SMB
QUICKBORN. Beim Quickborner Maschinenbauer SMB International ist das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet. Das Amtsgericht Pinneberg eröffnete das Verfahren mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 wegen Zahlungsunfähigkeit. Gleichzeitig wurde die Eigenverwaltung angeordnet.
Damit erreicht das bereits seit dem Sommer laufende Sanierungsverfahren die nächste Stufe. Schon am 1. Juli 2026 hatte das Amtsgericht die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Die Geschäftsführung bleibt bei einer Eigenverwaltung grundsätzlich im Amt, wird allerdings durch eine gerichtlich bestellte Sachwalterin überwacht.
Drei problematische Großprojekte
Nach Angaben aus dem Sanierungsverfahren waren vor allem drei Großprojekte, die infolge von Marktveränderungen und Lieferengpässen unrentabel geworden waren, Auslöser der finanziellen Schwierigkeiten. Gleichzeitig hatten Industriekunden geplante Investitionen verschoben.
SMB International beschäftigt rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Unternehmen entwickelt und produziert unter anderem automatische Lagersysteme, Abfüllanlagen, Palettier- und Fördersysteme sowie Anlagen zur Schiffsbeladung. Die Systeme werden international eingesetzt.
Bereits im Juli wurde ein Investorenprozess gestartet. Ziel ist die Sanierung und Fortführung des Unternehmens. Ob es inzwischen konkrete Ergebnisse oder Interessenten gibt, ist öffentlich bislang nicht bekannt.
Noch im März wurde in Quickborn Wachstum gefeiert
Bemerkenswert ist die schnelle Entwicklung: Erst im März hatte SMB gemeinsam mit der Stadt Quickborn den ersten Spatenstich für ein neues Zentrallager gefeiert.
Auf rund 1.000 Quadratmetern sollten zusätzliche Lager- und Kommissionierflächen entstehen. Die Fertigstellung des Gebäudes war für Ende Oktober vorgesehen, die schlüsselfertige Übergabe für Mitte Dezember.
Bürgermeister Thomas Beckmann bezeichnete die Investition damals als ein klares Bekenntnis zum Standort Quickborn.
Nur gut drei Monate nach dem Spatenstich folgte der Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.
Umsatz gestiegen – trotzdem Millionenverlust
Auch die veröffentlichten Unternehmenszahlen zeigen, wie deutlich sich die wirtschaftliche Situation verändert hatte.
Für 2023 wurden noch rund 20,3 Millionen Euro Umsatz und ein Jahresüberschuss von knapp 124.000 Euro ausgewiesen.
2024 stieg der Umsatz nach veröffentlichten Unternehmensdaten deutlich auf rund 36,7 Millionen Euro. Gleichzeitig entstand allerdings ein Jahresverlust von rund zwei Millionen Euro.
Gerade im Anlagen- und Maschinenbau kann ein stark wachsender Umsatz bei großen, langfristigen Projekten deshalb nicht automatisch mit einer entsprechend positiven Ertragslage gleichgesetzt werden.
Wie geht es jetzt weiter?
Zur Sachwalterin wurde die Hamburger Rechtsanwältin Jennie Best bestellt. Sie überwacht das Verfahren und die Eigenverwaltung im Interesse der Gläubiger.
Forderungen können bis zum 9. November 2026 angemeldet werden.
Besonders wichtig wird der 16. Dezember 2026. Dann findet vor dem Insolvenzgericht in Schenefeld der Berichtstermin und die Gläubigerversammlung statt.
Dabei geht es ausdrücklich auch um die weitere Zukunft des Unternehmens – einschließlich der Frage einer Fortführung oder möglichen Stilllegung sowie um die weiteren Schritte im Insolvenzverfahren.
Für Quickborn von Bedeutung
Für Quickborn geht es damit um mehr als ein Insolvenzverfahren unter vielen. SMB International gehört mit rund 160 Beschäftigten zu den größeren industriellen Arbeitgebern der Stadt.
Noch im Frühjahr stand das Unternehmen öffentlich für Wachstum und weitere Investitionen am Standort. Jetzt entscheidet sich, ob die Sanierung gelingt und SMB seine Zukunft in Quickborn sichern kann.
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das eine schwierige und belastende Situation – ebenso für die Eigentümer und alle, die über viele Jahre Verantwortung für das Unternehmen getragen haben. Für Quickborn bleibt deshalb zu hoffen, dass der Betrieb fortgeführt werden kann, die Arbeitsplätze möglichst erhalten bleiben und im laufenden Investorenprozess ein tragfähiger Partner für die Zukunft gefunden wird.
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