Verkehrsgutachten zur A7: Was die Hillwood-Ergebnisse für Quickborns eigene Gewerbeplanung bedeuten

Die Verkehrsuntersuchungen rund um das geplante Hillwood-Logistikzentrum in Ellerau haben inzwischen eine Aussage hervorgebracht, die weit über das einzelne Projekt hinausgeht. Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass die Anschlussstelle Quickborn der A7 bereits heute überlastet ist. Zusätzliche Verkehre können dort kaum noch aufgenommen werden, ohne die bestehenden Rückstaus und Überlastungen weiter zu verschärfen. Diese…

Die Verkehrsuntersuchungen rund um das geplante Hillwood-Logistikzentrum in Ellerau haben inzwischen eine Aussage hervorgebracht, die weit über das einzelne Projekt hinausgeht.

Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass die Anschlussstelle Quickborn der A7 bereits heute überlastet ist. Zusätzliche Verkehre können dort kaum noch aufgenommen werden, ohne die bestehenden Rückstaus und Überlastungen weiter zu verschärfen.

Diese Erkenntnis betrifft nicht nur Hillwood.

Sie betrifft zwangsläufig auch die eigene Gewerbe- und Einzelhandelsentwicklung der Stadt Quickborn, wenn zusätzlicher Verkehr ebenfalls über die Anschlussstelle A7 geführt werden soll.

Das eigentliche Problem ist bereits heute vorhanden

Die aktuellen Untersuchungen zeigen, dass die Verkehrssituation an der Anschlussstelle Quickborn nicht erst durch ein mögliches Logistikzentrum in Ellerau problematisch würde.

Bereits im heutigen Zustand erreichen einzelne Verkehrsbeziehungen die schlechteste Qualitätsstufe F. Besonders problematisch ist der Linksabbiegeverkehr aus östlicher Richtung auf die A7 in Richtung Hamburg.

Hinzu kommen Rückstaus im Bereich Friedrichsgaber Straße, Pascalstraße und Ellerauer Straße sowie die Belastungen rund um den Bahnübergang in Ellerau.

Die Gutachter kommen deshalb zu einer sehr deutlichen Einschätzung: Das bestehende Straßennetz verkraftet derzeit praktisch keine zusätzlichen Verkehrszuwächse.

Das kann nicht nur für Hillwood gelten

Diese Aussage ist für die Diskussion um Hillwood von großer Bedeutung.

Sie hat aber gleichzeitig eine Konsequenz für Quickborn selbst.

Wenn gegenüber einem Projekt in Ellerau argumentiert wird, dass zusätzliche Verkehre über die Anschlussstelle Quickborn nicht mehr verträglich abgewickelt werden können, muss derselbe Maßstab auch bei neuen oder erweiterten Gewerbeprojekten auf Quickborner Stadtgebiet angelegt werden.

Denn für die Leistungsfähigkeit einer Kreuzung spielt es keine Rolle, auf welcher Seite der Gemeindegrenze ein Fahrzeug gestartet ist.

Entscheidend ist allein, wie viele zusätzliche Pkw, Lieferfahrzeuge und Lkw am Ende tatsächlich auf dieselben Straßen und dieselbe Autobahnanschlussstelle treffen.

Der EQ Businesspark ist noch nicht vollständig entwickelt

Ein wichtiger Punkt ist dabei der EQ Businesspark.

Das rund 20 Hektar große Gewerbegebiet schließt unmittelbar an das bestehende Gewerbegebiet Nord an und liegt in direkter Nähe zur A7.

Vorgesehen ist Platz für etwa 25 Unternehmen. Angesprochen werden unter anderem Betriebe aus Dienstleistung, Handel, Handwerk, Produktion und Light Industrial.

Die ersten größeren Bauvorhaben haben erst 2025 begonnen. Weitere Grundstücksverkäufe und Ansiedlungen stehen noch bevor.

Damit bildet die heutige Verkehrssituation noch nicht automatisch den Verkehr eines vollständig belegten Businessparks ab.

Wie groß die zusätzliche Belastung künftig tatsächlich wird, hängt stark von den einzelnen Unternehmen ab.

Ein Handwerksbetrieb mit wenigen Beschäftigten erzeugt andere Verkehrsströme als ein größerer Produktionsbetrieb, ein Handelsunternehmen oder ein Betrieb mit umfangreichen Lieferverkehren.

Damit bekommt auch die Auswahl zukünftiger Unternehmen eine neue Bedeutung.

Nicht nur Arbeitsplätze, Investitionen oder Nachhaltigkeitskriterien sollten betrachtet werden. Auch die Frage, welchen zusätzlichen Verkehr eine Ansiedlung erzeugt, müsste künftig eine wesentlich stärkere Rolle spielen.

