Kommentar: Goethe-Schule – hoffentlich geht das gut

Quickborn plant den Neubau der Goethe-Schule unter großem Zeit- und Kostendruck. Dabei drängen sich inzwischen einige unbequeme Fragen auf.

Kommentar von Thomas Köppl

Kommentar: Goethe-Schule – hoffentlich geht das gut

Der Neubau der Goethe-Schule ist beschlossen. Ende 2029 soll er fertig sein. Dafür werden derzeit knapp 30 Millionen Euro veranschlagt – einschließlich Abriss und mehrjähriger Zwischenunterbringung. Schon 2024 bewegte sich die Kostenschätzung für einen Neubau in dieser Größenordnung.

30 Millionen Euro – und einige Risiken

Inzwischen sind die Baupreise gestiegen und die Gefahrstoffanalyse der alten Schule weist unter anderem Asbest, PCB, PAK und Schwermetalle in verschiedenen Bauteilen aus. Gerade der Rückbau eines solchen Gebäudes ist kein gewöhnlicher Abriss. In der früheren Kostenprognose waren Spezialabbruch und Entsorgung schadstoffbelasteter Bauteile ausdrücklich noch nicht enthalten.

Die knapp 30 Millionen Euro müssen sich deshalb erst noch als belastbare Größenordnung erweisen.

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Die Straßen werden nicht breiter

Hier beginnt bei mir das Unbehagen. Die Goethestraße und die Kleiststraße werden durch einen politischen Beschluss leider nicht breiter. Natürlich kann man darauf verweisen, dass dort seit Jahrzehnten eine Schule steht. Nur gab es vor 40 oder 50 Jahren erheblich weniger Autos, weniger Bring- und Holverkehr, keinen Ganztag in heutiger Form und längst nicht so viele Fahrräder und Roller.

Auch die Anforderungen an Schulwegsicherheit, Rettungswege und Verkehrsführung haben sich verändert. Vielleicht hatten wir bislang schlicht Glück. Ich kann mir jedenfalls nur schwer vorstellen, dass ein moderner dreizügiger Ganztagsstandort dauerhaft über dieselben engen Zufahrten funktioniert.

Ich hoffe, dass die Stadt dafür einen Plan entwickelt hat, der am Ende auch mich überzeugt.

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Der Blick zurück auf 2024

Der Blick zurück auf 2024 bleibt trotzdem ärgerlich. Damals lag die Lösung am Elsensee-Gymnasium auf dem Tisch: rund 19,9 Millionen Euro für einen zusätzlichen Gebäuderiegel und etwa 4 Millionen Euro für die Erweiterung der Sporthalle.

Bei dieser Sporthallenerweiterung wäre eine nachvollziehbare Bedarfsermittlung interessant gewesen. Schließlich gehörte zum Schulzentrum früher zusätzlich die Realschule Heidkamp mit mehreren hundert Schülerinnen und Schülern, die ebenfalls Sportflächen benötigte.

Bei einer Entscheidung für den Riegel hätte die Goethe-Schule zum Schuljahresbeginn 2027 einziehen können. Das ist inzwischen Schnee von gestern. Die damaligen Entscheidungen lassen sich nicht zurückdrehen. Die finanziellen Folgen bezahlen ohnehin nicht diejenigen persönlich, die sie beschlossen haben. Sie landen bei den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt.

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Jetzt läuft plötzlich die Zeit davon

Schwer verständlich bleibt auch der Zeitdruck. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung wurde 2021 beschlossen. Das große Investitionsprogramm ist ebenfalls seit Jahren bekannt. Trotzdem sollen nun innerhalb weniger Jahre Planung, Vergabe, Interim, Abriss und Neubau abgewickelt werden.

Gleichzeitig konkurriert Quickborn mit zahlreichen anderen Kommunen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen um Planungsbüros, Fachkräfte und Bauunternehmen. Wer spät kommt und gleichzeitig einen festen Endtermin einhalten muss, kauft erfahrungsgemäß nicht besonders günstig ein.

Die Kostenannahmen der Stadt sind deshalb sportlich. Der Zeitplan ist es noch mehr.

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Das Interim an der Feldbehnstraße

Und dann ist da die Feldbehnstraße. Dort sollen rund 260 Goethe-Kinder während der Bauzeit untergebracht werden. Einen abgeschlossenen Mietvertrag gibt es bislang nicht. Trotzdem wird die Ausschreibung für Planung und Bau der neuen Goethe-Schule bereits vorbereitet. Na, hoffentlich geht diese Kombination gut.

Interessant ist auch eine Information aus den inzwischen vorliegenden Unterlagen: Der Stadt wurde am 1. April 2026 ein anderes Schulgebäude zum Kauf angeboten. Das Angebot wurde sehr konkret geprüft. Und dann anscheinend nicht weiterverfolgt.

