenso wie in Sportvereinen, Kirchengemeinden, sozialen Einrichtungen, Kulturvereinen, Fördervereinen, Schulen, politischen Organisationen, Serviceclubs und privaten Initiativen.
Menschen trainieren Kinder und Jugendliche, begleiten ältere Menschen, sammeln Spenden, organisieren Veranstaltungen, kümmern sich um Natur und Umwelt, helfen Menschen in schwierigen Situationen oder sorgen schlicht dafür, dass irgendwo etwas stattfindet.
Rotary und Lions gehören ebenfalls zu diesem Netzwerk ehrenamtlichen Engagements.
Beim Rotary Club Quickborn läuft beispielsweise das Projekt „Fit fürs Leben durch Schulabschluss“. Dahinter steht eine ähnliche Grundidee wie bei den von Peter Rösner vorgestellten Bildungsprojekten: Bildung entscheidet ganz wesentlich darüber, welche Möglichkeiten ein junger Mensch später einmal hat.
Andere Vereine und Organisationen setzen ihre Schwerpunkte ganz woanders.
Und genau das macht Ehrenamt aus.
Es gibt keinen vorgeschriebenen Weg, sich für eine Gemeinschaft einzusetzen.
3. Einer kann rechnen, der nächste kann Kuchen
Der eine kann hervorragend organisieren. Die andere kann Menschen begeistern. Einer kennt sich mit Finanzen aus, jemand anderes repariert das Vereinsheim. Wieder jemand kann hervorragend mit Kindern umgehen.
Und irgendwo gibt es ziemlich zuverlässig jemanden, der sagt:
„Ich bringe einen Kuchen mit.“
Auch diese Menschen sollte man gesellschaftlich keinesfalls unterschätzen. Ohne Kuchen läuft in Deutschland schließlich erstaunlich wenig. 😉
Aber genau darin steckt ein ernsthafter Punkt: Ehrenamt besteht nicht nur aus Vorsitzenden, großen Projekten, Ehrungen und feierlichen Scheckübergaben.
Meistens besteht es aus vielen kleinen Dingen.
- zwei Stunden Zeit,
- einer Autofahrt,
- einem Telefongespräch,
- einem Training am Mittwochabend,
- einem Einsatz am Wochenende,
- einer Veranstaltung, die vorbereitet werden muss,
- oder einer Idee, die jemand nicht nur hat, sondern anschließend tatsächlich umsetzt.
Das klingt wenig spektakulär. In der Summe hält genau das eine Stadtgesellschaft zusammen.
4. Ehrenamt schafft etwas, das man kaum kaufen kann
Natürlich könnte eine Kommune theoretisch viele Aufgaben professionell organisieren.
Es würde allerdings schnell ziemlich teuer.
Und manches lässt sich mit Geld ohnehin kaum ersetzen.
Denn Ehrenamt schafft Beziehungen.
Menschen lernen sich kennen, übernehmen Verantwortung und erleben, dass sie selbst etwas bewegen können. Jugendliche treffen Erwachsene außerhalb von Elternhaus und Schule. Menschen unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen Berufen und Lebensgeschichten arbeiten plötzlich gemeinsam an einer Sache.
Aus einem Sportverein wird damit mehr als ein Ort zum Sporttreiben.
Aus einer Feuerwehr mehr als reine Gefahrenabwehr.
Aus einem Serviceclub mehr als ein regelmäßiges Treffen.
Und aus einem Förderverein mehr als eine Vereinskasse.
Es entstehen Verbindungen zwischen Menschen.
Das klingt ein wenig abstrakt. Tatsächlich ist es einer der wichtigsten Bausteine einer funktionierenden örtlichen Gemeinschaft.
5. Vielleicht müssen wir häufiger darüber sprechen
Öffentliche Diskussionen drehen sich naturgemäß häufig um Probleme.
Straßen, Schulen, Finanzen, Verkehr, Bauprojekte – irgendeine Baustelle findet sich zuverlässig. In Quickborn sogar gelegentlich im wörtlichen Sinne.
Dabei gerät leicht aus dem Blick, wie viel jeden Tag funktioniert, weil Menschen freiwillig Verantwortung übernehmen.
Sie bekommen dafür meistens kein Geld.
Manchmal bekommen sie nicht einmal ein Dankeschön.
Gelegentlich bekommen sie stattdessen erklärt, wie sie es eigentlich hätten machen müssen. Auch das gehört offenbar ein wenig zur deutschen Ehrenamtskultur. 😉
Und trotzdem machen sie weiter.
Vielleicht sollten wir deshalb neben all den kommunalpolitischen Themen auch häufiger über diejenigen berichten, die dafür sorgen, dass das gesellschaftliche Leben in Quickborn funktioniert.
Nicht erst bei einer Ehrung.
Nicht erst nach 25 Jahren Vereinsmitgliedschaft.
Sondern auch einfach einmal zwischendurch.
6. Engagement beginnt nicht mit einem Amt
Wer sich engagieren möchte, muss übrigens nicht sofort Vereinsvorsitzender, Präsident, Wehrführer oder Vorstandsmitglied werden.
Gesellschaftliches Engagement beginnt viel früher.
Eigentlich mit einer einzigen Frage:
Kann ich irgendwo etwas beitragen?
Vielleicht einmal im Jahr.
Vielleicht einmal im Monat.
Vielleicht jede Woche.
Und manchmal entsteht aus einer kleinen Hilfe etwas ziemlich Großes.
Der Vortrag von Dr. Peter Rösner hat eindrucksvoll gezeigt, was möglich werden kann, wenn Bildung, Verantwortung und persönliches Engagement miteinander verbunden werden.
In Ruanda entstehen daraus neue Perspektiven für junge Menschen.
In Quickborn begegnet uns dasselbe Prinzip jeden Tag im Kleinen.
Auf Sportplätzen. In Schulen. Bei der Feuerwehr. In Vereinen. In Kirchen. Bei Rotary und Lions. In sozialen Projekten, Nachbarschaften und privaten Initiativen.
Und an vielen Orten, von denen man öffentlich kaum etwas hört.
7. Fazit: Eine Stadt braucht Menschen, die mitmachen
Eine Stadt besteht aus Straßen, Häusern, Schulen, Sporthallen und öffentlichen Einrichtungen.
Eine Gemeinschaft entsteht erst durch Menschen.
Durch Menschen, die organisieren, helfen, Verantwortung übernehmen, Ideen entwickeln und bereit sind, einen Teil ihrer eigenen Zeit für andere einzusetzen.
Das Ehrenamt ist deshalb keine freundliche Zugabe für Quickborn.
Es gehört zu den Dingen, die diese Stadt überhaupt erst lebenswert machen.
Vielleicht sollten wir darüber häufiger berichten.
Und den vielen Menschen, die sich engagieren, zwischendurch einfach einmal sagen:
Gut, dass Ihr das macht.
Grundlage des Beitrags
Vortrag und Austausch mit Dr. Peter Rösner beim Rotary Club Quickborn zu Bildungsprojekten in Ruanda, zur Ntare Louisenlund School und zur Vorbereitung junger Menschen aus Ruanda auf eine Berufsausbildung in Deutschland sowie Informationen zum gesellschaftlichen Engagement des Rotary Club Quickborn.


Schreibe einen Kommentar