Halenberg liegt direkt am entscheidenden Knoten

Noch unmittelbarer stellt sich die Frage beim geplanten Bebauungsplan Nr. 118 „Sondergebiet Halenberg“.

Der Bereich rund um Famila liegt praktisch direkt an der Anschlussstelle Quickborn.

Geplant ist eine umfassende Weiterentwicklung des Standortes. Vorgesehen sind unter anderem zusätzliche Fachmarktflächen, ein weiterer Baukörper sowie medizinische Nutzungen.

Der Standort soll gleichzeitig stärker als Versorgungs- und Erledigungsstandort für Beschäftigte, Einwohner, Handwerkskunden und auch Durchreisende entwickelt werden.

Gerade diese Ausrichtung lebt von guter Erreichbarkeit mit dem Auto.

Das Handels- und Gastronomiekonzept nennt eine leistungsfähige Zuwegung deshalb selbst als wichtige Voraussetzung für die weitere Entwicklung.

Genau an dieser Stelle trifft die Planung jedoch unmittelbar auf die Ergebnisse des aktuellen Verkehrsgutachtens.

Die Gutachter stellen fest, dass die Knoten Pascalstraße, Autobahnanschlussstelle und Ulzburger Landstraße als zusammenhängendes Verkehrssystem betrachtet werden müssen und die vorhandenen Engpässe im bestehenden Straßenraum nicht ausreichend beseitigt werden können.

Am selben Abend: Verkehrsgutachten und Halenberg-Planung

Bemerkenswert ist dabei auch die zeitliche Nähe.

Am 18. Juni 2026 wurde dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt zunächst die aktualisierte Verkehrsuntersuchung für Quickborn, Ellerau und die Anschlussstelle A7 vorgestellt.

Das Ergebnis war eindeutig: Das vorhandene Straßennetz ist bereits heute hoch belastet und zusätzliche Verkehre verschärfen die bestehenden Probleme.

Im selben Ausschuss wurde anschließend über die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 118 „Sondergebiet Halenberg“ beraten.

Das ist kein Argument gegen die Entwicklung des Halenbergs.

Es macht aber deutlich, dass die Ergebnisse des Verkehrsgutachtens nicht ausschließlich als Argument gegen Hillwood verwendet werden können.

Sie müssen genauso Maßstab für die eigenen Planungen der Stadt Quickborn sein.

Ein Verkehrsgutachten für Halenberg wird unverzichtbar

Für den Bebauungsplan Nr. 118 ist richtigerweise ein eigenes Verkehrsgutachten vorgesehen.

Dieses Gutachten sollte allerdings nicht nur untersuchen, ob die unmittelbaren Zufahrten zum Grundstück funktionieren.

Entscheidend ist die Gesamtwirkung.

Zu betrachten wäre deshalb insbesondere, wie viele zusätzliche Fahrzeuge der Standort tatsächlich erzeugt und wie sich diese Verkehre auf die bereits heute überlastete Anschlussstelle auswirken.

Eine isolierte Betrachtung einzelner Kreuzungen würde dabei zu kurz greifen.

Auch weitere Gewerbeflächen gehören in die Rechnung

Hinzu kommt, dass die Gewerbeentwicklung Quickborns nicht beim bereits erschlossenen EQ Businesspark endet.

Die Stadt verfolgt weitere Entwicklungen im Bereich des Gewerbegebietes Nord und im Umfeld der A7. Dazu gehören auch Verkehrs- und Erschließungsmaßnahmen rund um den Ohlmöhlenweg, die Straße Auf dem Halenberg und die Trasse V9.

Auch diese Entwicklungen können zusätzliche Verkehrsströme erzeugen.

Für sich betrachtet mag jedes einzelne Vorhaben überschaubar erscheinen.

In der Summe entsteht jedoch ein anderes Bild.

Ein vollständig belegter EQ Businesspark, eine Weiterentwicklung des Halenbergs, zusätzliche Fachmärkte, weitere Gewerbeflächen und die allgemeine Verkehrsentwicklung treffen zumindest teilweise auf dieselbe Anschlussstelle der A7.

Auch der Masterplan setzt auf weitere Gewerbeentwicklung

Hinzu kommt eine weitere strategische Entwicklung.

Im Rahmen des städtebaulichen Masterplans wird vorgeschlagen, bei neuen Bauflächen im Außenbereich Gewerbeflächen gegenüber Wohnbauflächen stärker zu priorisieren.

Begründet wird dies mit einem Nachholbedarf Quickborns gegenüber anderen Städten entlang der A7.

