Die Sachkosten der Stadt Quickborn haben sich innerhalb von fünf Jahren nahezu verdoppelt. 2022 waren es 9,2 Millionen Euro, für 2027 sind 18,3 Millionen Euro eingeplant. Offenbar fällt es leichter, Geld auszugeben, als Ausgaben wieder zu reduzieren.
Quickborn Aktuell hat den Jahresabschluss 2022 mit dem zweiten Haushaltsentwurf 2027 verglichen. Selbst unter Berücksichtigung der Preissteigerungen liegt der neue Ansatz um rund 7,6 Millionen Euro höher.
Darin enthalten sind 1,8 Millionen Euro für den einmaligen Abriss der Goethe-Schule. Auch ohne diese Kosten bleibt eine Differenz von rund 5,8 Millionen Euro gegenüber dem inflationsbereinigten Aufwand von 2022.
Wo ist dieses Geld geblieben? Was bekommt die Stadt dafür zusätzlich?
In der Verwaltung verdreifacht, bei den Straßen auch
Einige Beispiele aus den Haushaltsunterlagen:
| Bereich | 2022 | Plan 2027 |
|---|---|---|
| Innere Verwaltung | 288.000 € | 858.000 € |
| Gemeindestraßen | 583.000 € | 1.756.000 € |
| Freibad | 259.000 € | 527.000 € |
| Kulturpflege | 90.000 € | 181.000 € |
Es geht ausschließlich um Sach- und Dienstleistungen. Personalaufwendungen kommen hinzu.
Allein für Fortbildung stehen 147.200 Euro im Haushalt 2027. Hinzu kommen Mittel für externe Beratung. Bei den Gemeindestraßen wurden die Unterhaltungsansätze im zweiten Haushaltsentwurf immerhin um 200.000 Euro gekürzt.
Dass Straßen, Gebäude und Einrichtungen Geld kosten, ist keine neue Erkenntnis. Die Frage ist, warum die Ausgaben so viel schneller steigen als die allgemeinen Preise.
Goethe-Schule: Was wird eigentlich eingespart?
Für den Abriss der Goethe-Schule sind 1,8 Millionen Euro vorgesehen. Diese einmalige Belastung erklärt einen Teil des Anstiegs.
Hinzu kommen 550.000 Euro Miete und 120.000 Euro Bewirtschaftung für den Interimsstandort.
Das sind laufende Kosten für den Schulbetrieb während der Bauzeit, keine Herstellungskosten des neuen Schulgebäudes.
Aber wenn die Schule vollständig auszieht, müssten doch wenigstens die bisherigen Kosten für Heizung, Reinigung und Betrieb am alten Standort weitgehend entfallen.
Wo sind diese Einsparungen berücksichtigt?
352.000 Euro weniger. Reicht das?
Im zweiten Haushaltsentwurf hat die Verwaltung die Sachkosten gegenüber der ersten Fassung um 352.000 Euro reduziert.
Das ist immerhin ein Anfang. Bei 18,3 Millionen Euro Sachaufwendungen und einem geplanten Gesamtdefizit von 16,5 Millionen Euro bleibt es allerdings bescheiden.
Die Verwaltung verweist darauf, dass sie die Mittelanforderungen bereits kritisch geprüft habe. Trotzdem wachsen die Ausgaben weiter.
Vielleicht müsste man weniger darüber reden, warum alles teurer geworden ist, und mehr darüber, weshalb einmal erhöhte Ausgabenansätze nicht wieder zurückgeführt werden.
Personal, Sachkosten, externe Dienstleistungen und die Organisation der Verwaltung gehören dabei zusammen. Wer Arbeit anders organisiert, kann möglicherweise Personal sparen. Wer Leistungen auslagert, muss dafür an anderer Stelle bezahlen.
Politik und Verwaltungsführung müssen die Zügel wieder aufnehmen
Eine Verwaltung kann leicht ins Galoppieren geraten. Nicht aus Bösartigkeit oder Verschwendungssucht. Im Gegenteil: Die Beschäftigten stehen hinter ihren Aufgaben und wollen sie möglichst gut erfüllen. Das ist ihnen nicht vorzuwerfen.
Nur: Das Bestmögliche kann sich keine Stadt auf Dauer leisten.
Jeder Fachbereich hat gute Gründe für seine Wünsche. Hier eine bessere Ausstattung, dort zusätzliche Leistungen, mehr Personal oder höhere Standards. Für sich betrachtet mag vieles sinnvoll sein. Zusammengerechnet wird es unbezahlbar.
Genau deshalb gibt es politische Verantwortung und Verwaltungsführung. Sie müssen Prioritäten setzen, Grenzen ziehen und auch einmal Nein sagen.
Am 3. November berät der Finanzausschuss erneut über den Haushalt 2027.
Was 2022 noch mit 9,2 Millionen Euro möglich war, soll 2027 rund 18,3 Millionen Euro kosten. Diesen Anstieg kann man nicht allein mit Inflation erklären.
Politik und Verwaltungsführung müssen die Zügel wieder in die Hand nehmen. Sonst galoppiert der Haushalt weiter davon – und die Rechnung bezahlen am Ende die Bürger und die kommenden Generationen.
Quellen und Berechnungsgrundlagen
Stadt Quickborn: Jahresabschluss 2022, Anlage 3, Gesamtrechnung lang, Kontengruppe 52 – Sach- und Dienstleistungen.
Stadt Quickborn: Zweiter Haushaltsentwurf 2027, Beschlussvorlage VO/2026/Q/82-01 vom 22. Oktober 2026, einschließlich Ergebnisplan und Veränderungsübersicht.
Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreisindex 2023 bis 2025.
Bundesregierung: Herbstprojektion vom 8. Oktober 2026 für die Jahre 2026 und 2027.
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