Legen wir die bekannten Tatsachen nebeneinander und denken den Gedanken einmal weiter. An der Feldbehnstraße befinden sich heute die Freie Grundschule Quickborn, die Freie Gemeinschaftsschule Quickborn und die Kita CampusEulen. Die Freie Grundschule hatte zuletzt amtlich 148 Schülerinnen und Schüler, die Gemeinschaftsschule rund 160. Mit den Goethe-Kindern wären es ungefähr 570 Schülerinnen und Schüler, dazu kommt die Kita.

Das wirft ganz praktische Fragen auf. Drei Schulen und eine Kita an einem Standort, zwei unterschiedliche Schulträger, unterschiedliche Verantwortlichkeiten, Aufsichtspflichten und Organisationsstrukturen: Wer trägt wann für wen die Verantwortung? Wie werden Schulhöfe und Gemeinschaftsflächen getrennt oder gemeinsam genutzt? Werden Bereiche durch Zäune geteilt? Wer beaufsichtigt welche Kinder in den Pausen, beim Ganztag und auf gemeinsam genutzten Wegen? Und wer entscheidet im Alltag, wenn Interessen kollidieren?

Man kann einen Campus gemeinsam nutzen. Aber man sollte vorher ziemlich genau wissen, wie.

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Was bedeutet das für die Freie Gemeinschaftsschule?

Für die Freie Gemeinschaftsschule halte ich die Entwicklung wirtschaftlich ebenfalls für schwierig. Sie bietet derzeit keine Oberstufe mehr an. Gleichzeitig lebt eine Privatschule davon, Eltern einen erkennbaren Mehrwert für ihr Schulgeld zu bieten: kleine Strukturen, ein persönliches Umfeld und eine eigene Schulkultur.

Wenn mehr als 260 Kinder einer öffentlichen Grundschule zusätzlich auf denselben Campus ziehen, verändert sich dieses Angebot erheblich.

Warum soll ich als Elternteil für ein besonders überschaubares Umfeld bezahlen, wenn genau diese Überschaubarkeit verloren geht? Warum soll ich für eine weiterführende Privatschule zahlen, wenn mein Kind nach Klasse 10 ohnehin die Schule wechseln muss?

Ich hoffe, dass diese Einschätzung falsch ist. Sollte die Freie Gemeinschaftsschule diese Entwicklung wirtschaftlich nicht überstehen, wäre das sehr bedauerlich – für die Beschäftigten, die Schülerinnen und Schüler und die Schule selbst. Für die Stadt würde sich allerdings eine ganz neue Situation ergeben.

Die Goethe-Schule wäre dann bereits an der Feldbehnstraße. Dort stehen Schulräume, Mensa und Sporthalle bereit, dazu kommen große Außenanlagen und Ganztagsflächen. Für die Kita müsste ein neuer Betreiber gefunden werden. Die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule müssten andere weiterführende Schulen besuchen.

Und dann würde zwangsläufig gerechnet: Was kostet der Erwerb dieses vorhandenen Campus – und was kostet der Neubau an der Goethestraße?

Auf dem Gelände der Freien Gemeinschaftsschule sind Schadstoffe im Boden bekannt. Für einen möglichen Erwerb wäre das kein nebensächlicher Punkt und dürfte den Wert des Grundstücks deutlich beeinflussen. Liegt ein Kaufpreis am Ende erheblich unter den Kosten eines Neubaus, wird diese Variante wirtschaftlich ausgesprochen interessant.

Dann könnte die Geschichte am Ende ganz anders ausgehen: Die Goethe-Schule zieht zunächst als Interim an die Feldbehnstraße – und findet dort schließlich ihren neuen dauerhaften Standort.

Ob es so kommt, weiß heute niemand. Aber angesichts der bekannten Fakten ist die Frage längst nicht mehr abwegig.

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Am Ende zählt die beste Lösung für Quickborn

Ich hoffe weiterhin, dass die Stadt einen überzeugenden Plan für die Goethestraße hat, dass die Erschließung funktioniert, das Interim organisatorisch und vertraglich trägt und am Ende eine gute neue Goethe-Schule entsteht.

Entscheidend ist aber, dass man anschließend nicht feststellen muss, dass bessere Lösungen für die Schülerinnen und Schüler und zugleich für den Haushalt der Stadt auf dem Tisch lagen, aber nicht ernsthaft verfolgt wurden, weil sie politisch nicht in den eingeschlagenen Kurs passten.

Das wäre schade – nicht für einzelne handelnde Personen, sondern für Quickborn. Denn bezahlen muss es am Ende die Stadt. Und damit wir Bürgerinnen und Bürger.

Und am Ende sitzen unsere Kinder in einer spröden, kostenoptimiert gebauten Schule auf belastetem Grund, weil man auf die Taube auf dem Dach schaute und dabei den Spatz in der Hand fliegen ließ.

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