Wirtschaftlich kann eine solche Strategie nachvollziehbar sein.

Sie setzt allerdings voraus, dass die dafür notwendige Verkehrsinfrastruktur vorhanden ist.

Mehr Gewerbe bedeutet fast immer auch mehr Verkehr.

Beschäftigte fahren zur Arbeit. Kunden kommen zu den Standorten. Waren werden angeliefert und abgeholt. Handwerks- und Produktionsbetriebe erzeugen Liefer- und Serviceverkehr.

Gerade Gewerbegebiete an einer Autobahn leben von ihrer guten Straßenanbindung.

Wenn diese Anbindung jedoch bereits heute an ihrer Belastungsgrenze liegt, muss die Infrastrukturfrage Bestandteil jeder weiteren Gewerbeplanung werden.

Die bisherigen Untersuchungen reichen dafür noch nicht aus

Das aktuelle Verkehrsgutachten untersucht im Wesentlichen den bestehenden Verkehr und legt darauf unterschiedliche zusätzliche Hillwood-Verkehre.

Eine umfassende Prognose für einen vollständig belegten EQ Businesspark, die Erweiterung des Halenberg-Standortes und weitere mögliche Gewerbeentwicklungen ist darin nicht enthalten.

Das ist kein Mangel des Gutachtens. Dafür war es ursprünglich nicht beauftragt.

Für die weitere Stadtentwicklung entsteht daraus aber ein neuer Auftrag.

Quickborn braucht eine kumulative Betrachtung der zukünftigen Verkehrsbelastung.

Dabei dürfen einzelne Projekte nicht jeweils so behandelt werden, als wären sie die einzige zusätzliche Entwicklung.

Am Ende treffen sie teilweise alle auf dasselbe Straßennetz.

Die Verkehrszählung zeigt nur den bisherigen Zustand

Das ist besonders wichtig, weil die aktuelle Untersuchung auf Verkehrszählungen aus Ende 2025 aufbaut.

Zu diesem Zeitpunkt war der EQ Businesspark noch längst nicht vollständig entwickelt.

Auch die geplante Weiterentwicklung des Halenbergs war noch nicht umgesetzt.

Weitere mögliche Gewerbeflächen waren ebenfalls noch nicht verkehrswirksam.

Die gemessene heutige Überlastung enthält deshalb noch nicht automatisch sämtliche Verkehrsströme, die aus den bereits bekannten zukünftigen Entwicklungen entstehen können.

Wenn das Straßennetz bereits im Ausgangszustand keine nennenswerten zusätzlichen Reserven mehr besitzt, wird genau diese Frage für jede weitere Planung entscheidend.

EQ Businesspark, Halenberg und weitere Entwicklungen gehören zusammen betrachtet

Für eine belastbare Verkehrsplanung müssten deshalb mindestens folgende Entwicklungen gemeinsam betrachtet werden:

  • die weitere Belegung des EQ Businessparks,
  • die geplante Weiterentwicklung von Halenberg und Famila,
  • weitere mögliche Gewerbeflächen im Umfeld der A7,
  • zusätzlicher Wohnungsbau und damit verbundener Pendlerverkehr,
  • die allgemeine Verkehrsentwicklung in Quickborn, Ellerau und der Region,
  • und gegebenenfalls weiterhin zusätzliche Verkehre aus dem Hillwood-Projekt.

Erst aus dieser Gesamtbetrachtung lässt sich ableiten, welche Entwicklung die bestehende Infrastruktur tatsächlich noch aufnehmen kann.

Das Gutachten hat auch Bedeutung für die Bauleitplanung

Die Ergebnisse der Untersuchung sind für Quickborn nicht nur politisch interessant.

Sie müssen auch bei zukünftigen Bebauungsplanverfahren berücksichtigt werden.

Wenn der Stadt aufgrund einer eigenen Verkehrsuntersuchung bekannt ist, dass ein zentraler Verkehrsknoten bereits heute an oder über seiner Kapazitätsgrenze liegt, kann diese Erkenntnis bei neuen Planungen nicht ausgeblendet werden.

Verkehr und Erschließung gehören zu den wesentlichen Belangen, die im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens untersucht und gegeneinander abgewogen werden müssen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass eine weitere Gewerbeentwicklung ausgeschlossen ist.

Es bedeutet aber, dass nachvollziehbar dargestellt werden muss, welchen zusätzlichen Verkehr eine Planung erzeugt, welche Auswirkungen dieser Verkehr auf die bereits überlastete Anschlussstelle hat und mit welchen Maßnahmen eine verträgliche Abwicklung erreicht werden soll.

Je deutlicher die bestehenden Kapazitätsprobleme dokumentiert sind, desto wichtiger wird diese Prüfung.

Die Stadt kennt das Problem

Die Stadt Quickborn hat inzwischen selbst deutlich gemacht, dass die bestehende Anschlussstelle leistungsfähiger werden muss.

Kurz- und mittelfristig soll deshalb gemeinsam mit Autobahn GmbH sowie Landes- und Bundesbehörden geprüft werden, wie die Leistungsfähigkeit verbessert werden kann.

Langfristig wird sogar ein zusätzlicher Autobahnanschluss zwischen Quickborn und Norderstedt diskutiert.

Auch zusätzliche Fahrstreifen könnten ein Thema werden. Dafür wäre möglicherweise sogar ein Umbau oder Neubau des vorhandenen Brückenbauwerks erforderlich.

All das zeigt allerdings auch:

Eine kurzfristige Lösung für das bestehende Verkehrsproblem gibt es derzeit nicht.

Quickborn muss sich am eigenen Gutachten messen lassen

Damit bekommt das Hillwood-Verfahren auch für Quickborn selbst eine interessante Bedeutung.

Die Stadt hat mit erheblichem Aufwand nachgewiesen, dass die Verkehrsbelastung an der A7-Anschlussstelle und im angrenzenden Straßennetz bereits heute kritisch ist.

Diese Untersuchung war notwendig und hat die Position der Stadt im Hillwood-Verfahren erheblich gestärkt.

Aber ein Verkehrsgutachten verliert seine Aussagekraft nicht an der Gemeindegrenze.

Wenn zusätzliche Lkw aus Ellerau nicht mehr aufgenommen werden können, muss ebenso geprüft werden, welche zusätzlichen Pkw, Lieferfahrzeuge und Lkw durch neue Quickborner Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungsflächen entstehen.

Für die Kreuzung ist es schließlich unerheblich, ob der zusätzliche Verkehr aus Ellerau oder aus Quickborn kommt.

Stadtentwicklung muss sich an der Infrastruktur orientieren

Damit verändert das Hillwood-Gutachten auch die Diskussion über Quickborns eigene Gewerbeentwicklung.

Die Frage kann künftig nicht allein lauten, welche neuen Unternehmen angesiedelt oder welche zusätzlichen Gewerbeflächen entwickelt werden sollen.

Mindestens genauso wichtig ist die Frage, welchen zusätzlichen Verkehr diese Entwicklungen erzeugen und ob die notwendige Infrastruktur dafür vorhanden ist.

Das bedeutet nicht, dass die wirtschaftliche Entwicklung Quickborns gestoppt werden muss.

Aber möglicherweise müssen Projekte stärker priorisiert, ihre Verkehrsfolgen genauer untersucht und bestimmte Entwicklungen zeitlich an notwendige Verbesserungen der Verkehrsinfrastruktur gekoppelt werden.

Unsere Einordnung

Das Hillwood-Verfahren hat Quickborn eine Erkenntnis geliefert, die weit über das geplante Logistikzentrum hinausreicht.

Die Anschlussstelle Quickborn der A7 und Teile des angrenzenden Straßennetzes sind bereits heute überlastet. Nach Einschätzung der Gutachter verschärft jede weitere Verkehrszunahme die Situation.

Diese Feststellung kann nicht nur gegenüber einem Investor in Ellerau gelten.

Sie muss ebenso Grundlage für die eigene Stadtentwicklung sein.

Der EQ Businesspark ist noch nicht vollständig belegt. Der Halenberg soll weiterentwickelt werden. Weitere Gewerbeflächen sind vorgesehen. Gleichzeitig wirbt Quickborn gerade mit seiner guten Lage an der A7 als Standortvorteil.

Genau dieser Standortvorteil droht jedoch zunehmend zum Engpass zu werden.

Deshalb braucht Quickborn vor weiteren größeren Entwicklungen eine gemeinsame Verkehrsprognose, in der die bereits absehbaren Projekte zusammengeführt werden.

Erst danach lässt sich seriös beurteilen, welche zusätzlichen Nutzungen noch verträglich sind und welche Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur zuvor notwendig wird.

Wer gegenüber Hillwood mit der Belastungsgrenze der A7 argumentiert, muss diese Belastungsgrenze auch bei den eigenen Planungen ernst nehmen.

Die Reihenfolge sollte deshalb eigentlich klar sein:

Zuerst klären, welche zusätzliche Belastung die vorhandene Infrastruktur noch verträgt und welche Verbesserungen erforderlich sind. Danach entscheiden, welche weitere gewerbliche Entwicklung an diesem Standort sinnvoll und verantwortbar ist.

Verkehr kennt keine Gemeindegrenzen.

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